Der Schlusspunkt ist gesetzt: Die Gläubiger des einst größten europäischen Versandhändlers haben das endgültige Aus besiegelt. Ein Antrag zur Zukunft des Unternehmens wurde nicht mehr gestellt.
Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.
Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:
Der letzte Akt in der Geschichte des einst größten europäischen Versandhändlers Quelle findet nach 82 Jahren vor fast leeren Stühlen in der riesigen Essener Grugahalle statt. Für 8.000 wäre Platz gewesen, doch nur wenige der rund 10.000 Gläubiger fanden sich ein. Nach mehrstündiger zum Teil sehr emotional geführter Diskussion stellt auf der Gläubigerversammlung schließlich niemand mehr einen Antrag auf Fortbestand des Unternehmens. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hatte drei Wochen zuvor die mit viel Hoffnung gestartete Suche nach einem Investor ohne Ergebnis eingestellt und den Ausverkauf der Lagerbestände angekündigt.
Nicht einmal 100 Gläubiger machten sich am Mittwoch auf den Weg ins Ruhrgebiet, darunter nur etwa 30 Beschäftigte des Traditionsunternehmens. Hoffnung für den Erhalt des Unternehmens hat ohnehin niemand mehr. Jeder Quelle-Mitarbeiter habe die Anreise zu der Essener Gläubigerversammlung aus eigener Tasche bezahlen müssen, berichtet die Betriebsratsvorsitzende der Quelle-Hauptverwaltung Beate Ulanska. Viele hätten sich die kostspielige Fahrt gespart.
Stellvertretend für Tausende von Quelle-Beschäftigten macht sie bei der Versammlung noch einmal dem Ärger der Belegschaft Luft und wirft Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg Intransparenz bei der Abwicklung der gescheiterten Investorensuche vor. Auch andere Arbeitnehmervertreter sparen nicht mit Kritik am Insolvenzverwalter, sprechen von einem «chaotische Verfahren» und wollen nicht akzeptieren, dass das schmerzliche Aus für Quelle schließlich «zwingend» gewesen sein soll. «Das ist ein Drama, was sich hier abspielt im Moment», sagte Quelle-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Ernst Sindel.
In mehrstündigen Vorträgen begründen Görg und seine Kollegen bei der Essener Versammlung immer wieder die umstrittene Entscheidung. Für das seit Jahren in den roten Zahlen steckende Unternehmen habe sich niemand gefunden, der bereit gewesen wäre, einen "durchaus überschaubaren Kaufpreis" zu zahlen, berichten der Insolvenzverwalter und seine Mitarbeiter. Auch die Kunden hätten dem Versandhändler schließlich die Treue versagt.
Das Quelle-Ende sei ein schwerer Schlag für viele der oft älteren Beschäftigten, berichtet Betriebsrätin Ulanska. In vielen Familien seien beide Partner betroffen, in der Belegschaft sei auch eine große Zahl von Alleinerziehenden. Viele Beschäftigte verlören nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern müssten auch ausstehende Forderungen an das Unternehmen in Höhe von oft mehreren tausend Euro nahezu vollständig abschreiben.
Davon betroffen seien Außendienstler mit noch nicht bezahlten Reisekostenabrechnungen von bis zu 3000 Euro ebenso wie Mitarbeiter, die auch während der noch laufenden Kündigungsfrist bereits auf ihr Gehalt verzichten müssen. Betreiber von Quelle-Shops beklagen ihre ungewisse Zukunft. «Das ist ein Flächenbrand», sagt Betriebsrätin Ulanska bitter.