Sie befinden sich in: Nachrichten » Panorama

 

Schadenersatz von jedem

Jack Wolfskin tatzt alle

Es wirkt wie ein Witz: Eine Hobby-Näherin, die ihre Arbeiten im Netz verkauft, wurde vom Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin auf 991 Euro Schadenersatz verklagt, weil Stoff-Pfötchen ihre Ware zieren.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Bei vielen Internetnutzern hat Jack Wolfskin aus Idstein im Taunus mit dem Vorgehen seinen guten Ruf verspielt.
Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten.
Zum neunten Mal in Folge veröffentlichen BusinessWeek und Interbrand das Ranking der 100 wertvollsten Marken der Welt. In der Elitegruppe sind die Verhältnisse stabil geblieben. Acht der zehn Spitzenplätze werden von US-Marken belegt.
Auf Platz 10 der "Best Global Brands" liegt die Marke Disney. Sinkende Besucherzahlen in den Vergnügungsparks und weniger DVD-Verkäufe beschäftigen zwar das Management, dieses rüstet sich jedoch für die Zukunft und kauft Marvel für etwa 4 Mrd. Dollar.
Auf Platz 9 ist der Chiphersteller Intel aufgeführt. Dieser musste das höchste Bußgeld aller Zeiten von 1,06 Mrd. Euro wegen rechtswidriger Verdrängungspraktiken zahlen, dennoch hindert dies Intel nicht in neue Märkte wie Smartphones zu investieren.
Der kriselnde japanische Autobauer Toyota belegt den 8. Platz des Rankings. Mit einem radikalen Sparkurs will man den weltweiten Absatzeinbruch entgegenwirken.
Google, vergangenes Jahr erst von Platz 20 auf 10 empor geschnellt, macht auch 2009 wieder Plätze gut und schiebt sich auf Rang 7 vor. Der Internetkonzern erzielte auch in diesem Jahr wieder die größte Markenwert-Zunahme überhaupt.
Die Fast Food Kette McDonald's ist auf Platz 6 zu finden. Die forcierten Billigpreise-Aktionen besonders in Großbritannien und Frankreich und die Eröffnung zahlreicher McCafés führten zu höherem Absatz.
Auf Rang 5 liegt mit Nokia die wertvollste europäische Marke. Dem finnischen Handy-Hersteller gelingt zwar nicht den Rückstand im Marktsegment der Smartphones aufzuholen, im Bereich der Handys ist er jedoch weiterhin dominierend.
Der Mischkonzern General Electric, ein internationales Infrastruktur-, Finanz- und Medienunternehmen, belegt den Platz 4 des Ranking der "Best Global Brands". Der aktuelle Fokus auf Umwelt- und Gesundheitsthemen lässt das Unternehmen weiter wachsen.
Auf den 3. Platz liegt im Jahr 2009 der Microsoft-Konzern. Zum ersten Mal in der Geschichte hat Microsoft mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen. Die neue gelaunchte Suchmaschine "Bing" und forcierte Werbung gegen Konkurrent Apple sollen gegensteuern.
Auf Platz 2 wird der amerikanische Computerhersteller IBM aufgeführt. Das Unternehmen versucht seine Marktstellung durch Fokussierung auf Umweltthemen, Gesundheitsfürsorge und Massenverkehrsmittel auszubauen.
Und auf Platz 1 ist wie im Vorjahr Coca Cola die führende "Best Global Brand 2009". Der Markenwert des Getränkeherstellers beträgt 68,73 Milliarden Dollar. Mit elf vertretenen Marken stellt Deutschland die zweitstärkste Gruppe und ...
... liegt in der Länderwertung direkt hinter den USA. Im deutschen Kader überwiegen die Automobilmarken. Mercedes-Benz bleibt mit 23,87 Milliarden Dollar auf Platz 12 die wertvollste Marke Deutschlands.
BMW folgt mit 21,67 Milliarden Dollar auf Rang 15.
Mit VW (Rang 55), ...
... Audi (Rang 65) und ...
... Porsche (Rang 74) sind drei weitere deutsche Automobilhersteller im Ranking.
Den stärksten Wertzuwachs unter den deutschen Marken erzielte adidas. Mit sechs Prozent Zuwachs konnte adidas in der internationalen Rangliste auf Platz 62 (2008: 70) vorrücken.
Auch Nivea legte fünf Prozent an Wert zu und klettert von Platz 98 in 2008 auf Position 86.
Neu in der deutschen Gruppe ist Puma. Mit einem Markenwert von 3,15 Milliarden Dollar steigt das Sportlifestyle-Unternehmen auf Platz 97 ins Ranking ein.
Weitere deutsche Marken in der Rangliste sind SAP (Rang 27), ...
... Siemens (Rang 47) ...
... und Allianz (Rang 81).
Wenn das stimmt, wäre Bushido wirklich ein böser Junge! 16 Songs von seinen zehn Alben sollen geklaut sein – und zwar …
… von der französischen Band Dark Sanctuary. Allein acht Songs davon befinden sich auf seinem Erfolgsalbum "Von der Skyline zum Bordstein zurück" von 2006.
Ganze Liedteile soll er sich einverleibt haben. Deshalb verklagen ihn die Franzosen und ihre Plattenfirma wegen Unterlassung, Offenlegung von Verkaufszahlen, …
…die Vernichtung der Tonträger und Schadenersatz. Peinliche Sache? Nicht für Bushido. Plagiatsgerüchte gibt es jetzt auch schon über sein neues Album "Heavy Metal Payback“.
Damit wäre die Marke Bushido ein reines Plagiat. Das Image aus den USA abgekupfert, die Songs von den Franzosen abgeschrieben. Was bleibt da noch übrig? (Foto: "Deutschland, gib mir ein Mic! Tour 2006")
Ein Rapper, der aus Skandalen seinen Erfolg zieht. Am Anfang seiner Karriere lauteten seine Songs "Drogen, Sex und Gangbang" oder "Wer will Krieg". Mit dem 2006er-Album "Von der Skyline zum Bordstein zurück“ … (Konzert in der Schweiz 2007)
… setzt er neue Maßstäbe in der deutschen Rap-Landschaft. Sein Erfolgsrezept: noch mehr Macho, noch mehr Ghetto, noch mehr harte Reime.
Sein Aufstieg veranlasst ihn, vom kleinen Label Aggro Berlin zum großen Majorlabel Urban/Universal zu wechseln. Natürlich vergisst er dabei nicht, kräftig nachzutreten. (Foto: ISS Dome 2007)
Bushido disst Aggro Berlin. Dem Label fehle es an Respekt, beklagt er. Aggro-Rapper wie Sido (Foto) sind sauer. Der Streit eskaliert in einer Art "Rapperkrieg“. (Archivfoto: 2004)
Bushido ist bei weitem nicht so viel Gangsta wie seine Kollegen aus den USA, aber den deutschen Fans reicht's. Immerhin hat der gebürtige Bonner eine …
… unrühmliche Vergangenheit mit Drogen, Gewalt und Jugendstrafen vorzuweisen.
Mehrere Gangsta-Alben bringt Bushido in recht kurzer Zeit heraus. Sogar zu einem Best-of-Album reicht es schon. (Foto: Konzert in der Schweiz 2007)
Sie alle schlagen ein. Bushido hat es geschafft: Er heimst Preise, wie den Echo, …
… Bravo Otto und MTV Europe Award, ein. Er fährt einen 7er BMW und wohnt in einer Villa. Da fehlen nur noch …
… die Memoiren – und die lässt er im Alter von 30 Jahren in dem Buch "Bushido“ niederschreiben. Seine Lebenserinnerungen …
… schaffen es sogar in die Top Ten der "Spiegel"-Jahresbestsellerliste in der Kategorie Sachbuch.
Bushido wäre aber kein Gangsta-Rapper, wenn er nicht ab und zu mit Gewalttätigkeiten auffallen würde. "Verkaufsförderliche Lifestyle-Skandale“ nennt man das. Im August 2005 …
… verletzen Bushido und seine beiden Leibwächter nach einem Konzert in Linz einen 20-Jährigen mit Schlägen und Fußtritten gegen Kopf und Körper lebensgefährlich. (Archivfoto: 2006)
Angeblich soll dieser grundlos die Reifen seines 7er-BMWs zerstochen haben. Der genaue Hergang der Ereignisse kann beim Prozess nicht aufgeklärt werden. (Foto: Buchmesse in Frankfurt am Main 2008)
Bushido kommt mit einem blauen Auge davon: Er muss lediglich 20.000 Euro an die Staatskasse zahlen. Das Opfer erhält ein Teilschmerzensgeld in Höhe von 1.000 Euro zugesprochen. (Foto: Bravo Supershow 2008)
Daraufhin nennt Bushido seine folgende Konzertreise "Gegen Kaution auf Tour 2005". Auch sie wird ein Erfolg – wie bisher alles, was Bushido angefasst hat. (Foto: Echo-Verleihung 2008)
Der Mann ist ein Arbeitstier. Und Kritiker, die sein Ende bereits besiegelt hatten, belehrt er eines besseren. Auch als Bushido, entgegen dem Gangsta-Image, … (Foto: Comet-Verleihung 2008)
… Ende August 2007 beim Konzert gegen Gewalt an Schulen im Rahmen der Kampagne "Schau nicht weg“ auftritt, schadet das seiner Popularität nicht.
Die Wellen schlugen damals hoch. Kritiker führten ins Feld: Bushido kann wegen seiner "homophoben und frauenfeindlichen Texte“ nicht als Vorbild fungieren. Sie sollten Recht behalten.
Denn der Skandalrapper wendet sich beim Auftritt auf aggressive Weise gegen eine von Homosexuellen organisierte Gruppe von Protestierenden.
Immer wieder werden seine Texte als frauenfeindlich, antisemitisch und anti-amerikanisch kritisiert. Bushido streitet zwar ab, ein Antisemit und Frauenfeind zu sein, seine Texte ändert er deshalb aber nicht.

Als "fliegenpilzle" am Mittwoch vergangener Woche ihre Post öffnete, verschlug es der Hobby-Näherin beinahe die Sprache. "Ich hab heute eine Abmahnung von Jack Wolfskin im Briefkasten gehabt", schrieb sie kurze Zeit später im Forum des Online-Marktplatzes "DaWanda". 991 Euro forderten die Anwälte des Outdoor-Ausrüsters - weil die Kleinhändlerin in ihrem Shop zwei Taschenspiegel mit Stoff-Pfötchen verkauft hatte.

Das Weltunternehmen mit der Tatze als Markenlogo witterte einen Verstoß gegen das Markenrecht und schaltete die Anwälte ein. "fliegenpilzle" war nicht die einzige Anbieterin auf "DaWanda", die eine Abmahnung bekam. Bei vielen Internetnutzern hat Jack Wolfskin aus Idstein im Taunus mit dem Vorgehen seinen guten Ruf verspielt. Im Web ist bereits von einem "PR-Desaster" die Rede.

Blogger- und Twitterer-Gemeinde solidarisierte sich mit Abgemahnten

In Blogs und dem Online-Kurznachrichtendienst Twitter kursieren angesichts der "Abmahnwelle gegen Hobbybastler" Boykottaufrufe. Der Kommunikationsberater Klaus Eck, der Unternehmen beim Aufbau eines Netz-Images berät, schreibt in seinem "PR-Blog": "Das David-gegen-Goliath-Spiel (...) schadet der Online-Reputation des Unternehmens inzwischen massiv." Die Blogger- und Twitterer-Gemeinde solidarisierte sich mit den Abgemahnten.

Ein "Zwitscherer" kündigte an, "Alle seine Jack- Wolfskin-Klamotten in die Altkleidersammlung" zu werfen. "Eine große, etablierte Marke schießt sich selbst ins Knie - und merkt es nicht einmal", merkte ein anderer an. Viele Nutzer reagierten mit Hohn und Spott: "Jack Wolfskin verklagt demnächst auch Wölfe im Wald, die unerlaubter Weise das JW-Logo hinterlassen", unkte einer. Und ein anderer philosophierte darüber, "ob Wolfskin jetzt auch meine Kater abmahnt. Wegen der Tatzen meine ich." 

Jack Wolfskin verteidigte sein umstrittenes Vorgehen

Man habe als Markeninhaberin "das Bestreben und die Pflicht, die Marke gegen ähnliche Drittzeichen zu verteidigen, da die Marke sonst geschwächt wird", heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Bei den 991 Euro handele es sich nicht um eine "Strafzahlung", sondern um die Kosten, die Jack Wolfskin durch die Einschaltung der Anwälte entstanden seien. Eine Sprecherin lehnte jeden Kommentar zur Zahl der Abmahnungen und zu den Reaktionen im Internet ab.    

Gegenwind bekommt Jack Wolfskin auch von "DaWanda" selbst, wo Bastler handgefertigte Mode, Taschen oder Schmuck anbieten. Das Internet-Unternehmen hatte bereits nach einem Schreiben der Jack-Wolfskin-Anwälte beanstandete Produkte von seiner Seite genommen. Trotzdem habe der Outdoor-Ausstatter mit Abmahnungen reagiert. "Wir sind von diesem Verhalten maßlos enttäuscht", schreibt "DaWanda" auf seiner Internetseite.

"taz" von Jack Wolfskin abgemahnt

Mehrere Hersteller bieten inzwischen Artikel an, deren Erlös sie als Zeichen der Solidarität den Abgemahnten spenden wollen. Kommunikationsberater Eck meint, mit der heftigen Reaktion im Internet habe Jack Wolfskin sicherlich nicht gerechnet - "zumal der Outdoor-Ausrüster schon in der Vergangenheit immer wieder seine Marke mit Abmahnungen geschützt hat." Beispiel "taz": Das Blatt hatte die typische "taz"-Tatze schon 1979 designen lassen, aber versäumt, sie auch schützen zu lassen. Jack Wolfskin ließ die Tatze dann 1982 schützen - und mahnte die Zeitung in den vergangenen Jahren mehrmals ab, weil sie das Logo auf Kleidung und Handtüchern verwendete.

(Daniel Kirch, dpa, N24)

21.10.2009 17:18 Uhr

SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Panorama