US-Außenministerin Condoleezza Rice hat die Konfliktparteien in Tibet zum Gewaltverzicht aufgerufen. Sie hoffe, dass China beim Vorgehen gegen die antichinesischen Proteste in Tibet "Zurückhaltung" übe, sagte Rice am Donnerstag vor Journalisten in Washington. Es sei jedoch wichtig, dass alle Seiten sich von Gewalt fern hielten. Während eines Telefonats mit ihrem chinesischen Amtskollegen Yang Jiechi am Mittwoch habe sie Peking zur Aufnahme eines Dialogs mit dem Dalai Lama gedrängt, fügte Rice hinzu.
Zu Gesprächen mit dem Dalai Lama riefen China am Donnerstag auch 26 Nobelpreisträger auf. "Wir (...) bedauern und verurteilen die gewaltsame Unterdrückung tibetischer Demonstranten durch die chinesische Regierung", heißt es in einer in den USA veröffentlichten Erklärung. Die Unterzeichner, darunter der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und der Literaturnobelpreisträger John Coetzee, protestierten "gegen die unbegründete Kampagne der chinesischen Regierung gegen seine Heiligkeit, den Dalai Lama".
Im Gegensatz zu den chinesischen Anschuldigungen verfolge dieser nicht die Unabhängigkeit Tibets von China, sondern "kulturelle und religiöse Autonomie". Peking müsse so schnell wie möglich wieder Gespräche mit den Vertretern des Dalai Lama aufnehmen, um eine friedliche Lösung zu finden. Der US-Autor Wiesel hatte die Erklärung ins Leben gerufen. Er ist seit Jahren mit dem Dalai Lama befreundet, der im Jahr 1989 ebenfalls den Friedensnobelpreis erhalten hatte.
Kanadas Regierungschef Stephen Harper rief die chinesische Regierung zur Zurückhaltung auf. China müsse die friedlichen Proteste und die Menschenrechte respektieren, erklärte Harper am Donnerstag in Ottawa. Zuvor waren etwa 200 Demonstranten mit tibetischen Flaggen vor das Parlament in Ottawa gezogen. Harper betonte in seiner Erklärung, dass Kanada die Beunruhigung der Bevölkerung teile.
Ausweisung ausländischer Journalisten
Die chinesische Regierung hat ihre Militärpräsenz in Tibet und den angrenzenden Regionen massiv verstärkt. Der deutsche Journalist Georg Blume berichtete am Donnerstag in der BBC von langen Militärkonvois mit tausenden Sicherheitskräften auf dem Weg nach Lhasa. Blume und seine deutschsprachige Kollegin Kristin Kupfer wurden von den chinesischen Behörden aus Tibet ausgewiesen. Erstmals gab Peking zu, auf Demonstranten in der südwestchinesischen Provinz Sichuan geschossen zu haben. Vier Menschen seien am Sonntag verletzt worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Der Dalai Lama erklärte sich zum Dialog mit dem chinesischen Staatschef Hu Jintao bereit.
Er habe einen Konvoi von mindestens 200 Armeefahrzeugen mit je 30 Soldaten gesehen - das seien rund 6000 Sicherheitkräfte, die binnen eines Tages in Lhasa unterwegs gewesen seien, sagte Blume der britischen BBC. Nach Angaben des Journalisten, der unter anderem für "Die Zeit" schreibt, gingen in Lhasa am Donnerstag Sicherheitskräfte von Haus zu Haus. Ein in West-China ansässiger BBC-Journalist berichtete zudem, er habe mehr als 400 Militärfahrzeuge gezählt, die in Konvois von rund 80 Fahrzeugen in Richtung Tibet unterwegs seien. Einige Soldaten seien mit automatischen Waffen ausgerüstet, andere trügen Kampfanzüge und Schutzschilde. Blume und Kupfer gehören zu den letzten ausländischen Korrespondenten, die Lhasa verlassen mussten. Die Ausländerpolizei habe ihnen mit dem Entzug der Aufenthaltsgenehmigung für China gedroht, sagte Blume. "Man sagte uns, dass wir schon lange bevorzugt behandelt worden seien, dass wir aber Probleme bekommen, wenn wir jetzt nicht gehen", berichtete der Journalist. Blume und Kupfer war es am Samstag gelungen, ohne Genehmigung nach Lhasa zu reisen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestierte gegen die Ausweisung. "Das ist ein eklatanter Eingriff in die Freiheit der Berichterstattung", sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken.
(AFP, N24)
21.03.2008 07:51 Uhr








