Studie belegt Markentreue
Diese Ostprodukte haben überlebt
Rotkäppchen-Sekt, Spee-Waschmittel, Florena-Creme oder Radeberger-Bier: Diese Ostprodukte gehören zu den 17 Prozent der früheren DDR-Marken, die den Mauerfall vor 20 Jahren überlebt haben.
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Starke DDR-Marken wie Spee konnten sich in der Marktwirtschaft durchsetzen. (im Bild: Konsum-Verkaufsstelle in der Apoldaer Ausstellung "Olle DDR")
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Eines der DDR-Produkte, das sich über die Wende gerettet hat ist die Vita Cola: Erfunden wurde sie 1954 durch den Biergroßhändler Oskar Heinicke in Jena. Damals hieß sie aber noch „Brauselimonade mit Frucht- und Kräutergeschmack".
Zu großem Ruhm nach der Wende gelangte auch der Nuss-Nughat-Aufstrich aus dem Osten Nudossi. Ihm wird nachgesagt, dass er inzwischen besser ist, als sein Westkonkurrent Nutella. Das war aber nicht immer so: Noch zu DDR-Zeiten war das Zeug hart ...
...wie eine Tafel Schokolade. Erst nach der Wende wurde der Haselnussanteil auf 36 Prozent erhöht und ist damit um 23 Prozent höher als bei seinem West-Pendant Nutella. Inzwischen schmeckt es tatsächlich besser.
Filinchen wurde in der DDR für den zarten Gaumen als ein feines Waffelbrot hergestellt. Sie werden fast ausschließlich mit süßen Belägen wie Honig, Nusscremes oder Marmelade gegessen und sind vor allem bei Kindern beliebt.
Bereits 1931 wurde das von Dr. Wilhelm Kraft erfundene Knäckebrot, dessen Idee er übrigens aus Skandinavien mitbrachte in Magdeburg hergestellt. Auch in der DDR erfreute sich das Knusperbrot bei Kallorienbewußten großer Beliebtheit.
Was es in der DDR reichlich gab, war Alkohol. Die besten Tropfen wurden auch in der Bundesrepublik gern und reichlich konsumiert. Vielleicht liegt darin auch das Geheimnis, dass gerade Brennereien und Malzereien die Wende überlebt haben.
Neben dem Nordhäuser Doppelkorn, den es eigentlich schon seit 1507 im thüringischen Nordhausen gibt, hat es auch die Wilthener Goldkrone in Sachsen über die Wende geschafft.
Ein sehr zwiespältiges Getränk - aber immer in den Regalen der DDR-Kaufhallen vorrätig - war der Wermut Gotano, der im thüringischen Gotha hergestellt wurde und wird. Er sollte Cinzano und Martini Konkurrenz machen. Allerdings war das Zeug zuckersüß.
In Dresden hergestellt, in der DDR nicht zu kaufen. Die Radeberger Brauerei war eine Exportbrauerei, die ausschließlich für das Ausland produzierte. Gab es das Exportbier doch mal in den DDR-Läden, wurden nur wenige Flaschen an die Kunden verkauft.
Das in der DDR wohl am meisten konsumierte alkoholische Getränk war Rotkäppchen Sekt. Auf keiner Betriebsfeier, keinem Geburtstag, auch nicht zu Weinachten und schon gar nicht zu Silvester durfte das Getränk aus der Sektkellerei Freyburg fehlen.
Heute ist die Rotkäppchen Sektkellerei GmbH eine der Erfolgreichsten und hat sich auch schon einige der West-Konkurrenten und Ost-Nebenbuhler unter den Nagel gerissen.
Ein nicht alkoholisches Getränk, welches auch heute noch in den Regalen zu finden ist, ist die Club-Cola. Interessanter als sein Geschmack ist seine Geschichte: Auf Wunsch der SED und anderer staatlicher Organisationen sollte ...
... ab der Leipziger Frühjahrsmesse 1966 ein eigenes, den westlichen Vorbildern ähnelndes Cola-Getränk entwickelt werden. Die Cola hatte einen aromatischen, weichen Geschmack, der sich völlig von anderen DDR Cola-Marke, wie Vita Cola unterschied.
Auch genascht wurde in der DDR. Neben dem schon erwähnten Nudossi gab es auch die Bambina. Schokolade mit einer Milch-Creme-Füllung. Viele mochten sie, andere fanden ihren Geschmack furchtbar.
Ein kleines Highlight waren die Knusperflocken. Auch sie haben sich über die Jahre gerettet. Vielleicht ist es gerade ihre Einfachheit, die sie so begehrt macht. Sie bestehen aus Vollmilchschokolade und Knäckebrot. Man nennt sie auch: "Schoko Ossis".
Ebenfalls eine Süßigkeit, die die Wende überdauert hat sind die Halloren Kugeln. In den 1950er Jahren war sie als sogenannte "Volkspraline" angelegt, um die schweren Zeiten zu versüßen. Der Grundstoff war Fondant mit Kakao in einer Schokoladenhülle.
Auch der Hansa Keks erfreut sich noch heute großer Beliebtheit. Er ist vergleichbar mit Bahlsens Leibnitz-Keks. Aber nur der hat ja bekanntermaßen die 52 Ecken. Allerdings waren und sind die Kekse von Wilkana etwas weicher als ihr West-Pendant.
Die Kathi Rainer Thiele GmbH in Halle besitzt im Osten etwa den Stellenwert, den die Dr. August Oetker KG im Westen hat. Als erstes deutsches Unternehmen wurde bei Kathi 1951 eine Backmischung für einen einfachen Sandkuchen entwickelt. Bei Oetker...
...gab es die erst 1970. Kathi arbeitete bis 1972 als Privatbetrieb wurde dann aber enteignet. 1992 ging die Firma nach einem Reprivatisierungsantrag an den Sohn der Gründer Kaethe und Kurt Thiele zurück.
Auch das Leckermäulchen findet sich heute in den Regalen der Supermärkte. Zu DDR-Zeiten war es ein schlichter Quark mit Vanillegeschmack. Heute gibt es ihn, mit Stickstoff aufgeschäumt, in vielen Geschmacksrichtungen. Wirklich besser?
Der Osten schlechthin wird vom Bautz’ner Senf verkörpert. Er zählt zu den bekanntesten und beliebtesten ostdeutschen Produkten. Heute gehört die Marke zur Develey Senf & Feinkost GmbH – Unterhaching.
Die Produktion findet jedoch immer noch im Werk in Kleinwelka, einem Vorort von Bautzen statt. Die Tradition der Senfherstellung in Bautzen begann im Übrigen mit einer bereits 1866 in Bautzen gegründeten Firma.
Auch Babys mussten im Osten etwas essen. Sie bekamen Milasan. Wer will, kann auch heute die lieben Kleinen mit Milasan hochpäppeln.
Röstfein war schon zu DDR-Zeiten die bekannteste Kaffee-Dachmarke. In den 70er Jahren wurden in Magdeburg und den sechs weiteren Röstereien der DDR jährlich etwa 50.000 Tonnen verschiedener Kaffeesorten wie z. B. RONDO, MONA und KOSTA hergestellt.
Obwohl Kaffee ein teurer Luxusartikel war, reichte die Menge nicht, um den Kaffeedurst der DDR-Bürger zu stillen. Ein neues Röstverfahren zur Steigerung der Quantität sicherte der Marke auch nach der Wende das Überleben: das Wirbelschicht-Röstverfahren.
Über diese Delikatesse müssen nur wenige Worte verloren werden: Spreewälder Gurken sind Kult. Das wusste schon Theodor Fontane, der 1870 vermerkte, dass die Spreewaldgurke an der Spitze der landwirtschaftlichen Produktion steht.
Auch die Eierteigwaren aus Riesa haben es bis ins Jahr 2009 geschafft.
Und natürlich auch die Tempo Linsen. Sie wurden entwickelt, um der berufstätigen modernen Frau der DDR die Arbeit und Kochzeit in der Küche zu verkürzen. Auch heute noch kann man mit Tempo Linsen binnen kürzester Zeit eine Suppe zaubern.
Bleiben noch zwei Dinge, die sich über die Zeit gerettet haben. Der Ketchup aus Werder. Den eine Fülle an Tomaten auszeichnet und keine künstlichen Aromastoffe und ...
... die Pfeffis. In der DDR so beliebt, wie die Kaugummis im Westen. Das "Tick Tack" des Ostens.
Ein Produkt, dass zwar nicht in aller Munde, aber zumindest in fast jeder Waschmaschine war: Spee. Das ultimative Ost-Waschmittel. Der Name steht übrigens für Spezial-Entwicklung.
Wer glaubt, dass das phosphatfreie Spee und Spee Color Erfindungen des Westens sind der irrt. Die gab es bereits in den 1980er Jahren in der DDR. Zugegeben nicht so schön verpackt, aber mit guter Waschkraft.
Auch das, was heute als Spee Megaperls oder Persil Megaperls verkauft wird, ist eine Erfindung der Waschmittelwerke in Genthin. Zu DDR-Zeiten hieß es lediglich: "Spee gekörnt".
Mit fit ist es allerdings anders. Das ultimative Ost-Produkt für den Abwasch hat außer dem Namen nichts, aber auch gar nichts mehr mit dem alten DDR-Produkt zu tun. Und das ist auch gut so.
Auch gecremt wurde in der DDR und zwar mit Florena. Der Markenname Florena wurde erstmals 1920 beim Reichspatentamt in München registriert. Bis 1970 trug der seit 1946 Volkseigene Betrieb den Namen "Rosodont Werk Waldheim“.
Die erste Florena-Creme in der blau-weißen Dose – analog der Nivea-Dose in Westdeutschland – kam ab 1960 heraus. Seit dem Jahr 2002 ist Florena eine 100prozentige Tochtergesellschaft der Beiersdorf AG, der auch die Konkurrenzmarke Nivea gehört.
Auch gelesen wurde in der DDR. Die ganz Kleinen fingen mit dem Bummi an. Bummi erschien erstmals am 15. Februar 1957 als Monatszeitschrift in der DDR. Später erschien sie vierzehntäglich zum Preis von 0,25 Mark mit einer Auflage von 736.300 Exemplaren.
Die Bummi-Hefte für Kinder von drei bis sechs Jahren gibt es auch heute noch.
Mit sechs Jahren las man, wenn man es denn bekam, das Mosaik. Das Mosaik ist der älteste und auflagenstärkste noch erscheinende Comic deutscher Produktion. Die Zeitschrift wurde 1955 in Ost-Berlin gegründet. Das erste Heft erschien im Dezember 1955.
1975 wechselten die Protagonisten im Mosaik. Nach den Digedags kamen die Abrafaxe, aber noch heute erfreuen sich die drei kleinen Kerlchen größter Beliebtheit. Weit mehr als 200 Millionen Hefte wurden bis heute verkauft.
Wer beim Versandhändler Otto einen Kühlschrank der Marke Foron gekauft hat, hat sich vielleicht schon mal die Frage gestellt wo die den herkommt: Aus der DDR.
1993 sorgte das Unternehmen für Aufsehen, weil es den weltweit ersten FCKW freien Kühlschrank auf den Markt brachte. Unterdessen hat sich das Unternehmen mit Designkühlschränken der Serien Avantgarde und Bistro am Markt etabliert.
Als letztes sei die Ur-Zigarette des Ostens erwähnt: f6. Auch sie hat sich am Markt gehalten. Grund: Sie betont, ein Ost-Produkt zu sein. Die Verpackung ist auch nahezu originalgetreu, sowohl im Design, als auch in ihrer Handhabung.
Der "newTrabi" erinnert in seiner Form stark an seine sozialistischen Vorgängermodelle.
Mit dem P50 fing 1950 die Geschichte der "Rennpappe" an.
Beim Trabant 600 wurde die Motorleistung von 17 auf stolze 23 PS erhöht.
Der Trabant 1.1 von 1989 war das letzte Modell. Als erste "Rennpappe" wurde er von einem Viertaktmoto angetrieben - der von VW lizenziert wurde.
Die grau-blaue Rauchwolke war das typische "Markenzeichen" des Trabants.
Der Trabi war universell im Einsatz, ob bei der Armee...
oder als Dienstfahrzeug für Fluglotsen.
Das Klappzelt gehörte zu den beliebtesten "Tuningteilen".
Tuning gehört zu den beliebtesten Hobbys der Trabifans. Hier ein Trabi-Cabrio.
Leicht gestreckt: Mit 13,11 Metern der längste Trabi der Welt.
Der selbstgebastelte "Mini-Trabi" ist nur knapp 2,50 Meter lang.
Aus zwei mach eins. Doch ob doppelt wirklich besser fährt?
Dem "Monster-Trabi" jagen Schlaglöcher wohl keine Angst ein.
Mit dem Trabi-Mobil ins Grüne.
Fantreffen in der Trabbi-Geburtsstadt Zwickau.
Für irgendwas ist ein Trabi immer gut.
Video: Nudossi, Spee & Co - Ökotest testet Ostprodukte
Video: Aktuelle "Ökotest" - Ostprodukte nach wie vor gefragt
Ostprodukte wie Rotkäppchen-Sekt, Spee-Waschmittel, Florena-Creme oder Köstritzer-Bier haben ihren Platz in den Verkaufsregalen behauptet. Damit gehören sie zu der kleinen Minderheit einstiger DDR-Kassenschlager, die den Sprung in die Marktwirtschaft geschafft haben. Von geschätzten mehr als 700 DDR-Marken gibt es 20 Jahre nach dem Mauerfall lediglich noch rund 120. Das belegt eine Studie der Empirischen Gesellschaftsforschung Hamburg, die in Erfurt vorgestellt wurde.
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Aber die wenigen Überlebenden feiern heute wieder erstaunliche Erfolge - vor allem in den neuen Ländern. "Es gibt einen starken Retro-Trend, der den Ostmarken viele Türen öffnet", sagt Christian Duncker, Verfasser der Studie, für die das Management von etwa 80 Unternehmen befragt wurde.
Im Internet mehren sich Plattformen, auf denen ausschließlich DDR-Markenprodukte angeboten werden. Der Versandhandel mit Ostprodukten blüht, erste Discounter gehen sogar mit einer Ost-Markenstrategie in die Offensive. Verbraucheranalysen zeigen, dass die Ostdeutschen zu einer ausgeprägten Markentreue neigen. Dafür müssen die Produkte allerdings auch preisgünstig sein, denn die Verbraucher in den neuen Bundesländern reagieren sensibler auf Preise, erklärt Duncker. Daher ist es nicht verwunderlich, dass knapp 66 Prozent der Ost-Marken im mittleren Preissegment liegen.
Profitieren von früherer Bekanntheit Das Erfolgsgeheimnis ihrer Produkte sehen die meisten Firmenchefs in der Bekanntheit aus der Vorwendezeit. 80 Prozent der befragten Manager nennen diesen Punkt als entscheidenden Faktor, erst mit deutlichem Abstand folgen Qualität (54,3 Prozent) und Innovation (30,9 Prozent). "Ein Großteil der Produkte war in der DDR Bückware, das ist offensichtlich in den Hinterköpfen haften geblieben." Im Westen tun sich die Ost-Produkte dagegen meist schwerer. "Die Verlagerung der Absatzgebiete gen Westen wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen", ist Duncker überzeugt.
Dafür dürften die Unternehmen - von denen zwei Drittel in den Händen von Ost-Inhabern sind - allerdings nicht nur auf die Vergangenheit setzen. Nicht alle Marken seien heute so aufgestellt, dass sie sich auch morgen noch gut im Wettbewerb behaupten könnten, meint Duncker. Bei vielen Firmen sieht er Handlungsbedarf. "Diese werden sich keine weiteren 20 Jahre auf dem Erfolgsfaktor 'Bekanntheit und Vertrauen' ausruhen können."
Wenig Werbung für DDR-Marken So kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass wichtige Medien wie Zeitungen, Radio und Fernsehen bisher zu wenig für die Werbung von DDR-Marken genutzt werden. "Die reine Bekanntheit hilft einer Marke auf Dauer nur wenig", meint Niels von Haken, Geschäftsführer der MDR-Werbung GmbH, die diese Studie herausgegeben hat.
(Annett Gehler, dpa, N24)
09.12.2009 15:42 Uhr
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