Deutsch oder griechisch?

TÜV prüft Lebensmittel auf Herkunft

Der TÜV Rheinland ist jetzt auch Schwindlern im Lebensmittelbereich auf der Spur. Mit neuester Technologie wird ermittelt, ob auch wirklich drin ist, was auf dem Ettikett steht.

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Stammen die Eier wirklich von glücklichen Hühnern? Der TÜV Rheinland hat ein Labor für Lebensmittel eingerichtet. (Bild: dpa)

Wein aus Italien, Spargel aus Deutschland, Eier von glücklichen Hühnern - nach den Lebensmittelskandalen der letzten Jahre ist der Verbraucher misstrauisch geworden. Er glaubt längst nicht mehr alles. Wenn ein Etikettenschwindel auffliegt, droht die Bestrafung durch den Verbraucher. Das kann teuer werden. Und der Imageschaden ist nur schwer zu beheben. Unter diesem Druck sieht der TÜV Rheinland eine höhere Bereitschaft der Branche zur freiwilligen Selbstkontrolle. Der TÜV ist seit neuem Etikettenschwindlern auf den Fersen: Das Unternehmen nahm ein neues Labor zur Prüfung der Herkunft von Lebensmitteln in Betrieb.

Mit Hightech gegen den Schwindel

Bio oder nicht Bio, diese Frage stellen sich viele beim Griff nach der Eier-Packung. Ist tatsächlich drin, was draufsteht? Allein zum Thema Hühnerei hat das Jülicher Labor rund 4000 Daten in seiner Datenbank, mit der die Experten Betrüger entlarven können. Das Labor arbeitet mit einer sogenannten Isotopen-Analyse. Die chemische Beschaffenheit von Eiern, die ein freilaufendes, "glückliches" Huhn legt, unterscheidet sich von dem Ei aus einer Legebatterie. Diesen Unterschied kann das Labor feststellen, genauso wie die Herkunft des Eis.

Ein holländisches Huhn trinkt anderes Wasser als ein deutsches Huhn. Auch das schlägt sich in der Beschaffenheit der Isotopenwerte von Kohlenstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Schwefel nieder. Das ist wie eine Art Fingerabdruck. Für die Bestimmung brauchen die Experten Referenzdaten. Für den Abgleich hat das Labor Isotopenwerte von Referenzmaterial bekannter Herkunft gespeichert. Die Datenbank umfasst bisher 90 Produkte, soll aber zügig erweitert werden. Über den Datenabgleich bestimmt das Labor den Herkunftsort.

Zehn Prozent der Proben faslch deklariert

Auch Spargel ist mit einer Datenbank vertreten. Gerne geben die Deutschen für den "ersten deutschen Spargel" in der Saison ein paar Euro mehr aus und gehen dabei auch Betrügern auf den Leim. "Griechischer Spargel wird schon mal gerne germanisiert", weiß der Geschäftsführer des Labors, Markus Boner, aus langer Erfahrung. Das Labor Agroisolab wurde schon 2002 aus der Uni Aachen ausgegründet. Jetzt übernahm der TÜV Rheinland die Mehrheit.

Entlarvte Betrüger lasse der Handel in der Regel fallen. In den letzten Jahren waren das nicht wenige: Durchschnittlich zehn Prozent der Proben lagen laut Boner falsch deklariert in den Regalen. Oft seien die Auftraggeber schon vorher misstrauisch gewesen und hätten deshalb die Probe untersuchen lassen. Boners Ziel ist eine Art TÜV-Plakette für Lebensmittel. "Wir arbeiten an einem Herkunftslabel", sagt der Laborchef. In einigen Jahren könnten etwa Äpfel ausgezeichnet sein mit "TÜV Rheinland geprüfte Herkunftsqualität". Diese Herkunftsgarantie könnte vor allem auch für Anbieter regionaler Produkte interessant werden. Mit dem Verfahren ließen sich Produkte auch regionen-genau zuordnen.

(DPA, N24)

20.11.2009 12:23 Uhr

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