"Lieber Robert"

DFB-Elf schreibt Abschiedsbrief

"Sprachlos, fassungslos, hilflos": Nach dem tragischen Selbstmord Robert Enkes haben sich die Spieler der Fußball-Nationalmannschaft mit einem Brief von ihrem gestorbenen Teamkollegen verabschiedet.

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Bastian Schweinsteiger (l-r), Jerome Boateng, Lukas Podolski und Aaron Hunt beim Training vor dem Länderspiel gegen die Elfenbeinküste (17.11.2009).
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Auf den Tod des 32-jährigen Fußball-Nationaltorwart reagieren Fans wie Kollegen mit tiefer Bestürzung. Robert Enke hatte sich am Dienstagabend das Leben genommen, er wurde von einem Regionalexpress nahe Hannover erfasst und tödlich verletzt.
Der Sportdirektor von Hannover 96, Jörg Schmadtke, zeigte sich zutiefst betroffen: "Unser Mitgefühl gilt der Familie. Uns hat ein großartiger Sportler und Mensch verlassen, der in Hannover und in Deutschland eine große Lücke hinterlässt."
Der Manager der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, sagte: "Wir sind alle geschockt, uns fehlen die Worte." Enke hatte acht Mal im Tor der deutschen Nationalmannschaft gestanden und ...
... galt als Favorit für den Posten des Nationaltorwarts bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.
In einer ersten Stellungnahme erklärte der DFB-Präsident Theo Zwanziger auf der Internetseite des Verbands: "Wir sind fassungslos und voller Trauer. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Frau von Robert Enke und seiner Familie."
Die Fans von Hannover 96 trauern am Mittwoch (11.11.2009) vor der AWD-Arena in Hannover um den toten Nationaltorwart. Vor der Arena ...
... bilden sich lange Schlangen von Trauernden, die sich am Mittwoch (11.11.2009) für den verstorbenen Robert Enke in ein Kondolenzbuch eintragen.
Neben brennenden Kerzen wurde ein Torwarthandschuh vor der AWD-Arena für ihn niedergelegt, wo Hannover 96-Fans ...
... schon am frühen Mittwochmorgen (11.11.2009) vor brennenden Kerzen des toten Profi von Hannover 96 gedenken.
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Die Fußball-Welt ist tief bestürzt. Der Nationaltorwart und Schlussmann des Bundesligisten Hannover 96, Robert Enke, ist tot. Der ...
... Profi hinterlässt in den Herzen seiner Fans eine Lücke. Es wird lange dauern, bis die Anhänger, aber vor allem seine Angehörigen, über ...
... diesen schweren Verlust hinweg kommen werden. Mit Robert Enke ist ein Fußballer verschieden, der von jeher einen anderen ...
... Weg gegangen ist. Nach ersten Schritten als Zweitliga-Torhüter beim FC Carl Zeiss Jena gelang Enke früh der Sprung in die Fußball-Oberklasse. Mit 18 Jahren hütete er den Kasten von Borussia Mönchengladbach, wurde Junioren-Nationalspieler.
Jupp Heynckes holte ihn 1999 zu Benfica Lissabon. Enke entwickelte sich ...
... dort rasch zu einer Institution. Folgerichtig kam ...
... 1999 die erste Berufung in den Kader der A-Nationalmannschaft unter Erich Ribbeck. Beim Confederations Cup in Mexiko drückte Enke allerdings nur die Bank.
Die nächste Station des Robert Enke hätte der große Durchbruch sein können. Das Spitzenteam FC Barcelona nahm ihn - unter der Ägide des heutigen Bayern-Coaches Louis van Gaal - unter Vertrag.
Doch Enke konnte sich dort nicht durchsetzen und der Thüringer zog weiter.
Bei Fenerbahce Istanbul wurde Enke allerdings noch weniger glücklich. Im Gegenteil: Rasch wurde er zum Buhmann der Fans. Enke löste seinen Kontrakt in der Türkei und nahm den Umweg über Teneriffa ...
... zurück in die Bundesliga. Im Jahr 2004 wurde Enke Schlussmann bei Hannover 96, wo er zum umsichtigen Spitzenkeeper reifte.
DFB-Trainer Joachim Löw entdeckte daraufhin Enke neu, die zweite, erfolgversprechendere Nationalmannschaftskarriere begann. In einem Testspiel gegen Dänemark im März 2007 lief Enke erstmals im Schwarz-Rot-Gelb auf.
Zur EM 2008 fuhr Enke als zweiter Mann hinter Jens Lehmann, dritter Torhüter war damals René Adler, mit dem er sich bis zuletzt einen - stets fairen - Zweikampf um die Nummer eins lieferte.
Schon während der Europameisterschaft war allerdings für seine Fans klar, wer nach dem absehbaren Ende der Nationalmannschaftskarriere Lehmanns nachrücken sollte.
Zeit seines Lebens war Enke ein im Vergleich zu vielen Fußball-Profis nachdenklicher Spieler. Das oft überdrehte Geschäft blieb ihm immer fremd. Sein Fokus lag neben dem Fußball vor allem auf seinem Privatleben. Und ...
... auch hier erlebte Enke Höhen und Tiefen. Das Glück als Vater der kleinen Lara (im Bild) wich der Trauer über den Tod seiner Tochter im Jahr 2006. Mit seiner Frau entschloss sich Enke zur Adoption und nahm vor wenigen Monaten ein kleines Mädchen auf.
Sportlich lief es für Enke zuletzt durchwachsen. Sein letztes Nationalmannschaftsspiel absolvierte er im August 2009 gegen Aserbaidschan, bevor ihn eine rätselhafte bakterielle Infektion außer Gefecht setzte.
Wenige Tage vor seinem Tod feierte Enke jedoch gegen den Hamburger SV sein Comeback zwischen den Pfosten und überzeugte unisono die Beobachter.
Am Abend des 10. November fasste Robert Enke offenbar den unfassbaren Entschluss, seinem Leben ein Ende zu setzen. In der Nähe von Hannover wurde Enke ...
... von einem Regionalzug erfasst und starb. Robert Enke wurde 32 Jahre alt und hinterlässt trauernde Angehörige und Fans.

"Lieber Robert,

es ist nicht leicht, heute Abend die Fußballschuhe anzuziehen, raus zu gehen auf den Rasen, 90 Minuten das zu tun, was Du so sehr geliebt hast. Dein Tod ist für uns immer noch allgegenwärtig. Er hat uns alle sprachlos gemacht, fassungslos, hilflos. Wir waren wie gelähmt, als wir die unerträgliche Nachricht bekommen haben. Wir waren nicht in der Lage, unsere Trauer in Worte zu fassen. Wir waren nicht in der Lage, ein paar Tage später Fußball zu spielen. Wir konnten nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen. Wir alle brauchten diesen Moment der Ruhe, um zu realisieren, was passiert ist. Richtig verstehen werden wir es vielleicht nie.

Wir haben lange zusammengesessen und an Dich gedacht. Wir haben zusammen geschwiegen, zusammen geweint und zusammen nach Antworten gesucht, aber eigentlich immer nur neue Fragen gefunden. Quälende Fragen nach dem Warum. Warum konnten wir Dir nicht helfen? Warum konntest und wolltest Du uns nicht von Deinen Problemen erzählen? Warum ist es in unserem Leistungssport, in unserer Leistungsgesellschaft nicht möglich, Angst und Krankheit auszusprechen?

Es ist für uns alle ein schmerzhafter Gedanke, dass Du Dich einsam und allein gefühlt haben musst, auch wenn Du mit uns zusammen warst. Dass Du so oft das Gefühl gehabt haben musst, viel mehr verlieren zu können als nur ein Fußballspiel. Dass für Dich so viel mehr auf dem Spiel stand als für jeden anderen von uns. Dein Tod ist so trostlos. Aber wir werden alles dafür tun, in Deinem Sinn weiterzumachen, guten Fußball zu spielen, erfolgreich zu sein. Und uns dafür einzusetzen, dass Vorurteile und Stigmatisierungen im Fußball keinen Platz haben.

Du wirst uns fehlen. Auf dem Weg ins Stadion, in der Kabine, im Strafraum. Du wirst uns fehlen, weil Du ein außergewöhnlicher Torhüter warst. Aber noch vielmehr, weil Du ein bemerkenswerter Mensch warst. Wir spielen heute für Deutschland, wir spielen für die Fans. Aber wir spielen vor allem für Dich. Für einen guten Freund, durch dessen Tod wir alle noch ein Stückchen näher zusammengerückt sind.

Wir sind ein Team. Und Du wirst immer ein Teil dieses Teams bleiben.

Deine Nationalmannschaft"

(dpa, N24)

18.11.2009 14:42 Uhr

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