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Mysteriöse Umstände

Schweinegrippe-Epidemie in der Ukraine

Bis letzte Woche war es in der Ukraine in Bezug auf die Schweinegrippe ganz ruhig. Doch inzwischen sind 70 Menschen gestorben, 255.000 sind infiziert. In der Ex-Sowjetrepublik macht sich Panik breit.

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Die Gesichtsmaske gehört inzwischen zum Straßenbild in Kiew. In den Apotheken, waren am Wochenende keine Schutzmasken und Medikamente mehr zu haben.
Video: Schweinegrippe-Gefahr - Experten raten dringend zur Impfung
Die rosigen Zeiten sind vorbei. Vom Glücksbringer ...
... mutiert das Borstentier zum armen Schwein. Die weltweite Panik vor einem ...
... mysteriösen Erreger treibt skurrile Blüten. So müssen die Abgeordneten im saarländischen Landtag sich von einer ...
... beliebten Umgangsform verabschieden. In einer Rundverfügung macht die Verwaltung des hohen Hauses Mitarbeiter und Politiker darauf aufmerksam, dass auf das gewohnte Begrüßungsküsschen (auch über Parteigrenzen hinweg) ...
… verzichtet werden müsse. „Beugen Sie einer Ansteckung vor, indem Sie nach Möglichkeit Abstand zu anderen halten. Verzichten Sie beispielsweise auf Händeschütteln oder Küsschen zur Begrüßung.“
Überhaupt geht der Mensch in Zeiten schweinischer Panik gern auf Abstand. Bitte bei Grippeverdacht dreimal hupen und vor der Klinik im Auto warten - das ist der neueste Rat der neuseeländischen Gesundheitsbehörden.
Der Kampf gegen die Schweinegrippe macht auch vor dem Internet nicht Halt: Im Spiel „Swinefighter“ müssen Spieler innerhalb weniger Sekunden so viele grüne Schweine wie möglich impfen. Virtuelle Viren ...
... machen japanischen Internetnutzern zu schaffen. Dort ist zwar noch kein Mensch an der Schweinegrippe erkrankt - aber die Computer kämpfen dort mit einem Virus gleichen Namens.
Helfenberg sucht das Superschwein: Mit Pig Brother (www.pigbrother.at) kann kann man via Livecam am Leben von vier kleinen Schweinderln teilhaben. Das Online Spe(c)ktakel soll das angeschlagene ...
... Image der Tiere aufbessern. Keine leichte Aufgabe, denn die Angst vor der Schweinegrippe ist ein panmedialer Gassenhauer.
Dabei haben Experten gleich mehrere Begriffe für die Virus-Erkrankung ins Spiel gebracht. Das Spektrum der Vorschläge reicht von „Mexiko-Grippe“ bis „Neue Grippe“. In Israel und der arabischen Welt wird die Namensfindung gar zum ...
... Politikum. Um den Namen eines „unreinen“ Tiers nicht in den Mund nehmen zu müssen, hat ein israelischer Regierungsvertreter kurzerhand den Begriff „Schweinegrippe“ aus dem offiziellen Wortschatz verbannt.
Der ägyptische Gesundheitsminister Hatem al-Gabali rät seinen Landsleuten derweil, als Vorsichtsmaßnahme gegen die Schweinegrippe auf der kleinen Wallfahrt nach Mekka nur auf dem eigenen Gebetsteppich zu beten.
Afghanistans einziges Schwein musste die Kehrseite des Ruhms kennenlernen. Der Star im Kabuler Zoo muss in Quarantäne. Es darf damit vorerst auch nicht mehr ...
... mit seiner besten Freundin, einer Ziege, durchs Gehege streifen. Seelische Grausamkeit, denn „es hat sich mit der Ziege angefreundet und ist immer glücklich, seine Zeit mit ihr zu verbringen“, so Zoodirektor Asis Gul Saqib.
Auch auf dem Fußballplatz wird in Sachen Grippe die Sau rausgelassen. Die südamerikanische Fußball-Konföderation CONMEBOL bestrafte ...
... Hector Reynoso (vorne im Bild) mit einer Sperre. Der Mexikaner hatte seinem Gegenspieler mit einer simulierter Spuck- und Nies-Attacke gestenreich ...
... die Ansteckung mit dem Schweinegrippe-Virus angedroht.
Dabei sind Schweine echte Sportsfreunde (im Bild: Schweineolympiade 2004 in Moskau).
Die armen Schweine werden völlig zu unrecht stigmatisiert, meint ein australischer Schweinezüchter. "Es ist sicherer ...
... ein Schwein zu küssen als eine Frau", weiß Ean Pollard. Er sei deshalb nach den ersten Grippemeldungen in den Stall marschiert und habe einige seiner Schweine abgeknutscht, berichtet der Mann aus der südwestaustralischen Stadt Young.
Auch wenn der Verzehr von Schweinefleisch kein gesundheitliches Risiko bergen soll, droht ...
... ganzen Wirtschaftszweigen der Bankrott. Auch emanzipierte ...
... Männer sehen ihr jahrelang gepflegtes Image bedroht.
Für Schweineliebhaber heißt es aber: Gute Miene zum bösen Spiel machen und die Krise aussitzen. Schließlich ...
... ist die mediale Sau bald durchs ganze Weltdorf getrieben. Dann kann man selbige auch endlich wieder ...
... im Mexiko-Urlaub raus lassen. Schwein gehabt. Und für all die Sauereien kommen jetzt erst mal fünf Euro ins Phrasenschwein.

Geschlossene Schulen und Kindergärten, ein Verbot von Massenveranstaltungen sowie Quarantäne in neun Regionen des Landes - in der Ukraine macht sich wegen der Schweinegrippe Panik breit. Dabei war es bis Mitte voriger Woche in der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik ganz ruhig in Sachen Grippe. Nun aber überschlagen sich die Akteure plötzlich mit dramatischen Zahlen. Die Grippe habe inzwischen fast 70 Menschenleben gefordert, 255 000 Menschen seien infiziert, teilte das Gesundheitsministerium in Kiew mit.

Dramatische Lage im westen des Landes

Dramatisch ist die Lage im Westen des Landes um die Region Lwiw (Lemberg). Dabei war unklar, ob es tatsächlich nur um die Schweinegrippe geht. Bei vielen der Todesfälle laufen die Untersuchungen auf das H1N1-Virus noch. Doch der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko warnte wegen der Schweinegrippe nun sogar vor einer Gefahr für die nationale Sicherheit. Er rief deshalb nicht nur die benachbarten Länder um Hilfe an, sondern auch die EU und die NATO. Der Staatschef erklärte aber nicht, was das Militärbündnis gegen die Epidemie tun könne.

Chlor im Quarantäne-Gebiet versprüht

Wohl auch wegen der inzwischen weit verbreiteten Panik wollte sich eine Delegation der Weltgesundheitsorganisation WHO am Montag selbst ein Bild von der Lage im Land machen. Regierungschefin Julia Timoschenko ließ Bildungseinrichtungen und Kindergärten für drei Wochen schließen. Sie verbot auch Veranstaltungen mit größeren Menschenmengen. Die Lage verschärfte sich am Wochenende, als in den Apotheken keine Schutzmasken oder Medikamente mehr zu haben waren. Zudem starben vier Ärzte, während viele Kliniken ohnehin schon überlastet waren.

Ukrainische Medien berichteten, dass in den unter Quarantäne stehenden Regionen um Lwiw, Ternopol und Iwano-Frankowsk Armee-Hubschrauber Chlor und andere Chemikalien versprüht hätten, um das Virus zu töten. Einige Zug- und Flugverbindungen seien gestrichen worden. Das völlig verarmte Land dankte am Montag dem Schweizer Pharmakonzern Roche, der 16 Tonnen des Grippemittels Tamiflu zu einem Sonderpreis zur Verfügung gestellt habe.

Wucher beim Verkauf von Tamiflu

Einige Apotheken sollen wegen der Knappheit zuletzt mehrere hundert Euro je Tamiflu-Packung verlangt haben. Die Regierung will diesen Preis-Wucher auf Kosten verängstigter Menschen hart bestrafen. Viele Menschen deckten sich mit Wodka, Zitronen und Knoblauch ein, um das Virus zu bekämpfen. Die Ukraine halte auch keinen Impfstoff vorrätig, hieß es. Timoschenko empfahl, jeder solle sich notfalls selbst eine Schutzmaske basteln.

Als einer der wenigen Politiker warnte Gesundheitsminister Wassili Knjasewitsch seine Kollegen davor, weiter Panik zu verbreiten. "Bei uns gibt es Probleme wie in jedem Land der Erde auch", sagte der Minister. Einige Parlamentarier warfen dem Präsidenten und der Regierungschefin vor, die Schweinegrippe als Wahlkampfthema zu missbrauchen. Die beiden Rivalen treten am 17. Januar 2010 bei der Präsidentenwahl zusammen mit weiteren Kandidaten an. Timoschenko machte deutlich, dass auf keinen Fall der Ausnahmezustand im Land verhängt werden solle. Dies würde die Wahl sonst gefährden.

(Nina Jeglinski und Ulf Mauder, dpa, N24)

02.11.2009 16:39 Uhr

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