Lahm muss kuschen

Fans unterstützen Bayern-Rebell

Versöhnung in München? Nach der nicht-öffentlichen Entschuldigung von Philipp Lahm bei der Bayern-Spitze vermeldet das Management Burgfrieden. Doch aus dem Nationalspieler spricht Volkes Stimme.

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Kritik, Rapport, Geldstrafe - nach stürmischen Herbsttagen in München kann Philipp Lahm erst einmal in die Wohlfühl-Oase Fußball-Nationalmannschaft abtauchen (Archivfoto vom 21.10.2009).
Video: Champions League - Niederlage trifft die Bayern hart
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Endlich! Die 1. Fußball-Bundesliga sucht einen neuen Meister. Die N24.de-Redaktion hat sich Gedanken gemacht und ihr fußballerisches Fachwissen in die Waagschale geworfen. Das Resultat: eine aussagekräftige Schlusstabelle - natürlich ohne Gewähr.
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Montag, "high noon" an der Säbener Straße in München. Um zwölf Uhr mittags wurde Philipp Lahm auf dem Gelände des FC Bayern erwartet - freilich nicht zum Training. Manager Uli Hoeneß, so hieß es, hatte zum Rapport gebeten. Zwei Tage, nachdem der Nationalspieler den deutschen Fußball-Rekordmeister mit einem Interview in der Süddeutschen Zeitung in helle Aufregung versetzt hatte, bestand offensichtlich großer Gesprächsbedarf.

Tatsächlich saßen neben Hoeneß und Lahm auch noch die beiden Vorstände Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner sowie Sportdirektor Christian Nerlinger mit im Raum. Am Nachmittag dann verschickte der Klub eine Erklärung, Tenor: alles Friede, Freude, Eierkuchen. "In einem sehr offenen, ausführlichen und konstruktiven Gespräch hat sich Philipp Lahm für die Art und Weise seiner Aussagen und den eingeschlagenen Weg entschuldigt", stand da geschrieben.

Für seinen "Regelverstoß" hat Lahm angeblich 30.000 Euro Geldstrafe gezahlt, "für beide Seiten ist die Angelegenheit vom Wochenende damit erledigt", ließen die Bayern wissen. "Philipp hat eingesehen, dass es besser gewesen wäre, mit seiner Meinung direkt den Weg zum Vorstand zu suchen." Die Verantwortlichen, hieß es aber auch, hätten ihn außerdem "ermutigt und auch aufgefordert, künftig seine Meinung im direkten Dialog" mit ihnen zu äußern.

Ob die Bayern den Konflikt mit großer Sprengkraft damit auch dauerhaft aus dem Weg geräumt haben, bleibt freilich fraglich. Die sportliche Krise jedenfalls lässt sich nicht wegdiskutieren. In der Champions League sind die Münchner so gut wie ausgeschieden, in der Bundesliga dümpeln sie auf Rang acht herum. Das 1:1 am Samstag gegen Schalke 04 wirkte "wie eine Zusammenfassung der kritischen Thesen von Philipp Lahm", stellte die Süddeutsche Zeitung treffend fest.

Was die Bayern-Bosse am Montag sonst noch in den Münchner Tageszeitungen zu lesen bekam, dürfte sie zunächst aufgeschreckt haben. Die Welt des FC Bayern sei "aus den Angeln", titelte etwa der Münchner Merkur. "Fliegt jetzt alles auseinander?", fragte die Boulevardzeitung tz. Die Abendzeitung ortete ein "Bayern-Beben", die Bild wollte einen "Aufstand bei Bayern" erkannt haben. Mit dem großen Krisengespräch soll dies nun alles vorbei sein.

Wenn die Bayern-Verantwortlichen am Montag mehr gelesen haben als die Schlagzeilen, müssten sie aber auch ins Grübeln kommen. Der Tenor: Lahm mag den falschen Weg gewählt haben - in der Sache sei ihm nichts vorzuwerfen. "Lahm hat auch noch recht", kommentierte die Frankfurter Allgemeine, und der kicker sekundierte: "Was Lahm vorbrachte, hat Hand und Fuß." Nur in den Augen von Bild ist alleine Trainer Louis van Gaal schuld.

Zumindest Vereinspräsident Franz Beckenbauer scheint über die eine oder andere Aussage von Lahm schon nachgedacht zu haben. Zwar behauptete der "Kaiser" glatt, das Interview habe "zu wenig Inhalt" gehabt. Man könne Lahm aber "auch dankbar sein", ergänzte er in der Sendung Sky 90, "dass er sich wehrt und aufschreit, um vielleicht den Letzten auch noch aufzuwecken". Wo er Lahm außerdem recht gebe, gab Beckenbauer zu, "ist bei den Einkäufen."

Volkes Stimme sprach sich ohnehin für Lahm aus. Statt einer Geldstrafe hätte Lahm "noch eine Belohnung dafür kriegen müssen, dass er das mal gesagt hat", ereiferte sich einer der Anrufer in der Frühsendung des Radiosenders Bayern 3. Über 80 Prozent der User des Internetportals Sport1.de stimmten zu und klickten bei einer Umfrage an: "Ja, endlich sagt es einer". Weitere knapp 18 Prozent fanden den Inhalt vertretbar, nur nicht die Vorgehensweise.

Zu den Sachfragen, um die es Lahm ging, ist vonseiten des FC Bayern aber noch immer nicht Stellung genommen worden. Spätestens am 27. November müssen sich die Verantwortlich wohl rechtfertigen - dann ist ist übrigens Jahreshauptversammlung des Klubs. Es könnte ein ungemütlicher Abend werden. Für die Bosse.

(dpa, N24)

10.11.2009 10:07 Uhr

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