Mordfall Kardelen

Zeugenaussagen belasten Ali Kur

Im Fall der ermordeten Kardelen aus Paderborn haben die Ehefrau und der Schwiegervater des mutmaßlichen Täters diesen vor Gericht schwer belastet. Das Verfahren findet im westtürkischen Söke statt.

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Die kleine Kardelen aus Paderborn war im Januar 2009 ermordet worden. Tatverdächtig ist ihr früherer Wohnungsnachbar Ali Kur.

Elf Monate nach dem Mord an der achtjährigen Kardelen aus Paderborn haben Zeigen den mutmaßlichen Täter Ali Kur (30) vor einem türkischen Gericht schwer belastet. Kurs Ehefrau Zehra und ihr Vater Kadir Ayaz bezichtigten den 30-Jährigen der Tat, wie aus den schriftlich gemachten und im westtürkischen Söke verlesenen Aussagen hervorgeht. Ayaz erschien im Anschluss persönlich vor Gericht, um seine Darstellung zu bekräftigen. "Was bist Du nur für ein Mensch. Du bist ein Tier", sagte er an seinen Schwiegersohn gerichtet, nachdem der Angeklagte ihn erneut des Mordes bezichtigt hatte. Der Prozess wurde auf den 24. Dezember vertagt.

Laut Anklage soll Kur das türkischstämmige Nachbarkind Kardelen am 12. Januar in seiner Paderborner Wohnung missbraucht und erstickt haben. Anschließend flüchtete er mit seiner Frau in die Türkei. Die Leiche der Achtjährigen wurde drei Tage später im Möhnesee im Sauerland entdeckt. Bei einer Verurteilung droht Kur eine lebenslange Haftstrafe. Er bestritt die Tat am Donnerstag erneut und forderte seinen Schwiegervater auf den Mord doch "zuzugeben".

"Auf den Teufel gehört"

Zehra erschien nicht in der Verhandlung. Sie hatte ihre Aussage bereits Anfang der Woche zu den Akten gegeben. Darin erklärte sie, ihr gehe der Anblick der toten Kardelen nicht aus dem Kopf und sie wolle die Wahrheit sagen. Sie habe ihren Mann in der gemeinsamen Wohnung mit der Leiche des Mädchens angetroffen. Kur habe erklärt, er habe "auf den Teufel gehört". Dann hätten sie die Leiche des Kindes gewaschen und weggebracht. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete weiter, Zehra sei nach eigener Aussage von Kur zur Prostitution gezwungen worden.

Ermittler hatten Kurs Darstellung, der Schwiegervater sei der Täter, bereits vor dem zweiten Verhandlungstag zurückgewiesen. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Paderborn ist auch noch kein Ersuchen auf Rechtshilfe aus der Türkei eingegangen. "Wir erwägen nach der Aussage von Ali K. auch keine Ermittlungen gegen den Schwiegervater Kadir A.", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Horst Rürup. "Wir haben sichere Ermittlungsergebnisse und die sehen nur Ali K. als Täter." Es gebe mehrere DNA-Spuren, die auf den 30-Jährigen hinwiesen. Details wollte Rürup nicht nennen.

Tumulte im Gerichtssaal

Nach der Verhandlung kam es am Donnerstag in dem Gerichtsgebäude in Söke zu tumultartigen Szenen. Die Familie des Opfers berschwerte sich lautstark über den Verhandlungsverlauf. Am ersten Verhandlungstag im November hatte der Richter von einem "starken Tatverdacht" gegen Kur gesprochen, zuvor aber den Vater des getöteten Mädchens belehrt, dass der Angeklagte Gelegenheit bekommen müsse, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen.

(dpa, N24)

10.12.2009 20:50 Uhr

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