Afghanistan-Strategie
Moor: Obama zerstört alle Hoffnungen
Der Filmemacher Michael Moore hat die Afghanistan-Strategie von US-Präsident Obama in einem offenen Brief verurteilt. Er mache sich abhängig von Generälen und enttäusche die jungen Wähler, hieß es.
Vor der Rede von US-Präsident Barack Obama zur neuen Afghanistan-Strategie hat der amerikanische Filmemacher Michael Moore ihn scharf kritisiert. In einem offenen Brief bezeichnete Moore Obama als "Kriegspräsidenten". Mit seinen Plänen zur Entsendung von 34.000 zusätzlichen Soldaten zerstöre Obama die Hoffnungen und Träume, die Millionen US-Bürger in ihn gesetzt hätten, so Moore. Mit nur einer Rede - nämlich der geplanten Ansprache vor Kadetten der Militärakademie West Point- mache Obama zahlreiche junge Wähler, die das Rückgrat seiner Kampgagne gewesen seien zu enttäuschten Zynikern. "Es ist nicht Ihr Job zu tun, was die Generäle ihnen vorschreiben", so Moore an Obama. "Wir haben eine Zivilregierung, in der wir es sind, die den Generälen sagen, was sie zu tun haben."
Obamas Afghanistan-Strategie
US-Präsident Barack Obama will weitere 30.000 Soldaten nach Afghanistan schicken. Die zusätzlichen Truppen sollten bis zum kommenden Sommer am Hindukusch stationiert werden, verlautete am Dienstag aus Regierungskreisen in Washington. Von den europäischen NATO-Mitgliedern fordert Obama nach Angaben aus Brüssel die Entsendung von bis zu 10.000 weiteren Soldaten. Obama wollte seine neue Afghanistan-Strategie am Dienstagabend (Ortszeit, Mittwochmorgen 02.00 Uhr MEZ) in einer Rede vorstellen.
Neben der Truppenaufstockung wollte er dabei auch eine Exit-Strategie präsentieren, also einen mittelfristigen Plan zur Übergabe der Verantwortung für die Sicherheit an die afghanischen Truppen und die Polizei, gefolgt von einem schrittweisen Rückzug der ausländischen Streitkräfte. Mit seiner geplanten Truppenaufstockung wird die Zahl der US-Soldaten auf mehr als 100.000 steigen. Der angesichts von immer mehr in Afghanistan getöteten Soldaten von der Bevölkerung zunehmend abgelehnte Einsatz wird dann jährlich rund 75 Milliarden Dollar kosten.
Merkel vorab informiert
Obama informierte im Vorfeld auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere ausländische Staats- und Regierungschefs über seine Rede. Wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mitteilte, erläuterte er in einem Telefonat die "wesentlichen Inhalte seiner Rede", die Kanzlerin ihrerseits informierte den US-Präsidenten über die deutschen Bemühungen zur Stabilisierung in Afghanistan. Außerdem legte Obama seine Strategie dem afghanischen Staatschef Hamid Karsai und dem pakistanischen Präsidenten Asif Ai Zardari dar.
Merkel erklärte, sie werde die Vorstellungen der USA zur Kenntnis nehmen. "Wir werden uns aber in diesen Tagen nicht entscheiden." Außenminister Guido Westerwelle betonte ebenfalls, man werde sich in Deutschland und Europa "eine eigene Meinung bilden". Die Bundesregierung setze auf die internationale Afghanistan-Konferenz am 28. Januar in London als Grundlage für weitere Entscheidungen. Der Bundestag will am Donnerstag die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan um ein Jahr beschließen. Nach dem derzeitigen Mandat können bis zu 4.500 Soldaten in die internationale Schutztruppe ISAF entsendet werden.
Paris soll 1.500 zusätzliche Soldaten zusagen
Nach Angaben aus Diplomatenkreisen in Brüssel wurde allein Frankreich gebeten, 1.500 weitere Soldaten für Afghanistan zur Verfügung zu stellen. Neben einer Truppenaufstockung wolle Obama außerdem vor allem Ausbilder für die afghanischen Sicherheitskräfte und finanzielle Unterstützung für das Trainingsprogramm, hieß es. Bislang haben lediglich Großbritannien, die Slowakei, die Türkei, Georgien, Südkorea und Montenegro angedeutet, dass sie zu einer Truppenaufstockung am Hindukusch bereit sind.
(dpa, AP, N24)
01.12.2009 21:41 Uhr









