Klima-Experten haben die Ergebnisse des Weltklimagipfels in Kopenhagen kritisiert. Für das Scheitern der Verhandlungen machen sie besonders China, die USA und die Vereinten Nationen verantwortlich.
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Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Mitschuld am Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen gegeben. "Die Stimme der Vereinten Nationen war am Ende zu klein und zu leise", sagte Flasbarth dem "Hamburger Abendblatt". Der UN-Generalsekretär habe in seinen Gruß- und Schlussworten Richtiges gesagt, "aber er hat vermutlich die Möglichkeiten seines Amtes nicht vollständig ausgeschöpft". Für die vielen Staaten, die zum Schluss nicht mitverhandelt hätten, hätte jemand das Wort ergreifen müssen, sagte Flasbarth. "Und diese Stimme hätte nur die UNO sein können."
Der Präsident des Umweltbundesamtes forderte eine Debatte über die zukünftige Rolle der Vereinten Nationen im Klimafolgenprozess. Flasbarth verteidigte zugleich die Resultate des Gipfels, der am Samstag mit einem Minimalkompromiss zu Ende gegangen war. "Auch wenn sie nicht vom Plenum anerkannt worden sind, sind die Ergebnisse nicht substanzlos", sagte der Chef des Umweltbundesamtes. Das Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen, sei "nun wirklich überall akzeptiert".
Niedergang des multilateralen Systems?
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hält die Weltklimakonferenz hingegen für einen "völligen Fehlschlag". "Gemessen an den Erwartungen, die man an diesen Gipfel hatte, liegt ein sehr mageres Ergebnis vor", sagte PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Insbesondere kritisierte er China und die USA. China habe mit "brutaler Logik und kühler Strategie" agiert, um die Verbindlichkeit im Rahmen eines internationalen Abkommens zu vermeiden, sagte Schellnhuber. US-Präsident Barack Obama habe auf der Konferenz "vor allem im Sinn der US-Innenpolitik gehandelt". Der PIK-Direktor übte massive Kritik an der Ankündigung der USA, von 2010 bis 2013 lediglich rund 3,4 Milliarden US-Dollar (etwa 2,3 Milliarden Euro) zur Soforthilfe für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern beizutragen.
"Was die USA bieten, ist absolut indiskutabel. Sie legen sozusagen die äquivalenten Ausgaben für wenige Tage Irak-Krieg zur Rettung des Weltklimas auf den Tisch." In Kopenhagen habe sich gezeigt, dass ein globales Problem wie der Klimawandel extrem schwer zu lösen sei, "wenn die nationalen Interessen in den Vordergrund gestellt werden", sagte Schellnhuber, der auch Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) ist. Es könne sein, "dass Kopenhagen der Beginn einer langen Strecke des Niedergangs dieses multilateralen Systems ist".
"Noch ist die Welt nicht verloren"
Der PIK-Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimaforschung, Ottmar Edenhofer, forderte in der "Berliner Zeitung" eine Reform der Klimakonferenzen. "Die Gipfel müssen schlanker werden", sagte er. "Die Mischung aus Kirchentag-Happening und Verhandlungen ist nicht zielführend." Edenhofer, der auch ein Vorsitzender im Weltklimarat ist, sagte, man dürfe nicht das ganze Gewicht der Verantwortung auf die Schultern der UN legen. Beim Klimaschutz müsse es ergänzende Prozesse geben, "etwa auf transatlantischer Ebene oder im Rahmen der G20". Die Hoffnung auf ein weltweites Klimaabkommen wolle er nicht aufgeben. "Trotz des Desasters in Kopenhagen: Noch ist die Welt nicht verloren", erklärte er. Ein Abkommen sei immer noch möglich.
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