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Rechnung ohne den Wirt

GM-Entscheidung erwischt Merkel kalt

Bundeskanzlerin Angela Merkel traf die Entscheidung von General Motors, die deutsche Tochter Opel doch nicht verkaufen zu wollen, wie ein Paukenschlag. Autoexperten sind hingegen nicht überrascht.

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Video: Rechnung ohne den Wirt - GM-Entscheidung erwischt Merkel kalt
Video: Gegen Verkauf an Magna - GM will Opel doch nicht mehr verkaufen
Solidarität für Opel zeigen nicht nur die Mitarbeiter. Jetzt sind auch die Anhänger des angeschlagenen Autobauers auf die Straße gegangen.
Ein aufgespannter Regenschirm über dem Opel-Logo: Fans haben sinnbildlich ihren Rettungsschirm aufgespannt.
In Rüsselsheim fanden sich 3.500 Menschen ein. Der "Rettungsschirm" schützte auch gleichzeitig vor dem starken Regen.
Es erübrigt sich die Frage, wie die Opelaner anreisten. Vom Kleinwagen bis zum Oldtimer versammelten ...
... sie sich auf dem Parkplatz des Adam-Opel-Hauses und protzten mit dicken Spoilern oder ...
…mit getunten Pferdestärken Marke Eigenbau: In diesem Manta (Bj. 1986) ist eine drei-Liter-Maschine eines Opel Senators versteckt.
Ein Oldtimer-Liebhaber zeigte die Innenansichten seines Opel-Rekords oder …
… einen alten Opel-Blitz.
Es scheint, als ob dieser Fan wusste, dass Opel irgendwann mal viel Glück braucht.
Apropos Glück: Ein frisch vermähltes Pärchen ist nach der Trauung zur Solidaritätskundgebung gefahren und hat dort den Hochzeitskuss nachgeholt. Hoffentlich steht die Ehe unter einem guten Stern.
"Wir sind Opel" war an diesem Tag, …
... hundertfach auf den T-Shirts der Markenanhänger zu lesen.
Den Kindern wurde kurzerhand auch ein Shirt verpasst.
Eine besondere Showeinlage für die Opel-Fans: Der Solidaritätssong "Seht das Zeichen" wird bestimmt zum "Opel-Nummer-1-Hit“. Der wurde im übrigen von Mitarbeiter-Kindern gesungen.
Die Opel-Fans zeigten trotz schlechtem Wetter Durchhaltevermögen.
Kinder von Opel-Fans fahren natürlich kein einfaches Bobby-Car, sondern die Corsa-Variante mit dem Blitz.
Für die Kundgebung wurden manches Vehikel passend umgestylt: Ein Opel-Blitz als "Katastrophenkommando" oder …
… ein anderer Blitz mit der Aufschrift "Opel Rettung - Es brennt".
Die Fans zeigten viel Kreativität: Hier wurde kurzerhand das Haupthaar genutzt.
Auch bei den Opel-Mitarbeitern haben sich in den letzten Wochen bei den zahlreichen Kundgebungen einige kreative Highlights heraus kristallisiert.
Der Kinofilm "Free Willy" wurde in "Free Opel" umgetauft.
"Yes we can", der Leitspruch von US-Präsident Barack Obama wurde ebenfalls verwendet und etwas umfunktioniert.
Und ganz traditionell wurde in die Reimkiste gegriffen: "Der Enkel und der Opa woll'n Opel für Europa".
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GM-Chef Fritz Henderson: "Nach großen Anstrengungen, um offene Fragen zu klären und Details des deutschen Finanzierungspakets auszuarbeiten, haben sich GM und sein Verwaltungsrat dazu entschieden, Magna/Sberbank als Investor zu empfehlen."
Opel-Betriebsratsvorsitzender Klaus Franz: "Ich weiß, dass dies keine leichte Entscheidung für General Motors war, aber ich freue mich, dass Opel nun eine Zukunft hat."
Opel-Treuhand-Chef Fred Irwin: "Das bedeutet nicht, dass Adam Opel gerettet ist."
Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Ich weiß, dass vor Opel noch ein schwieriger Weg liegt."
Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier: "Ich bin froh, dass General Motors sich für die Investorenlösung entschieden hat."
FDP-Chef Guido Westerwelle: "Ob Opel wirklich schon über den Berg ist, wird man erst wissen, wenn alle Einzelheiten der GM-Beschlüsse belastbar geklärt sind."
Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer: "Das ist eine große Entscheidung, wenn sie wirklich so umgesetzt wird."
Hessens Ministerpräsident Roland Koch: "Insbesondere aber danke ich Bundeskanzlerin Angela Merkel, deren Klugheit und Nervenstärke sich nach Monaten des harten Ringens nunmehr ausgezahlt haben."
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: "Das ist eine gute Nachricht für die Mitarbeiter von Opel, für ihre Familien und für Nordrhein-Westfalen."
IG-Metall-Chef Berthold Huber: "Ich hoffe, dass jetzt der Knoten gelöst wurde, und dass niemand neue Hindernisse aufbaut."
Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel: "Auf dieser Grundlage können wir endlich anders planen als mit der Drohung, dass Standorte geschlossen werden."
Eisenacher Betriebsratsvorsitzender Harald Lieske: "Man muss aber noch sehen, ob Magna Wort hält."
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Die vier Opel-Brüder mit dem "Quintuplet". Vier Jahre nach dem Tod des Vaters Adam Opel bauten die Söhne Carl und Wilhelm im Jahr 1899 den ersten Opel-Patent-Motorwagen.
Lange bevor Autos vom Band rollten, stellte die Firma Fahrräder her.
Als erster Opel rollt der "Lutzmann" im Jahre 1899 aus der Opel-Fabrik. 4 PS, Einzylinder-Heckmotor mit Wasserkühlung, nach den Plänen des Dessauer Hofwagenbaumeisters Friedrich Lutzmann ähnelt er einer Pferdekutsche.
Der "Opel Doktorwagen" vom Typ Torpedo aus dem Jahr 1911.
Ein Opel Laubfrosch aus dem Jahr 1924 läuft immer noch. Passend zum Namen ist auch die Farbe gewählt.
Fließbandproduktion im Jahr 1924 bei der Adam Opel AG.
Heute übernehmen Präzisionsroboter viele Aufgaben in der Autoproduktion.
Aus den Jahren 1933 und 1939 stammen das 1,2 Liter-Fahrzeug (links) und der "Admiral" mit 3,6 l-Motor (rechts).
Mit ihrem "Opel Super 6 Cabriolet" aus dem Jahre 1937 nehmen die Besitzer an Rallyes teil, die oft weit über 2000 km reichen.
Auf Ausstellungen immer ein Hingucker sind die Opel mit jeder Menge Chrom.
Mit seinem Opel Rekord aus dem Jahr 1956 fährt Hilmar Born vom Opel-Museum Herne am 18.10.2004 am Opel-Werk I in Bochum vorbei. Er brachte Brötchen und Getränke für die Mitarbeiter. Die Opelaner streiken gegen betriebsbedingte Kündigungen.
Der Opel Olympia aus dem Jahre 1964 im Gespann mit einem aufklappbaren historischen Wohnwagen Heiser-Austermann "Knospe".
Ohne Höhenangst - die sogenannte Hydra-Matic verbesserte auch die Bergsteigfähigkeit des Opel-Kapitän.
Mehr als nur ein Name: In den 60ern spiegelten die Modellbezeichnungen auch den sozialen Aufstieg wieder. Dem Opel-Modell Kadett etwa folgten in der Hierarchie der Kapitän, Commodore und Admiral.
Generationstreffen - vom Vorkriegskadett bis zum Opel Kadett E.
Große Klappe beim Kadett A.
Wagen wie der von 1972 bis 1977 gebaute Opel Commodore B GS/E wecken heute nostalgische Gefühle.
Den Commodore GS gab es auch mit verbreiterten Kotflügeln, das Auge fährt schließlich mit.
Der Auftritt des Opel Admiral wurde von dem mächtigen, chrombeladenen Kühlergrill bestimmt.
Up, and down. Der Admiral als Lowrider. Ein fast amerikanisches Auto.
Den Opel Ascona B in verschiedenen Motorisierungen für den Normalfahrer und . . .
. . . auf Basis des Ascona 400 als erfolgreiche Rallye-Version. Mit dem Wettbewerbsmodell gewann Walter Röhrl für Opel die Rallye-Weltmeisterschaft.
Der Manta in der Mitte - die Opel Coupe-Familie vom Rekord bis zum Tigra.
Der Manta mit "Kriegsbemalung" - für Fahrer, die es rasant mochten, gab es die stärkeren Versionen mit der schwarzen Kühlerhaube.
Gerade der Manta wurde gern “verbastelt“ und geriet dadurch eine Zeitlang zum Witz.
Wie hier beim Kadett älteren Baujahrs sind breite Schlappen und schickes Räderwerk oft die ersten Tuning-Maßnahmen.
Der Astra hat den Kadett abgelöst und war gerade als Cabrio-Version sehr begehrt.
Markante Schweller und Schürzen - den neuen Opel Astra OPC kennzeichnet eine im Vergleich zum Basis-Astra dynamischere Optik.
Zur Zeiten der Finanzkrise sitzt das Geld nicht so locker. Ob sich das Fahrzeug, ein Opel-Corsa mit 25.000 Kilometern, jedoch verkaufen lässt, ist fraglich.
Der Opel Corsa B lief in den Jahren 1993 bis 2000 vom Band.
Ein beliebtes Fahrzeug der Mittelklasse, der Opel Vectra in der zweiten Generation
Der Vectra in der Deutschen Supertourenwagen-Meisterschaft. Opel hat dort viele Erfolge erzielen können.
Auf Basis der Lotus Elise baut Opel den Speedster. Eine Hommage an den Opel GT.
Bei Bedarf auch oben ohne ist der TwinTop mit seinem faltbaren Metalldach.
Der Opel Insignia ist Auto des Jahres 2009 und . . .
. . . hat wie sein Vorgänger Vectra viel Platz für Familien.
Wem der kleine Corsa zu langsam ist, greift zum Corsa OPC und tief ins Portemonnaie.
So könnte die Zukunft aussehen. Eine Studie, angetrieben mit Brennstoffzellen, . . .
. . . damit unsere Kinder in einer sauberen Umwelt noch Spaß mit sauberen Autos haben.
Video: Opel Astra - Der Hoffnungträger der Rüsselsheimer
GM rudert zurück: Opel bleibt Teil des Konzerns.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war in Washington bereits auf dem Weg zum Flugzeug, als die Bombe platzte: General Motors (GM) will Opel doch nicht verkaufen, die deutsche Tochter soll im US-Konzern verbleiben. Mit der Entscheidung hat der GM-Verwaltungsrat die deutsche Politik nicht nur kalt erwischt, sondern auch mächtig düpiert. Das gilt auch und vor allem für die Kanzlerin, die sich am Tag der Entscheidung nicht nur für ihre Rede vor dem US-Kongress hatte feiern lassen, sondern auch mit US-Präsident Barack Obama zusammengetroffen war.

Keiner hatte mit der Entscheidung gerechnet

Es hatte in den vergangenen Wochen immer wieder Andeutungen gegeben, und doch hatte in der Regierung in Berlin niemand mit der Entscheidung gerechnet. GM selbst war es gewesen, das die Suche nach einem Käufer für Opel kurz vor der Pleite angestoßen hatte. Dass der Konzern, der inzwischen in Staatshand ist, diesen Prozess jetzt einfach abbricht - das war für das politische Berlin unvorstellbar. Merkel zeigt sich entsprechend verärgert, Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hält die Entscheidung gar für völlig inakzeptabel.

Autoexperten nicht überrascht

Doch was für die Politik ein Paukenschlag war, kam für Autoexperten nicht völlig überraschend. "Die Bundesregierung überschätzte, was sie in der Lage wirklich tun konnte", sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Die frühe Festlegung der Regierung auf Magna im Wahlkampf sei deshalb "nicht glücklich" gewesen. "Man versuchte, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, wo man keine hatte."

Für GM sei es "immer die Option Nummer eins" gewesen, Opel zu behalten. "Nur hat dazu vorher eben das Geld gefehlt." Nach Ansicht von Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler änderte sich die Situation für GM mit dem schnellen Ende der Insolvenz des Konzerns. "GM agiert wieder mehr wie ein normales Unternehmen und beginnt, in die Zukunft zu blicken."

Der US-Autobauer benötige Opel für den Bau kleiner Autos mit effizienten Antrieben. Das sieht auch Bratzel so und fügt hinzu: "GM braucht ein europäisches Standbein, weil es hier Millionen von Autos zu verkaufen gibt." Das bedeutet aber nicht, dass GM alle Opel-Mitarbeiter an allen Standorten behalten will, und die Bundesregierung setzt auch das wieder unter Zugzwang.

Plan für Unternehmensumbau folgt in Kürze

GM-Chef Fritz Henderson kündigte an, sein Konzern wolle in Kürze einen Plan zum Unternehmensumbau vorlegen. Dann wolle GM Deutschland auch um Hilfe bei der Umsetzung der Pläne bitten. Damit dürfte GM zumindest in den kommenden Wochen in Berlin auf Granit beißen. So ließ Merkel ihren Regierungssprecher Ulrich Wilhelm kaum zwei Stunden nach Bekanntgabe der GM-Entscheidung die schnelle Rückzahlung des Milliardenkredits fordern, den Berlin zur Überbrückung für Opel gewährt hatte.

Zugleich ist die Bundesregierung überzeugt, dass GM nach Bekanntgabe seiner Pläne zum Unternehmensumbau nach Finanzhilfen anfragen wird. Die Gewährung möglichen Staatsgeldes macht Berlin von der Zuverlässigkeit des Antragstellers abhängig. Das Vertrauen Berlins in die GM-Führung aber wird als zerstört beschrieben. Es gebe kein Anrecht auf Staatshilfen, wird deshalb betont.

Verhältnis zu USA nicht grundsätzlich gestört

Trotzdem weiß die Regierung natürlich, dass sie im eigenen Land daran gemessen werden wird, ob sie einen massiven Jobabbau verhindern kann. Deshalb ist zu vermuten, dass die Regierung versuchen wird, das zuletzt gute Verhältnis mit den USA zu nutzen, um hinter den Kulissen das beste aus der Situation zu machen.

Denn grundsätzlich gestört sein dürften die Beziehungen zu Washington nicht, betont USA-Experte Eberhard Sandschneider von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). "Die Entscheidung von GM wird für die deutsch-amerikanischen Beziehungen im strategischen Bereich nichts ändern." Denn auch der Regierung dürfte klar sein, dass ein gutes Verhältnis keine Interessengleichheit bedeute. "Am Ende ist es ein Spiel unterschiedlicher Interessen", sagt Sandschneider.

(Florian Oel, AFP, N24)

04.11.2009 18:11 Uhr

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