OECD-Wirtschaftsausblick
Arbeitslosigkeit steigt trotz Aufschwung
Für die OECD steht fest: Die deutsche Wirtschaft hat klar die Rezession hinter sich gelassen. Das Wachstum ist aber noch recht schwach. Deshalb wird die Arbeitslosigkeit weiter steigen.
Die deutsche Wirtschaft hat nach Ansicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Rezession überstanden. Trotzdem sei das Wachstum noch zu schwach, um einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern, sagte die OECD in ihrem Wirtschaftsausblick voraus. Auch werde das Tempo der Erholung nicht so schnell bleiben wie bislang.
Die OECD rechnet in ihrem Wirtschaftsausblick für dieses Jahr mit einem Minus der deutschen Wirtschaftsleistung von 4,9 Prozent. Für das kommende Jahr sagt sie ein Plus von 1,6 Prozent voraus. Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr mit einem Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 5,0 Prozent, für das kommende Jahr mit einem Wachstum von 1,2 Prozent.
In Deutschland hätten die Konjunkturprogramme der Bundesregierung wie die Abwrackprämie, aber auch der anziehende Welthandel zuletzt wieder für Wachstum gesorgt, sagte der für Deutschland zuständige OECD-Experte Felix Hüfner. Insgesamt werde der Aufschwung aber schleppender verlaufen, sagte er voraus: "Das Tempo der Erholung wird nicht so schnell bleiben wie im dritten Quartal."
Arbeitslosigkeit wird bis 2011 steigen
Unternehmen genauso wie Verbraucher litten noch unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise, erklärte die OECD. In Deutschland dürfte die Arbeitslosigkeit daher erst Mitte 2011 ihren Höhepunkt erreichen, sagten die Wirtschaftsforscher voraus. Im Durchschnitt der Euro-Zone sei dies voraussichtlich schon Anfang 2011 der Fall, in den USA sogar schon Mitte 2010.
OECD-Deutschland-Expertin Isabell Koske hob hervor, mit einem Plus von 0,5 Prozentpunkten innerhalb eines Jahres sei die Arbeitslosigkeit bislang nur leicht gestiegen. In der gesamten OECD habe sie hingegen drei Prozent zugelegt. So habe hierzulande die erleichterte Kurzarbeit 500.000 zusätzliche Arbeitslose verhindert. Für dieses Jahr sagt die OECD für Deutschland eine durchschnittliche Arbeitslosenrate von 7,6 Prozent voraus, im kommenden Jahr werde dieser Wert aber auf 9,2 und 2011 sogar auf 9,7 Prozent schnellen. Dies bedeute dann 4,3 Millionen Arbeitslose, sagte Koske.
Steuersenkungen zum Ankurbeln der Wirtschaft sind in Deutschland nach Ansicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nicht notwendig. Angesichts des bereits angelaufenen Erholung sei grundsätzlich die Frage zu stellen, "ob man der Konjunktur noch weitere Stimuli geben muss", sagte Hüfner. Nach den Plänen der schwarz-gelben Bundesregierung soll es 2010 und 2011 Steuerentlastungen im Gesamtvolumen von jeweils etwa 20 Milliarden Euro geben, um Wirtschaftswachstum anzuregen.
Steuersenkungen nicht nötig
Hüfner gab zudem zu Bedenken, dass Steuersenkungen weniger Wachstum erzeugten als direkte Investitionen. Wichtig sei es nach den massiven staatlichen Konjunkturmaßnahmen nun vielmehr, schnell den Schuldenabbau anzugehen, sagte er. Die OECD sagt in ihrem Wirtschaftsausblick für dieses Jahr eine Neuverschuldung in Deutschland von 3,2 Prozent voraus. Für das kommende Jahr rechnet sie mit einem Anstieg auf 5,3 Prozent. Die Europäische Union fordert von Staaten der Euro-Zone an sich eine Neuverschuldung unter drei Prozent.
(AFP, N24)
19.11.2009 14:52 Uhr





