Ausverkauf bei Quelle

Stunde der Schnäppchenjäger schlägt

Ab kommender Woche verscherbelt das insolvente Versandhaus Quelle rund 18 Millionen Artikel seines Lagerbestands. Bis zur Komplettschließung bleiben dafür noch 4300 Mitarbeiter in dem Unternehmen.

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Bei Quelle schlägt die Stunde der Schnäppchenjäger. Rund 18 Millionen Artikel sollen in den kommenden Wochen mit teils erheblichen Rabatten verscherbelt werden.
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Grundig, Märklin, Escada, und nun Quelle: Insolvenzen von deutschen Traditionsunternehmen sorgen immer für Wirbel. In jüngster Zeit kreist der Pleitegeier vermehrt über "Firmen mit Geschichte". N24.de gibt einen Überblick:
Verflixte 13 Jahre ist die Pleite des Werftenverbunds Bremer Vulkan her. Auch eine über 100-jährige Geschichte rettete den Konzern nicht. Veruntreute Gelder waren der Sargnagel für das Unternehmen, rund 2.000 Mitarbeiter verloren 1996 ihre Jobs.
Nur wenig besser ergeht es nun den Wadan-Werften in Wismar: Ein russischer Investor sollte die Rettung sein, doch die Auftragsbücher blieben leer. Trotz Staatshilfen in dreistelliger Millionenhöhe sind die Werften ...
... zahlungsunfähig. 2.500 Mitarbeiter und eine ganze Region sind betroffen.
Die glorreichen Zeiten des "Silicon Saxony" sind ebenfalls längst Vergangenheit.
"Das Aus von Qimonda ist ein schwerer Schlag für die Chipindustrie in Dresden, es bedeutet aber nicht das Ende für den Mikroelektronikstandort Sachsen", sagt CDU-Fraktionschef Steffen Flath. Hilfen in dreistelliger Millionen-Höhe reichten nicht aus.
Politik und Wirtschaft schieben sich seit Anfang 2009 die Schuld gegenseitig in die Schuhe. Die mehr als 13.000 Mitarbeiter weltweit, allein an den beiden deutschen Hauptstadnorten München und Dresden.rund 2.500, sind die Leidtragenden.
Eine bewegte Geschichte weist der Nähmaschinenhersteller Pfaff auf. 1862 gegründet, war die Pfälzer Firma 1999 pleite. Mehrere Eigentümerwechsel retteten sie vor dem Untergang. 2007 gelang die Rückkehr an die Börse. 2008 hieß es erneut: Insolvenzantrag.
1919 wurde in Nürnberg Deutschlands ältestes Fotohaus gegründet: Photo Porst. Via Franchise-System entstand daraus der größte Fotofilialist des Landes. 1981 schlitterte Photo Porst in den Konkurs - wurde aber gerettet. 2002 kam das endgültige Aus.
Die Agfa-Geschichte reicht bis ins Jahr 1867 zurück. Bekannt wurde Agfa 1936 - mit dem ersten Farbfilm. Agfa-Photo ging 2005 pleite. Zuvor hatte der Fotokonzern Agfa-Gevaert diese Sparte an Investoren und Management verkauft - letztlich ohne Erfolg.
Ähnlich erging es auch dem Kleinflugzeugbauer Fairchild-Dornier. Fairchild war 1998 bei Dornier, dem Daimler-Benz-Konzern gehörend, eingestiegen. Dorniers Wurzeln reichen aber bis zu den Anfängen der Luftfahrt zurück. Gründer Claude Dornier war beim ...
... Luftschiffbau des Grafen Zeppelin mit dabei. 1914 entstand die selbstständige Flugzeugsparte Dornier ("Do"). 1981 gab die Familie das Ruder aus der Hand. Als der Daimler-Benz-Konzern 2002 aussteigen wollte, fand sich kein Investor. Folge: Insolvenz.
Grundig, 1930 in Fürth gegründet, gilt als eines der Symbole des deutschen Wirtschaftswunders. Der Unterhaltungselektronikhersteller war in der Nachkriegszeit führend in Europa. In den 1980ern geriet das Unternehmen in die Krise als ...
... japanische Konkurrenten zunehmend den europäischen Markt mit ihren Produkten überschwemmten. Konkurrent Philips stieg ein, um wenig später die Firma an das bayerische Kathrein-Konsortium zu verkaufen. Es nützte nichts: 2002 kam die Insolvenz.
Dass Unternehmenskrisen von Traditionsunternehmen auch gerne politisiert werden, macht das Beispiel Holzmann deutlich. 1849 gegründet, mauserte sich das Unternehmen, das unter anderem die Nürnberger Kongresshalle baute, zum ...
... größten Baukonzern Deutschlands. Sich häufende Fehler im Management sorgten für einen Schuldenberg in Milliardenhöhe. Am 23. November 1999 wurde Insolvenzantrag gestellt. Der Konzern hatte sich buchstäblich verhoben. Nun trat die Politik auf den ...
... Plan: Bundeskanzler Gerhard Schröder schnürte ein "Rettungspaket" mit Übergangskrediten der Banken und einer Bürgschaft des Bundes, die allerdings nie in Anspruch genommen wurde. Die allgemeine Baukrise sorgte dann für das endgültige Aus 2002.
In die Fußstapfen der damaligen Baukrise ist nun die Finanzkrise getreten, die sich mittlerweile zu einer ausgewachsenen Weltwirtschaftskrise entwickelt hat und dabei mehrere deutsche Traditionsunternehmen über die Klinge hat springen lassen:
Generationen spielten mit Modelleisenbahnen aus dem Hause Märklin. Aber im 150. Unternehmensjahr muss das Göppinger Traditionsunternehmen Insolvenz anmelden. Der Niedergang hatte sich mehrfach abgezeichnet. Seit der Übernahme durch den Investor ...
...Kingsbridge im Frühjahr 2006 - Märklin stand zum ersten Mal vor der Pleite - gaben sich ein halbes Dutzend Geschäftsführer die Klinke in die Hand. Rettung? Fehlanzeige. Preiserhöhungen und Qualitätsmängel taten ihr Übriges.
Die Porzellanmanufaktur Rosenthal wurde als Familienbetrieb 1879 gegründet. 2008 arbeiteten weltweit 1.800 Menschen für Rosenthal. Das Unternehmen vertrieb seine Waren unter anderem über eine eigene Ladenkette. Seit ...
... 1997 gehört die börsennotierte Rosenthal AG mehrheitlich zur britisch-irischen Waterford Wedgwood. Deren Zusammenbruch führte - kurz vor einem bereits eingefädelten Verkauf an die italienische Sabonet Paderno - zur Zahlungsunfähigkeit von Rosenthal.
Anfang August 2009 stellt der Klavierbauer Schimmel Antrag auf Insolvenz - einer 124-jährigen Unternehmensgeschichte droht das Aus. Fast 150 Mitarbeiter beschäftigt Schimmel zuletzt.
Die Textilhandelskette SinnLeffers beantragt im August 2008 Insolvenz. Die Geschichte des Unternehmens reicht in Teilen bis ins Jahr 1850 zurück, als in Köln eine "Kurzwarenhandlung" der Gebrüder Sinn eröffnet wird. SinnLeffers ist nach . ..
... der Textilkette Wehmeyer und den Hertie-Warenhäusern die dritte Tochter ...
... des heutigen Arcandor-Konzerns (ehemals KarstadtQuelle), die Insolvenz anmeldet. Aber auch der ehemaligen Mutter ergeht es nicht besser. Der Konzern ...
... gerät unter der Ägide von Thomas Middelhoff ins Schlingern - und muss im Frühjahr 2009 Insolvenz anmelden. Betroffen ist auch ...
... die Versandhandelstochter Quelle. Da helfen auch "1.000 Wünsche" nicht. Dem Insolvenzantrag im Juni folgt das endgültige Aus im Herbst. Quelle soll abgewickelt werden. Laut Insolvenzverwalter sind Verkaufsanstrengungen erfolglos geblieben.
Für die Arcandor-Tochter Karstadt steht der Metro-Konzern Gewehr bei Fuß. Die eigene Warenhauskette Kaufhof soll mit Karstadt zu einer Art "Deutschland Warenhaus AG" zusammengeführt werden. Aber auch hier stockt das Vorhaben.
Das auch Billigheimer nicht immer Krisengewinnler sind, beweist die Niedrigpreis-Kaufhauskette Woolworth: Insolvenz im April. Rund 11.000 Menschen bangen um ihre Jobs. Drunter und drüber ...
... geht es auch bei Schiesser. Der einst größte deutsche Unterwäschehersteller gehört zu den Unterwäsche-Fabrikanten der ersten Stunde - weil 1875 gegründet. Millionen Männer und Frauen trugen den modischen "Feinripp". Trotz ...
... erfolgreicher Restrukturierung beantragt der Wäschehersteller aus Radolfszell am Bodensee im Februar 2009 Insolvenz. Rund 600 Mitarbeiter sind betroffen. Kommt dennoch ein Comeback der "Feinripp-Liebestöter" der Marke Schiesser?
Nicht viel besser ergeht es dem Textilfaser-Hersteller Trevira. Das Unternehmen mit etwa 1.380 Mitarbeitern in Deutschland stellt Anfang Juni einen Insolvenzantrag.
Kampa sieht sich selbst als "Hausbau-Marke Nummer eins" in Deutschland. Die Wirtschaftskrise setzt Kampa (die Firmenwurzeln reichen bis ins Jahr 1900 zurück) deutlich zu, Millionenverluste waren die Folge. Nun ist Kampa zahlungsunfähig.
Auch seit längerer Zeit in der Krise: Der Cabriospezialist und Kleinserienhersteller Karmann. Ein Insolvenzverwalter versucht nun zu retten,w as zu retten ist. Fast 3.500 Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. VW ist als Retter im Gespräch. Pleite ist ...
... der Autozulieferer Edscha. Eine Mitschuld dürfte dabei der ameikanischen Investor Carlyle tragen, der 2002 für 180 Millionen Euro eingestiegen ist.
Seitdem musste Edscha seine Gewinne nahezu vollständig abtreten. 15 Standorte in Europa mussten dicht machen, 4.200 Mitarbeiter stehen auf der Straße.
Mit Opel steht die deutsche Autobau-Tradition am Abgrund. Die Tochter des US-Konzerns General Motors (GM) braucht Milliarden fürs Überleben. Mit dem Zulieferer Magna steht ein Investor bereit, der Kaufvertrag ist aber noch nicht unterschrieben.
Das als Nähmaschinenhersteller gegründete Unternehmen gehört seit 1929 zu GM. Der einst größte Autohersteller der Welt hat selbst Insolvenz angemeldet und droht die Tochter mit in den Abgrund zu reißen. Käme es so weit, es wäre eine der ...
... größten Pleiten aller Zeiten. GM machte 2007 einen Verlust von fast 40 Milliarden Dollar, 2008 von über 40 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Experten zufolge kostete die Pleite des Autozulieferers Delphi 2005 rund 17 Milliarden Dollar. Die Pleite ...
... von Delta Air Lines im gleichen Jahr etwa 22 Milliarden Dollar. Nahezu das ...
... Dreifache kostete die Insolvenz des US-Energieriesen Enron 2001. Der sich selbst als "The Greatest Company" bezeichnende Konzern sorgte mit mehrfacher Bilanzfälschung zudem für einen der größten US-Wirtschaftsskandale. Die Pleitekosten lagen ...
... aber beim Telekomkonzern Worldcom mit fast 104 Milliarden Dollar nochmals deutlich höher. Den Vogel schoss bisher ...
... aber die Investmentbank Lehman Brothers ab. Ihre Pleite kostete geschätzte 639 Milliarden Dollar. Da erscheinen die für einen Opel-Bankrott veranschlagten Kosten von 6,5 Milliarden Euro geadezu als Peanuts.

Nach der Pleite des Versandhauses Quelle beginnt in der kommenden Woche der Ausverkauf. Bis zu 18 Millionen Waren stehen dabei zum Verkauf, wie die Insolvenzverwalter in Fürth mitteilten. Die Waren sollen vor allem im Internet unter www.quelle.de, aber auch in den noch bestehenden Technikcentern angeboten werden. Der genaue Termin für den Start des Ausverkaufs, bei dem hohe Rabatte zu erwarten sind, steht einem Sprecher des Insolvenzverwalters zufolge noch nicht fest.

"Das Konzept für den größten Ausverkauf Deutschlands steht", erklärte der Beauftragte des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg für den Versandhandel, Jörg Nerlich. Details wie das genaue Datum für den Verkaufsstart sollen aber erst in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden. Knapp die Hälfte der angebotenen Waren stammt den Angaben zufolge aus dem Bereich Mode. Der Ausverkauf ist zeitlich zunächst nicht befristet. Quelle werde liefern, so lange der Vorrat reiche, erklärte Nerlich. Dabei werde angestrebt, die Bestellungen bis Weihnachten auszuliefern.

Für den Ausverkauf werden den Angaben zufolge rund 4300 Mitarbeiter beschäftigt. Gut 2100 Mitarbeiter verlieren dagegen ab dem 1. November ihren Job. Für die bislang ungekündigten 5900 Beschäftigten der gesamten Primondo-Gruppe, zu der Quelle gehört, sollen im November die Verhandlungen über einen Sozialplan geführt werden. Zuletzt hatten in der Gruppe 10.500 Menschen gearbeitet. Die Personalstrukturen seien so geplant, dass im November noch die Fachleute an Bord seien, auf deren Know-how Investoren nach einem Kauf von Teilgesellschaften setzten, erklärte Nerlich. Insolvenzverwalter Görg hatte in der vergangenen Woche das Aus für das deutsche Traditionsunternehmen Quelle bekannt gegeben. Trotz intensiver Verhandlungen hatte sich kein Investor für den insolventen Versandhändler gefunden.

(AFP, N24)

29.10.2009 16:08 Uhr

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