Schon wieder?

Tag der Entscheidung für Opel naht

Zum gefühlt zwanzigsten Mal trifft General Motors die Entscheidung über die Zukunft des Autobauers Opel. Die alte Frage: Geht Opel an Magna oder bleibt das Unternehmen Teil der GM-Familie?

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Seit Monaten herrscht in der Opel-Belegschaft - wie hier in Rüsselsheim - Unruhe. Die Angestellten woll endlich wissen, wohin die Reise geht.
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GM-Chef Fritz Henderson: "Nach großen Anstrengungen, um offene Fragen zu klären und Details des deutschen Finanzierungspakets auszuarbeiten, haben sich GM und sein Verwaltungsrat dazu entschieden, Magna/Sberbank als Investor zu empfehlen."
Opel-Betriebsratsvorsitzender Klaus Franz: "Ich weiß, dass dies keine leichte Entscheidung für General Motors war, aber ich freue mich, dass Opel nun eine Zukunft hat."
Opel-Treuhand-Chef Fred Irwin: "Das bedeutet nicht, dass Adam Opel gerettet ist."
Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Ich weiß, dass vor Opel noch ein schwieriger Weg liegt."
Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier: "Ich bin froh, dass General Motors sich für die Investorenlösung entschieden hat."
FDP-Chef Guido Westerwelle: "Ob Opel wirklich schon über den Berg ist, wird man erst wissen, wenn alle Einzelheiten der GM-Beschlüsse belastbar geklärt sind."
Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer: "Das ist eine große Entscheidung, wenn sie wirklich so umgesetzt wird."
Hessens Ministerpräsident Roland Koch: "Insbesondere aber danke ich Bundeskanzlerin Angela Merkel, deren Klugheit und Nervenstärke sich nach Monaten des harten Ringens nunmehr ausgezahlt haben."
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: "Das ist eine gute Nachricht für die Mitarbeiter von Opel, für ihre Familien und für Nordrhein-Westfalen."
IG-Metall-Chef Berthold Huber: "Ich hoffe, dass jetzt der Knoten gelöst wurde, und dass niemand neue Hindernisse aufbaut."
Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel: "Auf dieser Grundlage können wir endlich anders planen als mit der Drohung, dass Standorte geschlossen werden."
Eisenacher Betriebsratsvorsitzender Harald Lieske: "Man muss aber noch sehen, ob Magna Wort hält."
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Die vier Opel-Brüder mit dem "Quintuplet". Vier Jahre nach dem Tod des Vaters Adam Opel bauten die Söhne Carl und Wilhelm im Jahr 1899 den ersten Opel-Patent-Motorwagen.
Lange bevor Autos vom Band rollten, stellte die Firma Fahrräder her.
Als erster Opel rollt der "Lutzmann" im Jahre 1899 aus der Opel-Fabrik. 4 PS, Einzylinder-Heckmotor mit Wasserkühlung, nach den Plänen des Dessauer Hofwagenbaumeisters Friedrich Lutzmann ähnelt er einer Pferdekutsche.
Der "Opel Doktorwagen" vom Typ Torpedo aus dem Jahr 1911.
Ein Opel Laubfrosch aus dem Jahr 1924 läuft immer noch. Passend zum Namen ist auch die Farbe gewählt.
Fließbandproduktion im Jahr 1924 bei der Adam Opel AG.
Heute übernehmen Präzisionsroboter viele Aufgaben in der Autoproduktion.
Aus den Jahren 1933 und 1939 stammen das 1,2 Liter-Fahrzeug (links) und der "Admiral" mit 3,6 l-Motor (rechts).
Mit ihrem "Opel Super 6 Cabriolet" aus dem Jahre 1937 nehmen die Besitzer an Rallyes teil, die oft weit über 2000 km reichen.
Auf Ausstellungen immer ein Hingucker sind die Opel mit jeder Menge Chrom.
Mit seinem Opel Rekord aus dem Jahr 1956 fährt Hilmar Born vom Opel-Museum Herne am 18.10.2004 am Opel-Werk I in Bochum vorbei. Er brachte Brötchen und Getränke für die Mitarbeiter. Die Opelaner streiken gegen betriebsbedingte Kündigungen.
Der Opel Olympia aus dem Jahre 1964 im Gespann mit einem aufklappbaren historischen Wohnwagen Heiser-Austermann "Knospe".
Ohne Höhenangst - die sogenannte Hydra-Matic verbesserte auch die Bergsteigfähigkeit des Opel-Kapitän.
Mehr als nur ein Name: In den 60ern spiegelten die Modellbezeichnungen auch den sozialen Aufstieg wieder. Dem Opel-Modell Kadett etwa folgten in der Hierarchie der Kapitän, Commodore und Admiral.
Generationstreffen - vom Vorkriegskadett bis zum Opel Kadett E.
Große Klappe beim Kadett A.
Wagen wie der von 1972 bis 1977 gebaute Opel Commodore B GS/E wecken heute nostalgische Gefühle.
Den Commodore GS gab es auch mit verbreiterten Kotflügeln, das Auge fährt schließlich mit.
Der Auftritt des Opel Admiral wurde von dem mächtigen, chrombeladenen Kühlergrill bestimmt.
Up, and down. Der Admiral als Lowrider. Ein fast amerikanisches Auto.
Den Opel Ascona B in verschiedenen Motorisierungen für den Normalfahrer und . . .
. . . auf Basis des Ascona 400 als erfolgreiche Rallye-Version. Mit dem Wettbewerbsmodell gewann Walter Röhrl für Opel die Rallye-Weltmeisterschaft.
Der Manta in der Mitte - die Opel Coupe-Familie vom Rekord bis zum Tigra.
Der Manta mit "Kriegsbemalung" - für Fahrer, die es rasant mochten, gab es die stärkeren Versionen mit der schwarzen Kühlerhaube.
Gerade der Manta wurde gern “verbastelt“ und geriet dadurch eine Zeitlang zum Witz.
Wie hier beim Kadett älteren Baujahrs sind breite Schlappen und schickes Räderwerk oft die ersten Tuning-Maßnahmen.
Der Astra hat den Kadett abgelöst und war gerade als Cabrio-Version sehr begehrt.
Markante Schweller und Schürzen - den neuen Opel Astra OPC kennzeichnet eine im Vergleich zum Basis-Astra dynamischere Optik.
Zur Zeiten der Finanzkrise sitzt das Geld nicht so locker. Ob sich das Fahrzeug, ein Opel-Corsa mit 25.000 Kilometern, jedoch verkaufen lässt, ist fraglich.
Der Opel Corsa B lief in den Jahren 1993 bis 2000 vom Band.
Ein beliebtes Fahrzeug der Mittelklasse, der Opel Vectra in der zweiten Generation
Der Vectra in der Deutschen Supertourenwagen-Meisterschaft. Opel hat dort viele Erfolge erzielen können.
Auf Basis der Lotus Elise baut Opel den Speedster. Eine Hommage an den Opel GT.
Bei Bedarf auch oben ohne ist der TwinTop mit seinem faltbaren Metalldach.
Der Opel Insignia ist Auto des Jahres 2009 und . . .
. . . hat wie sein Vorgänger Vectra viel Platz für Familien.
Wem der kleine Corsa zu langsam ist, greift zum Corsa OPC und tief ins Portemonnaie.
So könnte die Zukunft aussehen. Eine Studie, angetrieben mit Brennstoffzellen, . . .
. . . damit unsere Kinder in einer sauberen Umwelt noch Spaß mit sauberen Autos haben.

Die rund 50.000 Opelaner in ganz Europa stehen vor einem Déjà-vu-Erlebnis: Der Verwaltungsrat der langjährigen Opel-Mutter General Motors (GM) will an diesem Dienstag über den Verkauf von Opel an den österreichisch- kanadischen Zulieferer Magna entscheiden - und das nicht zum ersten Mal.

Zwar geben sich Unternehmenskreise und der Betriebsrat vor der Neuauflage der Entscheidung über das Schicksal von Opel zuversichtlich. Sie glauben weiter, das Gremium in Detroit werde an seiner Empfehlung für Magna vom September festhalten. Doch es könnte auch ganz anders kommen, der Verkauf noch scheitern und Opel in der Hand der ungeliebten Mutter bleiben. Selbst das Schreckgespenst der Insolvenz hat neue Nahrung bekommen.

Bisher keine klare Empfehlung

In der Tat geht ein Riss durch den GM-Verwaltungsrat: "Die einen würden Opel gern ganz behalten, die anderen stehen zum vereinbarten Teilverkauf", sagt ein hochrangiger GM-Mann. "Und für beides gibt es gute Argumente." In jedem Fall aber seien die Hersteller aufeinander angewiesen: GM brauche Opel wegen der modernen Technologie der Deutschen und deren Zugang zum europäischen Markt. Opel allein sei wiederum zu klein zum Überleben. Daher wird GM bei einer Übernahme durch Magna 35 Prozent an Opel behalten und auch künftig großen Einfluss haben.

Schon im September hatte der GM-Verwaltungsrat eigentlich die klare Empfehlung abgegeben, Opel mehrheitlich an Magna zu verkaufen. "Es hat sich gezeigt, dass sich Geduld und Zielstrebigkeit der Bundesregierung ausgezahlt haben", frohlockte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kurz vor der Bundestagswahl.

Bammel vor EU-Veto

Doch die Erleichterung währte nur kurz: Als GM und Magna Mitte Oktober praktisch beim Notar saßen, um den Deal zu besiegeln, schlug ihnen aus Brüssel heftiger Gegenwind entgegen. Die EU-Kommission sprach von "deutlichen Hinweisen", dass die für die Übernahme in Aussicht gestellten Milliarden-Staatshilfen an Magna und dessen Partner Sberbank gebunden seien. GM und die Opel-Treuhand hätten ihre Entscheidungen möglicherweise nicht aus wirtschaftlicher Überzeugung, sondern infolge von politischem Druck getroffen. Das widerspräche aber EU-Recht.

Die Automanager traten auf die Bremse. Sie verschoben die Vertragsunterzeichnung, denn Magna ist für einen Opel-Neustart dringend auf die 4,5 Milliarden Euro an Krediten und Bürgschaften vom Staat angewiesen. Ein nachträgliches Veto der Wettbewerbsbehörde wäre für den Zulieferer fatal.

Opel-Treuhänder bleiben bei Plan

GM und die Opel-Treuhand sollen nach dem Willen der EU-Kommission schriftlich klarstellen, dass ihre Entscheidungen für Magna ohne politischen Druck zustande kamen. GM ziert sich noch und begründet dies mit drohenden Schadenersatzforderungen von Aktionären oder Mitbewerbern um Opel. Der Verwaltungsrat wird sich auch damit befassen. Die Treuhand will ihrerseits auf die Entscheidung aus Detroit warten und der Forderung aus Brüssel umgehend nachkommen, sollte sich GM erneut für Magna aussprechen.

Brüssel hatte die Opel-Treuhand, die bis zum Verkauf 65 Prozent der Opel-Anteile verwaltet, auch aufgefordert, "das Ergebnis des Bieterverfahrens zu überdenken". Dort will man das Verfahren aber nicht neu aufrollen, wie Treuhand-Mitglied Dirk Pfeil versicherte: "Die Entscheidung steht."

Opelaner stinkig auf GM

Nun sind alle Augen auf den GM-Verwaltungsrat gerichtet. Zuletzt hielten sich hartnäckig Gerüchte, die Amerikaner wollten Opel ganz behalten. Experten sind aber überzeugt, dass dem US-Autobauer das nötige Kleingeld fehlt. Zumal der europäische Opel-Betriebsrat wiederholt klarstellte, dass die Arbeitnehmer ihr Einsparangebot von jährlich 265 Millionen Euro bis 2014 zurückzuziehen, wenn GM in Rüsselsheim am Ruder bleibt.

Der Unmut vieler Opelaner über GM ist enorm. Doch nicht alle sehen die Probleme der schwer belasteten Mutter-Tochter-Beziehung derart einseitig. "Nicht an allen Problemen bei Opel sind nur die bösen Amerikaner schuld", räumen sogar manche Deutsche im Konzern ein.

Experte Dudenhöffer zuversichtlich

"Bei Opel gibt es entweder eine Lösung mit Magna oder gar keine", warnt aber der Frankfurter IG-Metall-Bezirksvorsitzende und Opel- Aufsichtsrat Armin Schild. Schon wird spekuliert, die für ihre harten Verhandlungsmethoden berüchtigten GM-Manager könnten Deutschland vor die undankbare Wahl stellen: Entweder gibt es Milliarden-Staatshilfen auch für GM oder Opel wird in die Insolvenz geschickt.

Doch so weit soll es nicht kommen. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer ist überzeugt, dass das oberste GM-Gremium dem Verkauf zustimmt: "Letztendlich kann man mit hoher Sicherheit davon ausgehen, dass am Dienstag die letzte Hürde genommen wird." Danach könnte das Geschäft rasch besiegelt werden. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz betont: "Ich gehe davon aus, dass der Kaufvertrag Ende der Woche unterschrieben wird."

(Harald Schmidt und Roland Freund, dpa, N24)

02.11.2009 16:34 Uhr

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