"Die Hölle auf Erden"

Ex-Häftling spricht über Guantanamo-Folter

"Geistiger Mord", Erniedrigung und Folter: Während sich die Schließung des umstrittenen Gefangenenlagers weiter verschiebt, werden neue grausame Details aus Guantanamo bekannt.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Zurück in Hargeisa: Der 44-jährige Mohammed Saleban Bare ist nach acht Jahren wieder in Freiheit.
Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten!
Mehr als 60 Jahre ist es her, dass sich die Vereinten Nationen zu den Grundsätzen der Menschenrechte bekannten. Am 10. Dezember 1948 wird die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" in Paris genehmigt und verkündet.
30 Artikel beschreiben ausführlich, welche Rechte den Menschen zustehen. "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren", heißt es im ersten Satz von Artikel 1. Befolgt wird das allerdings längst nicht überall.
Zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember stellt UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon fest: "Kein Land ist frei von Diskriminierung. Wir beobachten sie überall und in vielen Formen: Alt und neu, versteckt und offen, öffentlich oder privat."
Allerdings gibt es von Land zu Land große Unterschiede, was die Verletzung der Menschenrechte angeht. Ein paar Beispiele. (Archivfoto: Demonstration von amnesty international (ai) gegen die Todesstrafe gegen Minderjährige im Iran , 2006)
"Besonders bedrückt uns zur Zeit die Lage im Iran", so CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. (Archivfoto vom 13.06.2009)
Nach der umstrittenen Wiederwahl des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad im Juni 2009 war es im Iran zu massiven Protesten von Anhängern des Gegenkandidaten Hussein Mussawi gekommen.
Die Polizei ging gegen die Demonstranten oft mit aller Gewalt vor, die Berichterstattung über die Proteste wurde verboten.
Laut der Menschenrechtsorganisation amnesty international sind die Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit im Iran stark eingeschränkt. Außerdem komme es oft zu ungerechten Prozessen.
Misshandlungen von Inhaftierten seien üblich und würden nicht bestraft. Neben gerichtlich angeordneten Prügel- und Amputationstrafen habe es 2008 mindestens 346 Hinrichtungen gegeben. (Archivfoto: Öffentliche Hinrichtung im Iran 2007)
Soziale Unterdrückung, katastrophale Wirtschaftslage, Diktaturen, Flüchtlingsleid, Bürgerkriege: Afrika wird meist mit systematischen und häufigen Verstößen gegen die Würde und Rechte des Menschen in Verbindung gebracht.
Ein Demonstrant in Johannesburg protestiert mit Plakaten von gefolterten Opfern gegen die Situation Simbabwes unter der Diktatur Robert Mugabes.
Zu den schlimmsten Menschenrechtsverletzungen gehört laut Franziska Ulma, Fachreferentin für Afrika bei amnesty international, der "Gebrauch sexueller Gewalt als Kriegswaffe".
Die planmäßige Vergewaltigung und Verschleppung von Frauen wird als perfide Methode genutzt, um Gemeinschaften auseinanderzubringen und zu vertreiben. Hier bedeckt eine Frau in einem Zentrum für Vergewaltigungsopfer im Kongo ihr Gesicht.
Kindersoldaten von General Ngudjolo im Kongo. Das Foto aus der Serie "Kindersoldaten" des englischen Fotografen Marcus Bleasdale erhält 2008 eine ehrenvolle Erwähnung im internationalen Fotowettbewerb "UNICEF-Foto des Jahres".
Die Kinder - meist Jungen - werden, wie etwa in Somalia oder im Kongo, zu Kriegszwecken erst gewaltsam rekrutiert, zu Kampfmaschinen ausgebildet, um schließlich selbst gewaltsam an den Konflikten teilzunehmen.
Bei Fluchtversuchen droht den Kindern oft die Hinrichtung. Viele sind nach den Geschehnissen traumatisiert.
Auch wenn in den meisten afrikanischen Ländern die weibliche Beschneidung mittlerweile verboten ist, wird die Genitalverstümmelung nach wie vor praktiziert.
Eine Frau in Sierra Leone zeigt Werkzeuge zur Genitalverstümmelung afrikanischer Mädchen. Die Beschneidung ist mit Riten und Traditionen verbunden, was ihre Bekämpfung erschwert. Frauen, die sich diesem Ritual verweigern, werden oft geächtet.
"Guantánamo schließen", fordert amnesty international anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte. Das militärische US-Gefangenenlager auf Guantanamo Bay auf Kuba sei ein "Symbol für die Menschenrechtsverletzungen im 'Krieg gegen den Terror'".
Seit dem 11. Januar 2002 seien etwa 800 Männer – meist mutmaßliche Terroristen – ohne gerichtliches Verfahren auf Guantanamo festgehalten worden.
Viele der Gefangenen wurden mit unterschiedlichen Methoden wie Waterboarding und lauterstarker, permanenter Popmusik gefoltert.
US-Präsident Barack Obama hatte versprochen, das Gefangenenlager zum Jahrestag seines Amtsantritts am 20. Januar 2010 zu schließen. Das wird vorerst jedoch nicht passieren, da immer noch unklar ist, was mit den Inhaftierten geschehen soll.
Auf "die anhaltende Unterdrückung der Menschenrechte in Tibet" will der Verein Tibet Initiative Deutschland (TID) am 10. Dezember mit diversen Aktionen aufmerksam machen.
Insbesondere 2008 zeigte China kurz vor den Olympischen Spielen, wie brutal es die Tibeter immer noch unterjocht.
Im März 2008 schlugen zunächst friedliche tibetische Demonstrationen gegen die chinesische Herrschaft in gewalttätige Unruhen um.
China rief einen "Volkskrieg" gegen die "Separatisten" aus. Es kam zu Verfolgungen, Massenverhaftungen und Misshandlungen von Tibetern.
Weltweit wurde gegen das Vorgehen Chinas protestiert.
Seit Jahren tobt in Mexiko ein gewalttätiger "Drogenkrieg". Die Zahl der Toten in dem Zusammenhang werden laut Amnesty International in den Medien zwischen 2008 und Juli 2009 mit etwa 14.000 beziffert.
Neben der Polizei setzt die Regierung bei der Bekämpfung der Drogenkriminalität zunehmend auch auf das Militär. Seitdem "stieg die Zahl der Beschwerden wegen Übergriffen durch Soldaten kontinuierlich an", so amnesty international.
Daher fordert die Menschenrechtsorganisation die mexikanische Regierung auf, "Verbrechen nicht mit Verbrechen zu bekämpfen."
Auch Deutschland steht wegen seines Afghanistan-Einsatzes in der Kritik. Monika Lüke, Generalsekretärin von amnesty international, erklärt: "Die Bundeswehr operiert in Afghanistan in einem bewaffneten Konflikt. ...
… Wie der Vorfall in Kundus zeigt, schützt sie die Zivilbevölkerung nicht in dem Maße, wie sie nach Genfer Konventionen und nach den Menschenrechten verpflichtet wäre."
Dass es die USA bei der Behandlung von Terrorverdächtigen ...
... mit den Menschenrechten nicht allzu genau nehmen (im Bild: US-Soldaten mit Gefangenem in Guantánamo), ...
... kritisieren Menschenrechtsgruppen schon lange (im Bild: Demonstration von Menschenrechtsaktivisten in New York).
Schlimmster Beweis für die Richtigkeit der Anschuldigungen: Die Misshandlungen von Häftlingen im Gefängnis Abu Ghoreib im Irak.
Die schrecklichen Bilder von den Erniedrigungen ...
... und Folterungen der Gefangenen hier ...
... gingen um die Welt.
Doch auch im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba kam es nachweislich zu Misshandlungen, ...
... wie nicht zuletzt aus Berichten des US-Pentagon hervorgeht.
In Guantánamo halten die USA zahlreiche Verdächtige gefangen, die sie im so genannten "Krieg gegen den Terror" festgenommen haben.
Bis heute sitzen rund 250 Personen in dem Hochsicherheitstrakt ein.
Menschenrechtsorganisationen haben immer wieder die Rechtlosigkeit der zum Teil jahrelang ohne Prozess gefangenen Häftlinge kritisiert ...
... und auf die Menschenrechtsverstöße in dem Lager hingewiesen.
Zu den bekannten Methoden, die bekanntermaßen angewandt wurden, um Gefangene gefügig zu machen, ...
... zählen etwa das Anketten in Kauerstellung auf dem Boden, ...
... Schändungen des für Muslime heiligen Koran, ...
... Schlafentzug der Gefangenen ...
... oder das besonders grausame Waterboarding (hier im Bild von Menschenrechtsaktivisten bei einer Demonstration in Washington nachgestellt), ...
... bei dem das Opfer mit dem Gefühl des Ertrinkens kämpft (im Bild: von Demonstranten in Washington nachgestellte Szene).
Ein soeben vom US-Senat veröffentlichter Bericht gibt dem früheren US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld eine Mitverantwortung an den Misshandlungen in Guantánamo und Abu Ghoreib.
Nahezu zeitgleich hat die Menschenrechtsgruppe "Reprieve" auf eine weitere von den USA angewandte "Verhörmethode" aufmerksam gemacht.
So sollen Häftlinge in Guantánamo mit ohrenbetäubend lauter Musik malträtiert worden sein - eine von den Vereinten Nationen geächtete Vorgehensweise.
"Reprieve" hat eine Liste von Musikgruppen und deren Songs erstellt, die zu Folterzwecken durch die Gefängniszellen in Guantánamo gehallt haben sollen. Mancher Titel könnte perfider kaum sein.
N24.de dokumentiert im Folgenden diese Liste.
AC/DC - Hell's Bells
AC/DC - Shoot to thrill
Aerosmith - ohne Titelangabe
Barney the Purple Dinosaur - Theme Tune
Bee Gees - Stayin' alive
Britney Spears - ohne Titelangabe
Bruce Springsteen - Born in the USA
Christina Aguilera - Dirrty
David Gray - Babylon
Deicide - Fuck your god
Don McLean - American Pie
Dope - Die MF die, take your best shot
Dr. Dre - Ohne Titelangabe
Drowning Pool - Bodies
Eminem - Kim
Eminem - Slim Shady
Eminem - White America
Lil' Kim - Ohne Titelangabe
Limp Bizkit - Ohne Titelangabe
Matchbox Twenty - Gold
Meat Loaf - Ohne Titelangabe
Metallica - Enter Sandman
Neil Diamond - America
Nine Inch Nails - March of the pigs
Nine Inch Nails - Mr. Self-Destruct
Prince - Rasperry Beret
Queen - We are the champions
Red Hot Chili Peppers - Ohne Titelangabe
Saliva - Click Click Boom
Sesamstraße - Titelmelodie
Tupac - All eyes on me

Kurz nach seiner Freilassung aus dem umstrittenen US-Gegangenenlager Guantanamo hat der Somalier Mohammed Saleban Bare das Lager als "Hölle auf Erden" mit Folter und Demütigungen beschrieben. In Guantanamo werde "eine Art psychologischer Folter, die dich geistig umbringt", angewendet, sagte der 44-jährige Bare nach seiner Ankunft in der somalischen Stadt Hargeisa. Dazu zähle Schlafentzug über mehrere Nächte in Folge. Außerdem würden die Häftlinge ausgehungert und erhielten nur einen Keks pro Tag. Bei Kälte müssten Häftlinge ohne Decke schlafen. Manche Gefangenen würden noch schlimmer gefoltert, durch Elektroschocks oder Schläge, sagte Bare.

"Ich fühle mich nicht normal"

Manche seiner Mitgefangenen hätten in dem Lager in Guantanamo auf Kuba ihr Augenlicht oder Gliedmaßen verloren oder seien psychisch krank geworden, berichtete der Somalier. "Ich fühle mich nicht normal, aber ich danke Allah dafür, dass er mich am Leben und frei von körperlichen und seelischen Leiden wie die von manchen meiner Freunde gehalten hat". Bare war am Wochenende aus dem US-Gefangenenlager entlassen und nach Somalia gebracht worden. Der Mann mit dem kurzen Haar und dem langen Bart war offenbar in guter körperlicher Verfassung, wirkte aber benommen und verunsichert.

Die US-Behörden teilten Bare nach dessen Aussage nie mit, warum er festgehalten wurde. Der Somalier war im Dezember 2001, also kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September, in der pakistanischen Hafenstadt Karachi festgenommen worden. Er wurde nach eigenen Angaben nach vier Monaten in US-Gefangenenlager in Afghanistan, Kandahar und Bagram verschleppt. Die Haftbedingungen dort seien "rau" gewesen, in Guantanamo sei es jedoch noch schlimmer - "wie die Hölle auf Erden". Das US-Lager sei ein Ort, in dem Muslime erniedrigt würden. So werfe das Personal Koran-Exemplare in die Toilette oder spiele während der Gebetszeit besonders laut Musik.

Obama: Schließungstermin nicht einhaltbar

Zu seinen angeblichen Beziehungen zu der somalischen Islamistengruppe El Ittihad el Islamija wollte Bare keine näheren Angaben machen. In Pakistan hatte er sich 2001 nach eigener Aussage mit einigen Verwandten aufgehalten, um der Gewalt im Bürgerkriegsland Somalia zu entgehen und sich um die Aufnahme in einem westlichen Land zu bemühen. Die USA hatten am Wochenende zwölf Guantanamo-Insassen - sechs Jemeniten, vier Afghanen und zwei Somalier - in ihre Heimat überstellt. Damit sind noch etwa 200 Männer in Guantanamo inhaftiert. US-Präsident Barack Obama hatte bei seinem Amtsantritt angekündigt, das umstrittene Lager bis Januar 2010 zu schließen. Im November räumte er jedoch ein, dass es ihm nicht gelingen werde, diesen Termin einzuhalten. Derzeit werden in dem Lager noch knapp 200 Häftlinge festgehalten.

(AFP, N24)

22.12.2009 15:04 Uhr

N24 in den Sozialen Netzwerken:

N24 auf Facebook N24 auf Twitter N24 auf Google+
SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Politik