Eisschnelllauf-DM
Pechstein und Friesinger fallen aus
Deutsche Meisterschaften ohne Topstars: Während Claudia Pechstein immer noch gegen ihre Doping-Sperre verhandelt, musste Anni Friesinger einen herben Verletzungsrückschlag vermelden.
Claudia Pechstein gesperrt und jetzt auch noch Anni Friesinger-Postma verletzt: Ohne die beiden Topstars finden am Wochenende die deutschen Eisschnelllauf-Meisterschaften in Berlin statt. Während Pechstein in der Revisionsverhandlung gegen ihre Sperre wegen auffälliger Blutwerte auf das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes CAS wartet, musste die zweimalige Olympiasiegerin Friesinger-Postma ihre Teilnahme wegen Beschwerden an dem im vergangenen Jahr operierten Knie absagen.
"Ich habe wieder zu viel trainiert und habe Probleme mit dem Knie", sagte Friesinger-Postma. Ihre Konzentration gilt nun dem Weltcup-Auftakt an selber Stelle: "Ich will jetzt nichts riskieren und in der nächsten Woche beim Weltcup in Berlin fit sein, um die Mannschaft zu unterstützen", sagte sie.
Ungeachtet der Verletzung hat sich die 32-Jährige für die neue Saison viel vorgenommen. Am Ende des Winters will sie bei Olympia in Vancouver (12. bis 28. Februar) über 1000 m triumphieren. "Das ist eine ultimative Chance, und ich weiß, was ich kann."
Friesinger vor letzten olympischen Spielen
In Vancouver wird Friesinger-Postma zum letzten Mal an Olympischen Spielen teilnehmen. Ein Jahr später, nach den Weltmeisterschaften über die Einzelstrecken 2011 im heimischen Inzell, will die Ausnahme-Läuferin ihre Karriere beenden. Dort begann auch die Karriere der Ausnahmeläuferin.
Nach dem Rückzug vom Eis will sich die Seriensiegerin verstärkt ihrem Privatleben widmen. Seit dem Sommer ist sie mit dem niederländischen Eisschnelllauf-Olympiasieger Ids Postma verheiratet. Mit ihm lebt sie auf seinem Baunernhof in Friesland. "Er hat 300 Kühe, und ich bin sicherlich nicht die beste Kuh in seinem Stall", scherzte Friesinger, die ihren Ehemann in der Landwirtschaft sowie beim Ausbau des Hauses tatkräftig unterstützt.
Pechstein "für die Weltcups gesetzt"
Die einstige Dauer-Rivalin Pechstein kann sich trotz ihrer Sperre durch den Weltverband ISU der Unterstützung der deutschen Teamleitung sicher sein. Während sich das Gros der deutschen Athleten bei der DM für die Weltcups qualifizieren muss, gilt für Pechstein eine Ausnahmeregelung, die die Hochachtung der Teamleitung vor der 37-Jährigen widerspiegelt. "Sie ist eine Top-Athletin und für die Weltcups gesetzt", sagt Präsident Gerd Heinze von der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG). Und Teamchef Helge Jasch meint: "Von ihrem Kaliber haben wir nicht viele. Wenn wir auf sie verzichten würden, schwächen wir uns selbst." Das Ticket für die Olympischen Spiele jedoch muss sich Claudia Pechstein in den Weltcups erlaufen - sollte sie freigesprochen werden. "Deshalb wäre es gut, wenn sie bereits beim Weltcup in Berlin starten könnte", sagte Heinze. Der Heimweltcup beginnt am 6. November. Der CAS hat ein Urteil ab dem 5. November in Aussicht gestellt. Nur im Falle eines Freispruchs darf die Berlinerin auf den Gewinn ihrer sechsten olympischen Goldmedaille hoffen.
Gerd Heinze ist sich "ziemlich sicher", dass es im Fall Pechstein einen Freispruch geben wird. Ein Indiz dafür sei die Tatsache, dass der CAS jüngst alle am Verfahren beteiligten Parteien aufgefordert hatte, zu den neuen Ausführungsbestimmungen des Codes der Welt-Antidoping-Agentur WADA in Sachen Blutdoping Stellung zu beziehen, auch die DESG. "In den neuen Bestimmungen wurde deutlich, dass die Blutprofile der Athleten bei Auftreten von Anomalien in Zukunft gründlicher untersucht werden müssen, bevor es zu einer Strafe kommt", sagte Heinze.
(Nikolaj Stobbe und Jörg Mebus, sid, N24)
29.10.2009 17:19 Uhr







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