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"Wir drehen uns im Kreis"

10.000 Opelaner bieten GM die Stirn

Tausende Opel-Mitarbeiter haben deutschlandweit gegen General Motors protestiert. Die Betriebsräte fordern eine weitgehende Unabhängigkeit vom Mutterkonzern - und den Erhalt aller Werke.

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Video: 10.000 Jobs in Gefahr - Opelaner bieten General Motors Paroli
Video: GM fordert Opfer - Massenproteste und Warnstreiks bei Opel
Jetzt ist es amtlich: Opel bleibt Teil von General Motors
Mit drei Milliarden Euro will GM die deutsche Marke sanieren
GM-Boss Fritz Henderson: "Wir sichern die langfristige Zukunft von Opel"
Neue Modelle wie der Astra und der Ampera sollen Geld in die Kassen bringen
Tradition: Autos wie der Kadett A von 1962 machten Opel populär
Video: Börse am Abend - GM setzt auf Opels technisches Know-how
Video: Börse am Mittag - Opel bleibt bei General Motors
Solidarität für Opel zeigen nicht nur die Mitarbeiter. Jetzt sind auch die Anhänger des angeschlagenen Autobauers auf die Straße gegangen.
Ein aufgespannter Regenschirm über dem Opel-Logo: Fans haben sinnbildlich ihren Rettungsschirm aufgespannt.
In Rüsselsheim fanden sich 3.500 Menschen ein. Der "Rettungsschirm" schützte auch gleichzeitig vor dem starken Regen.
Es erübrigt sich die Frage, wie die Opelaner anreisten. Vom Kleinwagen bis zum Oldtimer versammelten ...
... sie sich auf dem Parkplatz des Adam-Opel-Hauses und protzten mit dicken Spoilern oder ...
…mit getunten Pferdestärken Marke Eigenbau: In diesem Manta (Bj. 1986) ist eine drei-Liter-Maschine eines Opel Senators versteckt.
Ein Oldtimer-Liebhaber zeigte die Innenansichten seines Opel-Rekords oder …
… einen alten Opel-Blitz.
Es scheint, als ob dieser Fan wusste, dass Opel irgendwann mal viel Glück braucht.
Apropos Glück: Ein frisch vermähltes Pärchen ist nach der Trauung zur Solidaritätskundgebung gefahren und hat dort den Hochzeitskuss nachgeholt. Hoffentlich steht die Ehe unter einem guten Stern.
"Wir sind Opel" war an diesem Tag, …
... hundertfach auf den T-Shirts der Markenanhänger zu lesen.
Den Kindern wurde kurzerhand auch ein Shirt verpasst.
Eine besondere Showeinlage für die Opel-Fans: Der Solidaritätssong "Seht das Zeichen" wird bestimmt zum "Opel-Nummer-1-Hit“. Der wurde im übrigen von Mitarbeiter-Kindern gesungen.
Die Opel-Fans zeigten trotz schlechtem Wetter Durchhaltevermögen.
Kinder von Opel-Fans fahren natürlich kein einfaches Bobby-Car, sondern die Corsa-Variante mit dem Blitz.
Für die Kundgebung wurden manches Vehikel passend umgestylt: Ein Opel-Blitz als "Katastrophenkommando" oder …
… ein anderer Blitz mit der Aufschrift "Opel Rettung - Es brennt".
Die Fans zeigten viel Kreativität: Hier wurde kurzerhand das Haupthaar genutzt.
Auch bei den Opel-Mitarbeitern haben sich in den letzten Wochen bei den zahlreichen Kundgebungen einige kreative Highlights heraus kristallisiert.
Der Kinofilm "Free Willy" wurde in "Free Opel" umgetauft.
"Yes we can", der Leitspruch von US-Präsident Barack Obama wurde ebenfalls verwendet und etwas umfunktioniert.
Und ganz traditionell wurde in die Reimkiste gegriffen: "Der Enkel und der Opa woll'n Opel für Europa".

Es liegt eine Art kalter Wut über diesem Platz. Tausende Opel-Beschäftigte sind vor das Hauptportal des Opel-Stammwerks in Rüsselsheim gezogen, um ihrem Unmut über den US-Konzern General Motors Luft zu machen. "Wir wissen nicht, was auf uns zukommt", sagt Nicole Mey, die Sprecherin der Vertrauensleute im Rüsselsheimer Werk. Die Beschäftigten würden nun den massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen fürchten.

Zorn, Frust und Enttäuschung

Transparente, die rund um die Bronzestatue von Firmengründer Adam Opel hochgehalten werden, illustrieren Zorn, Frust und Enttäuschung der Beschäftigten. "GM hau ab", ist da zu lesen, "Finger weg von Opel" oder "Wir drehen uns im Kreis ins Verderben" - daneben ein Schiff, das von einem Opel-Segel angetrieben, aber von einer Seeschlange mit der Aufschrift "GM" bedroht wird.

Weit über 10.000 Opelaner haben bundesweit die Arbeit neidergelegt und sind vor die Werkstore gezogen, um ihrer Empörung Luft zu machen. Mindestens 6000 waren es in Rüsselsheim, rund 3000 in Bochum, weitere 3000 in Kaiserslautern und 600 im thüringischen Eisenach. In Kaiserslautern reihten sich in die Demonstration zusätzlich 500 Beschäftigte von diversen Autozulieferern ein. "Eine solch breite Solidaritätsbekundung haben wir hier noch nie erlebt", sagt der erste Bevollmächtigte der IG Metall Kaiserslautern, Norbert Kepp.

"Es geht in eine neue Runde"

Der US-Konzern im fernen Detroit habe Opel immer nur gebremst, erklärt Mey. Bis heute habe sich nichts verändert. GM habe in den vergangenen Monaten Milliarden verbrannt, und eben dieser Konzern wolle nun das Steuer bei Opel übernehmen. Die Beschäftigten seien über diese Aussicht "erschreckt, geplättet und fragen nach der Perspektive". Auf der Kundgebung in Rüsselsheim treten an diesem Tag zwei Geschlagene auf: Der eine ist Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. Er kämpfte in den vergangenen Monaten unermüdlich für eine Loslösung von GM.

Der zweite ist Roland Koch. Der hessische Ministerpräsident unterstützte Franz und hoffte vermutlich auch auf einen neuen, schlagkräftigen Automobilkonzern mit Sitz in Hessen. Koch, der seine Nehmerqualitäten der Politik schon oft unter Beweis gestellt hat, gibt freimütig zu, dass Politik und Arbeitnehmervertreter eine böse Niederlage hinnehmen mussten. Doch der Kampf sei noch nicht zu Ende: "Es geht in eine neue Runde." Betriebsrat und Politik verfolgten weiter das Ziel, Opel innerhalb des GM-Konzerns zu einem "europäischen Unternehmen mit eigener Identität" zu machen: "Das bleibt der Maßstab."

Auch Betriebsratschef Franz versucht, den Opel-Arbeitern zu vermitteln, dass noch etwas herauszuholen ist in den Verhandlungen mit GM: "Der Kampf muss weitergehen um mehr Eigenständigkeit." Und so fordert Franz als Bedingung für weitere Gespräche mit der General-Motors-Führung die Zusage, dass Opel wieder in eine deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt wird. Der deutsche Autobauer dürfe künftig nicht mehr "Anhängsel von GM" sein.

"Tiefste Vertrauenskrise"

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers fordert GM in Bochum auf, schnellstmöglich die Sanierungspläne für Opel vorzulegen. "Die Unsicherheit für die Mitarbeiter muss endlich weg", sagt er. Das Verhalten von GM sei inakzeptabel, menschenverachtend und rücksichtslos. Dass GM die Ergebnisse von einem Jahr Verhandlungsarbeit in der Nacht zum Mittwoch mit einem Federstrich beseitigte, hat die Opel-Arbeitnehmer geschockt.

Dass der Konzern nun mit einer Insolvenz droht, sollten die Arbeitnehmer nicht auf Einkommen in dreistelliger Höhe verzichten, sorgt für neue Empörung. "General Motors hat sich selbst in die tiefste Vertrauenskrise gebracht", erklärt Franz. Und Ministerpräsident Koch schwant, dass das Tauziehen um die Zukunft von Opel nun erst richtig beginnt: "Es sind schwierige Wochen, die vor uns liegen."

(Guido Rijkhoek, AP, N24)

05.11.2009 16:57 Uhr

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