Sport ist nicht nur Sport

EU-Parlament erwägt Olympia-Boykott

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Video: 19 Tote in Tibet - EU droht mit Qlympia-Boykott

Angesichts des chinesischen Truppenaufmarschs und der Verhaftungswelle in Tibet wird in Deutschland zunehmend Kritik an der verhaltenen Reaktion der Sportorganisationen laut. Der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Peter Danckert (SPD), forderte die Spitzenvertreter des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) auf, nach Peking zu reisen und die Folgen für die Olympischen Spiele zu verdeutlichen. Ähnlich äußerten sich mehrere Grünen-Politiker.

Danckert sagte der "Rheinpfalz am Sonntag", IOC-Präsident Jacques Rogge und DOSB-Chef Thomas Bach sollten der chinesischen Regierung klarmachen, "welcher Schatten auf die Olympischen Spiele zu fallen droht, wenn das gewaltsame Vorgehen gegen die Demonstranten nicht beendet wird".

Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Sportverbände müssten "endlich mehr tun, als nur zu sagen: Sport ist Sport". Auch sei eine gemeinsame Initiative Europas nötig. Man müsse den Chinesen "klar und offen sagen, dass sie die fröhlichen und unbeschwerten Spiele nicht bekommen werden, wenn sie mit der die Menschenrechte missachtenden Politik nicht aufhören".

DOSB lehnt Boykott ab

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte er auf, in der EU eine abgestimmte Initiative zu organisieren. Die Zusagen der Chinesen bei ihrer Olympia-Bewerbung und die IOC-Charta müssten eingehalten werden. Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments, zieht als Reaktion auf die blutigen Unruhen in Tibet einen Olympia-Boykott in Erwägung. "Wir sollten einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking nicht ausschließen. Wir wollen erfolgreiche Spiele, aber nicht zum Preis des kulturellen Völkermords an den Tibetern, von dem der Dalai Lama spricht", sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag".

Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbunds, Michael Vesper, lehnte einen Boykott der Spiele ab. "Die Olympischen Spiele sind kein Mittel zum Zweck und können nicht als Faustpfand für die Politik dienen", sagte der frühere Grünen-Politiker der "Rheinpfalz". An Peking appellierte er, alles zu unternehmen, "damit kein Schatten auf die Olympischen Spiele fällt".

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckart von Klaeden (CDU), warnte auch vor Drohungen mit einem Olympia-Boykott. "Dass der Boykott der Spiele eine Ultima Ratio ist, wissen die Chinesen auch ohne Drohgebärden unsererseits", sagte er der "Welt am Sonntag".

Zypries wirbt für "Dialog"

Unterdessen will Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) den Rechtsstaatsdialog zwischen Deutschland und China um weitere zwei Jahre verlängern. "Unsere Philosophie ist der Dialog. Es geht darum, China beim Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen zu unterstützen", sagte sie der "Welt am Sonntag".

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hatte dagegen bis zu einem Ende der Gewalt in Tibet die Aussetzung ihrer für Mai geplanten Regierungsverhandlungen mit China angekündigt. Auch sie plädierte aber für ein Beibehalten des Rechtsstaatsdialogs. Einer der weiteren Regierungskontakte mit China, der vom Auswärtigen Amt geführte Menschenrechtsdialog, liegt bereits seit dem Empfang des Dalai Lama durch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im September 2007 auf Eis.

China: "Vernichtung der 'Dalai-Clique'"

Ungeachtet der internationalen Aufrufe zum Dialog mit dem Dalai Lama hat China derweil die rücksichtslose Niederschlagung der Proteste in Tibet angekündigt. Die staatliche "Volkszeitung" rief zur Vernichtung der "Dalai-Clique" auf.

"China muss die Verschwörung der Sabotage niederschlagen und die 'Tibeter Unabhängigkeits-Kräfte' zerschmettern", verlangte das Blatt. In einem offenen Brief riefen 30 chinesische Dissidenten die Regierung auf, einen Dialog mit dem Dalai Lama zu beginnen und UN-Inspektoren nach Tibet zu lassen.

(dpa, sid, N24)

22.03.2008 16:15 Uhr

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