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Emotionaler Abschied

Zehntausende bei Enke-Trauerfeier

Bei einer bewegenden Trauerfeier haben 40.000 Menschen in Hannvoer Abschied von Nationaltorwart Robert Enke genommen.

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Die Fußball-Welt ist tief bestürzt. Der Nationaltorwart und Schlussmann des Bundesligisten Hannover 96, Robert Enke, ist tot. Der ...
... Profi hinterlässt in den Herzen seiner Fans eine Lücke. Es wird lange dauern, bis die Anhänger, aber vor allem seine Angehörigen, über ...
... diesen schweren Verlust hinweg kommen werden. Mit Robert Enke ist ein Fußballer verschieden, der von jeher einen anderen ...
... Weg gegangen ist. Nach ersten Schritten als Zweitliga-Torhüter beim FC Carl Zeiss Jena gelang Enke früh der Sprung in die Fußball-Oberklasse. Mit 18 Jahren hütete er den Kasten von Borussia Mönchengladbach, wurde Junioren-Nationalspieler.
Jupp Heynckes holte ihn 1999 zu Benfica Lissabon. Enke entwickelte sich ...
... dort rasch zu einer Institution. Folgerichtig kam ...
... 1999 die erste Berufung in den Kader der A-Nationalmannschaft unter Erich Ribbeck. Beim Confederations Cup in Mexiko drückte Enke allerdings nur die Bank.
Die nächste Station des Robert Enke hätte der große Durchbruch sein können. Das Spitzenteam FC Barcelona nahm ihn - unter der Ägide des heutigen Bayern-Coaches Louis van Gaal - unter Vertrag.
Doch Enke konnte sich dort nicht durchsetzen und der Thüringer zog weiter.
Bei Fenerbahce Istanbul wurde Enke allerdings noch weniger glücklich. Im Gegenteil: Rasch wurde er zum Buhmann der Fans. Enke löste seinen Kontrakt in der Türkei und nahm den Umweg über Teneriffa ...
... zurück in die Bundesliga. Im Jahr 2004 wurde Enke Schlussmann bei Hannover 96, wo er zum umsichtigen Spitzenkeeper reifte.
DFB-Trainer Joachim Löw entdeckte daraufhin Enke neu, die zweite, erfolgversprechendere Nationalmannschaftskarriere begann. In einem Testspiel gegen Dänemark im März 2007 lief Enke erstmals im Schwarz-Rot-Gelb auf.
Zur EM 2008 fuhr Enke als zweiter Mann hinter Jens Lehmann, dritter Torhüter war damals René Adler, mit dem er sich bis zuletzt einen - stets fairen - Zweikampf um die Nummer eins lieferte.
Schon während der Europameisterschaft war allerdings für seine Fans klar, wer nach dem absehbaren Ende der Nationalmannschaftskarriere Lehmanns nachrücken sollte.
Zeit seines Lebens war Enke ein im Vergleich zu vielen Fußball-Profis nachdenklicher Spieler. Das oft überdrehte Geschäft blieb ihm immer fremd. Sein Fokus lag neben dem Fußball vor allem auf seinem Privatleben. Und ...
... auch hier erlebte Enke Höhen und Tiefen. Das Glück als Vater der kleinen Lara (im Bild) wich der Trauer über den Tod seiner Tochter im Jahr 2006. Mit seiner Frau entschloss sich Enke zur Adoption und nahm vor wenigen Monaten ein kleines Mädchen auf.
Sportlich lief es für Enke zuletzt durchwachsen. Sein letztes Nationalmannschaftsspiel absolvierte er im August 2009 gegen Aserbaidschan, bevor ihn eine rätselhafte bakterielle Infektion außer Gefecht setzte.
Wenige Tage vor seinem Tod feierte Enke jedoch gegen den Hamburger SV sein Comeback zwischen den Pfosten und überzeugte unisono die Beobachter.
Am Abend des 10. November fasste Robert Enke offenbar den unfassbaren Entschluss, seinem Leben ein Ende zu setzen. In der Nähe von Hannover wurde Enke ...
... von einem Regionalzug erfasst und starb. Robert Enke wurde 32 Jahre alt und hinterlässt trauernde Angehörige und Fans.
Video: Robert Enke ist tot - Im Studio: Erich Laaser, Sportreporter
Video: Robert Enke ist tot - Fassungslosigkeit beim DFB
Video: Robert Enke ist tot - Fassungslosigkeit unter den Fans
Video: Fans trauern - Lichtermeer für Robert Enke
Video: Robert Enke ist tot - Bestürzung nicht nur unter den Fans
Video: Robert Enke tot - Berater Neblung: "Es war Selbstmord"
Video: Robert Enke tot - Am Telefon: Dieter Brennecke

Mit klassischer Musik und Traueransprachen wurde des Nationaltorwarts gedacht, der sich am Dienstagabend das Leben genommen hatte. Der Sarg Enkes war im Mittelkreis des Stadions in Hannover aufgebahrt. Seine Witwe Teresa saß mit Familienangehörigen und Freunden auf einem am Spielfeldrand aufgebauten Podest. DFB-Kapitän Michael Ballack und Nationalmannschaftskollege Per Mertesacker legten einen Kranz nieder. Alle Nationalspieler verneigten sich am schlichten Holzsarg, der von Blumengebinden und einem Herz aus weißen Rosen umgeben war.

Eine Schülerin sang bei der unter anderem von N24 live übertragenen Trauerfeier vor zahlreichen Spitzenvertretern des deutschen Fußballs das Vereinslied von Hannover 96 "Alte Liebe" und wurde dafür mit sanftem Applaus bedacht.

Neben dem DFB-Team um Bundestrainer Joachim Löw gehörten Vertreter zahlreicher Fußball-Verbände, Bundesligisten sowie ausländischer Vereine und Spieler zu den Gästen bei der größten Trauerfeier der deutschen Sportgeschichte. Franz Beckenbauer, Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann und die OK-Chefin der Frauen-WM 2011, Steffi Jones, gehörten ebenfalls zur Trauergemeinde. Weitere Gäste waren Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

DFB-Präsident Theo Zwanziger appellierte in seiner Rede an die Menschlichkeit und forderte einen Blick über den Sport hinaus. «Denkt nicht nur an den Schein. Denkt auch an das, was in den Menschen ist, an Zweifel und Schwäche», sagte Zwanziger. Alle seien aufgerufen, nach der Trauer das Leben in Maß und Balance mit Fairplay und Respekt zu gestalten. Martin Kind, Vereinspräsident von Hannover 96, würdigte Enke für seine sportlichen Leistungen und hob zudem besonders die menschlichen Qualitäten des Torhüters hervor.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff drückte in seiner Ansprache die Hoffnung auf eine Veränderung in der Gesellschaft aus und würdigte besonders Teresa Enke. "Was Sie durchlitten haben, können wir nur erahnen. Der warmherzige Beifall hat gezeigt, dass wir bei Ihnen sind", sagte Wulff. Für die offenen Worte einen Tag nach dem Tod ihres Ehemannes bei einer im TV übertragenen Pressekonferenz, drückte er seine Hochachtung aus. Die Trauergäste erhoben sich von ihren Sitzen und spendeten langanhaltenden Applaus. Auch Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil wünschte Teresa Enke die Kraft, gemeinsam mit der erst wenige Monate alten Tochter Leila neuen Lebensmut zu finden.

Nach der Andacht von Pfarrer Heinrich Plochg wurde der Sarg Enkes zum Song "The Rose" von Bette Midler und dem Fußball-Kultlied "You'll never walk alone" von Vereinskollegen des Torwarts aus dem Stadion getragen. Im Anschluss an die Trauerfeier sollte die Beerdigung im engsten Familienkreis auf dem Friedhof in Neustadt am Rübenberge stattfinden. Enke sollte neben seiner 2006 im Alter von zwei Jahren gestorbenen Tochter Lara beigesetzt werden.

(dpa, N24)

15.11.2009 15:43 Uhr

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