Skurriles Souvenir
Berlusconi als Weihnachtsschlager
Berlusconi statt Maria und Josef: Nach der Souvenir-Attacke auf den italienischen Regierungschef entwickeln sich Krippenfiguren mit dessen Konterfei zum weihnachtlichen Verkaufsschlager.
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Weihnachten mit Silvio: In Italien haben Berlusconi-Devotionalien nach dem Attentat Hochkonjunktur.
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Von den einen geliebt, von den anderen gehasst: Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi ...
... spaltet Italien mit seinen politischen und privaten Affären. Jetzt wurde der umstrittene Politiker ...
... Opfer einer körperlichen Attacke. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Mailand wurde er ...
... mit einem schweren Gegenstand - offenbar einer Miniaturausgabe des Mailänder Doms - beworfen und dabei im Gesicht verletzt.
Berlusconi erlitt eine angebrochene Nase sowie Verletzungen an der Lippe und an einigen Zähnen. Mit blutüberströmtem Gesicht ...
... wurde er nach der Attacke ins Krankenhaus gefahren, wo er auch die Nacht verbringen musste.
Der Täter war offenbar ein 42 Jahre alter geistig verwirrter Mann. Nach der Attacke auf Berlusconi ...
... wurde er von der Polizei umringt und abgeführt. Die Justiz wirft ihm jetzt schwere Körperverletzung vor.
Es war nicht das erste Mal, dass Silvio Berlusconi Opfer einer Attacke wurde. Am Silvestertag 2004 wurde er ...
... mit einem Kamerastativ beworfen und dabei am Kopf verletzt. Der Täter damals: Ein 28-Jähriger aus Mantua. Er gab nach der Tat an, Berlusconi zu hassen.
Der Vorfall in Italien erinnert an ähnlich Attacken auf Politiker in der jüngeren Vergangenheit. Im Dezember 2008 ...
... warf ein irakischer Journalist während einer Pressekonferenz seine Schuhe nach George W. Bush.
Der damals scheidende US-Präsident konnte dem fliegenden Schuhwerk ausweichen. Die Attacke sorgte dennoch ...
... weltweit für Aufsehen und brachte dem Werfer viel nationalen Ruhm - aber auch eine Haftstrafe ein.
Der Schuhwurf wurde weltweit zum Medienereignis. Dem Werfer wurde von Gegnern Bushs im Irak gar ein Denkmal gesetzt.
Nach der irakischen Schuhattacke gab es weltweit immer wieder Nachahmungstaten. Die bekannteste Schuhwurf-Kopie dürfte die auf den chinesischen ...
... Regierungschef Wen Jiabao im Februar 2009 an der Universität von Cambridge sein. Auch Wen wurde von dem "Geschoss" allerdings nicht erwischt.
Verantwortlich für den Übergriff war der Deutsche Martin Jahnke, der damit gegen die politische Unterdrückung in China protestieren wollte.
Am 6. Dezember 1999 wurde auch der damalige Außenminister Joschka Fischer Opfer des Wutausbruchs eines Kritikers.
Auf einem Sonderparteitag der Grünen in Bielefeld wurde Fischer von einem Farbbeutel am Ohr getroffen.
Er erlitt dabei nicht nur Farbflecken auf der Kleidung sondern auch schmerzhafte Verletzungen am Trommelfell.
Der wenig pazifistische Protest richtete sich gegen die umstrittene Zustimmung der Grünen zum Militäreinsatz im Kosovo.
Bekannt ist auch der Eier-Angriff auf den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl im Mai 1991 in Halle.
Hier entlud sich der Protest vieler Menschen gegen die hohe Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland ...
... trotz Kohls Versprechens von den "blühenden Landschaften" im Osten.
Auch CDU-Spitzenkandidat Frank Steffel hat es im August 2001 erwischt. Kaum hatte er damals die Blumenkönigin von Berlin-Weißensee gekrönt, traf ihn ein rohes Ei.
"Die Start-Tomate der Parlamentswahlen ist abgefeuert worden“, witzelt die britische Presse im Mai 1999. Eine wütende Demonstrantin hat Tony Blair beworfen - aus Protest gegen seine Irak-Politik.
Platsch! Sowohl der frühere IWF-Chef Michel Camdessus als auch ...
... der ehemalige Chef der EU-Kommission, Jacques Delors, müssen sich Torten schmecken lassen.
Jean-Pierre Chevenement ahnt auf dem Pariser Buchsalon im März 2002 nichts Schlimmes, als ihm eine Ananastorte ins Gesicht fliegt. Ob sie dem französischen Präsidentschaftskandidaten geschmeckt hat, kann nur einer wissen: ...
... Noël Godin - der gefürchtete Tortenwerfer. Er liebt es, selbstgerechte und humorlose Menschen einzutorten. Seine prominentesten Opfer: Microsoft-Gründer Bill Gates und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy.
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist immer für einen Spruch gut - und Fettnäpfchen lässt er dabei bekanntlich nur selten aus. Bei einem Besuch ...
... der obdachlos gewordenen Erdbebenopfer in den Abruzzen stellte er fest: Den in Zeltlagern untergebrachten Menschen fehle es an nichts. Sie hätten warmes Essen und medizinische Versorgung...
"Natürlich" sei ihre ihre Unterbringung "absolut provisorisch, aber man muss es eben nehmen wie ein Campingwochenende".
Geht so die südländische Frohnatur mit einer Katastrophe um oder besitzt das Staatsoberhaupt einfach kein Taktgefühl? Die Italiener werden es einzuschätzen wissen, schließlich hat sich Berlusconi schon des öfteren verbale Entgleisungen geleistet: ...
... "Ich habe zu viel Respekt vor der Intelligenz der Italiener, um zu glauben, sie könnten solche Trottel ("coglioni") sein und gegen ihre eigenen Interessen stimmen." (Über die Anhänger der Opposition, Parlamentswahl April 2006, Italien)
"Nur Napoleon hat mehr getan als ich. Aber ich bin definitiv größer." (Februar 2006)
"Ich bin der Jesus Christus der Politik. Ich bin ein geduldiges Opfer, habe mich selbst für alle geopfert." (Februar 2006)
"Gehen Sie und lesen Sie im Schwarzbuch des Kommunismus und Sie werden sehen, dass im China Maos keine Babys gegessen wurden, aber gekocht, um damit die Felder zu düngen." (März 2006)
"Nicht einmal die Wirtschaft läuft wirklich schlecht. Von meiner Villa aus habe ich eine herrliche Panorama-Sicht, die auch dieses Jahr durch den Blick auf viele Yachten besticht ...
... Niemand kann mehr Mobiltelefone, mehr Autos, mehr Fernseher sein Eigen nennen als die Italiener. Wissen sie wie viele unserer Frauen sich Schönheitsoperationen leisten können?" (In einem Interview mit "La Stampa", August 2005)
"Mussolini hat nie jemanden getötet. Mussolini schickte Menschen in Lager in den Urlaub." (Juni 2005)
"Herr Schulz, ich weiß, dass ein Mann in Italien einen Film über Konzentrationslager der Nazis produziert. Ich würde sie gern für die Rolle eines Aufsehers vorschlagen. Sie wären perfekt." Berlusconi zum deutschen EU-Abgeordneten Martin Schulz ...
… der ihn während einer Debatte im EU-Parlament kritisierte, Juli 2003.
"Ich habe ein Segelboot, aber in den vergangenen zwei Jahren war ich nur einen Tag darauf. Und in meinem Haus ...
... auf den Bermudas war ich seit zwei oder drei Jahren nicht mehr ... Mein Leben hat sich verändert …
... Die Qualität ist schrecklich geworden. Was für ein brutaler Job." (In einem Interview mit der "New York Times", Mai 2003)
"Die Klügsten können sicherlich einen zweiten Job finden, vielleicht inoffiziell." (Aufforderung an entlassene Fiat-Arbeiter, sich Jobs auf dem Schwarzmarkt zu suchen)
"Manchmal funktionieren Tretboote gut. Keine der Leichen hat sich beschwert." (Auf die Frage, warum die Polizei Tretboote benutzen muss, um schiffbrüchige Immigranten vor der Küste zu bergen, September 2002)
Berlusconi hebt bei einer Gruppenaufnahme beim EU-Gipfel hinter dem Kopf des spanischen Außenministers Josep Pique zwei Finger und macht die in südlichen Ländern gebräuchliche Geste für einen betrogenen Ehemann. (Februar 2002)
"Vor dem Gesetz sind alle Bürger gleich, aber vielleicht ist dieser hier noch ein bisschen gleicher als die anderen, angesichts der Tatsache ...
... dass ihm 50 Prozent der Italiener die Verantwortung übertrugen, ihr Land zu regieren." (Während eines gegen ihn gerichteten Korruptionsprozesses, Juni 2003)
Wie heisst es in seinem Wahlkampflied so schön? "Meno male che Silvio c'è" - Zum Glück gibt es Silvio. Immer gut für einen schrägen Spruch.
Miniatur-Nachbildungen des Mailänder Doms erfreuen sich seit der Attacke auf Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi wachsender Beliebtheit. Normalerweise verkaufe er 12 bis 13 der Souvenirs, sagte Andrea Brachi, der einen Stand auf dem Platz vor dem Mailänder Dom betreibt. Im gleichen Zeitraum seit dem Angriff auf Berlusconi seien es schon rund 20 gewesen. Das Modell, mit dem Berlusconi im Gesicht getroffen wurde, sei bereits ausverkauft, berichtet ein anderer Souvenirhändler, Maurizio Mazza. Er habe seit Montag rund 20 verkauft, normalerweise seien es durchschnittlich nur vier. Der Preis des Souvenirs beträgt je nach Ausführung sechs bis zehn Euro.
Der Angriff eines psychisch Kranken auf Berlusconi vom Sonntag inspirierte unterdessen auch Krippenbauer im süditalienischen Neapel. Neben den traditionellen Maria- und Josef-Darstellungen finden sich nur auch Miniatur-Berlusconis mit blutüberströmten Gesicht und Verband in den Vitrinen der Weihnachtskrippen-Hersteller in der Altstadt Neapels. Touristen aus aller Welt strömen alljährlich in die Läden der Künstler, die bekannt dafür sind, dass sie über das biblische Repertoire hinaus jedes Jahr aktuelle Krippenfiguren schaffen.
(AFP, N24)
17.12.2009 08:15 Uhr
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