Kugel traf ihn ins Herz

Offenbar Neffe Mussawis im Iran getötet

Bei heftigen Protesten gegen die Führung in Teheran ist offenbar der Neffe von Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi getötet worden. Auch mehrere Demonstranten sollen ums Leben gekommen sein.

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Bei den Massenprotesten gegen die Führung in Teheran ist nach Angaben der Opposition der Neffe von Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi getötet worden. Das meldete die Internet-Seite der iranischen Minderheitsfraktion im Parlament, Parlemannews. Das iranische Staatsfernsehen bestätigte unterdessen den Tod mehrerer Demonstranten. Auch die Polizei spricht mittlerweile von vier Toten.

Sejed Ali Mussawi, Mussawis Neffe, sei gegen Mittag durch eine Kugel nahe am Herzen getroffen worden und nach seiner Einlieferung in das Ebnesina-Krankenhaus gestorben. Den Angaben der Internetseite zufolge eilten seine Eltern sowie Mussawi in das Krankenhaus.

Der stellvertretende Polizeichef von Teheran, Ahmed Resa Radan, sagte am Sonntagabend im Fernsehen, nur eines der vier Todesopfer sei durch eine Kugel gestorben. "Da die Polizei keine Schusswaffen benutzt, ist das verdächtig und wird untersucht", fügte Radan hinzu. Bei den anderen Todesfällen habe es sich um Unfälle gehandelt. Laut dem Vize-Chef nahm die Teheraner Polizei bei den Protesten mehr als 300 Menschen fest.

Das iranische Staatsfernsehen bestätigte den Tod mehrerer Protestler. Schiitische Gläubige, die das Aschura-Fest begingen, hätten sich gegen Aufständische gewandt, die "Provokation und Zerstörung brachten", berichtet das Staatsfernsehen. "Bei diesen Unruhen wurden mehrere Menschen auf beiden Seiten getötet und mehrere weitere verletzt", hieß es ohne genauere Angaben zu den Opferzahlen.

Die Lage in Teheran war stundenlang völlig unübersichtlich. Die Sicherheitskräfte, die von den regierungstreuen Bassidsch-Milizen unterstützt wurden, setzten nach Angaben von Augenzeugen Tränengas ein, von Seiten der Demonstranten wurden Steine geworfen und Barrikaden errichtet, etwa am Asadi-Platz. Mehrere Polizeifahrzeuge wurden den Berichten zufolge in Brand gesetzt.

Auch in den Städten Isfahan, Nadschafabad, Schiras und Babol habe es gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben, berichtete Rahesabs. Die Opposition machte sich das islamische Aschura-Fest zunutze - da aus diesem Anlass ohnehin zahlreiche Menschen in den Straßen sind, werden Polizeieinsätze gegen Demonstranten erschwert.

Die Proteste im Sommer richteten sich gegen die umstrittene Wiederwahl Ahmadinedschads vom 12. Juni, die nach Auffassung der Opposition mit zahlreichen Manipulationen einherging. Bei den damaligen Protesten wurden nach offiziellen Angaben 36 Menschen getötet, nach Angaben der Opposition sogar 72. Auf dem Höhepunkt der Proteste war in Teheran die Studentin Neda Agha-Soltan erschossen worden. Die Londoner "Times" kürte die 26-Jährige nun zur "Person des Jahres".

(AFP, N24)

27.12.2009 20:57 Uhr

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