Größte Rückrufaktion
Kreditkarten-Datenklau trifft alle Banken
Es ist die größte Tauschaktion von Kreditkarten der Marken Visa und Mastercard in Deutschland: Wie sich herausgestellt hat, sind Kunden aller Banken betroffen.
Die großangelegte Kreditkarten-Rückrufaktion wird über als 100.000 Kunden sämtlicher Bankinstitute umfassen. "Alle Banken sind betroffen", zitierte die "Welt" den Sprecher des Zentralen Kreditkartenausschusses (ZKA), Steffen Steudel. Deshalb gebe es ein einheitliches Vorgehen, alle möglichen betroffenen Kunden würden angeschrieben. Dabei handelt es sich um Verbraucher, die ihre Karten in den vergangenen Monaten in Spanien eingesetzt haben.
Zu der bisher größten Tauschaktion von Visa- und Master-Kreditkarten haben sich die Banken aus Sorge vor Datenmissbrauch entschlossen. Bei einem Dienstleister für Kartenabrechnungen waren Daten deutscher Urlauber in Spanien abhanden gekommen. Was damit geschehen ist, ist unklar.
Neben Kunden der Sparkassen würden Karteninhaber bei der Deutschen Bank, der Postbank und weiteren privaten Banken sowie den Volks- und Raiffeisenbanken angeschrieben, sagte der ZKA-Sprecher. Zahlen für die Banken wollte er nicht nennen. Einen Sparkassen-Sprecher zitierte die "Welt" mit den Worten, es gebe noch keinen Überblick. Laut den Banken ist der Umtausch eine reine Präventionsmaßnahme.
Finanzexperte Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sagte im ZDF-Morgenmagazin, der Umfang der Austausch-Aktion deute darauf hin, "dass es ein größeres Leck gegeben hat, denn so eine Austauschaktion kostet viel Geld, und so etwas kann man auch nicht ständig machen". Daher müsse man davon ausgehen, dass die Unternehmen Angst davor hätten, "dass in falsche Hände geratene Daten jetzt für Zahlungen ausgenutzt werden".
Volks- und Raiffeisenbanken betroffen
Ein Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) erklärte, wegen des Datendiebstahls in Spanien zögen die Volks- und Raiffeisenbanken allein etwa 60.000 Kreditkarten aus dem Verkehr. «Wir gehen auf Nummer sicher», sagte er. Betroffen seien Visa- und Master-Karten. Man habe von den beiden Unternehmen potenziell verdächtige Kartendaten übermittelt bekommen.
"Wir tauschen nur bei dem leisesten Verdacht die Karten aus. Deswegen sind die Zahlen so hoch", betonte der Sprecher. Die betroffenen Kunden werden derzeit angeschrieben und können sich ihre neue Karte in einer Filiale abholen. Bis dahin sollen die meisten Karten gültig bleiben. Insgesamt haben die Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland etwa 2,4 Millionen Kreditkarten ausgegeben. Über die Zahl von 60.000 bei den Volks- und Raiffeisenbanken hatte zuerst die "Financial Times Deutschland" berichtet.
Banken erstatten Schäden
Für mögliche Schadensfälle bei Missbrauch der Kartendaten kommt laut Zentralem Kreditkartenausschuss die Kreditwirtschaft selbst auf. Betroffene Kreditkartenkunden müssten also nicht selbst für fehlende Geldbeträge haften.
Vor rund vier Wochen waren Banken vor Ungereimtheiten bei einem Kartenprozessor in Spanien gewarnt worden. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das Kreditkartenzahlungen abwickelt und dafür sorgt, dass Einzelhändler ihr Geld bekommen oder bei Automaten-Abhebungen das Konto des Karteninhabers belastet wird. Um welches Unternehmen es sich handelt, ist bislang unbekannt.
In den vergangenen Tagen hatten immer mehr Anbieter mitgeteilt, ihre Karten sperren zu wollen. Zunächst riefen die KarstadtQuelle-Bank (15.000 Karten), die Lufthansa mit ihrer Miles-and-More-Card und Barclaycard Karten zurück. Die "Financial Times Deutschland" berichtete, die Zahl der auszutauschenden Karten steige mit der Ankündigung der Volks- und Raiffeisenbanken auf über 100.000.
(Matthias Armborst, AP, N24)
19.11.2009 07:21 Uhr





