Afghanistan-Strategie

Moor: Obama zerstört alle Hoffnungen

Der Filmemacher Michael Moore hat die Afghanistan-Strategie von US-Präsident Obama in einem offenen Brief verurteilt. Er mache sich abhängig von Generälen und enttäusche die jungen Wähler, hieß es.

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Mit seinen Plänen zur Entsendung von 34.000 zusätzlichen Soldaten zerstöre Obama die Hoffnungen und Träume von Millionen US-Bürgern, so Moore.
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Gestatten? Mein Name ist Moore, Michael Moore.
Ich bin Dokumentarfilmer und Gesellschaftskritiker aus Leidenschaft. Sie kennen mich vielleicht aus Filmen wie ...
... "Bowling for Columbine" oder "Roger & me" oder "Fahrenheit 9/11". Mit "Bowling for Columbine" habe ich sogar den Oscar gewonnen. In letzter Zeit ist es etwas ruhiger geworden um mich, aber nun bin ich zurück. Bereit für ...
... den nächsten Volltreffer!
Und hier ist er, der Film, über den man noch Monate diskutieren wird. Der Film, der sich in das Gedächtnis der arbeitenden Massen einbrennen wird. Der Film, der unsere Gesellschaftssysteme für immer verändern wird: "Kapitalismus - Eine Liebesgeschichte".
Die "Liebesgeschichte" beginnt mit Bildern wilder Banküberfälle in den USA und fragt, ob nach dem Niedergang Roms vor langer Zeit nun Washington an der Reihe ist.
Szenen verelendeter Ex-Hausbesitzer in der Immobilien-Krise, verarmte Flugzeugpiloten, die sich mit Blutspenden oder Essensmarken über Wasser halten, das ist eine Seite der Medaille in der Finanz- und Wirtschaftskrise.
Angefangen hat alles vor 30 Jahren, als Ronald Reagan Präsident wurde und damit - laut Moore - die Wirtschaft das Land regierte. "Die Vampire der Wall Street haben alles Geld aus uns gesogen", sagt er und ...
... fährt im Geldtransporter bei den Großbanken vor. Er will seine Kohle zurück. "Unsere Wirtschaft war auf Sand gebaut, wir zahlen die Zeche", meint Moore.
Und weil auch Obamas Demokraten Handlanger bei der "Plünderung der Steuerzahler" sind, setzt Moore weniger auf den US-Präsidenten selbst, sondern eher auf den "Yes-we-can-Obama-Effekt": ...
Er wirbt beispielsweise für Betriebskooperativen, für Rebellion gegen Immobilien-Haie und ...
... für eine Bürgerbewegung "von unten".
Diese "Sicht von unten" auf das amerikanische Wirtschaftssystem in Zeiten tiefster Krise ist der kämpferische Aufruf zum Aufstand gegen "die da oben". Moores Motto: "Weg mit dem Kapitalismus, es lebe die Demokratie." Dieser Film lebt es.
Video: Neuer Michael-Moore-Film - "Capitalism: A Love Story"

Vor der Rede von US-Präsident Barack Obama zur neuen Afghanistan-Strategie hat der amerikanische Filmemacher Michael Moore ihn scharf kritisiert. In einem offenen Brief bezeichnete Moore Obama als "Kriegspräsidenten". Mit seinen Plänen zur Entsendung von 34.000 zusätzlichen Soldaten zerstöre Obama die Hoffnungen und Träume, die Millionen US-Bürger in ihn gesetzt hätten, so Moore. Mit nur einer Rede - nämlich der geplanten Ansprache vor Kadetten der Militärakademie West Point- mache Obama zahlreiche junge Wähler, die das Rückgrat seiner Kampgagne gewesen seien zu enttäuschten Zynikern. "Es ist nicht Ihr Job zu tun, was die Generäle ihnen vorschreiben", so Moore an Obama. "Wir haben eine Zivilregierung, in der wir es sind, die den Generälen sagen, was sie zu tun haben."

Obamas Afghanistan-Strategie

US-Präsident Barack Obama will weitere 30.000 Soldaten nach Afghanistan schicken. Die zusätzlichen Truppen sollten bis zum kommenden Sommer am Hindukusch stationiert werden, verlautete am Dienstag aus Regierungskreisen in Washington. Von den europäischen NATO-Mitgliedern fordert Obama nach Angaben aus Brüssel die Entsendung von bis zu 10.000 weiteren Soldaten. Obama wollte seine neue Afghanistan-Strategie am Dienstagabend (Ortszeit, Mittwochmorgen 02.00 Uhr MEZ) in einer Rede vorstellen.

Neben der Truppenaufstockung wollte er dabei auch eine Exit-Strategie präsentieren, also einen mittelfristigen Plan zur Übergabe der Verantwortung für die Sicherheit an die afghanischen Truppen und die Polizei, gefolgt von einem schrittweisen Rückzug der ausländischen Streitkräfte. Mit seiner geplanten Truppenaufstockung wird die Zahl der US-Soldaten auf mehr als 100.000 steigen. Der angesichts von immer mehr in Afghanistan getöteten Soldaten von der Bevölkerung zunehmend abgelehnte Einsatz wird dann jährlich rund 75 Milliarden Dollar kosten.

Merkel vorab informiert

Obama informierte im Vorfeld auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere ausländische Staats- und Regierungschefs über seine Rede. Wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mitteilte, erläuterte er in einem Telefonat die "wesentlichen Inhalte seiner Rede", die Kanzlerin ihrerseits informierte den US-Präsidenten über die deutschen Bemühungen zur Stabilisierung in Afghanistan. Außerdem legte Obama seine Strategie dem afghanischen Staatschef Hamid Karsai und dem pakistanischen Präsidenten Asif Ai Zardari dar.

Merkel erklärte, sie werde die Vorstellungen der USA zur Kenntnis nehmen. "Wir werden uns aber in diesen Tagen nicht entscheiden." Außenminister Guido Westerwelle betonte ebenfalls, man werde sich in Deutschland und Europa "eine eigene Meinung bilden". Die Bundesregierung setze auf die internationale Afghanistan-Konferenz am 28. Januar in London als Grundlage für weitere Entscheidungen. Der Bundestag will am Donnerstag die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan um ein Jahr beschließen. Nach dem derzeitigen Mandat können bis zu 4.500 Soldaten in die internationale Schutztruppe ISAF entsendet werden.

Paris soll 1.500 zusätzliche Soldaten zusagen

Nach Angaben aus Diplomatenkreisen in Brüssel wurde allein Frankreich gebeten, 1.500 weitere Soldaten für Afghanistan zur Verfügung zu stellen. Neben einer Truppenaufstockung wolle Obama außerdem vor allem Ausbilder für die afghanischen Sicherheitskräfte und finanzielle Unterstützung für das Trainingsprogramm, hieß es. Bislang haben lediglich Großbritannien, die Slowakei, die Türkei, Georgien, Südkorea und Montenegro angedeutet, dass sie zu einer Truppenaufstockung am Hindukusch bereit sind.

(dpa, AP, N24)

01.12.2009 21:41 Uhr

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