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Tanklaster, Bomben, Tote

Was in der Nacht zum 4. September geschah

Ein tödlicher Bombenangriff in Afghanistan, befohlen von einem deutschen Soldaten, beschäftigt auch noch fast drei Monate später die Öffentlichkeit. Es geht um zivile Opfer, Informationen und Lügen.

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Ein Bild der Verwüstung: Bombardierter Tanklaster bei Kundus. (Archivbild)
Video: Tanklaster attackiert - Luftangriff in Kundus auf deutsches Geheiß

Viel Zeit zum Nachdenken: Fast drei Monate liegt der tödliche Bombenangriff in Afghanistan inzwischen zurück. Es war das erste Mal, dass dort auf Befehl eines deutschen Soldaten ein Luftangriff erfolgte. Dabei wurden nach NATO-Angaben bis zu 142 Menschen getötet. Ob und wieviele Zivilisten darunter waren, war vom ersten Tag an strittig. Nun ist ein Bericht bekannt geworden, wonach die Bundeswehr schon früh Berichte über zivile Opfer hatte.

Am Abend des 3. September hatte die gemeinsame afghanische Operationszentrale dem deutschen Feldlager in Kundus gemeldet, dass in der Nähe des Standorts des deutschen Wiederaufbauteams (PRT) zwei Lkw entführt worden seien. Ein erstes Flugzeug ortete die beiden Laster sechs Kilometer südwestlich des PRT, wo sie auf einer Sandbank im Kundus-Fluss steckengeblieben waren. Als das Flugzeug wegen Treibstoffmangels abziehen musste, forderten die Deutschen weitere Kampfflugzeuge von der NATO an, um das Geschehen weiter zu beobachten.

Nach ersten Angaben des Verteidigungsministeriums zeigten die von zwei F-15-Kampfflugzeugen der USA aufgenommenen Bilder, dass "etliche" Menschen an den Tanklastern Waffen getragen hätten. Zudem habe es mindestens drei Quellen gegeben, die ausgesagt hätten, es seien keine Zivilisten vor Ort.

Zurückgehaltener Bericht sorgt für Wirbel

Nun wurde aber bekannt, dass ein bislang zurückgehaltener Bericht der Bundeswehr und Filmaufnahmen aus einem der beteiligten Kampfflugzeuge schwere Versäumnisse bei der Aufklärung vor dem Bombenabwurf belegen. Demnach konnte ein Augenzeuge, der gegenüber der Bundeswehr behauptet hatte, es seien nur Aufständische an den entführten Lastwagen, die Fahrzeuge gar nicht sehen.

Nach Angaben eines NATO-Vertreters fragten die Piloten den deutschen Oberst Georg Klein per Funk, ob sie die Tanklaster zunächst demonstrativ in niedriger Höhe überfliegen sollten, um die Aufständischen zu vertreiben. Die Bundeswehr habe jedoch auf einem sofortigen Beschuss bestanden.

Dennoch befahl Oberst Klein den US-Kampfflugzeugen in den frühen Morgenstunden des 4. September den Luftangriff. Um 01.49 Uhr warfen die Piloten der F-15-Jets zwei Bomben ab, die jeweils 227 Kilogramm schwer waren. Dem neuen Bericht zufolge, aus dem die "Bild"-Zeitung ausführlich zitierte, hatte die Bundeswehr bereits unmittelbar danach Hinweise auf zivile Opfer. So berichtete ein Bundeswehrarzt von zwei verletzten Kindern. Auch ein AFP-Reporter vor Ort berichtete am 4. September von getöteten Dorfbewohnern - sie waren an das Flussbett geeilt, um aus den entführten Tanklastern Treibstoff abzuzapfen.

Jung lehnt Rücktritt ab

Der damalige Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) beharrte jedoch tagelang darauf, es habe keine zivilen Opfer gegeben. Auch der nun zurückgetretene Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, sagte noch Ende Oktober, es gebe keine Bestätigung dafür, dass durch den Angriff "unbeteiligte Personen" getötet worden seien. Der neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bezeichnete den Angriff Anfang November als "militärisch angemessen", räumte aber zugleich Fehler ein und fügte hinzu, er persönlich gehe von zivilen Opfern aus.

Jung wiederum siehr bei seinem Vorgehen keinerlei Versäumnisse. Einen Rücktritt von seinem jetzigen Amt des Arbeitsministers lehnt er deshalb ab.

(AFP, N24)

26.11.2009 19:10 Uhr

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