Schlechter Datenschutz

Kritik an Jobbörse der Arbeitsagentur

Datenschützer haben die Internet-Jobbörse der Arbeitsagentur scharf kritisiert. Diese mache es Unberechtigten zu einfach, an die Daten von Stellensuchenden zu gelangen, so die Experten.

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Die Jobbörse der Arbeitsagentur ist das größte deutsche Job-Portal im Internet. Experten sehen jedoch erhebliche Schwächen beim Datenschutz.
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Daten sind schon oft in falsche Hände gelangt. N24.de zeigt Ihnen die jüngsten Beispiele.
21. November 2007: Die britische Regierung räumt ein, dass auf dem Postweg zwei CDs mit persönlichen Daten von 25 Millionen Briten verschwunden sind. Am 24. November wird bekannt, dass sechs weitere CDs "weg" sind.
12. August 2008: Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein wird eine CD mit Daten von 17.000 Bürgern zugespielt. Sie enthält u.a. Namen, Geburtsdaten und Kontoverbindungen. Bei allen soll es sich um Kunden der Süddeutschen Klassenlotterie handeln.
18. August 2008: Dem Bundesverband der Verbraucherzentralen werden sechs Millionen Datensätze angeboten, davon vier Millionen mit Kontonummern. Außerdem taucht in Kiel eine neue CD mit mehr als 130.000 illegalen Datensätzen aus Call-Centern auf.
4. Oktober 2008: Bei der Deutschen Telekom sind 17 Millionen Handy-Nummern und Kundendaten in falsche Hände gelangt. Sie wurden T-Mobile bereits im Jahr 2006 entwendet. Darunter geheime Nummern Privatadressen von Politikern und Wirtschaftsführern.
6. Dezember 2008: Auf dem Schwarzmarkt sind nach Recherchen der "Wirtschaftswoche" Bankverbindungen von 21 Millionen Bürgern illegal im Umlauf. Dem Magazin wurden die Daten zum Preis von knapp zwölf Millionen Euro angeboten.
25. Mai 2009: Bei der britischen Luftwaffe werden Datenträger mit hochsensiblen privaten Informationen über Mitarbeiter gestohlen - darunter Details über Drogenmissbrauch, strafrechtliche Verfolgungen und Besuche bei Prostituierten.
17. August 2009: In den USA beginnt ein Prozess um den bis dahin größten Fall von Datendiebstahl im Internet. Drei Männer sollen die Daten von 130 Millionen Kreditkarten geknackt haben - rund zehn Prozent aller in Amerika ausgegebenen Kreditkarten.
5. Oktober 2009: Mehr als zehntausend europäische Konten des E-Mail-Anbieters Hotmail sind offenbar gehackt und ins Internet gestellt worden. Am 7. Oktober berichtet die britische BBC, dass auch Nutzer von Yahoo, AOL und Google betroffen sind.
16. Oktober 2009: Dem NDR werden insgesamt 27.000 Datensätze des Finanzdienstleisters AWD zugespielt. Es handelt sich u.a. um Kundennummern, Adressen, Telefonnummern, Geburtstage und die Vertragsbschlüsse der einzelnen Kunden. AWD räumt die Panne ein.

Datenschützer haben die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (BA) kritisiert: Deutschlands größtes Stellenportal im Internet lade "zum Missbrauch geradezu ein", sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar der "Süddeutschen Zeitung". Kriminelle könnten über das Portal zu Unrecht an Bewerberdaten gelangen, "etwa um persönliche Kontakte anzubahnen". Dass sensible Bewerberdaten möglicherweise in falsche Hände gerieten, lasse sich mit dem Sozialdatenschutz in keiner Weise vereinbaren.

Schaar hält insbesondere die Kontrollmechanismen der BA für ungenügend. Bei der Jobbörse müssten Arbeitgeber lediglich den Firmennamen, die Branche sowie Anschrift und Ansprechpartner angeben. Die Identität prüfe die Bundesagentur nicht. Nach der Anmeldung bekomme der Arbeitgeber eine persönliche Identifikationsnummer zugeschickt, mit dieser könne bereits ein Teil der Bewerberdaten in nicht mehr anonymisierter Form eingesehen werden. Jeder könne so Bewerbungsunterlagen anfordern, mit Adresse, Telefonnummer, Geburtsdaten, Zeugnissen und Lebenslauf - egal, ob er einen Job zu vergeben habe oder nicht.

Schaar forderte die Bundesagentur auf, "dieses Einfallstor für Datenmissbrauch unverzüglich zu schließen". Besonders gravierend sei, dass die Opfer gerade solche Menschen sind, die sich wegen eines Arbeitsplatzverlusts "in einer persönlichen Notlage" befinden. Die Behörde erklärte dem Bericht zufolge, sie habe im Hinblick auf die "Engpässe am Arbeitsmarkt" eine Erhöhung der Einstiegsbarrieren für die Jobbörse vermeiden wollen.

(AFP, N24)

29.10.2009 11:37 Uhr

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