Klima, Klimawandel, Erderwärmung, Umwelt, Ökologie, Treibhauseffekt
 

Arnie, Al und Charles

Promi-Gedrängel beim Klimagipfel

Imageberater scheinen dieser Tage zu Bekenntnis zum Klimaschutz zu raten. In Kopenhagen tummelt sich so viel Prominenz, dass sogar manch Weltberühmter in der Anonymität verschwindet.

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Ein Hauch von Hollywood: Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger in Kopenhagen.
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Die dänischen Polizeibeamten in Kopenhagen griffen zu Schlagstöcken und ...
... Pfefferspray, um die 2.500 Demonstranten davon abzuhalten, ...
... das Konferenzgebäude zu stürmen.
Im Zuge des harten Vorgehens gegen die Klima-Aktivisten wurden ...
... 250 Demonstranten verhaftet, um sie zu einem Massenarrest zu bringen.
Augenzeugen der Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestlern berichteten von zahlreichen Verletzten.
Der Polizeichef Per Larsen erklärte den energischen Einsatz mit den Worten: "Wir setzen Schlagstöcke nur ein, wenn ...
... wir wirklich unter Druck gesetzt werden. Wir wurden hier kräftig provoziert."
Seit dem Beginn der Klimagipfel-Proteste ...
... wurden 1.500 Demonstranten festgenommen, darunter etwa 350 Deutsche.
Um Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Polizei zu vermeiden, hat die dänische Regierung härtere Gesetze erlassen, das ...
... sogenannte "Lümmelpaket" verschärft das Versammlungsrecht, erlaubt längere Festnahmen beim bloßen Verdacht auf geplante ungesetzliche Aktivitäten und drastisch heraufgesetzte Strafen für Behinderungen der Polizei. (Foto: Heiligendamm)
Einreisende sollen außerdem so scharf wie möglich an der Grenze kontrolliert werden. (Foto: Heiligendamm) Dies galt wohl besonders um den 16. Dezember: Militante Gruppen hatten angekündigt, das Tagungsgelände stürmen zu wollen. Was dabei häufig in ...
... den Hintergrund gerät: Die Randalierer bleiben meist - wie bei den Protesten gegen den EU-Gipfel 2001 in Göteborg (Foto) - eine Minderheit. Der Großteil der Demonstranten will Aufmerksamkeit erregen durch friedlichen und bunte ...
... Aktionen. So ließ die Künstlerin Nele Azevedo 1.000 Eisfiguren vor dem Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt in der Septembersonne schmelzen, um die Bedrohung der Menschen durch den Klimawandel zu symbolisieren.
Die Hauptstadt wurde in den Wochen vor dem Klimagipfel zum Schauplatz für umtriebige Umweltaktivisten. Sie fordern Angela Merkel auf, eine führende Rolle bei den Verhandlungen einzunehmen. Daran soll sie der neue Halsschmuck der Siegessäule erinnern.
Engel links, Teufel rechts: Auch am Brandenburger Tor wird um die Gunst der Kanzlerin gerungen - eine Aktion von insgesamt 3.559 in 161 Ländern ...
... am 24. Oktober. Beim größten globalen Klima-Aktionstag tanzten Raver mit Kopfhörern auf der "Silent Climate Parade" durch Berlin und lösten bei den Passanten wohl ähnlich irritierte Reaktionen aus wie ...
... der 16 Meter hohe Eisberg auf der Seine in Paris. Greenpeace-Aktivisten schickten das aufblasbare Monster auf Expedition in den französischen Hochsommer. Entdeckt werden sollten Politiker, die Verantwortung für das Klima übernehmen. Frostig ...
... gingen auch die Italiener mit ihrem Ministerpräsidenten um: Ein Berlusconi aus Eis im Forum Romanun. Auch für ihn läuft die Zeit ab, denn der Regierungschef ...
... schmilzt dahin - und zwar nach Plan: Exakt bis zum ersten Tag der Klimakonferenz in Kopenhagen sollte er wieder zu Wasser werden. Baden gegangen ist nicht nur Berlusconi in Rom, sondern auch seine ...
... Kollegen aus Frankreich, Russland, USA, Indonesien, Großbritannien und Deutschland. Die illustre Runde schickten indonesische Aktivisten in Jakarta auf die Reise hin zu einem neuen Abkommen in Kopenhagen. Ohne Schwimmreifen, aber mit ...
... Taucheranzug hielten der Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed (links) und sein Kabinett eine Unterwasser-Sitzung ab. Die Malediven sind akut vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht. Darauf wollte die Regierung ...
... aufmerksam machen. Unter Wasser unterzeichneten sie ein Dokument, in dem sie zu globalen Maßnahmen gegen den Klimawandel aufrufen. Ein ähnliches Dokument unterschrieb mit einigen Tausend Metern Höhenunterschied ...
... die nepalesische Regierung. Mit Sauerstoffmasken stimmten die Politiker auf 5.250 Meter für das Papier, in dem es um die Folgen der Eisschmelze für den Mount Everest geht. Hoch hinaus ging es auch für ...
... Greenpeace-Aktivisten in Polen. Sie besetzten das Gerüst einer Kohle-Umladestation in Malaszewice, um gegen den Energieträger zu protestieren. Rund um den Globus fanden Demonstranten Symbole, um auf sich und den Klimawandel aufmerksam zu machen: ...
... Schuhe in Den Haag, ...
... eine Skulptur aus Tausenden Menschen - die Erde eingepfercht in einer Sanduhr - im Central Park ...
... ein überdimensionales Zeitschriften-Cover vor dem US-Konsulat in Hongkong ...
... und einen Erd-Ballon auf heißer Flamme in Mexiko. Aktivisten nutzten nationale Symbole ...
... wie die Sagrada Familia in Bracelona, ...
... den Kreml in Moskau und ...
... trugen ihr Anliegen von Indien über ...
... Thailand und ...
... die Philippinen bis ...
... nach Brasilien und ...
... Brüssel auf die Straße. Mit Sitzblockaden versperrten die Aktivisten hier den Abgeordneten den Eingang zum EU-Rat, wurden von der Polizei ...
... weggetragen und festgenommen. Einige ...
... verkleideten sich - wie hier im Libanon - selbst als Entscheidungsträger, denen das Wasser bald bis zum Halse stehen könnte. Die Botschaft an die Politiker war weltweit dieselbe: In Kopenhagen muss ein neues verbindliches Klimaschutzabkommen ...
... beschlossen werden, damit Mensch und Tier (Foto: Umweltaktivisten auf Bali) weiter auf dem Planeten überleben können.
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Royaler Klimagipfel-Glanz mit Prinz Charles, ein Hauch von Hollywood dank Arnold Schwarzenegger und dann noch Friedensnobelpreisträger Al Gore: Am neunten Tag der Kopenhagener Klimakonferenz drängelten sich die Promis so dicht, dass der Platz im ohnehin hoffnungslos überfüllten "Bella Center" auch für sie eng zu werden schien. Wenn sie denn gehört und gesehen werden wollen.

Die US-Schauspielerin Daryl Hannah ist als seriöse Umweltschützerin gekommen, und niemand macht dumme Witze über ihre frühe Filmrolle als Meerjungfrau und das gleichnamige Kopenhagener Wahrzeichen. Bei "Arnie" allerdings gelten andere Promi- Regeln: Kopenhagener Zeitungsleser erfuhren, dass er erstens ins Fitnessstudio ging und zweitens Zigarre-schmauchend ins Hotel Skt. Petri kam.

Wie Gore wollten auch die afrikanischen Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu (Südafrika) und Wangari Maathai (Kenia) auf dem Gipfel für das Klima kämpfen. Michael Bloomberg, Milliardär und Bürgermeister von New York, wird gerade noch so als Name wahrgenommen. Der ähnlich reiche Finanzmann George Soros hat in Kopenhagen neue Vorschläge für schnelle Klimahilfe an die Entwicklungsländer vorgelegt - kaum jemand nahm es wahr.

Kopenhagener Klimabühne platzt aus allen Nähten

Die Berühmten und auch manche Weltberühmten müssen erkennen, dass die Kopenhagener Klimabühne überbelegt ist. Immerhin können sie jenseits von angenehm freien VIP-Eingängen im Warmen Trost suchen. Gewöhnliche Gipfelbesucher dagegen mussten bis zu acht Stunden in endlosen Schlangen frierend erkennen, dass Klimaschutz angesagt ist: Die UN-Organisatoren hatten das weltweite Interesse unterschätzt und konnten den Ansturm von Delegationen, Beobachtern und Journalisten einfach nicht mehr bewältigen.

Manchen half dabei auch der Hinweis nicht, dass sie eigentlich zu den Wichtigen gehören: Der dänische "Klimaskeptiker" Bjarne Lomborg berichtete, dass ein TV-Streitgespräch zwischen ihm und dem Umweltminister Malis ausfallen musste: Der Minister hatte sich heillos in den endlosen Warteschlangen vor dem Konferenzzentrum verirrt und habe "am Handy recht verzweifelt geklungen", berichtete Lomborg.

Gordon Brown nutzt Gunst der Stunde

Mit Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi und dem libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi haben zwei regierungsamtliche Gipfelgäste ihr Erscheinen abgesagt, die ähnliche Probleme nicht zu befürchten hätten. Berlusconi laboriert an seinen Verletzungen nach einer Wurfattacke in Mailand. Der sonst immer für bizarre Auftritte gute Gaddafi schickt den Chef der nationalen Ölgesellschaft ins vielleicht auch für sein übliches Reisezelt zu kalte Dänemark.

Umgekehrt wollte Großbritanniens Premierminister Gordon Brown früher nach Kopenhagen kommen als alle anderen 114 angekündigten Regierungschefs. Eigentlich sind die erst für Donnerstag und Freitag eingeladen. Der Mann aus der Downing Street sei eben sehr besorgt wegen der schleppenden Verhandlungen, hieß es aus London. Andere meinen, Brown wolle einfach nur die Bühne ohne Kollegen wie Angela Merkel oder Barack Obama für sich. Ob er daran gedacht hat, dass er sie stattdessen mit Arnold Schwarzenegger, Al Gore und Prinz Charles teilen muss?

(Thomas Borchert, dpa, N24)

15.12.2009 14:52 Uhr

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