FDP-Ehrenvorsitzender

Otto Graf Lambsdorff ist tot

Der FDP-Ehrenvorsitzende und ehemalige Bundeswirtschaftsminister starb nach langem Leiden in der Nacht zum Sonntag.

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Der ehemalige Wirschaftsminister Otto Graf Lambsdroff (FDP) starb 82-jährig in Bonn.

Die Stimme von Otto Graf Lambsdorff behielt bis zuletzt politisches Gewicht in Deutschland. Noch vor wenigen Wochen warnte der frühere Bundeswirtschaftsminister die neue schwarz-gelbe Bundesregierung vor einem „Schuldenrausch“. Drei Wochen vor seinem 83. Geburtstag ist der FDP-Ehrenvorsitzende in einem Bonner Krankenhaus gestorben.

Lambsdorff war ein Markenzeichen der Freidemokraten. Als unbedingter Verfechter der freien Marktwirtschaft und scharfer Analytiker mit markiger Rhetorik genoss er hohes Ansehen über die Parteigrenzen hinweg. „Zwischen Bismarck und Erhard“ wurde er angesiedelt - wegen seiner preußischen Härte, gepaart mit liberalem Bekenntnis zur freien Marktwirtschaft. Sein langjähriger Spitzname „Marktgraf“ wurde zu einer Art Ehrentitel.

Von Schmidt zu Kohl

In der deutschen Regierungsgeschichte ist Lambsdorffs Name mit der „Wende“ von der sozial-liberalen Regierung Helmut Schmidts zur CDU/CSU/FDP-Koalition von Helmut Kohl verbunden. Lambsdorff, von 1977 bis 1984 Chef des Wirtschaftsressorts, schrieb damals einen Text, mit dem er einen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik mit drastischen Einschnitten bei den Sozialleistungen verlangte. Das „Lambsdorff- Papier“ läutete 1982 den Koalitionswechsel der FDP von der SPD zur Union ein.

In den 80er Jahren überschattete die Flick-Parteispendenaffäre die Karriere des langjährigen Bundestagsabgeordneten Lambsdorff. Er wurde 1987 zu einer Geldstrafe verurteilt. In seiner Partei schadete ihm das nicht. Von 1988 bis 1993 war er FDP-Bundesvorsitzender. Auch danach blieb der Kaufmannssohn aus westfälischem Uradel, seit einer Kriegsverletzung gehbehindert, kantig.

Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung

SPD-Kanzler Gerhard Schröder beauftragte 1999 den FDP-Mann, die Verhandlungen über die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern zu führen. Das Verhandlungsgeschick Lambsdorffs in den diffizilen Gesprächen mit Anwälten und Verbänden der Opfer fand hohe Anerkennung. Die internationalen Verbindungen, die Lambsdorff auch als Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung hatte, halfen dabei. Als Lambsdorff dieses Amt im April 2006 an Ex-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt abgab, hielt der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger im Reichstaggebäude die Laudatio auf seinen Freund.

(dpa, AFP, N24)

06.12.2009 18:51 Uhr

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