Fußball: 2. Bundesliga

Nachspiel für Pauli-Provokateur Naki

Die Feindschaft zwischen den Fans von St. Pauli und Hansa Rostock ist berüchtigt: Wenn allerdings auch noch Spieler den Zwist anheizen und provozieren, wie Paulis Naki, hörte der Spaß endgültig auf.

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Deniz Nakis Freude nach seinem Tor gegen Hansa Rostock ist gerechtfertigt, seine sinnlosen Provokationen hingegen stoßen auf breiten Unmut (Archivbild).
Video: Fußball: 2. Bundesliga - Randale nach Pauli-Spiel in Rostock

Als würde das brisante Nordderby zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli nicht schon genügend Zündstoff enthalten, betätigte sich Deniz Naki auch noch als Provokateur. Nach seinem Treffer (84.) zum 2:0 (0:0)-Endstand für die Gäste lief der zuvor eingewechselte Stürmer sprichwörtlich Amok: Erst deutete Naki in Richtung der Rostocker Fans mit seiner rechten Hand das Abschneiden des Halses an, wenig später rammte er auch noch zum Zeichen des Triumphes provozierend eine St.Pauli-Flagge in den Rasen.

Stimmung völlig grundlos angeheizt

Völlig grundlos heizte der U21-Nationalspieler damit die ohnehin angespannte Atmosphäre zwischen den verfeindeten Fanlagern auf und muss nun mit den Konsequenzen leben. Der Gegner stellte Naki an den Pranger, der eigene Klub kündigte eine Strafe an und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des dringenden Verdachts eines krass sportwidrigen Verhaltens ein.

"Wenn ich so einen Schnösel sehe..."

"Wenn ich so einen Schnösel sehe, der kaum vier Spiele gemacht hat und dann so ein Verhalten an den Tag legt, dann...", sagte Hansa-Trainer Andreas Zachhuber, der den Satz lieber nicht beenden wollte. Stattdessen forderte er Strafen für den Provokateur: "Ich bin mir sicher, dass Stani die richtigen Maßnahmen ergreift." Damit war Gäste-Coach Holger Stanislawski gemeint, und der war genauso geladen wie sein Rostocker Kollege: "So etwas geht gar nicht. Das wird intern Konsequenzen haben. Er ist ein junger Spieler, aber so etwas muss er schnell lernen. Ansonsten bekommt er mit mir Probleme."

Maßnahmen durch den DFB drohen

Die drohen auch seitens des DFB-Kontrollausschusses, der Naki zu einer zeitnahen Stellungnahme aufforderte. Zumindest direkt nach dem Schlusspfiff spielte der Profi den Unschuldsengel: "Das war ein normaler Gruß an die Rostocker Fans, und die können das aufnehmen, wie sie wollen." Ob diese Aussagen innerhalb des eigenen Teams gut ankommen, ist zu bezweifeln. "Man muss sich auch einmal nach innen freuen und nicht noch provozieren", meinte Torwart Mathias Hain, der auch einige Chaoten unter den eigenen Anhängern kritisierte: "Eine Frechheit, wie die sich verhalten haben. Da redet man vorher so viel und dann das."

Feuerwerkskörper im Gästeblock

Nach dem sehenswerten Freistoßtor zum 1:0 durch Matthias Lehmann (77.) wurden im Gäste-Block Feuerwerkskörper gezündet, woraufhin Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) das Spiel für einige Minuten unterbrach. Doch auch viele Rostocker Anhänger vergaßen am Montagabend ihre gute Kinderstube. Insgesamt wurden 27 Polizisten sowie ein Kameramann bei Ausschreitungen leicht verletzt; 23 Hansa-Fans wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch vorübergehend in Gewahrsam genommen. Ermittlungen wurden eingeleitet.

Positives Fazit der Polizei

Trotzdem zog die Polizei ein positives Fazit. "Unsere Strategie der strikten Fan-Trennung hat voll gegriffen", sagte Peter Mainka, Leiter der Polizeiinspektion Rostock: "Aber leider mussten wieder einmal die Beamten ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel setzen, weil einige Chaoten Lust auf Gewalt haben." Insgesamt waren rund 2000 Polizisten sowie 500 weitere Sicherheitskräfte im Stadion im Einsatz.

Dies rief auch die Politik auf den Plan. "Die Gesellschaft darf nicht zulassen, dass ein brutaler, gewalttätiger und damit krimineller Mob unter dem Deckmantel des Fußballs regelmäßig friedliche Bürger tyrannisiert, die Polizei angreift und die Justiz herausfordert", sagte Lorenz Caffier, Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, und forderte eine konsequente Bestrafung der Chaoten.

Sportlicher Aspekt rückt in den Hintergrund

Angesichts dieser Vorkommnisse rückte der sportliche Aspekt der Begegnung völlig in den Hintergrund. St. Pauli verdrängte Aufsteiger Union Berlin wieder von Relegationsplatz drei und darf weiter vom Aufsteig träumen. "Das war ein glücklicher Sieg, aber dafür brauchen wir uns nicht zu schämen", meinte Stanislawski. Doch das galt an diesem Abend leider nicht für alle Beteiligten.

(Jörg Soldwisch, sid, N24)

03.11.2009 16:00 Uhr

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