Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat die chinesische Führung aufgefordert, ausländische Beobachter nach Tibet einreisen zu lassen. "Wir wollen genau wissen, was in Tibet passiert ist. China schadet sich selbst, wenn es ausländische Beobachter daran hindert, sich ein eigenes Bild der Lage zu machen", sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung.
"Die Bundesregierung sagt den Chinesen unmissverständlich: Schaffen Sie Klarheit", betonte Steinmeier. Eine Lösung könne nur im Dialog liegen, fügte er hinzu. "Die Tibeter wollen ihre Kultur bewahren, China will politische Stabilität - dafür müssen beide Seiten aufeinander zugehen."
Steinmeier kündigte an, am Wochenende mit seinem chinesischen Amtskollegen zu telefonieren und mit ihm über die Lage in Tibet zu sprechen. Auf die Frage, ob westliche Politiker angesichts der Vorgänge in Tibet guten Gewissens zur Olympiade nach Peking reisen könnten, sagte der Vizekanzler: "Diese Frage kann nur die Regierung in Peking beantworten."
Tibeter zündet sich selbst an
Es liege im ureigensten Interesse Chinas, dass die Olympiade ein Erfolg werde. "Glanzvolle Veranstaltungen fürs Fernsehen, während es im eigenen Hinterland drunter und drüber geht - das funktioniert heute nicht mehr", betonte Steinmeier. "Wer heute die Spiele veranstaltet, muss Tausende Journalisten ins Land lassen. Da kann dann nichts mehr unter den Teppich gekehrt werden."
Bei einer Mahnwache vor der chinesischen Botschaft in Berlin zündete sich am Donnerstag ein 26-jähriger Tibeter selbst an. Er blieb aber unverletzt, weil Umstehende seine brennende Kleidung sofort löschten, teilte die Polizei mit. Zuvor hatten drei Personen der rund 100-köpfigen Gruppe erfolglos versucht, dem Botschafter eine Petition zu überreichen.
Bei einem Treffen mit dem Dalai Lama hat US-Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi die "Unterdrückung" der Tibeter durch China beklagt. "Wenn die freiheitsliebenden Menschen nicht die Unterdrückung in Tibet anprangern, verlieren wir die moralische Autorität, überhaupt von Menschenrechten zu sprechen", sagte Pelosi am Sitz des geistlichen Oberhaupts der Tibeter in Dharamsala in den indischen Bergen. Tausende Exil-Tibeter jubelten Pelosi zu.
Nobelpreisträger rufen zum Dialog auf
US-Außenministerin Condoleezza Rice rief die Konfliktparteien zum Gewaltverzicht auf. Sie hoffe, dass China beim Vorgehen gegen die Demonstranten "Zurückhaltung" übe, sagte Rice in Washington. Es sei jedoch wichtig, dass alle Seiten sich der Gewalt enthielten. Während eines Telefonats mit ihrem chinesischen Amtskollegen Yang Jiechi habe sie Peking zur Aufnahme eines Dialogs mit dem Dalai Lama gedrängt, fügte Rice hinzu.
Zu Gesprächen mit dem Dalai Lama riefen China am Donnerstag auch 26 Nobelpreisträger auf. "Wir (...) bedauern und verurteilen die gewaltsame Unterdrückung tibetischer Demonstranten durch die chinesische Regierung", heißt es in einer in den USA veröffentlichten Erklärung. Die Unterzeichner, darunter der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und der Literaturnobelpreisträger John Coetzee, protestierten gegen die "unbegründete Kampagne" der chinesischen Regierung gegen den Dalai Lama.
Peking fahndet nach Demonstranten
Derweil veröffentlichten die chinesischen Behörden auf Websites wie yahoo.com und sina.com Fotos von 19 Demonstranten, die während der Proteste in Lhasa eine Woche zuvor aufgenommen worden waren. Die staatliche Zeitung "Tibet Daily" berichtete, zwei der ursprünglich 21 Gesuchten seien bereits festgenommen worden. Die Behörden hatten die Haftbefehle ausgestellt, nachdem ihr Ultimatum an Randalierer, sie sollten sich stellen, in der Nacht zu Dienstag abgelaufen war.
Am Donnerstag gaben die chinesischen Behörden die Festnahme von 24 Verdächtigen bekannt. Weitere 170 Menschen hatten sich demnach wegen ihrer Teilnahme an den anti-chinesischen Protesten gestellt.
(AP, AFP, dpa, N24)
21.03.2008 15:09 Uhr








