Guttenberg in Kundus
Blutiger Abschiedsgruß aus Kabul
Verteidigungsminister Guttenberg ist auf der zweiten Station seines Afghanistanbesuchs eingetroffen. Kurz nach seiner Abreise erschütterte Kabul ein Selbstmordattentat auf US-Truppen.
Einen Tag nach Guttenbergs Besuch in Kabul kam es in der afghanischen Hauptstadt zu einem Selbstmordanschlag auf US-Truppen. Es sind mindestens sechs Menschen verletzt worden. Dabei handle es sich um drei ausländische Soldaten und drei Zivilpersonen, sagte ein afghanischer Polizeisprecher. Der Anschlag richtete sich gegen Camp Phoenix, einen Logistik-Stützpunkt der US-Streitkräfte in Afghanistan. US-Soldaten und afghanische Polizisten riegelten die Straße ab. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban. Ihr Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte, ein Selbstmordattentäter habe einen internationalen Militärkonvoi angegriffen.
Unterdessen ist Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im nordafghanischen Kundus eingetroffen. Der Minister will sich ein Bild von der Lage in der Region machen, wo am 4. September auf Befehl eines deutschen Obersts zwei von Taliban gekaperte Tanklastwagen bombardiert und dabei bis zu 142 Menschen getötet wurden. Guttenberg war zu seinem ersten Besuch nach Afghanistan gereist. Kundus ist die letzte Station vor seiner Rückkehr nach Berlin.
Der Besuch des Verteidigungsministers findet unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Als Guttenbergs Hubschrauber in Kundus landete, wurde eine Drohne - ein unbemanntes Flugzeug - zur Überwachung der Gegend gestartet. Angesichts der verschärften Sicherheitslage in Kundus werden die Eingreifkräfte der Bundeswehr dort deutlich aufgestockt. Guttenberg sagte, ab Mitte Januar komme eine zusätzliche Einsatzkompanie der Bundeswehr mit 120 Soldaten in die Unruheregion. Sie verstärken die bereits dort stationierten 450 deutschen Eingreifkräfte. Guttenberg sagte: "Hier ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen." Derzeit sind im Wiederaufbauteam in Kundus insgesamt rund 1.100 Soldaten stationiert, davon 1.000 Deutsche und 100 Belgier.
Amt für Guttenberg ein "Herzensanliegen"
Guttenberg hatte am Vorabend in einer Rede vor mehreren hundert Soldaten im Bundeswehr-Feldlager im nordafghanischen Masar-i-Scharif gesagt: "Afghanistan wird uns sicher noch eine Weile fordern." Der Einsatz müsse in "absehbarer Zeit auch einmal verzichtbar sein". Dafür müsse Afghanistan aber selbst für seine Sicherheit sorgen können. Die Bundesregierung werde der Regierung des umstrittenen afghanischen Präsidenten Hamid Karsai deutlich machen, "dass uns Lippenbekenntnisse nicht genügen".
Zugleich machte der Minister deutlich, dass er eine Bundeswehr bevorzugt, deren Soldaten auf Gefühl achten. Im Soldatenberuf gehe es eben nicht nur darum, "kühl dem Soldatentum als solches nachzugehen". Emotionen spielten eine wesentliche Rolle. Für ihn selbst sei sein neues Amt ein "Herzensanliegen".
Besuch eines Ehrenmals
Der deutschen Bevölkerung müsse vermittelt werden, dass Soldaten ihren Beruf mit "hoher Professionalität, aber auch mit Herz reißen". Die Soldaten seien Botschafter des Landes. "Ich glaube, dass unser gemeinsames Vaterland auf sie stolz sein kann. Ich bin es zumindest", betonte der Minister. Er hatte zuvor mit Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan ein im Camp errichtetes Ehrenmal für die im Afghanistan-Einsatz gefallenen Soldaten besucht.
Guttenberg sagte dazu: "Ich bin dankbar dafür, (...) spüren zu dürfen, was Emotionen (...) bedeuten können und bedeuten müssen und, dass wir diese Emotionen zuzulassen haben, um zu wissen, welche Folgen dieser Dienst auch mit sich bringen kann." Mit einem Auslandseinsatz seien höchste Herausforderungen verbunden, aber auch Ängste der Soldaten und ihrer Angehörigen. Die Politik trage die Verantwortung für die Sicherheit und den Schutz der Soldaten.
(dpa, N24)
13.11.2009 08:24 Uhr









