Gigantische Trauer: 300.000 Menschen begleiteten den Trauerzug für Konrad Adenauer. 42 Jahre später könnte der Abschied von Nationaltorhüter Enke ähnliche Dimensionen annehmen.
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Hannover bereitet sich auf die größte Trauerfeier in Deutschland seit 42 Jahren vor. Mehrere zehntausend Menschen wollen am Sonntag Abschied von Robert Enke nehmen. Die unfassbare Selbsttötung des beliebten Torhüters von Hannover 96 und der Nationalmannschaft hat eine fast beispiellose Anteilnahme in der Bevölkerung ausgelöst. Die Trauer um den Fußball-Profi, der unter Depressionen und Versagensängsten litt und der nur 32 Jahre alt wurde, ist allenfalls mit dem Tod von Konrad Adenauer zu vergleichen. Als der erste Bundeskanzler im April 1967 starb, defilierten fast 300.000 Menschen in einem Trauerzug am Sarg des Politikers vorbei.
Wahrscheinlich reichen die 45.000 Plätze im Stadion von Hannover nicht aus. "Wir wollen vor der AWD-Arena Leinwände und Lautsprecher aufbauen. So können die Fans die Trauerfeier auch auf dem Vorplatz verfolgen", berichtete 96-Pressechef Andreas Kuhnt.
Erwartet werden die deutsche Nationalmannschaft mit Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff, der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann, Ex-DFB-Teamchef Rudi Völler und ehemalige Nationalspieler wie Jens Lehmann oder Christoph Metzelder. Fast alle Bundesligaclubs haben ihr Erscheinen angekündigt. Auch Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière steht auf der Gästeliste.
Der Sarg von Robert Enke wird auf dem Rasen im Stadion aufgebahrt. Nach der Trauerfeier, auf der DFB-Präsident Theo Zwanziger, 96-Clubchef Martin Kind, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil als Redner vorgesehen sind, soll der Sarg auf den Friedhof im Neustädter Ortsteil Empede gebracht werden. Enke wird dort im privaten Kreis neben seiner Tochter Lara beigesetzt. Sie war 2006 im Alter von zwei Jahren gestorben. Im Mai diesen Jahres hatte die Familie die kleine Leila adoptiert.
Enkes Witwe Teresa gedachte in einer Traueranzeige in Hannovers Tageszeitungen mit einem Zitat des tschechischen Schriftstellers Václav Havel ihres gestorbenen Mannes: "Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht." Unter dem Spruch des früheren Staatspräsidenten stand: "In ewiger Liebe - Teresa, Leila und Dein kleiner Engel".
Seit dem Tod des Publikumslieblings am Dienstagabend steht die Zeit in Hannover fast still. Das Schicksal von Sympathieträger Enke und der bemerkenswerte Auftritt seiner Witwe Teresa, die auf einer Pressekonferenz am Tag danach mit Enkes Arzt Valentin Markser offen über die Krankheit ihres Mannes sprach, sind das alles andere überlagernde Gesprächsthema. 35.000 Menschen beteiligten sich bereits am Mittwochabend an einem Trauermarsch durch die Innenstadt zum Stadion.
Enke war kein Showman
Auch am Freitag dokumentierte ein Kerzen-Lichtermeer, zahlreiche Blumen, Schals, Trikots und Briefe vor dem Stadion die Verbundenheit der Fußballfans mit ihrem Idol - ein Bild, das an die Reaktionen nach prominenten Todesfällen wie von Lady Di oder Michael Jackson erinnerte. Enke war, entgegen dem Trend in der "Glitzerwelt", aber kein Showman. Er hatte sich den Respekt und die Liebe der Fans durch seine bescheidene Art, seinen Einsatz für die Mannschaft und die Gesellschaft sowie seine offene Art gegenüber den Anhängern erworben.
In Internetforen forderten viele 96-Fans die Vereinsführung auf, Enkes Trikot mit der Nummer 1 nicht mehr zu vergeben. Die Anhänger sprachen sich auch dafür aus, einen Platz nahe des Stadions oder die AWD-Arena selbst in "Robert-Enke-Stadion" umzubenennen. Oberbürgermeister Weil empfahl, die Diskussion über die Würdigung des Keepers zu vertagen. Zunächst solle man sich Zeit zum Trauern nehmen. "Danach können wir über alles reden", sagte Weil.