"Toskana des Nordens"

Unterwegs in der Weinregion Saale-Unstrut

Edelacker, Göttersitz, Paradies: Die Rebenberge von Saale-Unstrut versprechen Genuss. Aber nicht nur für Weinliebhaber ist das in drei Bundesländern gelegene Gebiet eine Reise wert.

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Sachsen-Anhalt von der ruhigen Seite - die Saale fließt ganz gemächlich durch die Region, die für ihre Winzer bekannt ist.

"Toskana des Nordens" nannte der Jugendstil-Künstler Max Klinger die Umgebung seines Refugiums in Großjena. Mit einem weiten Blick auf die Domstadt Naumburg erholte er sich hier in den Jahren nach 1903 in seinem Weinberghäuschen. Mehr als ein Jahrhundert später finden Besucher die Einschätzung des Künstlers über das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut bestätigt. Anmutig winden sich alte Steil- und Terrassenlagen oberhalb der Flussauen.

Edelacker, Göttersitz, Paradies - die Nordlichter unter Deutschlands Weinlagen tragen verheißungsvolle Namen, einige schon seit langem. Das in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg gelegene Gebiet blickt auf eine mehr als 1000 Jahre alte Weingeschichte zurück. Während der Blütezeit zu Beginn des 16. Jahrhunderts betrug die Anbaufläche an Saale und Unstrut bis zu 10.000 Hektar. Kriege, Missernten, politische Unbill und die Reblausplage im Jahr 1887 machten der Weinseligkeit ein Ende.

Von 1960 an wurde der Weinbau zwar gefördert, aber erst die Wende mit der Privatisierung brachte eine deutliche Veränderung. Inzwischen umfasst die Rebfläche rund 680 Hektar. "Ziel sind 780", sagt Siegfried Boy, Weinbaupräsident der Region. Entlang der rund 60 Kilometer langen Weinstraße Saale-Unstrut laden mehr als 50 Privatwinzer, die Winzervereinigung Freyburg, das Landesweingut Kloster Pforta und die Rotkäppchen-Mumm Sektkellerei zum Verkosten ein.

Am idyllischen "Blütengrund"

Das Zentrum der regionalen Weintradition liegt im Städtedreieck von Freyburg im Schutz der Neuenburg, der Domstadt Naumburg und Bad Kösen. Wanderer finden ein reichhaltiges Wegenetz. Kulturinteressierte sollten der 1012 erstmals erwähnten Stadt Naumburg einen Abstecher widmen. Die Stadt verdankt ihre Bekanntheit dem spätromanisch-frühgotischen Dom St. Peter und Paul. Jährlich wandeln rund 150.000 Besucher in der Kathedrale auf den Spuren des "Naumburger Meisters", der hier im 13. Jahrhundert sein Hauptwerk schuf. Dazu gehören der Westlettner mit dem lebendigen Passionsrelief und die Stifterfiguren.

Auf 14 Kilometern führt der Weg von Naumburg am idyllischen "Blütengrund", wo sich Saale und Unstrut vereinigen, vorbei nach Freyburg. Unterwegs beeindruckt in der natürlich gewachsenen Terrassenmauer des Steinauers Weinbergs ein steinernes Bilderbuch: ein Sandsteinrelief aus dem 18. Jahrhundert, das zwölf überlebensgroße biblische Szenen zum Weinbau und zur Jagd zeigt. Auf dem Klinger-Weinberg in Großjena fand der Jugendstil-Künstler seine letzte Ruhestätte.

Edle Tropfen aus der Oberliga

In der reizvoll von Weinbergen umgebenen Stadt Freyburg klärt der Herzogliche Weinberg über die Arbeit des Winzers in Steillagen auf. Heute als Schauweinberg genutzt, ist die Anlage 1774 als barocker Weingarten mit dem für die Region typischen Weinbergshaus als Mittelpunkt entstanden.

Wer von Freyburg aus die Unstrut flussaufwärts an den Schweigenbergen vorbei wandert, lernt in dem Dorf Zscheiplitz die Erfolgsgeschichte eines mitteldeutschen Winzers kennen. Mit dem Wiederaufbau des ehemaligen Klosterguts haben sich Bernard und Kerstin Pawis für ihre Weine ein einmaliges Ambiente geschaffen. Mit ihren Tropfen spielen sie seit 2001 in der obersten Liga mit, dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter.

(Heidemarie Pütz, dpa, N24)

26.10.2009 10:00 Uhr

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