Klein, aber fein

Haye besiegt russischen Riesen

David Haye hat den russischen Riesen Nikolai Walujew als Boxweltmeister entthront. Damit aber nicht genug: Der Sprücheklopfer will als nächstes Ruiz umhauen und sich dann die Klitschkos vornehmen.

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Der russische Riese befand sich mehr im Rückwärtsgang. David Haye hatte den Kampf, dank seiner Schnelligkeit, voll unter Kontrolle.
Wladimir Klitschko hat seinem Ringnamen "Dr. Steelhammer" alle Ehre gemacht.
In der Arena AufSchalke vor 60.000 begeisterten Fans bestand im Schwergewichts-WM-Kampf gegen Ruslan Chagaev nie ein Zweifel, wer der wirkliche Box-Champion ist.
Dabei hatte Chagaev, bis zum Kampf gegen Wladimir Klitschko noch unbesiegt als Profi, bereits vor dem Fight ...
... alle Register gezogen und war sogar Mitglied von Schalke 04 geworden, um die Fans auf seine Seite zu ziehen.
Wladimir Klitschko (r.) war das egal. Für ihn zählt nur der Sieg. Denn damit kämen er und sein Bruder Vitali (l.), der ...
... vor dem Kampf noch mit dem sogenannten Sport-Oscar, dem Laureus, für das Comeback des Jahres ausgezeichnet wurde, ihrem Traum ein Stück näher, alle vier Weltmeistertitel im Schwergewicht in den "Familienbesitz" zu bringen.
Die Chancen vor dem Kampf standen gut: Wladimir Klitschko besitzt ganz klar Größen- und Gewichtsvorteile. Der Zwei-Meter-Mann aus der Ukraine bringt 109 Kilogramm auf die Waage, 7 mehr als Chagaev.
Und diesen Vorteil nutzt Klitschko dann auch im Ring.
Er bestimmt von Beginn an das Geschehen.
Mit seiner linken Führhand - sie gilt als stärkste der Welt - landet ...
... Klitschko immer wieder direkte Treffer. Aber ...
... auch seine Rechte verfehlt ihre Wirkung bei Chagaev nicht. Mehrmals ...
... findet sie ihr Ziel. Da sind auch die ...
... Promis am Ring, wie Klitschko-Freund Boris Becker oder ...
... Oliver Pocher mit Beckers Ex-Freundin Sandy Meyer-Wölden, hellauf begeistert.
Immer wieder schlägt Klitschko zu. Er will den Kampf vorzeitig beenden.
Und dann ist es soweit. Bereits ...
... in der zweiten Runde geht Chagev ...
... zu Boden und ...
... wird ...
... angezählt.
Chagaev kommt zwar wieder auf die Beine, in den Fight aber nie wieder zurück. klitschko bleibt weiter dran an seinem Gegner. Er ...
... schenkt ihm weitere harte und schnelle ...
... Treffer ein. Nach einem wahren Schlagreigen ...
... in der neunten Runde ...
... wirft Chagevs Team das Handtuch, lässt den Kampf abbrechen - zum Schutz der Gesundheit des Usbeken.
Wladimir Klitschko wird zum Sieger erklärt, durch technischen K.o. in der zehnten Runde.
Chagaev erkennt den Sieg "Dr. Steelhammers" neidlos an, zeigt Größe in seiner Niederlage und erklärt: "Heute ist nicht mein Tag. Wladimir war schneller. Er ist der richtige Weltmeister. Aber ich komme zurück."
Wladimir Klitschko feiert seinen 53. Sieg im 56. Kampf ausgiebig.
Der 33-Jährige bleibt Schwergewichts-Weltmeister der Verbände WBO und IBF.
Seine Freude teilt er mit seinen Fans im Stadion: "Glück auf und vielen, vielen Dank", verneigt sich der Faustkämpfer mit Worten vor dem lautstarken und begeisterten Publikum.
Ob Chagaev seinen WM-Titel behält, will die WBA erst entscheiden. Der Verband hat bislang noch keine Konsequenzen aus der Absage des Kampfes zwischen ihm und Walujew am 30. Mai gezogen. klitschko ...
... ist's vorerst egal.
Und den 60.000 Zuschauern, die den Kampf live AufSchalke verfolgten, wohl auch. Sie genossen ...
... das Box-Spektakel und hoffen auf eine baldige ...
... Wiederholung.
Ultimate Fighting: Eine der härtesten und brutalsten Kampfsportarten.
Am 13. Juni lässt das amerikanische Unternehmen "Ultimate Fighting Championship" seine Athleten erstmals in Deutschland kämpfen.
Das Spektakel wird in der Kölner Lanxess-Arena stattfinden.
Da beim Ultimate Fighting sämtliche Kampfsportarten miteinander kombiniert´werden, ...
... ist so gut wie alles erlaubt.
Mit Show-Catchen oder Wrestling hat das Ganze rein gar nichts mehr zu tun. Hier ist alles blutiger Ernst.
Zwei Menschen stehen sich in einem Käfig gegenüber, aber nur einer wird ihn als Sieger verlassen.
Beim Ultimate Fighting ist fast alles erlaubt: Fußtritte, ...
... Hebel bis weit über die Schmerzgrenze und auch ...
... Schläge auf den Rücken.
Die Kämpfe finden in einem Käfig statt. Er misst etwas mehr als neun Meter im Durchmesser und soll die Kämpfer davor schützen, vom Podest zu fallen.
Für den Verlierer der "Käfigkämpfe" enden diese nicht selten mit schweren Verletzungen.
Kritiker werfen den Veranstaltern in Köln vor, dass die dargestellte Brutalität zur Verrohung der Gesellschaft beiträgt.
Was Veranstalter Marek Lieberberg für anspruchsvollen Sport hält, empfinden die Politiker der Stadt als bloße Zurschaustellung von Gewalt.
Und dennoch gibt es bei aller Brutalität auch beim Ultimate Fighting Regeln.
An den Haaren ziehen, Beißen oder Angriffe in der Pause sind verboten.
In Deutschland waren derartige Kämpfe bisher verboten. Dennoch fanden sie statt: Illegal auf Hinterhöfen oder in Kellern.
Die Veranstalter in Köln wollen die "Käfig-Kämpfe" aus der Illegalität holen und so gesellschaftsfähig machen.
In den Ländern, in denen die Kämpfe öffentlich sind, sind sie beliebter als Boxen.
Der europäische UFC-Präsident Marshall Zelaznik erwartet nach gutem Vorverkauf etwa 12.000 Besucher in der Lanxess-Arena.
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre dürfen die Kämpfe nach einer Verständigung der Veranstalter mit der Stadt nicht besuchen.

Große Klappe und doch was dahinter: Lästermaul David Haye hat den russischen Riesen Nikolai Walujew als Boxweltmeister im Schwergewicht entthront. Und demnächst will er sich den Amerikaner John Ruiz und anschließend die Klitschko-Brüder vorknöpfen. Der Brite besiegte Samstagnacht in Nürnberg den 2,13 Meter großen WBA-Champion nach Punkten (116:112, 116:112, 114:114) und ist damit der erste Schwergewichts-Titelträger aus Großbritannien nach Lennox Lewis.

Sieg war verdient

Der Erfolg des durch markige Sprüche und Geschmacklosigkeiten aufgefallenen Haye war verdient. "Ich rede nicht nur viel, ich lasse auch Taten folgen", verkündete der neue Champion. Sein Vorhaben konnte Haye vor 9000 Zuschauern in der Halle allerdings nicht ganz realisieren. Er wollte den 22 Zentimeter größeren und rund 45 Kilogramm schwereren Titelverteidiger aus dem Berliner Sauerland-Stall "lächerlich machen, ihn blamieren".

Angepeilter K.o.-Sieg bleib aus

Der angepeilte K.o.-Sieg wurde es in einem auf mäßigem Niveau stehenden Kampf jedoch nicht. Immerhin taumelte Walujew in der zwölften Runde nach einem linken Haken, blieb aber auf den Beinen. So erlitt der Russe die zweite Punktniederlage seiner Profi-Karriere. Vor zweieinhalb Jahren hatte er den WM-Gürtel durch eine Niederlage gegen den Usbeken Ruslan Chagaev schon einmal eingebüßt. Der 29-jährige Haye zeigte, dass er nicht nur über ein flottes Mundwerk verfügt, sondern auch über schnelle Beine.

Walujew wie ein tapsiger Bär

Walujew wirkte wie ein tapsiger Bär, dem die Beute immer wieder aus den Pranken glitt. Geriet der 1,91 Meter große Haye in Bedrängnis, entwischte er leichtfüßig tänzelnd. "Der Schlüssel war das Tempo", erklärte der Brite. Dem schwerfälligen Walujew lag die viele Beinarbeit hingegen gar nicht. "Ich habe mich gefühlt wie ein Leichtathlet. Der Kampf war wie ein Marathon", lamentierte der St. Petersburger. Walujews Trainer Alexander Zimin konnte dem Duell wenig abgewinnen: "Es war ein Hin- und Her-Gerenne. Haye schien in den letzten sechs Runden immer schneller zu werden."

Der Riese landete kaum Treffer

Der biedere, boxerisch limitierte Walujew setzte kaum Treffer. Sein Problem war schon immer, dass er die gewaltige Körpermasse von 143,4 Kilogramm nicht in Geschwindigkeit umsetzen kann. Über seine Zukunft im Ring will Promoter Wilfried Sauerland, der sich an den nächsten drei Haye-Kämpfen finanzielle Beteiligung hat vertraglich zusichern lassen, in den kommenden Wochen entscheiden. Unbeschadet kam Haye jedoch nicht davon. Seine rechte Hand bereitete ihm Probleme. Der Grund: "Walujew hat einen sehr harten Kopf. Ich habe noch nie gegen so etwas Hartes geschlagen."

Haye will im Schwergewicht aufräumen

Haye will nun das Schwergewicht "aufräumen". Bis zum 31. Mai nächsten Jahres muss er eine Pflichtverteidigung gegen Ruiz, die Nummer eins der WBA-Liste, bestreiten. Haye wäre nicht Haye, hätte er das Verbalduell nicht schon in Nürnberg eröffnet. "Er ist ein guter Kämpfer. Aber ich bin zu schnell für ihn. Ich werde ihn K.o. schlagen." Ruiz, in Nürnberg ebenfalls im Einsatz, lauschte und verkündete: "Haye ist ein Tänzer, ich bin mehr ein Kämpfer." Danach sollen WBC-Weltmeister Vitali sowie IBF- und WBO-Champion Wladimir Klitschko dran sein. Haye: "Jeder, der einen Gürtel trägt, ist interessant."

(Florian Jennemann, dpa, N24)

08.11.2009 11:36 Uhr

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