Übernahme von Porsche, Einstieg bei Karmann, Milliarden-Investitionen: Der Volkswagen-Aufsichtsrat hat wichtige Entscheidungen für die Zukunft des größten europäischen Autobauers getroffen.
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Europas größter Autokonzern Volkswagen hat in einer Mammutsitzung des Aufsichtsrates wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Bereits in der Nacht zu Freitag besiegelten die VW-Kontrolleure die gemeinsame Zukunft mit dem Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche. Nach der grundsätzlichen Einigung im August wollte auch der Porsche-Aufsichtsrat am Nachmittag in Wolfsburg den Fusionsverträgen zustimmen, die die Details der Zusammenführung regeln. Volkswagen will Porsche schrittweise bis 2011 als zehnte Marke in den VW-Konzern eingliedern. Bis Ende dieses Jahres übernimmt VW bereits knapp 50 Prozent des Sportwagengeschäfts.
VW-Chef Martin Winterkorn wird den neuen Auto-Giganten führen. Der Konzernvorstand wird zudem von fünf auf sieben Mitglieder vergrößert. Der Aufsichtsrat berief Audi-Chef Rupert Stadler und VW- Markenvorstand Christian Klingler in die oberste Führungsriege. Der Vertrag von Arbeitsdirektor Horst Neumann wurde verlängert. Über eine Berufung des 46jährigen Stadler war schon länger spekuliert worden. Er gilt als Vertrauter des VW-Chefs, dessen Posten bei Audi er übernommen hatte, als Winterkorn nach Wolfsburg wechselte. Zudem hatte er als Assistent des heutigen VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch gearbeitet. Auch Klingler kennt Piëch aus seiner Zeit in der Geschäftsführung der Porsche-Holding in Salzburg, die den Familien Porsche und Piëch gehört und die ebenfalls in den VW-Konzern eingegliedert werden soll.
Übernahme von Karmann-Teilen
Nach einer langen Hängepartie ebneten die VW-Aufsichtsräte am Freitag auch den Weg für einen Einstieg von VW beim insolventen Osnabrücker Autobauer Karmann. Der VW-Aufsichtsrat brachte ferner die Investitionsplanung von 2010 bis 2012 unter Dach und Fach. An dem traditionsreichen Karmann-Standort in Osnabrück will VW künftig unter anderem ein VW-Golf-Cabrio bauen. Das sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der die Lösung für Karmann erleichtert begrüßte. VW kauft Maschinen und Grundstücke von Karmann und eine neue VW-Tochtergesellschaft soll ab 2011 in Osnabrück eine Fahrzeugproduktion aufnehmen. Bis 2014 sollen dort mehr als 1000 Arbeitsplätze entstehen. Das neue Werk soll unter anderem Werkzeugbau, Presswerk, Lackiererei und Montage umfassen. Die Tochtergesellschaft soll in den kommenden Wochen gegründet werden. Über den Preis für den Kauf der Karmann-Teile wurde nichts bekannt.
IG-Metall-Bezirkschef Hartmut Meine sagte, die Gewerkschaft habe eine Grundlagenvereinbarung mit VW abgeschlossen. Kurzfristig würden bereits im nächsten Jahr 200 Spezialisten benötigt. Meine hob die Beschäftigungschancen für die früheren Karmann-Mitarbeiter hervor, die derzeit in einer Transfergesellschaft arbeiten. Alle Auszubildenden von Karmann werden laut IG Metall in die neue Gesellschaft übernommen. "Es waren sehr harte Verhandlungen, in denen wir aber letztlich einen Teilerfolg, mit Licht und Schatten, erzielen konnten", sagte Meine.
Hohe Milliarden-Investitionen
Trotz Wirtschaftskrise und eines erwarteten schwachen Autojahres 2010 will VW auch weiter in neue Werke und Modelle sowie sparsame Motoren investieren. Die mittelfristige Planung sieht in den kommenden drei Jahren insgesamt rund 25,8 Milliarden Euro vor. Auf Sachinvestitionen entfallen 19,9 Milliarden Euro - davon fließt die Hälfte in die deutschen Werke. Daneben sind 5,9 Milliarden Euro Entwicklungskosten in der Gesamtsumme enthalten. VW-Chef Martin Winterkorn betonte: "Wir investieren weiter gezielt in unsere Zukunft." Die Branche stehe vor großen wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen.