Klima, Klimawandel, Erderwärmung, Umwelt, Ökologie, Treibhauseffekt
 

"Absolut indiskutabel"

Experten zerreißen Gipfel-Ergebnisse

Klima-Experten haben die Ergebnisse des Weltklimagipfels in Kopenhagen kritisiert. Für das Scheitern der Verhandlungen machen sie besonders China, die USA und die Vereinten Nationen verantwortlich.

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Der ersehnte Durchbruch im Ringen um ein weltweites Klimaabkommen ist in Kopenhagen ausgeblieben. Experten sehen die Verantwortung dafür besonders bei den USA und China.
Video: "Absolut indiskutabel" - Experten zerreißen Gipfel-Ergebnisse
Der Klimawandel bedroht den natürlichen Lebensraum der Eisbären.
Dürre in Mexiko
Ein Twister fegt über England.
Umweltverschmutzung in China
Überschwemmungen in Nepal
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Die dänischen Polizeibeamten in Kopenhagen griffen zu Schlagstöcken und ...
... Pfefferspray, um die 2.500 Demonstranten davon abzuhalten, ...
... das Konferenzgebäude zu stürmen.
Im Zuge des harten Vorgehens gegen die Klima-Aktivisten wurden ...
... 250 Demonstranten verhaftet, um sie zu einem Massenarrest zu bringen.
Augenzeugen der Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestlern berichteten von zahlreichen Verletzten.
Der Polizeichef Per Larsen erklärte den energischen Einsatz mit den Worten: "Wir setzen Schlagstöcke nur ein, wenn ...
... wir wirklich unter Druck gesetzt werden. Wir wurden hier kräftig provoziert."
Seit dem Beginn der Klimagipfel-Proteste ...
... wurden 1.500 Demonstranten festgenommen, darunter etwa 350 Deutsche.
Um Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Polizei zu vermeiden, hat die dänische Regierung härtere Gesetze erlassen, das ...
... sogenannte "Lümmelpaket" verschärft das Versammlungsrecht, erlaubt längere Festnahmen beim bloßen Verdacht auf geplante ungesetzliche Aktivitäten und drastisch heraufgesetzte Strafen für Behinderungen der Polizei. (Foto: Heiligendamm)
Einreisende sollen außerdem so scharf wie möglich an der Grenze kontrolliert werden. (Foto: Heiligendamm) Dies galt wohl besonders um den 16. Dezember: Militante Gruppen hatten angekündigt, das Tagungsgelände stürmen zu wollen. Was dabei häufig in ...
... den Hintergrund gerät: Die Randalierer bleiben meist - wie bei den Protesten gegen den EU-Gipfel 2001 in Göteborg (Foto) - eine Minderheit. Der Großteil der Demonstranten will Aufmerksamkeit erregen durch friedlichen und bunte ...
... Aktionen. So ließ die Künstlerin Nele Azevedo 1.000 Eisfiguren vor dem Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt in der Septembersonne schmelzen, um die Bedrohung der Menschen durch den Klimawandel zu symbolisieren.
Die Hauptstadt wurde in den Wochen vor dem Klimagipfel zum Schauplatz für umtriebige Umweltaktivisten. Sie fordern Angela Merkel auf, eine führende Rolle bei den Verhandlungen einzunehmen. Daran soll sie der neue Halsschmuck der Siegessäule erinnern.
Engel links, Teufel rechts: Auch am Brandenburger Tor wird um die Gunst der Kanzlerin gerungen - eine Aktion von insgesamt 3.559 in 161 Ländern ...
... am 24. Oktober. Beim größten globalen Klima-Aktionstag tanzten Raver mit Kopfhörern auf der "Silent Climate Parade" durch Berlin und lösten bei den Passanten wohl ähnlich irritierte Reaktionen aus wie ...
... der 16 Meter hohe Eisberg auf der Seine in Paris. Greenpeace-Aktivisten schickten das aufblasbare Monster auf Expedition in den französischen Hochsommer. Entdeckt werden sollten Politiker, die Verantwortung für das Klima übernehmen. Frostig ...
... gingen auch die Italiener mit ihrem Ministerpräsidenten um: Ein Berlusconi aus Eis im Forum Romanun. Auch für ihn läuft die Zeit ab, denn der Regierungschef ...
... schmilzt dahin - und zwar nach Plan: Exakt bis zum ersten Tag der Klimakonferenz in Kopenhagen sollte er wieder zu Wasser werden. Baden gegangen ist nicht nur Berlusconi in Rom, sondern auch seine ...
... Kollegen aus Frankreich, Russland, USA, Indonesien, Großbritannien und Deutschland. Die illustre Runde schickten indonesische Aktivisten in Jakarta auf die Reise hin zu einem neuen Abkommen in Kopenhagen. Ohne Schwimmreifen, aber mit ...
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... die nepalesische Regierung. Mit Sauerstoffmasken stimmten die Politiker auf 5.250 Meter für das Papier, in dem es um die Folgen der Eisschmelze für den Mount Everest geht. Hoch hinaus ging es auch für ...
... Greenpeace-Aktivisten in Polen. Sie besetzten das Gerüst einer Kohle-Umladestation in Malaszewice, um gegen den Energieträger zu protestieren. Rund um den Globus fanden Demonstranten Symbole, um auf sich und den Klimawandel aufmerksam zu machen: ...
... Schuhe in Den Haag, ...
... eine Skulptur aus Tausenden Menschen - die Erde eingepfercht in einer Sanduhr - im Central Park ...
... ein überdimensionales Zeitschriften-Cover vor dem US-Konsulat in Hongkong ...
... und einen Erd-Ballon auf heißer Flamme in Mexiko. Aktivisten nutzten nationale Symbole ...
... wie die Sagrada Familia in Bracelona, ...
... den Kreml in Moskau und ...
... trugen ihr Anliegen von Indien über ...
... Thailand und ...
... die Philippinen bis ...
... nach Brasilien und ...
... Brüssel auf die Straße. Mit Sitzblockaden versperrten die Aktivisten hier den Abgeordneten den Eingang zum EU-Rat, wurden von der Polizei ...
... weggetragen und festgenommen. Einige ...
... verkleideten sich - wie hier im Libanon - selbst als Entscheidungsträger, denen das Wasser bald bis zum Halse stehen könnte. Die Botschaft an die Politiker war weltweit dieselbe: In Kopenhagen muss ein neues verbindliches Klimaschutzabkommen ...
... beschlossen werden, damit Mensch und Tier (Foto: Umweltaktivisten auf Bali) weiter auf dem Planeten überleben können.
Video: Klimagipfel - Merkel zieht gemischte Bilanz
Video: Climate Shame - Klimagipfel: Nur unverbindliche Einigung
Video: Klimagipfel - Bankrotterklärung vor den Menschen der Welt

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Mitschuld am Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen gegeben. "Die Stimme der Vereinten Nationen war am Ende zu klein und zu leise", sagte Flasbarth dem "Hamburger Abendblatt". Der UN-Generalsekretär habe in seinen Gruß- und Schlussworten Richtiges gesagt, "aber er hat vermutlich die Möglichkeiten seines Amtes nicht vollständig ausgeschöpft". Für die vielen Staaten, die zum Schluss nicht mitverhandelt hätten, hätte jemand das Wort ergreifen müssen, sagte Flasbarth. "Und diese Stimme hätte nur die UNO sein können."

Der Präsident des Umweltbundesamtes forderte eine Debatte über die zukünftige Rolle der Vereinten Nationen im Klimafolgenprozess. Flasbarth verteidigte zugleich die Resultate des Gipfels, der am Samstag mit einem Minimalkompromiss zu Ende gegangen war. "Auch wenn sie nicht vom Plenum anerkannt worden sind, sind die Ergebnisse nicht substanzlos", sagte der Chef des Umweltbundesamtes. Das Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen, sei "nun wirklich überall akzeptiert".

Niedergang des multilateralen Systems?

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hält die Weltklimakonferenz hingegen für einen "völligen Fehlschlag". "Gemessen an den Erwartungen, die man an diesen Gipfel hatte, liegt ein sehr mageres Ergebnis vor", sagte PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Insbesondere kritisierte er China und die USA. China habe mit "brutaler Logik und kühler Strategie" agiert, um die Verbindlichkeit im Rahmen eines internationalen Abkommens zu vermeiden, sagte Schellnhuber. US-Präsident Barack Obama habe auf der Konferenz "vor allem im Sinn der US-Innenpolitik gehandelt". Der PIK-Direktor übte massive Kritik an der Ankündigung der USA, von 2010 bis 2013 lediglich rund 3,4 Milliarden US-Dollar (etwa 2,3 Milliarden Euro) zur Soforthilfe für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern beizutragen.

"Was die USA bieten, ist absolut indiskutabel. Sie legen sozusagen die äquivalenten Ausgaben für wenige Tage Irak-Krieg zur Rettung des Weltklimas auf den Tisch." In Kopenhagen habe sich gezeigt, dass ein globales Problem wie der Klimawandel extrem schwer zu lösen sei, "wenn die nationalen Interessen in den Vordergrund gestellt werden", sagte Schellnhuber, der auch Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) ist. Es könne sein, "dass Kopenhagen der Beginn einer langen Strecke des Niedergangs dieses multilateralen Systems ist".

"Noch ist die Welt nicht verloren"

Der PIK-Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimaforschung, Ottmar Edenhofer, forderte in der "Berliner Zeitung" eine Reform der Klimakonferenzen. "Die Gipfel müssen schlanker werden", sagte er. "Die Mischung aus Kirchentag-Happening und Verhandlungen ist nicht zielführend." Edenhofer, der auch ein Vorsitzender im Weltklimarat ist, sagte, man dürfe nicht das ganze Gewicht der Verantwortung auf die Schultern der UN legen. Beim Klimaschutz müsse es ergänzende Prozesse geben, "etwa auf transatlantischer Ebene oder im Rahmen der G20". Die Hoffnung auf ein weltweites Klimaabkommen wolle er nicht aufgeben. "Trotz des Desasters in Kopenhagen: Noch ist die Welt nicht verloren", erklärte er. Ein Abkommen sei immer noch möglich.

(APD, AFP, N24)

21.12.2009 11:37 Uhr

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