Nach dem endgültigen Aus des Versandhändlers Quelle steht der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg in der Kritik. Die Gewerkschaft ver.di wirft ihm vor, keinen "Plan B" gehabt zu haben.
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Chaotische Zustände bei der Abwicklung von Quelle setzen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg immer stärker unter Druck. Görg habe nach dem Scheitern der Investorengespräche keinen "Plan B" für das Versandunternehmen gehabt, sagte ver.di-Handelsexperte Johann Rösch. Der Insolvenzverwalter habe keine Antwort darauf, wie der Abverkauf der Lagerbestände organisiert werden könne. So sei immer noch völlig unklar, wie viele Beschäftigte dafür gebraucht würden. "Es gibt viele offene, zermürbende Fragen", sagte Rösch. "Die Menschen sind verzweifelt." Görg müsse endlich Entscheidungen treffen.
In der "Süddeutschen Zeitung" forderte auch der Chef der bayerischen Arbeitsagentur, Rainer Bomba, klare Aussagen vom Insolvenzverwalter. "Ich habe manchmal das Gefühl, es hat niemand mehr einen Überblick, wie viele Leute noch gebraucht werden", sagte Bomba. Dabei sei die Situation der Beschäftigten ohnehin schon «katastrophal». Der Insolvenzverwalter müsse endlich sagen, wem gekündigt werde und wem nicht. Vom Quelle-Aus sind rund 4.000 Menschen betroffen, die ihren Job verlieren werden.
Görg wies die Kritik zurück. "Der Insolvenzverwalter kann erst dann Klartext reden, wenn das Konzept mit allen Beteiligten abgestimmt ist", sagte sein Sprecher Thomas Schulz. Dazu sollte es ein Gespräch mit Betriebsräten und Gewerkschaft geben.
Gewerkschafter Rösch sagte, Leidtragende der Hängepartie seien die Arbeitnehmer, die Unterlagen wie Arbeitsbescheinigungen und Kündigungsschreiben vom Insolvenzverwalter nicht bekämen. Diese Papiere bräuchten sie aber, um sich arbeitslos melden zu können. "Es besteht die Gefahr, dass sie kein Arbeitslosengeld erhalten", warnte Rösch. Die Lage für die Beschäftigten werde immer dramatischer.
Rösch befürchtet, dass auch die lukrativen Quelle- Auslandsgesellschaften, für die es mehrere Interessenten gibt, immer mehr in eine Schieflage geraten könnten. Die Mitarbeiter in den Call Centern, den Servicegesellschaften oder beim Technischen Kundendienst Profectis wüssten ebenfalls nicht, wie es weitergehen soll.
Beim Abverkauf der Lagerbestände geht es um 18 Millionen Artikel, die laut Rösch außer im Quelle-Zentrallager in Leipzig auch noch auf Schiffen oder beim Zoll in Containern liegen. Diese Ware müsse verkauft werden, um die Insolvenzmasse zu vergrößern. Dies sei auch nötig, um den vorrangig besicherten Massekredit in Höhe von 50 Millionen Euro zurückzuzahlen, den der Bund sowie die Länder Bayern und Sachsen dem Unternehmen gegeben hatten.
Die bayerische Staatsregierung geht allerdings nicht davon aus, das das Geld rasch zurückfließt. "Alles in allem muss man davon ausgehen, dass der Massekredit am Jahresende 2009 nicht zurückgezahlt werden kann", sagte Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) am Mittwoch im Haushaltsausschuss des Landtags. Die Abwicklung des Unternehmens werde zeigen, welche Ausfallbeträge die öffentliche Hand tragen müsse. Der Bund hatte 25 Millionen Euro an dem Massekredit übernommen, Bayern 21 Millionen und Sachsen 4 Millionen Euro. In der Gläubiger-Reihenfolge liegt Bayern hinter dem Bund und Sachsen erst auf Rang drei. Fahrenschon rechnet dennoch damit, dass das Geld nach der Quelle-Abwicklung vollständig an den Freistaat zurückfließt.
Das Quelle-Aus bringt auch immer mehr Zulieferer und Dienstleister in Not. Allein in Nürnberg seien bei Hunderten von kleinen und mittleren Betrieben Arbeitsplätze bedroht, teilte die Stadt mit. Für sie wurde eine Hotline (Tel. 0911/231-4050) eingerichtet.