Offensive gegen Taliban

Heftige Kämpfe in Süd-Waziristan

In Pakistan ist es im Zuge der Offensive gegen islamistische Rebellen im Stammesgebiet Süd-Waziristan zu heftigen Kämpfen gekommen. In der Stadt Kotkai droht ein blutiger Häuserkampf.

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Mit teils schwerem Gerät rücken die pakistanischen Truppen in Süd-Waziristan ein.

Am dritten Tag der Bodenoffensive in Süd-Waziristan sind die pakistanischen Streitkräfte auf die Bastionen der Taliban vorgerückt. Die Truppen bereiteten nach Angaben aus Armeekreisen die Stürmung von Kotkai vor, der Heimatstadt des Taliban-Führers Hakimullah Mehsud. Die Truppen hätten in den Außenbezirken von Kotkai Stellung bezogen, sagte ein hochrangiger Armeeangehöriger. Die Stadt könnte demnach innerhalb weniger Stunden oder am frühen Dienstagmorgen eingenommen werden.

Mehsud ist der Chef der extremistischen Tahreek-e-Taliban Pakistan (TTP), die Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden unterhalten und hinter einer Serie von Anschlägen mit mehr als 2300 Toten stecken sollen. Die pakistanischen Streitkräfte hatten die lange angekündigte Bodenoffensive in der teilautonomen Region Süd-Waziristan am frühen Samstagmorgen gestartet, nachdem Kampfflugzeuge das Gebiet zuvor monatelang bombardiert hatten. Bis zu 25.000 Soldaten, Paramilitärs und Polizisten sind im Einsatz.

Zehntausende neue Flüchtlinge

Die Informationen aus dem Kampfgebiet fließen nur spärlich. Wie das Militär am Montag mitteilte, wurden seit dem Beginn der Offensive 78 Taliban-Kämpfer getötet. Auch neun Soldaten seien ums Leben gekommen. Der Widerstand der Taliban sei vorerst gering gewesen, hieß es aus Armeekreisen. Nach Angaben der UNO und pakistanischer Behörden sind seit August mehr als 100.000 Zivilisten aus Süd-Waziristan geflohen, davon rund 22.000 seit Beginn der Bodenoffensive. Angesichts des bevorstehenden Winters droht Pakistan eine humanitäre Katastrophe. Bereits im Frühjahr waren mehr als zwei Millionen Menschen im Nordwesten des Landes vertrieben worden, als die Armee im Swat-Tal gegen Taliban-Milizen vorging.

In der Stadt Dera Ismail Khan im Westen der Stammesgebiete kamen am Montag tausende Flüchtlinge in überfüllten Autos und Lastwagen an. "Ich habe mich entschieden zu gehen, als das Haus meiner Nachbarn von Kampfflugzeugen zerstört wurde", sagte Rahim Dad Mehsud einem AFP-Korrespondenten. Der Bauer aus dem Ort Tiarza hatte mit seiner zwölfköpfigen Familie die Flucht ergriffen. Der pakistanische Premierminister Yousaf Raza Gillani bat die internationale Gemeinschaft am Montag um Nothilfe für die Flüchtlinge, wie sein Büro mitteilte. Bei einem Gespräch mit dem für den Einsatz im benachbarten Afghanistan zuständigen US-General David Petraeus forderte Gillani das Ausland außerdem zur Unterstützung beim Wiederaufbau der Region auf.

USA zu Finanzspritze bereit

Der einflussreiche US-Senator John Kerry warb bei Armee und Regierung in Islamabad für ein umstrittenes US-Hilfspaket in Höhe von 7,5 Milliarden Dollar (rund fünf Milliarden Euro). Kerry traf Armeestabschef Ashfaq Kayani und Regierungschef Gillani. Außerdem waren Gespräche mit Präsident Asid Ali Zardari und Oppositionsführer Nawaz Sharif geplant. Die in der vergangenen Woche von US-Präsident Barack Obama gebilligte Finanzspritze soll vor allem der wirtschaftlichen Entwicklung dienen und ist unter anderem für die bessere Ausstattung von Schulen und die Ausrüstung der Polizei vorgesehen. Zahlreiche Parlamentarier und das Militär in Islamabad fürchten allerdings einen Eingriff in die Souveränität ihres Landes.

(AFP, N24)

19.10.2009 14:30 Uhr

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