Bericht über Luftangriff

Wusste Guttenberg doch früher Bescheid?

Ein Medienbericht bringt Verteidigungsminister Guttenberg in Bedrängnis. Er soll früher als bisher bekannt einen Bericht erhalten haben, der die Angemessenheit des Luftangriffs in Zweifel zieht.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) soll einem Pressebericht zufolge bereits Anfang November einen für die Bundeswehr belastenden Bericht zum Luftangriff von Kundus erhalten haben. Einen Report des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (ICRC) mit Angaben über zivile Opfer habe der Minister bereits am 6. November erhalten, berichtete das Hamburger Magazin "Stern". Dies sei wenige Stunden vor der Pressekonferenz geschehen, auf der Guttenberg den Angriff als "militärisch angemessen" bezeichnet hatte.

Nach Informationen des "Stern" kommt das ICRC in dem als "streng vertraulich" eingestuften Report zu dem Schluss, der von Bundeswehroberst Georg Klein angeordnete Angriff habe nicht "im Einklang mit dem internationalen Völkerrecht" gestanden. Dafür habe es bei dem Bombardement zu viele zivile Tote gegeben. Im Anhang des Berichts listet das ICRC die Namen von 74 toten Zivilisten auf, darunter auch acht-, zehn- und zwölfjährige Kinder.

Rot-Kreuz-Bericht "in neue Bewertung eingeflossen"

Das Rote Kreuz führte den Angaben zufolge in seinem Bericht zudem aus, es erachte es als "unwahrscheinlich", dass die von Taliban gekaperten Tanklaster zu fahrenden Bomben umfunktioniert und gegen die Bundeswehr eingesetzt werden sollten. Die Lkws hätten vielmehr entgegen der Fahrtrichtung zu dem deutschen Feldlager in einer Sandbank festgesteckt, als sie bombardiert wurden. Für das deutsche Feldlager bei Kundus habe demnach keine "unmittelbare Bedrohung" bestanden.

Am 26. November war ein bis dahin geheimgehaltener Feldjäger-Bericht der Bundeswehr bekannt geworden, in dem ebenfalls von zivilen Opfern des Luftangriffs die Rede war. Daraufhin hatte Guttenberg zunächst den Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, und Staatssekretär Peter Wichert entlassen. Vergangene Woche hatte Guttenberg im Bundestag dann seine Einschätzung zu dem Angriff revidiert und erklärt, dieser sei nicht angemessen gewesen. Die Lektüre des ICRC-Berichts sei "in die neue Gesamtbewertung des Ministers eingeflossen", sagte ein Ministeriumssprecher dem "Stern".

(AFP, N24)

09.12.2009 11:38 Uhr

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