DFB sagt Länderspiel ab
Bierhoff in Tränen aufgelöst
Nach dem Selbstmord von Nationalkeeper Robert Enke hat der DFB das Länderspiel gegen Chile abgesagt. Auf einer Pressekonferenz zeigten sich die DFB-Verantwortlichen tief bewegt.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nach dem Freitod von Nationaltorhüter Robert Enke das für Samstag geplante Länderspiel gegen Chile abgesagt. "Wir müssen auch einmal innehalten können", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger am in Bonn. "Diese Entscheidung ist alternativlos." Die DFB-Verantwortlichen zeigten sich von den Ereignissen sichtlich geschockt. Der DFB-Teammanager Oliver Bierhoff brach auf der Pressekonferenz in Tränen aus.
Zwanziger sagte, die Entscheidung zur Spielabsage sei von der DFB-Führung und dem Spielerrat der Nationalmannschaft um Kapitän Michael Ballack gemeinsam getroffen worden. Er sei sehr stolz auf die Spieler, die nicht einfach zur Tagesordnung übergehen wollten, sondern Zeit zum Trauern benötigten. Bierhoff ergänzte: "Die Mannschaft will sich von Robert verabschieden. Es hätte auch ein Abschiedsspiel sein können, aber es ist ein klares Gefühl, dass es zu früh käme."
"Höchster Respekt" für Teresa Enke
Mit Blick auf die Krankheit Enkes, der, wie in zwischen bekannt, unter Depressionen litt, sagte Bierhoff: "Keiner, aber wirklich keiner, hat irgendeinen Anlass gehabt, zu glauben, dass Robert Enke an dieser Krankheit leidet."
Zwanziger zollte insbesondere der Frau von Robert Enke "höchsten Respekt" für ihren mutigen Auftritt bei einer Pressekonferenz zuvor in Hannover, bei der sie sich zu der schweren Erkrankung ihres Mannes geäußert hatte. Der DFB-Chef sprach von "übermenschlicher Kraft", die es für Teresa Enke bedeutet habe, "keine 24 Stunden nach dem Tod vor die Öffentlichkeit zu gehen. Sie hat es getan, um uns eine Botschaft mitzugeben", sagte Zwanziger. Die Frage nach dem "warum" könne auch er nicht beantworten. "Aber wir dürfen es nie zulassen, dass ein Mensch, der mit diesem Freitod soviel aufgeben muss, in eine so alternativlose Entscheidung gerückt wird", forderte er.
Chile mit Verständnis
Der chilenische Verband habe mit Verständnis auf die Spielabsage reagiert, berichtete Zwanziger. Die Südamerikaner befinden sich bereits seit Montag in Leverkusen. Die Chilenen treten am kommenden Dienstag noch zu einer Partie gegen die Slowakei an.
Die Nationalspieler verließen bereits ihr Trainingslager. Am Sonntag wolle sich die Mannschaft dann zur Vorbereitung des Länderspiels gegen die Elfenbeinküste kommenden Mittwoch wieder treffen, teilte der DFB mit. Zwanziger kündigte zudem an, dass der DFB mit seinen Möglichkeiten und Kräften nach Antworten darauf suchen werde, wie ein erfolgreicher Leistungssportler in diese für ihn ausweglos erscheinende Situation kommen konnte. "Was hat dazu geführt, dass er sich in dieser Situation wiederfindet? Ein junger Mann mit einem tollen Charakter, mit bescheidenem Auftreten." Der deutsche Fußball sei Robert Enke schuldig, da nach Antworten zu suchen.
Löw: "Völlig schockiert, völlig leer"
Bundestrainer Joachim Löw erklärte, er stehe voll hinter der Entscheidung, das Testspiel gegen Chile abzusagen. "Es ist völlig richtig, dass wir das Chile-Länderspiel abgesagt haben", betonte er in einer offiziellen Stellungnahme. "Niemand fühlt sich in der Lage, in dieser Situation einfach zur Tagesordnung überzugehen. Wir haben einen Freund verloren. Das ist ein Moment, bei dem man auch im Fußball innehalten muss. Wir trauern tief um Robert Enke", sagte der Bundestrainer.
Löw fiel es nach dem Tod von Enke schwer, seine Gefühle zu beschreiben. "Ich bin völlig schockiert, völlig leer. Mein ganzes Mitgefühl gilt seiner Frau und seiner Familie. Robert war nicht nur ein herausragender Spieler, sondern auch ein toller Mensch. Wir haben wunderbare Gespräche geführt. Er konnte zuhören und ist anderen mit unglaublichem Respekt begegnet. Fairness war für ihn immer ein wichtiger Lebensinhalt. Sein Tod ist ein immenser Verlust. Er wird uns fehlen, als erstklassiger Sportler und als außergewöhnlicher Mensch."
(AFP, N24)
11.11.2009 16:35 Uhr








