Abschied von Robert Enke

Größte Trauerfeier seit Adenauer-Tod

Gigantische Trauer: 300.000 Menschen begleiteten den Trauerzug für Konrad Adenauer. 42 Jahre später könnte der Abschied von Nationaltorhüter Enke ähnliche Dimensionen annehmen.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Grenzenlose Trauer: Eine junge Frau trägt einen Kranz für den verstorbenen Nationaltorwart Robert Enke vor der AWD-Arena in Hannover.
Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten.
Die Fußball-Welt ist tief bestürzt. Der Nationaltorwart und Schlussmann des Bundesligisten Hannover 96, Robert Enke, ist tot. Der ...
... Profi hinterlässt in den Herzen seiner Fans eine Lücke. Es wird lange dauern, bis die Anhänger, aber vor allem seine Angehörigen, über ...
... diesen schweren Verlust hinweg kommen werden. Mit Robert Enke ist ein Fußballer verschieden, der von jeher einen anderen ...
... Weg gegangen ist. Nach ersten Schritten als Zweitliga-Torhüter beim FC Carl Zeiss Jena gelang Enke früh der Sprung in die Fußball-Oberklasse. Mit 18 Jahren hütete er den Kasten von Borussia Mönchengladbach, wurde Junioren-Nationalspieler.
Jupp Heynckes holte ihn 1999 zu Benfica Lissabon. Enke entwickelte sich ...
... dort rasch zu einer Institution. Folgerichtig kam ...
... 1999 die erste Berufung in den Kader der A-Nationalmannschaft unter Erich Ribbeck. Beim Confederations Cup in Mexiko drückte Enke allerdings nur die Bank.
Die nächste Station des Robert Enke hätte der große Durchbruch sein können. Das Spitzenteam FC Barcelona nahm ihn - unter der Ägide des heutigen Bayern-Coaches Louis van Gaal - unter Vertrag.
Doch Enke konnte sich dort nicht durchsetzen und der Thüringer zog weiter.
Bei Fenerbahce Istanbul wurde Enke allerdings noch weniger glücklich. Im Gegenteil: Rasch wurde er zum Buhmann der Fans. Enke löste seinen Kontrakt in der Türkei und nahm den Umweg über Teneriffa ...
... zurück in die Bundesliga. Im Jahr 2004 wurde Enke Schlussmann bei Hannover 96, wo er zum umsichtigen Spitzenkeeper reifte.
DFB-Trainer Joachim Löw entdeckte daraufhin Enke neu, die zweite, erfolgversprechendere Nationalmannschaftskarriere begann. In einem Testspiel gegen Dänemark im März 2007 lief Enke erstmals im Schwarz-Rot-Gelb auf.
Zur EM 2008 fuhr Enke als zweiter Mann hinter Jens Lehmann, dritter Torhüter war damals René Adler, mit dem er sich bis zuletzt einen - stets fairen - Zweikampf um die Nummer eins lieferte.
Schon während der Europameisterschaft war allerdings für seine Fans klar, wer nach dem absehbaren Ende der Nationalmannschaftskarriere Lehmanns nachrücken sollte.
Zeit seines Lebens war Enke ein im Vergleich zu vielen Fußball-Profis nachdenklicher Spieler. Das oft überdrehte Geschäft blieb ihm immer fremd. Sein Fokus lag neben dem Fußball vor allem auf seinem Privatleben. Und ...
... auch hier erlebte Enke Höhen und Tiefen. Das Glück als Vater der kleinen Lara (im Bild) wich der Trauer über den Tod seiner Tochter im Jahr 2006. Mit seiner Frau entschloss sich Enke zur Adoption und nahm vor wenigen Monaten ein kleines Mädchen auf.
Sportlich lief es für Enke zuletzt durchwachsen. Sein letztes Nationalmannschaftsspiel absolvierte er im August 2009 gegen Aserbaidschan, bevor ihn eine rätselhafte bakterielle Infektion außer Gefecht setzte.
Wenige Tage vor seinem Tod feierte Enke jedoch gegen den Hamburger SV sein Comeback zwischen den Pfosten und überzeugte unisono die Beobachter.
Am Abend des 10. November fasste Robert Enke offenbar den unfassbaren Entschluss, seinem Leben ein Ende zu setzen. In der Nähe von Hannover wurde Enke ...
... von einem Regionalzug erfasst und starb. Robert Enke wurde 32 Jahre alt und hinterlässt trauernde Angehörige und Fans.
Video: Robert Enke ist tot - Im Studio: Erich Laaser, Sportreporter
Video: Robert Enke ist tot - Fassungslosigkeit beim DFB
Video: Robert Enke ist tot - Fassungslosigkeit unter den Fans
Video: Fans trauern - Lichtermeer für Robert Enke
Video: Robert Enke ist tot - Bestürzung nicht nur unter den Fans
Video: Robert Enke tot - Berater Neblung: "Es war Selbstmord"
Video: Robert Enke tot - Am Telefon: Dieter Brennecke

Hannover bereitet sich auf die größte Trauerfeier in Deutschland seit 42 Jahren vor. Mehrere zehntausend Menschen wollen am Sonntag Abschied von Robert Enke nehmen. Die unfassbare Selbsttötung des beliebten Torhüters von Hannover 96 und der Nationalmannschaft hat eine fast beispiellose Anteilnahme in der Bevölkerung ausgelöst. Die Trauer um den Fußball-Profi, der unter Depressionen und Versagensängsten litt und der nur 32 Jahre alt wurde, ist allenfalls mit dem Tod von Konrad Adenauer zu vergleichen. Als der erste Bundeskanzler im April 1967 starb, defilierten fast 300.000 Menschen in einem Trauerzug am Sarg des Politikers vorbei.

Wahrscheinlich reichen die 45.000 Plätze im Stadion von Hannover nicht aus. "Wir wollen vor der AWD-Arena Leinwände und Lautsprecher aufbauen. So können die Fans die Trauerfeier auch auf dem Vorplatz verfolgen", berichtete 96-Pressechef Andreas Kuhnt.

Erwartet werden die deutsche Nationalmannschaft mit Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff, der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann, Ex-DFB-Teamchef Rudi Völler und ehemalige Nationalspieler wie Jens Lehmann oder Christoph Metzelder. Fast alle Bundesligaclubs haben ihr Erscheinen angekündigt. Auch Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière steht auf der Gästeliste.

Der Sarg von Robert Enke wird auf dem Rasen im Stadion aufgebahrt. Nach der Trauerfeier, auf der DFB-Präsident Theo Zwanziger, 96-Clubchef Martin Kind, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil als Redner vorgesehen sind, soll der Sarg auf den Friedhof im Neustädter Ortsteil Empede gebracht werden. Enke wird dort im privaten Kreis neben seiner Tochter Lara beigesetzt. Sie war 2006 im Alter von zwei Jahren gestorben. Im Mai diesen Jahres hatte die Familie die kleine Leila adoptiert.

Enkes Witwe Teresa gedachte in einer Traueranzeige in Hannovers Tageszeitungen mit einem Zitat des tschechischen Schriftstellers Václav Havel ihres gestorbenen Mannes: "Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht." Unter dem Spruch des früheren Staatspräsidenten stand: "In ewiger Liebe - Teresa, Leila und Dein kleiner Engel".

Seit dem Tod des Publikumslieblings am Dienstagabend steht die Zeit in Hannover fast still. Das Schicksal von Sympathieträger Enke und der bemerkenswerte Auftritt seiner Witwe Teresa, die auf einer Pressekonferenz am Tag danach mit Enkes Arzt Valentin Markser offen über die Krankheit ihres Mannes sprach, sind das alles andere überlagernde Gesprächsthema. 35.000 Menschen beteiligten sich bereits am Mittwochabend an einem Trauermarsch durch die Innenstadt zum Stadion.

Enke war kein Showman

Auch am Freitag dokumentierte ein Kerzen-Lichtermeer, zahlreiche Blumen, Schals, Trikots und Briefe vor dem Stadion die Verbundenheit der Fußballfans mit ihrem Idol - ein Bild, das an die Reaktionen nach prominenten Todesfällen wie von Lady Di oder Michael Jackson erinnerte. Enke war, entgegen dem Trend in der "Glitzerwelt", aber kein Showman. Er hatte sich den Respekt und die Liebe der Fans durch seine bescheidene Art, seinen Einsatz für die Mannschaft und die Gesellschaft sowie seine offene Art gegenüber den Anhängern erworben.

In Internetforen forderten viele 96-Fans die Vereinsführung auf, Enkes Trikot mit der Nummer 1 nicht mehr zu vergeben. Die Anhänger sprachen sich auch dafür aus, einen Platz nahe des Stadions oder die AWD-Arena selbst in "Robert-Enke-Stadion" umzubenennen. Oberbürgermeister Weil empfahl, die Diskussion über die Würdigung des Keepers zu vertagen. Zunächst solle man sich Zeit zum Trauern nehmen. "Danach können wir über alles reden", sagte Weil.

(Sandra Degenhardt und Peter Hübner, dpa N24)

15.11.2009 11:14 Uhr

SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Leute