Größer als gedacht
Datenmissbrauch bei SchülerVZ
Beim Online-Netzwerk SchülerVZ sind im großen Umfang Nutzerdaten kopiert und illegal weitergegeben worden. Betroffen sei eine "Vielzahl" von Usern, teilten die Betreiber der Website mit.
Der Datenmissbrauch beim Online-Netzwerk SchülerVZ ist größer als bislang bekannt. Der inzwischen bekannte Täter habe nicht nur illegal Daten aus einer Vielzahl zu Nutzerprofilen kopiert, sondern diese auch weiteren Personen zur Verfügung gestellt, "die er uns gegenüber zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen will", teilte ein Sprecher des Betreibers VZ-Netzwerke mit. Auch beim Finanzdienstleister AWD wurde ein früheres Datenleck bekannt.
SchülerVZ ist nach eigenen Angaben jetzt dabei, "diese Personen ausfindig zu machen, um sie über die juristischen Konsequenzen Ihres Handelns aufzuklären und dafür zu sorgen, dass die illegal kopierten Nutzerdaten gelöscht werden". Am Freitagabend war bekanntgeworden, dass der Täter Schülerdaten - darunter Angaben zu Namen, Schulen, Geschlecht und Alter sowie Profilfotos - kopiert hatte. Zudem wurden dem Blog netzpolitik.org ein Satz mit rund einer Million Nutzerdaten von SchülerVZ zugespielt, wie dessen Betreiber sagte.
Eine Million Nutzerdaten zugespielt
SchülerVZ betonte, es handele sich nicht um ein Datenleck. Vielmehr seien solche Daten kopiert worden, die von allen registrierten SchülerVZ-Nutzern einsehbar gewesen seien. Nicht betroffen seien speziell geschützte Daten wie Postadressen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Fotoalben und Zugangsdaten. "Wir haben sofort Maßnahmen ergriffen, um weitere illegale Zugriffe auszuschließen", betonten die VZ-Netzwerke. Man habe die Datenschutzbehörden informiert und werde rechtliche Schritte gegen Unbekannt einleiten.
Unterdessen wurden dem Blog netzpolitik.org rund eine Million Nutzerdaten von SchülerVZ zugespielt, wie dessen Betreiber Markus Beckedahl sagte. Aus den ihm zugespielten Daten könne man Schüler über bestimmte Merkmale herausfiltern: "Mit den Listen lassen sich einfache Datenabfragen erstellen wie ,alle Schüler aus Berlin', oder ,alle Schülerinnen im Alter von 13, die in Siegen wohnen samt Bild und ihrer Schule'", schreibt Beckedahl auf seiner Seite. Dazu sagte der Sprecher der VZ-Netzwerke, der anonyme Versender dieser Datensätze sei nicht der tatsächliche Verursacher, sondern ein Trittbrettfahrer.
Abrechnungen von Handelsvertretern standen im Internet
Beim Finanzdienstleister AWD wurde ein früheres Datenleck bekannt. Das Unternehmen erstattete nach eigenen Angaben im Sommer 2007 Strafantrag, nachdem interne Abrechnungen von etwa 1500 Handelsvertretern aus den Jahren 2003 und 2004 ins Internet gestellt worden waren. Es habe sich nicht um Kundendaten gehandelt, betonte AWD-Sprecher Bela Anda.
Laut der "Neuen Westfälischen" listete eine AWD-kritische Website Daten von Vertretern auf, darunter Mitarbeiternummern, Namen, Datum des Firmeneintritts, Vergütungsstufen, Kontokorrent-Konten, Stornoreserven, Darlehen, Vorschüsse und monatliche Einnahmen. AWD erklärte, die Staatsanwaltschaft Hannover habe ihre Ermittlungen 2007 mit der Begründung eingestellt, die Website werde über einen Server in den USA betrieben. Erst am Freitag hatte der NDR berichtet, ihm seien 27.000 Datensätze von Kunden des Hannoverschen Unternehmens zugespielt worden.
Telekom lädt zum Datengipfel
Die Deutsche Telekom will derweil die Probleme mit gestohlenen Kundendaten im Schulterschluss mit der gesamten Branche lösen, wie Vorstandsmitglied Manfred Balz dem «Spiegel» sagte. Schon in Kürze will der Konzern demnach die Chefs aller großen Kommunikationsunternehmen zu einer Art Gipfelgespräch einladen. Im hart umkämpften Telefongeschäft hat sich nach Balz' Worten "ein System mit kriminogenen Strukturen" etabliert.
T-Home-Chef Niek Jan van Damme sagte zu der jüngsten Datenaffäre der Telekom: "Es gibt keine neue Datenpanne. Vielmehr haben sich unseriöse Vertriebspartner, wohl vor allem 2008, mit alten Daten überhöhte Provisionen erschlichen", sagte er "Focus". Es sei nicht klar, ob es sich überhaupt um Daten der Telekom gehandelt habe.
(Matthias Armborst, AP, N24)
19.10.2009 19:10 Uhr


