Schweinegrippe-Impfgipfel
Hersteller sichert weitere Dosen zu
Gesundheitsminister Philipp Rösler gibt nach dem Schweinegrippe-Impfgipfel eingeschränkte Entwarnung. Der Hersteller habe die Lieferung weiterer Impfdosen zugesagt. Für alle reiche das aber nicht.
Angesichts der grassierenden Schweinegrippe sollen bis Ende des Jahres 20 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix ausgeliefert werden. Das habe der Hersteller Glaxosmithkline den Gesundheitsministern von Bund und Ländern zugesichert, sagte Bundesminister Philipp Rösler (FDP). "Diese Zahlen machen schon deutlich, dass nicht jeder geimpft werden kann", räumte Rösler zugleich ein. "Wichtig ist, dass jetzt nicht jeder sofort zu den Impfstellen rennt."
Maßgeblich seien die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, sagte Rösler. "Man muss nicht unbedingt morgen geimpft werden", erläuterte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD). Zunächst würden demnach Sicherheits- und Gesundheitspersonal geimpft. Dann folgten Menschen mit chronischen Krankheiten.
Im Dezember sollten zusätzlich 150.000 Impfdosen ohne Wirkverstärker (Adjuvans) für Schwangere zur Verfügung stehen, sagte Thüringens Gesundheitsministerin Heike Taubert (SPD). Insgesamt dürfe keine Hysterie aufkommen, mahnte Taubert. Im Januar und Februar solle beim Impfstoff nochmals nachgelegt werden.
Weitere Impfdosen aus Australien?
Laut "Bild"-Zeitung hat die Runde auch die Bestellung eines weiteren Impfstoffs ohne Wirkverstärker (Adjuvans) beraten, der ausschließlich für Schwangere gedacht ist. Hintergrund ist, dass der Massenimpfstoff Pandemrix für Schwangere als nicht völlig bedenkenlos gilt.
Dem Bericht zufolge ist deshalb die kurzfristige Anschaffung von 150.000 Impf-Dosen der australischen Firma "CSL Biotherapies", einem der weltweit größten Hersteller für Influenza-Impfstoffe, geplant. Nach Auskunft des Paul-Ehrlich-Institutes sei es möglich, den neuen Impfstoff bis Ende November in Deutschland zuzulassen. Man rechne mit der Lieferung bis Mitte Dezember, schreibt "Bild".
Montgomery kann Verunsicherung verstehen
Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery plädierte im rbb-Inforadio für eine bundeseinheitliche Harmonisierung des Impfverfahren. Außerdem warb er dafür, die Impfbereitschaft der Bevölkerung weiter zu verstärken. Die Verunsicherung könne er gut verstehen. "Wir machen das erste Mal diese Impfung mit einem neuartigen Impfstoff. Und immer, wenn etwas das erste Mal ist, fragen die Menschen zurecht nach der Sicherheit." Der Impfstoff habe nicht in der Intensität getestet werden können wie die alten Impfstoffe. Beim zweiten Mal werde alles leichter.
Die Ständige Impfkommission (Stiko) warf nicht gegen die Schweinegrippe geimpften Ärzten und Pflegern Verantwortungslosigkeit vor. Ein nicht geimpfter Arzt laufe Gefahr, "Patienten nicht zu heilen, sondern krank zu machen", sagte der Stiko-Vorsitzende Friedrich Hofmann der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dies gelte auch im Fall einer sogenannten subklinischen Infektion, also wenn der Betroffene selbst keine Symptome feststelle. Auf das Urteil der Ständigen Impfkommission stützt sich das Robert-Koch-Institut bei seinen Impf-Ratschlägen, die es im Auftrag der Bundesregierung erteilt.
Nach einer Schweinegrippeimpfung sollten Autofahrern ihren Wagen besser stehen lassen. Wie der Auto Club Europa (ACE) erklärte, kann die Impfung unliebsame Nebenwirkungen auslösen und die Fahrtüchtigkeit stark beeinträchtigen. Die Symptome seien Kopf-, Gelenk oder Muskelschmerzen sowie Mattheit und Fieber.
(dpa, AP, N24)
11.11.2009 16:11 Uhr






