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20 Jahre Wende
 

Das war die DDR

Trabi, FKK und Sandmännchen

"Das Beste an der DDR war der Traum, den wir von ihr hatten." So schreibt der Schriftsteller Hermann Kant einst über sein Heimatland. Die DDR ist seit 20 Jahren Geschichte - wir blicken zurück.

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Die DDR - 41 Jahre lang ist sie der Versuch, den ersten deutschen "sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern" zu etablieren. 20 Jahre nach ihrem Scheitern und der Wiedervereinigung wollen wir einen Blick zurück werfen.
Gegründet wird die DDR am 7. Oktober 1949. Zunächst leben die DDR-Bürger ohne Mauer jedoch unter strenger Kontrolle der ...
... Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands auf dem Gebiet der nach dem 2. Weltkrieg vereinbarten sowjetischen Besatzungszone. Erster Generalsekretär bis 1953 ist Walter Ulbricht. Ihm folgen Erich Honecker (1971-89) und Egon Krenz (1989).
Die zunehmende Republikflucht aufgrund des diktatorischen Regimes führt 1961 zum Bau der Mauer, von der DDR als "antifaschistischer Schutzwall" bezeichnet. Sie wird das Symbol der Teilung der DDR von der westlichen Welt und ...
... führt auf deutschem Boden zur Entwicklung einer eigenen sozialistischen Parallelwelt neben der BRD, inklusive eigener Wirtschaftsordnung (Planwirtschaft), eigenen Produkten und eigener Lebenskultur.
Nur mit Ausnahmegenehmigung oder Passierschein ist es DDR-Bürgern erlaubt, die innerdeutsche Grenze zu überqueren. Damit beschränkt sich der Urlaub auf das DDR-Territorium und das sozialistische Ausland.
Das "Glück des Ostens" ist ein Wartburg und ein Zeltplatz an der Ostsee. Urlaub wurde in der DDR als Teil der Arbeit am Sozialismus betrachtet und auch so organisiert.
Schüler fahren in die Kinderferienlager, Familien versuchen einen der preiswerten aber knappen Plätze im FDGB-Heim zu bekommen. Ein Sieben-Tage-Urlaub im Harz kostet beispielsweise 1960 17,50 Ost-Mark.
Wer dem Massenurlaub in einem der FDGB-Ferienheime mit geregelten Essenszeiten und organisierter Fröhlichkeit entrinnen will, versucht eine ebenso rare Unterkunft an der Ostsee zu bekommen.
Beziehungen sind selbst fürs Zelten nötig, denn auch die Campingplätze sind während der Sommerferien völlig überlaufen. Und mit dem eigenen Boot die Ostsee zu befahren, ist streng verboten. Der Staat fürchtet die "Republikflucht".
Davon lassen sich die Bürger aber nicht abschrecken. Große Teile der Ostseeküste sind fest in der Hand der "Nackten" - das Fröhnen der FKK-Kultur gilt als typisches DDR-Gut.
Wenn die DDR-Bürger schon nicht die Freiheit besitzen, in westliche Länder zu reisen, so nehmen sie sich zumindest die Freiheit im eigenen Land, ungezwungen ohne Textilien die Freikörperkultur zu zelebrieren.
Neben FKK ist der Trabant ein weiteres Symbol der DDR. Zu Beginn seiner Produktion wird er noch als ostdeutscher "Volks“-Wagen gefeiert und gilt für viele Familien mit mittlerem Einkommen als Einstieg in die automobile Welt. Er kostet ca. 10.000 Ost-Mark.
Mangels Alternativen sind die Auftragsbücher übervoll. Interessenten müssen mehr als zehn Jahre auf einen Trabi warten. Praktisch jeder erwachsene DDR-Bürger hat daher eine Pkw-Bestellung laufen - ein ostdeutsches Männertrauma quasi.
Eine gehobenere Alternative zum Trabi ist der Wartburg. Er kostet jedoch ca. 30.000 Ost-Mark, was für DDR-Bürger ein Vermögen ist.
Für die hochrangigen Minister und Funktionäre des Staatsapparates stehen natürlich andere Karossen zur Verfügung. Mit diesem Volvo wird beispielsweise Erich Honecker chauffiert.
Nicht nur Autos sind gefragte und daher knappe Güter in der DDR. Es herrscht seit den 60er Jahren zwar kein existenzieller Mangel an lebenswichtigen Grundbedarfsgütern, aber alles wurde irgendwann und irgendwo mal knapp.
Die 1000 kleinen Dinge des täglichen Bedarfs beschäftigen wiederholt das Politbüro. Die Weihnachtsversorgung der Bevölkerung gerät alljährlich zur Staatsaktion. Doch aller politischer Eifer kann nicht verhindern, dass ...
... das Angebot der Nachfrage hinterherhinkt. Der Kardinalfehler steckt im planwirtschaftlichen System selbst. Es wird am Bedarf vorbeiproduziert und führt somit zu der vielzitierten Mangelwirtschaft.
Die Wirtschaft und der Konsum ist ein ewiges Thema in der historischen Betrachtung der DDR und wird neben der politischen Diktatur als Hauptgrund ihres Scheiterns aufgeführt.
Auch wenn es Erfolgsmeldungen gibt: Die schon vor DDR-Zeiten gegründete Sektkellerei "Rotkäppchen" schafft es, den Übergang vom "volkseigenen Betrieb" in der DDR zu einem heute erfolgreichen Unternehmen zu meistern.
Und eine weitere in der DDR gegründete Marke hat bis heute überlebt - die ostdeutsche "Vita Cola" wird in der DDR in verschiedenen Getränkebetrieben abgefüllt und ist seit 1994 deutschlandweit im Handel erhältlich.
Ein weiteres kulinarisches Überbleibsel der DDR - die Soljanka, eine Wurstsuppe mit Paprika, sauren Gurken und Zwiebeln. Sie ist eigentlich osteuropäischen Ursprungs, findet aber als beliebter Eintopf Einzug in die DDR-Gastronomie.
Quasi das Fast Food der DDR - der Broiler, die in der DDR übliche Bezeichnung für Brathähnchen. In der DDR werden Zuchtversuche unternommen, um ein möglichst fleischreiches Huhn für den Broiler zu züchten - jedoch nur mit mäßigem Erfolg.
Ein wichtiger Werbeträger der Ostalgie-Welle ist das Sandmännchen, auch wenn es sowohl eine BRD- als auch eine DDR-Version gibt. Dies führt in den Kindergärten der DDR zu recht heimtückischen Ausforschungen der Kinder.
Wenn die Kinder in den DDR-Kindergärten das Sandmännchen beschreiben oder malen sollen, wird schnell klar, welches Fernsehprogramm im Elternhaus gesehen wird. Das Empfangen von Westsendern wird verfolgt und bestraft.
Pittiplatsch - von dieser niedlichen Koboldfigur handeln die Geschichten des Sandmännchens. Die nur wenige Minuten langen Filme in der Abendgruß-Sendung zeigen Pittiplatsch meist im Dialog mit Schnatterinchen und dem Hund Moppi.
Die Jugend in der DDR ist generell der starken sozialistischen Ideologie unterworfen. Jugendorganisationen wie die FDJ sollten Kinder und Jugendliche von klein auf systemkonformes Verhalten lehren.
Die Pionierorganisation "Ernst Thälmann“ war in der DDR die politische Massenorganisation für Kinder: angefangen als Jungpionier (1.-3. Klasse) mit blauen Halstüchern, gefolgt vom Thälmannpionier (4.-7. Klasse) mit rotem Halstuch.
Nachfolgeorganisation ab dem 14. Lebensjahr ist die "Freie Deutsche Jugend". Die Mitgliedschaft ist zwar freiwillig, doch haben Nichtmitglieder erhebliche Nachteile (z.B. bezüglich Studien- und Berufswahl). FDJ-Kleidung ist das "Blauhemd".
Ein wichtiger Schritt für die DDR-Jugend ist die Jugendweihe als Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter. Sie ist eine nichtkirchliche Alternative zur Konfirmation bzw. Firmung und findet mit dem 14. Lebensjahr statt.
Zu dem Festakt sind alle Angehörigen eingeladen. Nach einigen offiziellen Reden und dem Gelöbnis werden von Jungpionieren Blumen, eine Urkunde und das Buch "Der Sozialismus - Deine Welt" überreicht.
Auch unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel verbringt ihre Jugend in der DDR. Als junges Mädchen bereitet Angela Kasner im Juli 1973 - nach ihrem Abitur - mit Freunden beim Camping im brandenburgischen Himmelpfort auf der Feuerstelle ein Essen zu.
Wer entdeckt Angela Merkel auf diesem Bild? Hier ist sie 1971 mit ihren Schulfreunden aus der 10. Klasse der Polytechnischen Oberschule Templin/Brandenburg zu sehen. Lösung: 2. Reihe, Mitte, leicht verdeckt
Angela Merkel ist zu DDR-Zeiten noch unbekannt, nicht so dieser Mann - Sigmund Jähn, der damalige Stolz des DDR-Volkes. Der DDR-Kosmonaut ist 1978 der erste Deutsche im All. An Bord des Raumschiffs Sojus 31 hebt er zu einem einwöchigen Weltraum-Trip ab.
Hier ist er mit seinem russischen Kollegen Bykowski zu sehen. Gemeinsam absolvieren sie den Flug zur russischen Raumstation Salut 6. Selbstverständlich sind die DDR-Funktionäre besonders stolz, dass gerade ein DDR-Bürger der erste Deutsche im All ist.
Das Kräftemessen mit der westlichen Welt wird auch im Sport weiter betrieben. Der immense Ehrgeiz und die Rivalität führt teilweise zum Einsatz illegaler Mittel, um die DDR-Sportler auf Höchstleistung zu trimmen.
Unvergessen ist der Sieg der DDR-Fußballnationalmannschaft während der Weltmeisterschaft 1974 gegen die BRD im Hamburger Volksparkstadion. Jürgen Sparwasser schießt das Tor zum 1:0, gleichzeitig Endstand des Spiels.
Auch nach der Wende ein Gesicht des gesamtdeutschen Fußballs - Matthias Sammer. Der in Dresden geborene Spieler ist Kapitän der DDR-Fußballnationalmannschaft und bestreitet die letzten Spiele des DDR-Teams.
Ein weiteres Aushängeschild des DDR-Sports ist Katharina Witt. Das "Time Magazine" bezeichnet sie als das "schönste Gesicht des Sozialismus". Sie ist sechsfache Europa-, vierfache Weltmeisterin und gewinnt zweimal olympisches Gold.
Auch Erik Zabel lernt das Einmaleins des Leistungssports in der DDR. Als Radsportler erringt er über 200 Siege und gewinnt als einziger Profi sechsmal das Grüne Trikot bei der Tour de France. Getrübt wird sein Ansehen jedoch durch ein Dopinggeständnis.
Die DDR-Leichtathletin Marlies Göhr zählt in den 70er und 80er Jahren zu den weltbesten 100-Meter-Läuferinnen. Sie wurde jeweils zweimal Olympiasiegerin und Weltmeisterin sowie fünfmal Europameisterin. Doch auch ihr wird systematisches Doping vorgeworfen.
Wie im Sport übt der Staat nahezu im gesamten DDR-Territorium seinen Kontroll- und Reglementierungszwang aus. Die Stasi ist das Staatsorgan, welches vor allem ein Unterdrückungs- und Überwachungsinstrument der SED ist und deren Machterhalt dient.
Die Stasi setzt insbesondere die Mittel der Überwachung und Einschüchterung gegen Oppositionelle und Regimekritiker ein. Hauptziel ist, die Gesellschaft in allen Bereichen zu kontrollieren, um DDR-kritische Tendenzen schnellstmöglich zu entdecken und ...
... jegliche Gefährdung des "wahren Sozialismus" zu unterbinden. In Stasigefängnissen werden zahlreiche Menschen inhaftiert, die der kommunistischen Diktatur im Weg stehen.
Ziel und Opfer der Stasi sind auch Künstler wie Wolf Biermann, die in ihren Arbeiten wegen vermeintlich "grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“ und Kritik an der DDR, Schikane und Verboten unterworfen sind.
Der Kultur wird in der DDR große Aufmerksamkeit gewidmet. Es ist erklärtes Ziel, als "sozialistische Kultur zur ideologischen Erziehung und Gestaltung eines sozialistischen Weltbildes" beizutragen. Entsprechend streng ist die Zensur.
Dieses Bronzerelief vor der Leipziger Universität ist ein Beispiel der in der DDR vorrangigen Auftragskunst. Es trägt den Namen "Karl Marx und das revolutionäre, weltverändernde Wesen seiner Lehre".
Seitens der DDR-Führung gibt es das Bestreben in Abgrenzung zur westlichen Beatmusik eine eigene Tanzmusik zu etablieren. Dennoch treffen Musikgruppen wie die Puhdys, City oder Karat eher das Zeitgefühl der DDR-Bürger und feiern nationale Erfolge.
Erich Honecker kämpft erbittert um die Gunst der Jugend. Selbst West-Musiker Udo Lindenberg trifft er, um sich Freunde zu machen. Lindenberg überreicht "Honi" bei der Gelegenheit eine Gitarre mit der Aufschrift "Gitarren statt Knarren".
Und es gibt auch einen "Ost-Comic": die Digedags sind die Helden der in der DDR erscheinenden Comiczeitschrift Mosaik. Die drei Protagonisten Dig, Dag und Digedag erleben in mehreren großen Serien Abenteuer in Raum und Zeit.
Ein mittlerweile berühmt gewordenes Film-Langzeitprojekt wird ebenfalls in der DDR durchgeführt - die "Kinder von Golzow". Für die Doku werden Schüler aus dem brandenburgischen Golzow auf ihrem Lebensweg begleitet. 20 Filme entstehen während des Projekts.
Was gibt es sonst noch für Anekdoten, die einem von der DDR in Erinnerung geblieben sind: zum Beispiel ...
... die des ersten eigenentwickelten Passagierstrahlflugzeugs der DDR. Bei dem zweiten Testflug der Maschine kommen alle vier Besatzungsmitglieder ums Leben. Weitere technische Probleme führen dazu, das der Flugzeugbau in der DDR eingestellt wird.
Die staatliche Fluggesellschaft der DDR heißt übrigens "Interflug". In russischen Propellerflugzeugen werden DDR-Bürger und Frachtgut durchs Land geflogen.
Dieser Vogel ist das Maskottchen des DDR-weiten Tankstellennetzes Minol - der "Minol-Pirol". Zum Ende der DDR existieren über 1.300 Minol-Tankstellen.
Auch Karneval wird in der DDR gefeiert - hier unter dem Namen Fasching. Büttenredner müssen aber schon überlegen, ob und wie weit sie sich mit der Obrigkeit anlegen wollten. Ging einer von ihnen zu weit, waren Bespitzelung und Auftrittsverbot die Folge.
Ein starker Wintereinbruch im Winter '78/'79 bringt im Norden der DDR chaotische Zustände. Besonders betroffen ist Rügen, wo nach einem milden Weihnachtsfest die Temperaturen innerhalb weniger Stunden von fünf Grad plus auf 20 Grad unter Null fallen.
Straßen sind unpassierbar, Viehherden verenden, Leitungen brechen und Züge bleiben im Schnee stecken. Hier sehen wir ein durch Schneemassen von der Außenwelt abgeschnittenes Gehöft.
Und sie ist das letzte Kind der DDR - die blonde Sarah erblickt exakt zwei Minuten vor der deutschen Einheit am 2. Oktober 1990 in der Städtischen Frauenklinik Leipzig das Licht der Welt und ist, einer Fernsehumfrage zufolge, das letzte Kind der DDR.
Seit dem 3. Oktober 1990 ist die DDR Geschichte. Doch neben den Erinnerungen lebt sie zumindest im kanadischen Montreal weiter: die DDR-Flagge weht noch 2009 vor dem einstigen Radrenn-Stadion im Olympiapark und soll an die Sommerspiele 1976 erinnern.
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"Wir sind das Volk!" Eine Parole, die die Wendezeit wie keine andere prägt, hat ihren Ursprung in der friedlichen Revolution, die im Wesentlichen mit einer Stadt verbunden ist: ...
... Leipzig, "Heldenstadt der DDR". Nach der Wende haben sich viele die Verdienste an der Umwälzung ans Revers geheftet. Doch die wahren Helden sind die tausenden Leipziger, die im Herbst 1989 Montag für Montag auf die Straßen gehen.
Die Bewegung findet ihren Ursprung hier, in der zur Legende gewordenen Nikolaikirche. Seit 1982, verstärkt aber Ende der 80er Jahre, wird das Gotteshaus bei den Montagsgebeten Zentrum der Debatte über die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR.
Initiator und "Schutzpatron" dieser Treffen ist der Pfarrer der Kirche, Christian Führer, der noch bis 2008 den Kampf gegen Ungerechtigkeit als Kirchenmann führt, bis er in Pension geht.
Weil die Stasi die Treffen immer mehr versucht zu kontrollieren, verlagern sich die Aktionen auf die Straße, ab Januar 1989 gibt es erste Demos. Die Staatsmacht beäugt die "konterrevolutionären Zusammenrottungen" mit Argwohn (Bild: 13.3.1989).
Um die Bewegung zu beschwichtigen, wird ausgewählten Protagonisten des Protests die Ausreise bewilligt. Doch der Mut wächst. Vor allem in den Tagen der Leipziger Messe, zu der sich gewöhnlich viele ausländische Reporter in der Stadt aufhalten, ...
... ist der Unmut der Menschen nicht mehr zu übersehen. Sie wollen Veränderung - in der DDR. Am 4. September 1989, erste Massenfluchtbewegungen gen Westen sind bereits bekannt, wagen einige, Spruchbänder zu entrollen.
Vor laufenden Kameras und den Linsen der Fotografen reißen Stasi-Mitarbeiter in Zivil den Demonstranten die Banner aus der Hand - hilflose Versuche, aufzuhalten, was nicht mehr aufzuhalten ist.
In der Folge kommt es zu Festnahmen, die Sicherheitskräfte versuchen die Menschen einzuschüchtern. Doch die Montagsdemos finden dessen ungeachtet immer mehr Zulauf. Am 2. Oktober finden 20.000 Menschen den Weg auf die Straße. Die Polizei prügelt.
Die DDR hat zum 40. Jubiläum mit dem Untergang zu kämpfen, selbst der sowjetische Bruder stellt die Weichen auf Perestroika und Glasnost. Doch die DDR-Führung setzt noch einmal zu einem großen Zeichen an: Die am 9. Oktober ...
... erwartete Demonstration soll im Keim erstickt werden. Doch dann kommt die große Trotzreaktion der Leipziger. Alle Drohungen helfen nichts, rund 70.000 Menschen wandern friedlich durch die Straßen. "Keine Gewalt" fordern sie lautstark - und ...
... die überforderte DDR-Führung lenkt ein: Die rund 8.000 in der Stadt konzentrierten Sicherheitskräfte halten sich zurück. Es kommt nicht zu einem befürchteten Massaker wie wenige Monate zuvor auf dem Tian'anmen-Platz in Peking. Der 9. Oktober 1989 ...
... kann als Wendepunkt der friedlichen Revolution bezeichnet werden. Immer mehr Menschen verlieren die Angst vor dem sozialistischen Staat, der nicht mehr ihrer ist. Zu den ...
... folgenden Montagsdemonstrationen finden sich immer mehr Teilnehmer ein. Eine Woche nach dem prekären 9. Oktober ...
... sind es bereits 120.000, am ...
... 23. Oktober kommen 200.000 DDR-Bürger. Auch Spruchbänder nehmen zu. Darauf ist zu lesen, was die Menschen stört. So ist damals keineswegs die ein Jahr später vollzogene Einheit das Ziel. Vielmehr trachten die Demonstranten nach ...
... Reformen, ...
... Reisefreiheit, ...
... freien Wahlen ...
... und der Zulassung neuer Bewegungen wie dem Neuen Forum.
Bis zum Mauerfall am 9. November 1989 steigt derweil die Zahl der Demonstranten weiter an. Höhepunkt ist der 6. November. 300.000 bis 400.000 Menschen reisen aus der ganzen DDR nach Leipzig an, um ein Zeichen zu setzen. Drei Tage darauf ...
... ist die Mauer in Berlin Geschichte, die DDR auf dem Weg der Veränderung, der letztlich in die Wiedervereinigung mündet. Nach Öffnung der Grenzen ...
... nimmt die Zahl der Demonstranten in Leipzig ab, ein Teilziel ist erreicht. Doch noch immer verleihen in den folgenden Wochen Tausende ihren Wünschen und ihrem Stolz über die gewaltfreie Revolution Ausdruck. Und vieles, wogegen ...
... man gekämpft hat, hat noch immer Bestand. So richtet sich der Zorn vor allem gegen den Spitzelstaat DDR. Trutzburg der Staatssicherheit in Leipzig ...
... ist die sogenannte "Runde Ecke", ein Gebäude am Dittrichring. Am 4. Dezember 1989 gelingt es den Demonstranten, das Gebäude zu besetzen. Ein weiterer Triumph für diejenigen, die von ewigem Misstrauen die Nase voll haben.
Mit der Zeit ändern sich aber die Inhalte der Proteste. Zu Beginn kein Thema übernehmen Einheitsbefürworter die Meinungshoheit. Der Zeitgeist ...
... behält in diesem Fall Recht. Erich Honecker geht im Januar 1990 in den Bau und die Deutsche Demokratische Republik hört mit dem Beitritt zum Gebiet der Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 auf zu existieren.
Video: Privat-Video zeigt - Margot Honecker feiert 60 Jahre DDR

(N24, Danilo Brandt)

08.02.2010 12:00 Uhr

Chronik: Deutsche Teilung - Deutsche Einheit

öffnenschließen8. Mai 1945 Mit dem Ende des zweiten Weltkriegs werden Deutschland und Berlin in vier Sektoren unterteilt. Für Berlin gilt: Die USA, Großbritannien und Frankreich kontrollieren den Westteil, die Sowjetunion des Ostteil der Stadt.

öffnenschließen23. Juni 1948 Mit der Währungsreform in Berlin wird die Stadt in zwei verschiedene Währungszonen gespalten.

öffnenschließen24. Juni 1948 Beginn der Berlin-Blockade: Die Sowjetunion unterbindet die Versorgung des komplett von der Sowjetischen Besatzungszone umgebene Westberlin. Die Westmächte reagieren mit der Einrichtung einer Luftbrücke. Fast ein Jahr später, am 12. Mai 1949 endet die Blockade.

öffnenschließen23. Mai 1949 Die Bundesrepublik Deutschland wird gegründet.

öffnenschließen7. Oktober 1949 Als Reaktion auf die Bundesrepublik erfolgt die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik. Hauptstadt wird Ost-Berlin.

öffnenschließen26. Mai 1952 Die Grenzen zwischen Ost- und Westdeutschland sowie zwischen Westberlin und der DDR werden geschlossen. Die Sektorengrenzen innerhalb Berlins bleiben passierbar.

öffnenschließen17. Juni 1953 In der DDR kommt es zu einem Arbeiteraufstand. Sowjetische Panzer helfen, die Revolte blutig niederzuschlagen.

öffnenschließen11. Dezember 1957 DDR-Bürger dürfen ihr Land nicht ohne Erlaubnis verlassen. Wer sich dem widersetzt, wird von nun an mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft.

öffnenschließen13. August 1961 In der Nacht vom 12. zum 13. August wird die Sektorengrenze um Westberlin komplett abgeriegelt. Gleichzeitig wird mit dem Bau der Mauer begonnen. Sie wird bis 1989 bestehen bleiben.

öffnenschließen10. September 1989 Die ungarische Regierung öffnet die Grenze zu Österreich und ermöglicht somit dort wartenden DDR-Flüchtlingen die Ausreise in den Westen.

öffnenschließen9. November 1989 Die Berliner Mauer fällt.

öffnenschließen3. Oktober 1990 Tag der deutschen Wiedervereinigung: Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes. Die Volkskammer beschließt die Auflösung der DDR.

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