Von Schiesser bis Quelle

Wenn der Pleitegeier zuschlägt

Die Konjunkturaussichten haben sich zwar gebessert, aber die Horrormeldungen der Unternehmen reißen noch immer nicht ab. Mit Quelle wird ein weiterer deutscher Traditionskonzern abgewickelt.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten!
Grundig, Märklin, Escada, und nun Quelle: Insolvenzen von deutschen Traditionsunternehmen sorgen immer für Wirbel. In jüngster Zeit kreist der Pleitegeier vermehrt über "Firmen mit Geschichte". N24.de gibt einen Überblick:
Verflixte 13 Jahre ist die Pleite des Werftenverbunds Bremer Vulkan her. Auch eine über 100-jährige Geschichte rettete den Konzern nicht. Veruntreute Gelder waren der Sargnagel für das Unternehmen, rund 2.000 Mitarbeiter verloren 1996 ihre Jobs.
Nur wenig besser ergeht es nun den Wadan-Werften in Wismar: Ein russischer Investor sollte die Rettung sein, doch die Auftragsbücher blieben leer. Trotz Staatshilfen in dreistelliger Millionenhöhe sind die Werften ...
... zahlungsunfähig. 2.500 Mitarbeiter und eine ganze Region sind betroffen.
Die glorreichen Zeiten des "Silicon Saxony" sind ebenfalls längst Vergangenheit.
"Das Aus von Qimonda ist ein schwerer Schlag für die Chipindustrie in Dresden, es bedeutet aber nicht das Ende für den Mikroelektronikstandort Sachsen", sagt CDU-Fraktionschef Steffen Flath. Hilfen in dreistelliger Millionen-Höhe reichten nicht aus.
Politik und Wirtschaft schieben sich seit Anfang 2009 die Schuld gegenseitig in die Schuhe. Die mehr als 13.000 Mitarbeiter weltweit, allein an den beiden deutschen Hauptstadnorten München und Dresden.rund 2.500, sind die Leidtragenden.
Eine bewegte Geschichte weist der Nähmaschinenhersteller Pfaff auf. 1862 gegründet, war die Pfälzer Firma 1999 pleite. Mehrere Eigentümerwechsel retteten sie vor dem Untergang. 2007 gelang die Rückkehr an die Börse. 2008 hieß es erneut: Insolvenzantrag.
1919 wurde in Nürnberg Deutschlands ältestes Fotohaus gegründet: Photo Porst. Via Franchise-System entstand daraus der größte Fotofilialist des Landes. 1981 schlitterte Photo Porst in den Konkurs - wurde aber gerettet. 2002 kam das endgültige Aus.
Die Agfa-Geschichte reicht bis ins Jahr 1867 zurück. Bekannt wurde Agfa 1936 - mit dem ersten Farbfilm. Agfa-Photo ging 2005 pleite. Zuvor hatte der Fotokonzern Agfa-Gevaert diese Sparte an Investoren und Management verkauft - letztlich ohne Erfolg.
Ähnlich erging es auch dem Kleinflugzeugbauer Fairchild-Dornier. Fairchild war 1998 bei Dornier, dem Daimler-Benz-Konzern gehörend, eingestiegen. Dorniers Wurzeln reichen aber bis zu den Anfängen der Luftfahrt zurück. Gründer Claude Dornier war beim ...
... Luftschiffbau des Grafen Zeppelin mit dabei. 1914 entstand die selbstständige Flugzeugsparte Dornier ("Do"). 1981 gab die Familie das Ruder aus der Hand. Als der Daimler-Benz-Konzern 2002 aussteigen wollte, fand sich kein Investor. Folge: Insolvenz.
Grundig, 1930 in Fürth gegründet, gilt als eines der Symbole des deutschen Wirtschaftswunders. Der Unterhaltungselektronikhersteller war in der Nachkriegszeit führend in Europa. In den 1980ern geriet das Unternehmen in die Krise als ...
... japanische Konkurrenten zunehmend den europäischen Markt mit ihren Produkten überschwemmten. Konkurrent Philips stieg ein, um wenig später die Firma an das bayerische Kathrein-Konsortium zu verkaufen. Es nützte nichts: 2002 kam die Insolvenz.
Dass Unternehmenskrisen von Traditionsunternehmen auch gerne politisiert werden, macht das Beispiel Holzmann deutlich. 1849 gegründet, mauserte sich das Unternehmen, das unter anderem die Nürnberger Kongresshalle baute, zum ...
... größten Baukonzern Deutschlands. Sich häufende Fehler im Management sorgten für einen Schuldenberg in Milliardenhöhe. Am 23. November 1999 wurde Insolvenzantrag gestellt. Der Konzern hatte sich buchstäblich verhoben. Nun trat die Politik auf den ...
... Plan: Bundeskanzler Gerhard Schröder schnürte ein "Rettungspaket" mit Übergangskrediten der Banken und einer Bürgschaft des Bundes, die allerdings nie in Anspruch genommen wurde. Die allgemeine Baukrise sorgte dann für das endgültige Aus 2002.
In die Fußstapfen der damaligen Baukrise ist nun die Finanzkrise getreten, die sich mittlerweile zu einer ausgewachsenen Weltwirtschaftskrise entwickelt hat und dabei mehrere deutsche Traditionsunternehmen über die Klinge hat springen lassen:
Generationen spielten mit Modelleisenbahnen aus dem Hause Märklin. Aber im 150. Unternehmensjahr muss das Göppinger Traditionsunternehmen Insolvenz anmelden. Der Niedergang hatte sich mehrfach abgezeichnet. Seit der Übernahme durch den Investor ...
...Kingsbridge im Frühjahr 2006 - Märklin stand zum ersten Mal vor der Pleite - gaben sich ein halbes Dutzend Geschäftsführer die Klinke in die Hand. Rettung? Fehlanzeige. Preiserhöhungen und Qualitätsmängel taten ihr Übriges.
Die Porzellanmanufaktur Rosenthal wurde als Familienbetrieb 1879 gegründet. 2008 arbeiteten weltweit 1.800 Menschen für Rosenthal. Das Unternehmen vertrieb seine Waren unter anderem über eine eigene Ladenkette. Seit ...
... 1997 gehört die börsennotierte Rosenthal AG mehrheitlich zur britisch-irischen Waterford Wedgwood. Deren Zusammenbruch führte - kurz vor einem bereits eingefädelten Verkauf an die italienische Sabonet Paderno - zur Zahlungsunfähigkeit von Rosenthal.
Anfang August 2009 stellt der Klavierbauer Schimmel Antrag auf Insolvenz - einer 124-jährigen Unternehmensgeschichte droht das Aus. Fast 150 Mitarbeiter beschäftigt Schimmel zuletzt.
Die Textilhandelskette SinnLeffers beantragt im August 2008 Insolvenz. Die Geschichte des Unternehmens reicht in Teilen bis ins Jahr 1850 zurück, als in Köln eine "Kurzwarenhandlung" der Gebrüder Sinn eröffnet wird. SinnLeffers ist nach . ..
... der Textilkette Wehmeyer und den Hertie-Warenhäusern die dritte Tochter ...
... des heutigen Arcandor-Konzerns (ehemals KarstadtQuelle), die Insolvenz anmeldet. Aber auch der ehemaligen Mutter ergeht es nicht besser. Der Konzern ...
... gerät unter der Ägide von Thomas Middelhoff ins Schlingern - und muss im Frühjahr 2009 Insolvenz anmelden. Betroffen ist auch ...
... die Versandhandelstochter Quelle. Da helfen auch "1.000 Wünsche" nicht. Dem Insolvenzantrag im Juni folgt das endgültige Aus im Herbst. Quelle soll abgewickelt werden. Laut Insolvenzverwalter sind Verkaufsanstrengungen erfolglos geblieben.
Für die Arcandor-Tochter Karstadt steht der Metro-Konzern Gewehr bei Fuß. Die eigene Warenhauskette Kaufhof soll mit Karstadt zu einer Art "Deutschland Warenhaus AG" zusammengeführt werden. Aber auch hier stockt das Vorhaben.
Das auch Billigheimer nicht immer Krisengewinnler sind, beweist die Niedrigpreis-Kaufhauskette Woolworth: Insolvenz im April. Rund 11.000 Menschen bangen um ihre Jobs. Drunter und drüber ...
... geht es auch bei Schiesser. Der einst größte deutsche Unterwäschehersteller gehört zu den Unterwäsche-Fabrikanten der ersten Stunde - weil 1875 gegründet. Millionen Männer und Frauen trugen den modischen "Feinripp". Trotz ...
... erfolgreicher Restrukturierung beantragt der Wäschehersteller aus Radolfszell am Bodensee im Februar 2009 Insolvenz. Rund 600 Mitarbeiter sind betroffen. Kommt dennoch ein Comeback der "Feinripp-Liebestöter" der Marke Schiesser?
Nicht viel besser ergeht es dem Textilfaser-Hersteller Trevira. Das Unternehmen mit etwa 1.380 Mitarbeitern in Deutschland stellt Anfang Juni einen Insolvenzantrag.
Kampa sieht sich selbst als "Hausbau-Marke Nummer eins" in Deutschland. Die Wirtschaftskrise setzt Kampa (die Firmenwurzeln reichen bis ins Jahr 1900 zurück) deutlich zu, Millionenverluste waren die Folge. Nun ist Kampa zahlungsunfähig.
Auch seit längerer Zeit in der Krise: Der Cabriospezialist und Kleinserienhersteller Karmann. Ein Insolvenzverwalter versucht nun zu retten,w as zu retten ist. Fast 3.500 Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. VW ist als Retter im Gespräch. Pleite ist ...
... der Autozulieferer Edscha. Eine Mitschuld dürfte dabei der ameikanischen Investor Carlyle tragen, der 2002 für 180 Millionen Euro eingestiegen ist.
Seitdem musste Edscha seine Gewinne nahezu vollständig abtreten. 15 Standorte in Europa mussten dicht machen, 4.200 Mitarbeiter stehen auf der Straße.
Mit Opel steht die deutsche Autobau-Tradition am Abgrund. Die Tochter des US-Konzerns General Motors (GM) braucht Milliarden fürs Überleben. Mit dem Zulieferer Magna steht ein Investor bereit, der Kaufvertrag ist aber noch nicht unterschrieben.
Das als Nähmaschinenhersteller gegründete Unternehmen gehört seit 1929 zu GM. Der einst größte Autohersteller der Welt hat selbst Insolvenz angemeldet und droht die Tochter mit in den Abgrund zu reißen. Käme es so weit, es wäre eine der ...
... größten Pleiten aller Zeiten. GM machte 2007 einen Verlust von fast 40 Milliarden Dollar, 2008 von über 40 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Experten zufolge kostete die Pleite des Autozulieferers Delphi 2005 rund 17 Milliarden Dollar. Die Pleite ...
... von Delta Air Lines im gleichen Jahr etwa 22 Milliarden Dollar. Nahezu das ...
... Dreifache kostete die Insolvenz des US-Energieriesen Enron 2001. Der sich selbst als "The Greatest Company" bezeichnende Konzern sorgte mit mehrfacher Bilanzfälschung zudem für einen der größten US-Wirtschaftsskandale. Die Pleitekosten lagen ...
... aber beim Telekomkonzern Worldcom mit fast 104 Milliarden Dollar nochmals deutlich höher. Den Vogel schoss bisher ...
... aber die Investmentbank Lehman Brothers ab. Ihre Pleite kostete geschätzte 639 Milliarden Dollar. Da erscheinen die für einen Opel-Bankrott veranschlagten Kosten von 6,5 Milliarden Euro geadezu als Peanuts.
Ein Blickfang - damals und heute: ...
Geschwungene Linien, ...
... robuste Technik - und das ganze aus Deutschland. Das ist ...
... der Karmann Ghia. Bis heute ist der "Käfer im Sportanzug" die erste Assoziation, die man mit dem Osnabrücker Autobauer Karmann in Verbindung bringt.
Karmann wurde 1901 als Kutschenbaubetrieb gegründet. Mit dem Ghia, entworfen vom italienischen Designer Luigi Serge (l.), erlebt Karmann ...
... als Nischenhersteller ...
... seine erfolgreichste Zeit. Das war ...
... allerdings in den 1950er Jahren.
Der Karmann ...
... Ghia lief zwischen 1955 ...
... und 1976 stolze 444.000 Mal vom Band.
Mehr als 8.000 DM muss man anfangs für das Sportcoupe hinblättern. Eine stolze Summe damals.
Neben den eigenen Modellen produziert Karmann auch für andere Hersteller wie VW, BMW, Mercedes, Porsche, Audi, ...
... Chrysler, Renault, oder Land Rover.
Für den Niedergang des Unternehmens ist ein Grund ausschlaggebend: Obwohl die Autobauer ihre Modellpaletten deutlich ...
... ausgeweitet haben, produuzieren sie Nischenmodelle wie Cabrios mittlerweile selbst. Das sogenannte Insourcing hat den Vorteil, dass während Krisenzeiten die eigenen Produktionsstätten ausgelastet bleiben.
2001, ausgerechnet zum 100-jährigen Bestehen, verliert Karmann den Auftrag für das Golf-Cabrio.
Der Auftrag für den Audi A4 Cabrio ...
läuft im Herbst 2008 aus. Auch ...
... Mercedes hat seinen Auftrag für den CLK nach 2009 nicht verlängert. Da hilft es auch nicht, dass Karmann mittlerweile bei diversen Auto Shows mit ...
... Studien wie dem ...
... Karmann Concept, ...
... dem Karmann ...
... Transformer oder dem ...
... E3 vertreten ist. Das Elektroauto wurde in Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern EWE entwickelt. Es wird wohl nie auf den Straßen zu sehen sein.
Nun ist der Autobauer Karmann am Ende, insolvent. Lediglich im Werkzeugbau wird es wohl weitergehen. Für die meisten Karmann-Beschäftigten ...
kein Trost. Am 22. Juni rollt mit einem Mercedes CLK Cabriolet das letzte Fahrzeug vom Band.
Wer dennoch das Lebensgefühl und die Leichtigkeit der 1950er Jahre erleben will, kann entweder auf ein Modellauto zurückgreifen - oder besser: Ein Original kaufen. Das Vergnügen ist aber nicht billig. 40.000 Euro kostet ein 40 Jahre alter Ghia.
Unterhosen wie Schiesser "Feinripp" sind aus dem Leben von Millionen Männern nicht wegzudenken.
Für sie muss die Ankündigung bitter gewesen sein, dass Schiesser vor dem Aus steht. Unterhemden-Fans fragen sich jetzt: Was trage ich künftig morgens beim Kaffee? Nachmittags im Garten? Und abends auf der Couch? (Filmszene: "Run, Fatboy, Run")
Auch Til Schweiger müsste verzweifelt sein. Eigentlich trägt der Schauspieler nichts unter seiner Hose. Aber zu Kostümproben oder … (hier beim Deutschen Filmpreis 2008)
… wenn es "wirklich arschkalt" ist, trägt er gern ganz normale Unterhosen: Feinripp mit Eingriff. Das gab er einst gegenüber dem Magazin "Stern" zu.
Der arme Bruce Willis erst. Als "Stirb langsam"-Held John McClane wurde er im weißen Ripp-Shirt so berühmt, dass sogar Doubles wie Hans Plessnitzer (Foto) nur darin auftreten.
Die Ripp-Shirt-Manie fand ihren Höhepunkt im vierten "Stirb langsam"-Teil. Fans beschäftigte damals nur eine Frage: Warum trägt John McClane nicht mehr sein legendäres Unterhemd?
Und nun soll alles aus sein? Ein Rückblick könnte Aufschluss bringen: Der Weber Jacques Schiesser beginnt 1875 in einem gemieteten Tanzsaal eines Gasthauses in Radolfzell sogenannte Trikotagen herzustellen.
Das Geschäft blühte, so dass er schon 1876 eine kleine Fabrik baute. In Bukarest wurde 1894 eine Filiale gegründet. Unterhosen vom Bodensee fanden den Weg sogar nach Fernost.
Bei der Weltausstellung 1900 ging es richtig ab: Dort sorgte das patentierte "Knüpftrikot" für Furore.
Damenunterwäsche nicht nur aus Baumwolle, sondern mit Seide und Spitzen, ergänzten das Sortiment. Schiesser wird zu einer der populärsten Unterwäschemarken.
Das Unternehmen übersteht zwei Weltkriege und erlebt ab etwa 1950 einen neuen Boom. Tochterunternehmen werden in aller Welt gegründet, …
… Schlafanzüge und …
… Unterwäsche …
… für die ganze Familie produziert.
Später kommt Funktionswäsche für Sport und Freizeit hinzu. 1989 setzt Schießer auf grau und beeindruckt sowohl die Besucher der Leipziger Messe …
… als auch der Internationalen Herren-Mode-Woche in Köln mit diesen Performances.
2003 schwenkt Schiesser auf Schwarz-Weiß um.
Die Firma expandiert, beispielsweise durch den Kauf des französischen Wäscheherstellers Eminence. In den 90er Jahren beginnt allerdings die Krise. Werke werden geschlossen. (hier eine Eminence-Kreation bei der International Lingerie Show 2005)
An das endgültige Ende der Traditionsmarke will das Unternehmen zurzeit nicht glauben. Der Vorstand hofft, mit der Insolvenz die laufende Umstrukturierung und Sanierung beschleunigen zu können.
Dazu soll auch die Modernisierung des Designs der Schiesser-Erzeugnisse beitragen, hofft der vorläufige Insolvenzverwalter Volker Grub.
Denn vom Feinripp hat sich der eine oder andere Mann von heute dann doch schon längst verabschiedet.
Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten!
15. September: Der "schwarze Montag" der Wall Street: Die Investmentbank Lehman Brothers muss Insolvenz anmelden, ihr Konkurrent Merrill Lynch wird von der Bank of America aufgekauft.
Die Lehman-Pleite erschüttert das Vertrauen in der Finanzbranche, der Kreditmarkt friert praktisch ein. Die Börsen stürzen ab.
17. September: Die US-Notenbank rettet den Versicherungsriesen AIG mit einem Kredit von ...
... 85 Milliarden Dollar.
Die US-Regierung kündigt ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket für die Finanzbranche an.
21. September: Die beiden letzten unabhängigen US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley verzichten auf ihren Sonderstatus und werden zu gewöhnlichen Geschäftsbanken.
25. September: Die größte US-Sparkasse Washington Mutual bricht zusammen und wird ...
... von der Großbank J.P. Morgan Chase aufgefangen.
29. September: Für den deutschen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate wird ein 35 Milliarden Euro schweres Rettungspaket geschnürt.
30. September: Die irische Regierung beschließt eine etwa 400 Milliarden Euro schwere Garantie für alle Einlagen bei den sechs großen Banken des Landes.
5. Oktober: Die Bundesregierung verkündet eine Komplettgarantie für private Einlagen. Das Rettungspaket für die Hypo Real Estate muss von 35 auf 50 Milliarden Euro aufgestockt werden. Später wird die HRE verstaatlicht, ihre Rettung kostet rund 100 Milliar
7. Oktober: Islands Ministerpräsident Geir Haarde warnt vor einem "Staatsbankrott" und übernimmt die Kontrolle über das Bankensystem.
8. Oktober: Sechs große Notenbanken senken gemeinsam die Leitzinsen. Die Panik an den Börsen können sie nur kurz eindämmen.
13. Oktober: Die Bundesregierung stellt ein Banken-Rettungspaket im Volumen von 500 Milliarden Euro vor. Frankreich präsentiert einen 360 Milliarden Euro schweren Hilfsplan. Viele EU-Länder schnüren ebenfalls Notpakete.
Frankreich präsentiert einen 360 Milliarden Euro schweren Hilfsplan. Viele EU-Länder schnüren ebenfalls Notpakete.
21. Oktober: Die Landesbank BayernLB will als erste Bank auf das Paket zugreifen. Sie braucht 6,4 Milliarden Euro frisches Kapital. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schlägt die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien vor. Berlin lehnt dies ab.
29. Oktober: Die US-Notenbank senkt ihren Leitzins angesichts düsterer Konjunkturerwartungen um 0,5 Prozentpunkte auf 1 Prozent.
3. November: Die Commerzbank - das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut - sowie die Landesbanken HSH Nordbank und WestLB greifen auf das staatliche Rettungspaket zu.
5. November: Die Bundesregierung beschließt ein rund 12 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket.
Damit sollen Investitionen von 50 Milliarden Euro angestoßen und eine Million Jobs gesichert werden. Später folgt ein zweites Konjunkturpaket.
6. November: Die EZB senkt den Leitzins auf 3,25 Prozent, der erste Schritt von mehreren zum aktuellen Niveau von 1,00 Prozent.
9. November: China kündigt ein fast 600 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket für die beiden kommenden Jahre an.
13. November: Deutschland ist offiziell in der Rezession: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte in zwei Quartalen in Folge.
14. November: Der Autobauer Opel bittet die Bundesregierung um Bürgschaften von gut einer Milliarde Euro.
15. November: Ein Treffen der G20-Länder in Washington macht einen ersten Vorstoß für eine Reform des Weltfinanzsystems.
25. November: Die US-Notenbank kündigt ein 800 Milliarden Dollar schweres Programm zum Aufkauf mit Krediten besicherter Wertpapiere an.
26. November: Die EU-Kommission schlägt ein 200 Milliarden Euro umfassendes Konjunkturpaket vor.
28. November: Die Dimension der Krise der BayernLB wird deutlich: Sie braucht Unterstützung von insgesamt 30 Milliarden Euro. Die Bank will 5600 Stellen streichen und das Auslandsgeschäft kappen.
Klicken Sie hier, um die Galerie zu starten!
Höchststrafe für den größten Wirtschaftsbetrüger aller Zeiten: Bernard Madoff, der Privatleute wie Banken um rund 65 Milliarden Dollar geprellt hat, muss für 150 Jahre in den Knast.
Über ein Schneeballsystem machte Madoff seine Opfer glauben, mit ihm das große Geld zu verdienen. Doch der Broker investierte keinen müden Cent, nutzte die neuen Beiträge zum Auszahlen der alten Anleger.
Madoff ist Paradebeispiel für Manager, die die Gier überkommt: Gelder fließen in dunkle Kanäle, Top-Manager oder Angestellte wirtschaften auf das eigene Konto, Bilanzen werden gefälscht.
Wirtschaftskriminalität umfasst eine Vielzahl von Delikten: Geldwäsche, Korruption, Insiderhandel oder Unterschlagung.
Der typische Wirtschaftskriminelle ist laut einer Studie des Beratungsunternehmens PriceWaterhouseCoopers (PWC) männlich und zwischen 30 und 50 Jahren alt. Ein Gangster in Schlips und Kragen mit weißer Weste.
Etwa jedes zweite deutsche Unternehmen ist betroffen, doch viele Straftaten bleiben laut PWC-Studie unentdeckt.
Etwa 20 Prozent der Betrüger kommen aus dem gehobenen Management, weitere 25 Prozent aus der mittleren Führungsebene.
Für Aufsehen sorgen in der Öffentlichkeit aber vor allem die "dicken Fische", die sich mit Betrügereien Geldbeträge in Millionenhöhe ergaunern: Kim Schmitz, einst eine schillernde Figur der New Economy, kommt durch illegale Börsengeschäfte zu Reichtum.
Der ehemalige Computer-Hacker Schmitz kauft unter Ausnutzung interner Informationen Aktien des "Internet-Warenhauses" Letsbuyit.com und erzielt so Millionengewinne.
Ende 2002 wird Schmitz zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Hinzu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro.
Jürgen Schneider, gescheiterter Bauunternehmer und Deutschlands Rekordpleitier, erschwindelt sich für den Kauf und die Sanierung hochwertiger Bauten bei zahlreichen Banken überhöhte Kredite.
Mit knapp 5,4 Milliarden D-Mark steht Schneider bei den Banken im Minus, knapp ein Viertel davon stammt von der Deutschen Bank. Schneider wird Ende 1997 wegen Betrugs zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
Der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, bezeichnete auf einer Pressekonferenz die entstandene Schadenssumme in Höhe von ca. 50 Millionen DM als "Peanuts".
Der wohl größte Wirtschaftsbetrug im Nachkriegsdeutschland: Bei Scheingeschäften mit 3.000 nicht vorhandenen Bohrsystemen entsteht für das Unternehmen FlowTex ein Schaden in Höhe von rund zwei Milliarden Euro.
Hinter dem groß angelegten Schwindel stecken die FlowTex-Hauptgesellschafter Manfred Schmider und …
… Klaus Kleiser. Beide werden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.
Nichts gehört, nichts gewusst, nichts gesehen: Mit dieser Taktik versucht Ex-Enron-Chef Jeffrey Skilling von seinen dubiosen Geschäften abzulenken. Seine Vision vom weltgrößten Energieunternehmen will er durch Bilanzbetrug und Insiderhandel verwirklichen.
Das kostet aber mehr als 21.000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Die Anleger verlieren mehrere Milliarden Dollar. 2006 wird er zu 24 Jahren Haft verurteilt.
Nach Ansicht von Aktionärsschützern hat es kaum einer so weit getrieben wie er: Bodo Schnabel hat vermutlich seit der Gründung seines Unternehmens ComROAD fast den kompletten Umsatz frei erfunden …
… und Aktionäre und Analysten damit über Jahre hinweg betrogen. Der Telematik-Anbieter hat seinen Umsatz über eine offensichtlich nicht existierende Firma in Hongkong gefälscht. Gründer und Vorstandschef Bodo Schnabel wandert in Haft.
Der Moorhuhn-Erfinder und Spieleentwickler Phenomedia hat an seinen Bilanzen geschraubt. Zwei rasch gefeuerte Vorstandsmitglieder hatten den Vorwurf des Insiderhandels gestehen und wandern hinter Gitter (im Bild Markus Scheer).
Auch die Gründer des angeschlagenen Medienunternehmens EM.TV, Thomas Haffa und sein Bruder Florian, standen im Verdacht illegaler Machenschaften. EM.TV hatte für das Jahr 2000 hohe Gewinne versprochen, erzielt jedoch ein Milliarden-Defizit.
Der Aktienkurs rutscht von über 110 Euro ins Bodenlose und liegt zuletzt bei gut einem Euro. Im Jahr 2003 werden Florian und Thomas Haffa (im Bild) zu hohen Geldstrafen verurteilt.
Millardenschwere Schmiergeldbeträge belasten den Münchener Technologiekonzern Siemens: Mit schwarzen Kassen, Korruption und einem dubiosen Kontengeflecht wurde Geld verdient. Das System flog auf.
Zahlreiche Führungskräfte müssen ihren Posten räumen. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer gibt unter dem öffentlichen Druck den Vorsitz im Aufsichtsrat auf.
Gegen Ende 2003 kommt einer der größten Skandale in der Geschichte des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat ans Licht: In der Bilanz fehlen acht Milliarden Euro.
Firmengründer Calisto Tanzi bestreitet vor Gericht, für den Betrug auf Kosten Tausender Kleinanleger verantwortlich zu sein. Er gibt zwar zu, Schwarzgelder an Politiker gezahlt zu haben, er habe aber nicht geahnt, dass die Firma zusammenbrechen könnte.
Für seine Firma, die Schuhfabrik Erich Rohde KG, soll Friedrich Wilhelm Schmitt fast alles getan haben: Jahrelang hat er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft betrogen und Steuern hinterzogen, faule Kredite aufgenommen und Gläubiger vertröstet.
Dieser Skandal stinkt im wahrsten Sinne des Wortes: Die Brüder Dieter (li.) und Johannes Löbbert haben jahrelang in ihrem Dülmener Abfallentsorgungs-Imperium Bilanzen gefälscht, um sich bei Banken günstige Kredite zu erschleichen und Aktionäre zu täuschen
Die Balsam AG, einst der weltweit führende Hersteller von Sportböden, hat mit fingierten Aufträgen insgesamt 45 Banken um Milliardenbeträge geprellt. Firmengründer Friedel Balsam wird zu acht Jahren Haft verurteilt.
Für einen der weltweit größten Börsenskandale sorgt die Telefongesellschaft Worldcom. Dem Gründer und ehemaligen Vorstandschef, Bernard Ebbers, wird Bilanzfälschung, Wertpapierbetrug und Verschwörung vorgeworfen.
Ebbers wird zu zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.
Der ehemalige Presse-Magnat Conrad Black kauft in den 1980er und 1990er Jahren namhafte Zeitungen wie den "Daily Telegraph" in London oder die "Sun Times" in Chicago. Sein Vorbild ist der Medien-Mogul Rupert Murdoch.
Als die Erträge stocken, greift Black in die Firmenkasse: 2005 wird er in Chicago angeklagt, 84 Millionen Dollar in die eigene und in die Taschen von Komplizen umgeleitet zu haben.

(Thomas Badtke, N24)

18.03.2009 12:51 Uhr

N24 in den Sozialen Netzwerken:

N24 auf Facebook N24 auf Twitter N24 auf Google+
SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Politik