Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung könnte 2010 auf bis zu 4,8 Prozent ansteigen. Entsprechende Erwägungen der Bundesregierung stoßen in den eigenen Parteien jedoch auf wenig Gegenliebe.
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In Union und FDP gibt es erhebliche Differenzen über mögliche Beitragsanhebungen bei der Arbeitslosenversicherung. Während sich Bundesregierung und Unionshaushälter einen solchen Schritt zur Finanzierung der Steuerentlastungen offenhalten, warnten CSU und FDP davor. Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, hält den jetzigen Beitrag von 2,8 Prozent zwar für zu niedrig, will ihn aber auch künftig deutlich unter 4,0 Prozent halten. Weise sagte: "Der jetzige Beitragssatz von 2,8 Prozent ist sicher zu wenig, um die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu bewältigen. ... Falls eine Erhöhung der Beiträge beschlossen werden sollte, brauchen wir aber auf keinen Fall einen Beitrag von 4,5 Prozent." Der Wert müsse "näher bei 2,8 Prozent liegen als bei 4,5 Prozent". In der Diskussion ist jedoch ein Satz von 4,5 bis 4,8 Prozent.
FDP: Vertrauen in Entlastungskurs beschädigt
CSU-Chef Horst Seehofer sprach sich gegen eine Erhöhung der Sozialbeiträge aus. "Im Koalitionsvertrag ist eindeutig geregelt, dass die krisenbedingten Einnahmeausfälle für die Arbeitslosen- und Krankenversicherung durch Steuermittel aufgefangen werden", sagte Bayerns Ministerpräsident. "Das gilt, und alles andere löst bei mir Kopfschütteln aus. Diese Diskussion um Abgabenerhöhungen ist grotesk." Er erklärte: "Mit der positiven Wirkung der Entlastungsmaßnahmen und einem sich verstärkenden Wirtschaftsaufschwung regelt sich auch zunehmend das Problem in der Sozialversicherung."
FDP-Generalsekretär Christian Lindner sagte, diese "Gespensterdebatte" beschädige das Vertrauen in den Entlastungskurs der schwarz-gelben Koalition und damit eine "wichtige Voraussetzung für die Belebung der Wirtschaft". In die Sozialsysteme würden bereits Steuermilliarden gesteckt, um die Beiträge stabil zu halten. Die FDP wolle höhere Lohnzusatzkosten vermeiden und lieber die Maßnahmen der Bundesagentur überprüfen. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) wandte sich gegen eine Erhöhung des Arbeitslosenbeitrags über die feststehende Anhebung auf 3,0 Prozent hinaus. "Wir dürfen den Faktor Arbeit nicht zusätzlich belasten", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Zugleich forderte er einen Subventionsabbau.
"Alles vermeiden, was Arbeit teurer macht"
Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) will weitere Steuersenkungen unter Vorbehalt stellen. "Es wird im Mai eine neue Steuerschätzung geben. Daraus wird sich die weitere Entlastung ableiten lassen", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt". Der Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium, Steffen Kampeter (CDU), sagte im Deutschlandradio Kultur, die geplanten Sparmaßnahmen der Regierung würden im Frühjahr, und zwar vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen, veröffentlicht. Er "finde in einer Situation, wo wirtschaftspolitische Prognosen eine Halbwertzeit von wenigen Wochen gehabt haben wie in diesem Jahr, es völlig unsinnig, eine Debatte im Detail zu beginnen, deren Datengrundlage erst im Mai des nächsten Jahres geschaffen wird". Der Haushaltsexperte der Unionsfraktion, Norbert Barthle (CDU), hatte am Dienstag eine Erhöhung des Arbeitslosenbeitrags ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
Auch der Chef der CSU-Landesgruppe, Hans-Peter Friedrich, ist aber "strikt dagegen, dass wir Sozialabgaben erhöhen". "Wir müssen alles vermeiden, was Arbeit in Deutschland teurer macht", erläuterte er in der "Passauer Neuen Presse". Ähnlich äußerten sich der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion und Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand, Michael Fuchs sowie Gesamtmetall- Präsident Martin Kannegiesser in der "Bild"-Zeitung. "Wir sollten lieber auf Steuersenkungen verzichten, als die Sozialbeiträge zu erhöhen", sagte Fuchs. Befördert wird die Debatte dadurch, dass unklar ist, wie die Regierung in den nächsten Jahren das gigantische Haushaltsdefizit stopfen will. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will bis Juli 2010 ein Sparpaket schnüren.