Fußball-Wettskandal
DFB-Schiedsrichter unter Verdacht
Im vermutlich größten Wettskandal der Fußball-Geschichte werden immer mehr Details bekannt. Nun soll ein DFB-Schiedsrichter ins Visier der Emittler geraten sein.
Der Unparteiische soll nach einem Bericht des "Spiegel" bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai Schmiergeld von den mutmaßlichen Wett-Betrügern kassiert haben. Nach Angaben des Magazins soll auch der Regionalligist SSV Ulm tiefer in den Wettskandal verwickelt sein, als bislang bekannt. Vier Begegnungen in der Endphase der vergangenen Saison sollen angeblich unter Manipulationsverdacht stehen. Der Verein bestreitet dies. "Wir gehen davon aus, dass wir von dem Wettskandal nicht betroffen sind", erklärte Ulms Vize- Präsident Mario Meuler.
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Die Spieler des Süd-Regionalligisten, der an diesem Samstag ein Auswärtsspiel in Karlsruhe bestreitet, haben eine Erklärung unterschrieben, dass sie an keinerlei Wettmanipulationen beteiligt sind oder waren. Der Vorstand und der Aufsichtsrat des SSV Ulm 1846 hatte angekündigt, "alles in ihrer Macht stehende zu tun, "um so schnell wie möglich, aber auch so gründlich wie nötig, mitzuhelfen diese unglaublichen Vorwürfe aufzuklären".
Betrugsvorwurf bis in die Campions-Leaque
Europas Fußball wird vom größten Betrugsskandal seiner Geschichte erschüttert. Der Manipulationsverdacht reicht den Ermittlern zufolge bis in die Champions League und die Europa League. In Deutschland sind nach vorläufiger Darstellung der Staatsanwaltschaft und der Polizei Bochum insgesamt 32 Spiele der 2. und 3. Liga sowie der Regional- und Oberliga betroffen. Mit Belgien, der Schweiz, Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien, der Turkei und Ungarn sind acht weitere Länder ebenfalls im Visier. Größtenteils sollen Erstligaspielen betroffen sein.
Knapp fünf Jahre nach den Wett-Betrügereien um Schiedsrichter Robert Hoyzer verfolgen Staatsanwaltschaft und Polizei ein Korruptionsgeschehen ungeahnten Ausmaßes. Für Manipulationen sollen nach Medienberichten zwischen 5000 und 25.000 Euro geflossen sein. Im Zuge der mutmaßlichen Betrügereien seien zehn Millionen Euro ausgezahlt worden sein. Rund 200 Spiele stehen unter Manipulationsverdacht, es gebe "bisher über 200 Tatverdächtige", hatte die Staatsanwaltschaft Bochum und die Polizei mitgeteilt. Sie sprachen von der Spitze eines Eisbergs.
"Keinerlei Anhaltspunkte, dass Oddset betroffen ist"
15 Verdächtige wurden in Deutschland verhaftet, darunter auch Ante Sapina. Der 33-jährige Sapina war als mutmaßlicher Drahtzieher des Manipulationsskandals um Schiedsrichter Robert Hoyzer 2005 vom Landgericht Berlin zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden. Im November 2008 waren die Ermittler über abgehörte Telefongespräche in der Rotlichtszene im Ruhrgebiet auf die Betrügereien aufmerksam geworden.
Alle Fälle haben sich nach Aussage der Ermittler im Jahr 2009 ereignet. Der Hauptvorwurf lautet auf gewerbsmäßigen Bandenbetrug. Nach Angaben von Erwin Horak, dem Verantwortlichen im Deutschen Lotto- und Totoblock für die staatliche Sportwette Oddset gibt es "keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Oddset von den aktuellen Manipulationsfällen betroffen ist". Das Spielgeschäft werde mit Unterstützung eines fortlaufend optimierten Kontrollsystems in Echtzeit überprüft, um bei Auffälligkeiten sofort reagieren zu können.
Laut Bericht auch VfL Osnabrück unter Verdacht
Nach Informationen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sollen Spieler des VfL Osnabrück in mögliche Spielmanipulationen in der 2. Liga verwickelt sein. Nach Angaben der Zeitung verdächtigt die Staatsanwaltschaft Bochum als Drahtzieher einen 34-Jährigen, der mit Hilfe von VfL-Profis zwei Spiele aus der vergangenen Saison manipuliert haben soll. Bei den Partien soll es sich um die Auswärtsspiele der Osnabrücker beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai 2009 handeln. Der Mann soll am Donnerstag verhaftet worden sein. Osnabrücks Präsident Dirk Rasch sagte, dass der Verein nicht wisse, ob bei den betroffenen Partien auch ehemalige VfL-Fußballer involviert sind. "Wir werden uns selbstverständlich für eine enge Zusammenarbeit mit dem DFB, der DFL und der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellen", sagte Rasch. Der Leidtragende sei der VfL.
Niemand sei bisher auf den FC Augsburg mit Informationen oder Ermittlungen zugekommen, teilte der Zweitligist mit. Man werde "selbstverständlich alles in seiner Macht stehende für eine lückenlose Aufklärung tun." Der Ex-Osnabrücker Nico Frommer, heute bei RB Leipzig aktiv, sagte: "Gegen Nürnberg ist mir nichts aufgefallen. Gegen Augsburg gab es ein, zwei krasse Fehler von uns. Aber ob die wirklich mutwillig waren, so weit möchte ich nicht vorgreifen." Der frühere VfL-Trainer Claus-Dieter Wollitz war geschockt: "Ich bin nicht nur erschüttert, sondern am Boden zerstört. Ich habe immer gedacht, der Fall Hoyzer wäre ein Einzelfall. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen."
(AP, sid, N24)
21.11.2009 11:24 Uhr












