Wirtschaft als Achterbahn
Jahrzehnt der geplatzten Spekulationsblasen
Mit dem Hype um Internetunternehmen fing das Jahrzehnt an und endet in der schwersten Finanzmarktkrise seit 1930. Spekulationen treiben den Ölpreis in die Höhe, der Goldpreis erreicht Spitzenwerte.
Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.
Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:
Anleger liefen zwischen 2000 und 2009 in Scharen vermeintlich guten Ideen hinterher, nur um zuletzt vor einem Scherbenhaufen zu stehen.
Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten!
Die Finanzkrise war das Wirtschaftsthema 2008. Ihre Auswirkungen sind auch 2009 zu spüren. Banken-, Konjunktur-, Autoabsatz- und Vertrauenskrise ... N24.de fasst das Wirtschaftsjahr zusammen.
Autokrise: Opel ist aus den Schlagzeilen 2009 nicht wegzudenken: drohende Pleite, Absatzeinbruch, Teilverkauf, Staatsbürgschaften, GM-Ausstieg, Magna, Entlassungen, Einsparungen und und und ... Für den kriselnden ...
... Autobauer suchen alle eine Lösung: die Beschäftigten, die um ihre Jobs bangen, die Mutter ...
... General Motors (schließlich meldet der US-Autoriese Blitz-Insolvenz an und braucht dringend Geld-die US-Steuerzahler helfen mit 50 Milliarden Dollar aus) und natürlich ...
... die Politik (schließlich ist Wahljahr). Bundeskanzlerin Merkel nimmt das Heft des Handels zeitweise selbst in die Hand. Bundes- und Landesgrößen mischen mit, drängen auf eine Herauslösung aus GM. Als ...
... ein Verkauf an den Zulieferer Magna bereits sicher scheint, rudert GM zurück, will Opel nicht hergeben, aber Milliardenhilfen vom Bund. Mit drastischen Stellenkürzungen will ...
... GM-Chef Henderson Opel zur Chefsache und wieder fit machen. Mitausschlaggebend für die späte GM-Entscheidung zum Opel-Verbleib im Konzern dürften auch die wieder gestiegenen Absatzzahlen der Tochter gewesen sein.
Opel profitiert dabei von der Abwrackprämie. Diese Konjunkturmaßnahme der Großen Koalition hilft vielen deutschen Autobauern, besonders Volkswagen und Opel. Dennoch: Das ...
... letzte Wort in der "Causa Opel" ist noch nicht gesprochen. Opel wird ein bestimmendes Wirtschaftsthema auch 2010 bleiben.
Ein weiteres Haupt-Autothema 2009 ist der Machtkampf zwischen VW und Porsche. Die Sportwagenschmiede hat lange Zeit die Nase vorn, baut ihren Anteil an Europas größtem Autokonzern sukzessive aus, treibt ...
... dadurch den Kurs der VW-Aktie in nie gekannte Höhen. Anfang des Jahres ist dann plötzlich die Luft raus. Der Grund: Porsche hat sich mit dem Übernahmeversuch verhoben, ächzt unter Milliardenschulden. Es kommt ...
... zum offenen Machtkampf zwischen VW-Aufsichtsratschef Piech (l.) und Porsche-Chef Wiedeking (r.). Die ...
... graue VW-Eminenz Piech obsiegt.
Wiedeking ist seinen Job los und plötzlich ...
... dreht sich das Blatt: VW verleibt sich Porsche ein - als zehnte Konzernmarke.
Ende des Jahres ist es soweit, die Übernahme ist unter Dach und Fach, ein neuer Autogigant entsteht. Und Porsche ist nicht die einzige Marke, die sich der Wolfsburger DAX-Konzern sichert. Die Reste des ...
... insolventen Kleinserienherstellers Karmann werden übernommen. Der Autostandort Osnabrück bleibt dadurch erhalten. Jobtechnisch ...
... sieht es weniger rosig aus: Vor zwei Jahren hatte Karmann noch 7.000 Beschäftigte. Nur ein Bruchteil davon - wenige Hundert - arbeitet bald für VW. Schlimmer erwischt es da ...
... Chrysler. Die ehemalige Daimler-"Tochter" meldet Insolvenz an. Eine Reorganisation, die auch den Verkauf einzelner Marken umfasst, soll das Fortbestehen sichern. Rund 50.000 Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft.
In Deutschland geraten dagegen Zuliefererbetriebe in die Bredouille. Die Sparvorgaben so manches Autoherstellers treiben die Branche tiefer in die Krise. Unternehmen wie Edscha sind pleite. Ins Schlingern gerät ...
... auch Schaeffler. Der David hat an der Übernahme des Goliaths Continental zu knabbern. Milliardenschulden drücken die Stimmung. Auf der Führungsebene der Konzerne entbrennt ein offener Machtkampf. Am ...
... Ende entscheidet Schaeffler ihn für sich. Conti-Chef Neumann wird ersetzt. Der neue Mann an der Spitze heißt ...
... jetzt Degenhart und soll den in den Dreck gefahrenen Karren aus dem Dreck ziehen. Wieviel Zeit ihm dafür bleibt, entscheiden letzten Endes die Banken. Die stecken allerdings selbst noch größtenteils in der Krise, die ...
... sie sich selbst eingebrockt haben. Einigen wenigen, ...
... wie dem deutschen Branchenprimus Deutsche Bank, geht es bereits wieder besser. Die ersten Milliarden-Quartalsgewinne fließen. Der Finanzkonzern wächst, schnappt sich die angeschlagene ...
... Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Das Traditionsfinanzhaus soll aber weiter eigenständig am Markt agieren. Andere ...
... trifft es da härter: Die Commerzbank wird zu Jahresbeginn mit einer Zehn-Milliarden-Euro-Kapitalspritze teilverstaatlicht. Die Übernahme der Dresdner Bank gelingt gerade dadurch. Dagegen ...
... erweist sich der Hypothekenfinanzierer HRE als Fass ohne Boden. Trotz Finanzhilfen von mehr als 100 Milliarden Euro macht die Hypo Real Estate wegen Wertberichtigungen auf Immobilienkredite wieder ...
... einen Milliardenverlust und wird verstaatlicht. Die Aktionäre werden enteignet, weil sie ein Angebot des Bundes als nicht annehmbar zurückweisen. Der Aufschrei am Finanzmarkt ist groß.
Den Landesbanken ergeht es kaum besser: Egal ob WestLB, BayernLB oder HSH Nordbank - die Fahnen der Landesbanken stehen hart im Wind, immer neue ...
... Vorstandschefs sollen das Ruder herumreißen. Am Ende braucht die WestLB eine milliardenschwere Umbauhilfe, die BayernLB verschiebt die Quartalszahlen und die HSH kommt aus den roten Zahlen nicht heraus.
Das es auch anders geht, beweist der Krisengewinner schlechthin: J.P. Morgan Chase. Allein im dritten Quartal verdient Amerikas größte Bank rund 3,6 Milliarden Dollar. Ein Paukenschlag. Die Finanzbranche sagt "Danke".
In Deutschland flüstert Quelle ein leises Dankeschön für eine über 80-jährige Firmengeschichte. Die von der Finanzkrise ausgelöste Weltwirtschaftskrise erreicht das Mutterunternehmen Arcandor und trifft das Versandhaus voll.
Ende Oktober heißt es: "Alles muss raus." Deutschlands größter Ausverkauf geht über die Bühne. Am Ende wird die Pleite mehr als 10.000 Menschen in die Arbeitslosigkeit treiben - auch weil ...
... am Schluss die Gläubigerbanken keine Lösung finden (wollen). Neben Quelle und Arcandor ...
... kreist der Pleitegeier über weiteren deutschen Traditionsfirmen: ...
... Schiesser und ...
... Escada kommen aus der Mode - ...
... Hertie ebenso.
Der Porzellanhersteller Rosenthal - ein einziger Scherbenhaufen.
Der Fertighausbauer Kampa oder auch ...
... Märklin müssen klein beigeben, Insolvenz anmelden. Nicht immer ist die Finanz- und Konjunkturkrise schuld. So manche Pleite ist hausgemacht und geht auf stümperhaftes Management zurück.
Adolf Merckle nimmt sich sogar das Leben, nachdem er Ende 2008 Medienberichten zufolge rund eine Milliarde Euro verspekuliert hat. Die Merckle Unternehmensgruppe hat demzufolge rund 16 Milliarden Euro Finanzschulden bei ...
... einem Gesamtumsatz von etwa 30 Milliarden Euro. 100.000 Mitarbeiter sind bei der Gruppe beschäftigt, zu der etwa Ratiopharm, VEM oder Beteiligungen an HeidelbergCement gehören.
Trotz der steigenden Zahl von Unternehmensinsolvenzen: Die Deutschen konsumieren. Die Kaufhäuser sind vergleichsweise voll, die Kauflaune bleibt ...
... dank der vielen Schnäppchenpreise gut.
Auch auf dem deutschen Aktienmarkt ist von einer Konjunkturkrise nichts zu spüren. Die Ärmel werden hochgekrempelt, der ...
... DAX erholt sich von seinem Jahrestief bei knapp 3.660 Punkten im Frühjahr und klettert bis auf ein Jahreshoch von fast 5.900 Zählern. Noch besser macht's der ...
... Goldpreis: Alltime-High erreicht nahe 1.200 Dollar je Feinunze.
Die Bundesregierung greift der schwächelnden Konjunktur zudem helfend unter die Arme: Ein Milliarden-Programm wird geschnürt, Straßen ausgebaut, öffentliche Gebäude saniert. Vor allem die ...
... Bauindustrie profitiert. Ein weiterer "Konjunktur"-Pluspunkt heißt ...
... Kurzarbeitergeld. Statt Entlassungen werden hunderttausende Arbeitnehmer auf Kurzarbeit gesetzt. Alles in allem ist ...
... nach dem stürmischen Jahr 2008 ...
... 2009 der erste Silberstreif am Konjunktur-Horizont zu erkennen. Die Wirtschaftsauguren verkünden vorsichtig das Ende der Rezession und rechnen 2010 wieder mit einem ...
... passablen Wirtschaftswachstum. Bleibt noch die ...
... Vertrauenskrise. Gier, Lügen, Milliarden-Abzocke, Millionen-Boni, Datenskandale: 2009 ist voll davon.
Die Konsequenzen seiner Milliardenbetrügereien muss Bernard Madoff tragen. Der Abzocker, der Anleger um mehr als 50 Milliarden Dollar geprellt hat, wird zu einer Haftstrafe verurteilt von - Achtung! - 150 Jahren.
Das Vertrauen der US-Bürger mit Füßen getreten hat auch der Versicherungskonzern AIG (im Bild: Konzerchef Liddy). 170 Milliarden Dollar an Steuergeldern sichern das Überleben. Geplante ...
... 165 Millionen Dollar Bonuszahlungen an Mitarbeiter erregen dann die Gemüter und werfen ein schlechtes Licht auf die gierigen Wall-Street-Firmen. Denn AIG ist kein Einzelfall: ...
... Der Bank-of-America-Boss Lewis verzichtet zwar auf sein Grundgehalt samt Boni. Ein rund 120 Millionen Dollar schweres Vergütungspaket macht dem scheidenden Chef aber den Verzicht leicht.
In Deutschland erhitzt wieder einmal Hartmut Mehdorn die Gemüter. Bis er nach diversen ...
... Datenpannen bei der Bahn gehen muss. Besser gesagt: Er bietet seinen Rücktritt an und will noch fast fünf Millionen Euro Abfindung. Aber auch ohne Mehdorn gehen die Probleme bei der Bahn weiter. Die Leidensfähigkeit ...
... der Kunden wird vor allem bei der Berliner S-Bahn auf eine harte Probe gestellt. Sicherheitsprobleme ...
... bei der Bahn-Tochter sorgen über Monate für Verspätungen, Zugausfälle und ein "S-Bahn-Chaos". Grund sind zu hohe Gewinnabführungen an die Bahn.
Aber nicht nur die Bahn hat mit Datenpannen zu kämpfen, auch die Deutsche Telekom und diverse soziale Netzwerke kämpfen mit ...
... solchen Skandalen. Im November erschüttert ...
... ein Kreditkarten-Skandal die Öffentlichkeit. Hunderttausende Karten werden - auch von deutschen Banken - zurückgerufen. Das Vertrauen in die Sicherheitsvorkehrungen der Banken und Betreiber schwindet - ...
... ebenso wie in die Politik. Wegen der Quelle-Pleite, ehemals Europas größter Versandhändler, steht das ganze Wirtschaftssystem am Pranger. Das soziale Gefüge gerät unter Beschuss. Ob ...
... sich die Lage wieder beruhigt, der Aufschwung wie versprochen kommt, mehr Netto vom Brutto bleibt - wird das Jahr 2010 zeigen.
Klicken Sie hier, um die Galerie zu starten!
Höchststrafe für den größten Wirtschaftsbetrüger aller Zeiten: Bernard Madoff, der Privatleute wie Banken um rund 65 Milliarden Dollar geprellt hat, muss für 150 Jahre in den Knast.
Über ein Schneeballsystem machte Madoff seine Opfer glauben, mit ihm das große Geld zu verdienen. Doch der Broker investierte keinen müden Cent, nutzte die neuen Beiträge zum Auszahlen der alten Anleger.
Madoff ist Paradebeispiel für Manager, die die Gier überkommt: Gelder fließen in dunkle Kanäle, Top-Manager oder Angestellte wirtschaften auf das eigene Konto, Bilanzen werden gefälscht.
Wirtschaftskriminalität umfasst eine Vielzahl von Delikten: Geldwäsche, Korruption, Insiderhandel oder Unterschlagung.
Der typische Wirtschaftskriminelle ist laut einer Studie des Beratungsunternehmens PriceWaterhouseCoopers (PWC) männlich und zwischen 30 und 50 Jahren alt. Ein Gangster in Schlips und Kragen mit weißer Weste.
Etwa jedes zweite deutsche Unternehmen ist betroffen, doch viele Straftaten bleiben laut PWC-Studie unentdeckt.
Etwa 20 Prozent der Betrüger kommen aus dem gehobenen Management, weitere 25 Prozent aus der mittleren Führungsebene.
Für Aufsehen sorgen in der Öffentlichkeit aber vor allem die "dicken Fische", die sich mit Betrügereien Geldbeträge in Millionenhöhe ergaunern: Kim Schmitz, einst eine schillernde Figur der New Economy, kommt durch illegale Börsengeschäfte zu Reichtum.
Der ehemalige Computer-Hacker Schmitz kauft unter Ausnutzung interner Informationen Aktien des "Internet-Warenhauses" Letsbuyit.com und erzielt so Millionengewinne.
Ende 2002 wird Schmitz zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Hinzu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro.
Jürgen Schneider, gescheiterter Bauunternehmer und Deutschlands Rekordpleitier, erschwindelt sich für den Kauf und die Sanierung hochwertiger Bauten bei zahlreichen Banken überhöhte Kredite.
Mit knapp 5,4 Milliarden D-Mark steht Schneider bei den Banken im Minus, knapp ein Viertel davon stammt von der Deutschen Bank. Schneider wird Ende 1997 wegen Betrugs zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
Der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, bezeichnete auf einer Pressekonferenz die entstandene Schadenssumme in Höhe von ca. 50 Millionen DM als "Peanuts".
Der wohl größte Wirtschaftsbetrug im Nachkriegsdeutschland: Bei Scheingeschäften mit 3.000 nicht vorhandenen Bohrsystemen entsteht für das Unternehmen FlowTex ein Schaden in Höhe von rund zwei Milliarden Euro.
Hinter dem groß angelegten Schwindel stecken die FlowTex-Hauptgesellschafter Manfred Schmider und …
… Klaus Kleiser. Beide werden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.
Nichts gehört, nichts gewusst, nichts gesehen: Mit dieser Taktik versucht Ex-Enron-Chef Jeffrey Skilling von seinen dubiosen Geschäften abzulenken. Seine Vision vom weltgrößten Energieunternehmen will er durch Bilanzbetrug und Insiderhandel verwirklichen.
Das kostet aber mehr als 21.000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Die Anleger verlieren mehrere Milliarden Dollar. 2006 wird er zu 24 Jahren Haft verurteilt.
Nach Ansicht von Aktionärsschützern hat es kaum einer so weit getrieben wie er: Bodo Schnabel hat vermutlich seit der Gründung seines Unternehmens ComROAD fast den kompletten Umsatz frei erfunden …
… und Aktionäre und Analysten damit über Jahre hinweg betrogen. Der Telematik-Anbieter hat seinen Umsatz über eine offensichtlich nicht existierende Firma in Hongkong gefälscht. Gründer und Vorstandschef Bodo Schnabel wandert in Haft.
Der Moorhuhn-Erfinder und Spieleentwickler Phenomedia hat an seinen Bilanzen geschraubt. Zwei rasch gefeuerte Vorstandsmitglieder hatten den Vorwurf des Insiderhandels gestehen und wandern hinter Gitter (im Bild Markus Scheer).
Auch die Gründer des angeschlagenen Medienunternehmens EM.TV, Thomas Haffa und sein Bruder Florian, standen im Verdacht illegaler Machenschaften. EM.TV hatte für das Jahr 2000 hohe Gewinne versprochen, erzielt jedoch ein Milliarden-Defizit.
Der Aktienkurs rutscht von über 110 Euro ins Bodenlose und liegt zuletzt bei gut einem Euro. Im Jahr 2003 werden Florian und Thomas Haffa (im Bild) zu hohen Geldstrafen verurteilt.
Millardenschwere Schmiergeldbeträge belasten den Münchener Technologiekonzern Siemens: Mit schwarzen Kassen, Korruption und einem dubiosen Kontengeflecht wurde Geld verdient. Das System flog auf.
Zahlreiche Führungskräfte müssen ihren Posten räumen. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer gibt unter dem öffentlichen Druck den Vorsitz im Aufsichtsrat auf.
Gegen Ende 2003 kommt einer der größten Skandale in der Geschichte des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat ans Licht: In der Bilanz fehlen acht Milliarden Euro.
Firmengründer Calisto Tanzi bestreitet vor Gericht, für den Betrug auf Kosten Tausender Kleinanleger verantwortlich zu sein. Er gibt zwar zu, Schwarzgelder an Politiker gezahlt zu haben, er habe aber nicht geahnt, dass die Firma zusammenbrechen könnte.
Für seine Firma, die Schuhfabrik Erich Rohde KG, soll Friedrich Wilhelm Schmitt fast alles getan haben: Jahrelang hat er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft betrogen und Steuern hinterzogen, faule Kredite aufgenommen und Gläubiger vertröstet.
Dieser Skandal stinkt im wahrsten Sinne des Wortes: Die Brüder Dieter (li.) und Johannes Löbbert haben jahrelang in ihrem Dülmener Abfallentsorgungs-Imperium Bilanzen gefälscht, um sich bei Banken günstige Kredite zu erschleichen und Aktionäre zu täuschen
Die Balsam AG, einst der weltweit führende Hersteller von Sportböden, hat mit fingierten Aufträgen insgesamt 45 Banken um Milliardenbeträge geprellt. Firmengründer Friedel Balsam wird zu acht Jahren Haft verurteilt.
Für einen der weltweit größten Börsenskandale sorgt die Telefongesellschaft Worldcom. Dem Gründer und ehemaligen Vorstandschef, Bernard Ebbers, wird Bilanzfälschung, Wertpapierbetrug und Verschwörung vorgeworfen.
Ebbers wird zu zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.
Der ehemalige Presse-Magnat Conrad Black kauft in den 1980er und 1990er Jahren namhafte Zeitungen wie den "Daily Telegraph" in London oder die "Sun Times" in Chicago. Sein Vorbild ist der Medien-Mogul Rupert Murdoch.
Als die Erträge stocken, greift Black in die Firmenkasse: 2005 wird er in Chicago angeklagt, 84 Millionen Dollar in die eigene und in die Taschen von Komplizen umgeleitet zu haben.
Sie hatten unternehmerische Visionen und verwirklichten sie. Sie haben sich verdient gemacht um die deutsche Wirtschaft und gelten deshalb gewissermaßen als deren "Oberindianer": Manager, Gewerkschafter, Politiker und Unternehmer.
Eine "offizielle" deutsche "Hall of Fame" für Wirtschaftsgrößen gibt es bisher nicht. Aber "Handelsblatt" und "Manager Magazin" haben ihre Ruhmeshallen für verdiente Wirtschaftsgrößen. Ein Mitglied in beiden ist der ehemalige Henkel-Chef Konrad Henkel.
Henkel (1915-1999) wurde 2009 in die neue "Handelsblatt"-Ruhmeshalle aufgenommen und bereits 1992 in die des "Manager Magazins". Ebenfalls seit 1992 und damit von Beginn an Laureaten sind Ludwig Erhard (1897-1977), Vater der sozialen Marktwirtschaft, ...
... der erste Vorsitzende des 1949 neu geschaffenen Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Hans Böckler (1875-1951; in der Bildmite), ...
... der Gründer des gleichnamigen Elektronik-Konzerns und Entwickler des legendären Radiobaukastens "Heinzelmann", Max Grundig (1908-1989), und ...
... Josef Neckermann (1912-1992). Neckermann gründete den gleichnamigen Versandhandelskonzern, ist darüberhinaus aber auch für seine Erfolge als Dressurreiter bekannt: Er gewann unter anderem sechs olympische Medaillen und war Weltmeister.
Ebenfalls 1992 aufgenommen wurde Reinhard Mohn. Sein Name ist unweigerlich mit dem Aufstieg des einstmals mittelständischen Unternehmens Bertelsmann verbunden, dessen Führung er 1947 übernahm und das heute einer der größten Medienkonzerne der Welt ist.
Auch Heinrich Nordhoff (1899-1968) wurde 1992 aufgenommen. Der Generaldirektor und spätere Vorstandschef der damaligen Volkswagenwerk AG baute das Wolfsburger Werk zur umsatzstärksten Automobilfabrik Europas aus. Er wurde Wolfsburgs erster Ehrenbürger.
Der deutsche Computerpionier Heinrich Nixdorf (1925-1986) sowie der Versandhandelspionier Werner Otto (im Bild) sind ebenfalls Laureaten der ersten Stunde. Otto schaffte das Kunststück 1949 mit 6.000 DM Startkapital und vier Mitarbeitern den mit ...
... heute rund 15 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 55.000 Mitarbeitern größten Versandhämdler der Welt, die Otto-Gruppe, aufzubauen.
Ein deutsches Wirtschafts-Urgestein ist Axel Springer (1912-1985). Der Zeitungsverleger gründete die heutige Axel Springer AG und gilt ob deren Machtfülle und deren Gebrauch als eine der umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Auch Hermann Josef Abs (1901-1994) darf in einer deutschen Wirtschafts-"Hall of Fame" nicht fehlen. Abs war mehrere Jahre im Aufsichtsrat der berüchtigten I.G. Farben, aber auch mehrere Jahre Chef der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Deutschen Bank.
Der ehemalige Bundeswirtschafts- und -finanzminister Karl Schiller (1911-1994) hat sich mit seinem Stabilitäts- und Wachstumsgesetz ("Magisches Viereck") so verdient um die deutsche Wirtschaft gemacht, dass er 1994 "Hall of Fame"-Mitglied wurde.
1993 wurden Berthold Beitz (im Bild) und Eberhard von Kuenheim (BMW) Laureaten der Ruhmeshalle. Beitz baute gemeinsam mit Alfred Krupp nach dem Zweiten Weltkrieg den Krupp-Konzern wieder auf und wurde später Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens.
Kuenheims Karriere begann als "Stabsmann für technische Fragen" bei der Quandt-Gruppe. 1970 wurde er Vorstandschef bei BMW. In seiner Amtszeit (bis 1993) stieg die Mitarbeiterzahl von 20.000 auf 70.000 und der Umsatz von 1 Milliarde auf 30 Milliarden DM.
Hans Merkle (1913-2000) war von 1963 bis 1984 Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, des heute unter anderem größten Automobilzulieferers der Welt mit 114.000 Mitarbeitern und etwa 48 Milliarden Euro Umsatz.
Den Namen Kurt Körber (1909-1992) sollten vor allem Raucher kennen. Der Hamburger reparierte anfangs Zigarettenmaschinen und stellte sie dann später her. Die heutige Körber AG ist unter anderem noch immer in dieser Maschinenbausparte tätig.
Mit dem Namen Detlev Rohwedder (1932-1991) ist in Deutschland die Treuhandanstalt verbunden, die er mehrere Jahre leitete. Rohwedder, in Gotha geboren, wurde zwei Mal als "Manager des Jahres" ausgezeichnet. Rohwedder, der für die sozialverträgliche ...
... Privatisierung des Vermögens der Volkseigenen Betriebe der DDR stand, wurde nach seiner Ermordung von Birgit Breuel beerbt. Das Wirken der CDU-Politikerin in diesem Amt wird noch heute heftig kritisiert. Breuel ... .
... schied 1995 aus dem Amt und wurde Generalkommissarin der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover (Promobild). Sie stand unter dem Motto "Mensch, Natur und Technik – Eine neue Welt entsteht" und sorgte für ein Milliarden-Defizit.
Hermann Rappe bescherte sein Amt als Vorsitzender der Industriegewerkschaft (IG) Chemie eine Aufnahme in die Wirtschafts-Ruhmeshalle. Das SPD-Mitglied ist Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes.
Karl Otto Pöhl machte sich als Banker einen Namen. Von 1980 bis 1991 leitete er die Deutsche Bundesbank. Darüberhinaus stehen in Pöhls Lebenslauf auch die Privatbank Sal. Oppenheim und das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo.
Helmut Maucher ist ein deutscher Manager, der jahrelang die Geschicke des Schweizer Nestlé-Konzerns bestimmte. Von 1990 bis 1997 war er Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates. In dieser Zeit wurde Nestlé zum weltgrößten Nahrungsmittelkonzern.
Wesentlich bekannter als Maucher sind die beiden Gründer des größten Softwareunternehmens in Europa, SAP, Hasso Plattner (im Bild) und ...
... Dietmar Hopp. Beide sind Milliardäre und zählen zu den reichsten Deutschen. Hopp gilt als einer der Hauptfinanziers der deutschen Biotechlandschaft und unterstützt den Sport in der Rhein-Neckar-Region mit nicht gerade kleinen Summen.
Alfred Herrhausen (1930-1989) war Vorstandssprecher der Deutschen Bank und machte diese zum unumstrittenen Branchenprimus. Kritisiert wurden allerdings vor allem seine Umbaupläne für das Finanzhaus. 1989 kam er bei einem Bombenanschlag ums Leben.
Rudolf Miele (im Bild) und Peter Zinkann vereint eine gemeinsame Erfolgsstory. Sie sind die Enkel der Miele-Gründer Carl Miele und Reinhard Zinkann. Carl erfand 1899 die handbetriebene Butterbrotmaschine. Kurz darauf folgte die Waschmaschine, weil ...
... diese ähnlich funktionierte. Reinhard Zinkann war der Kaufmann und geniale Vermarkter ("Nur Miele, Miele, sagte Tante, die alle Waschmaschinen kannte"). Die beiden Enkel (im Bild Peter Zinkann) machten Miele zur bekanntesten deutschen Familienfirma.
Ebenfalls in der "Manager Magazin"-Ruhmeshalle vertreten ist Elisabeth Noelle-Neumann. Ihr Vater gründete die Tobis-Filmgesellschaft, sie selber das Institut für Demoskopie Allensbach. Noelle-Neumann gilt daher als Pionierin der Demoskopie in Deutschland.
Otto Graf Lambsdorff taucht ebenfalls in der "Hall of Fame" auf. Er war in mehreren Kabinetten Bundeswirtschaftsminister und trat unter anderem für die Kürzung von Sozialleistungen ein. Lambsdorff war am Bruch der sozialliberalen Koalition 1982 beteiligt.
Günter Vogelsang war der erste Vorstandschef der "Friedrich Krupp GmbH", die aus der Umwandlung des Familienkonzerns in eine Kapitalgesellschaft entstanden war. Vogelsang schaffte es, den Stahlriesen vom Rand des Ruins in die Gewinnzone zurückzuführen.
Zu den heute bekanntesten deutschen Wirtschaftsgesichtern zählt Ferdinand Piech. Piech war lange Jahre Audi-Chef, stand dann dem VW-Konzern vor und ist momentan Aufsichtsratschef der Volkswagen AG sowie Gesellschafter der Porsche Automobil Holding, ...
... die die Mehrheit an Europas größtem Autobauer Volkswagen hält. Piech gilt als visionärer Ingenieur. Er wurde 1999 zum "Automobilmanager des 20. Jahrhunderts" gewählt.
Von 1989 bis 2001 war Guiseppe Vita Vorstandsvorsitzender des Berliner Pharmaunternehmens Schering. Vor der Verschmelzung mit der Bayer AG arbeiteten rund 24.000 Menschen für Schering. Der Umsatz betrug mehr als fünf Milliarden Euro.
Sein Name ist bekannt, er wird aber im wahrsten Sinn des Wortes mit Füßen getreten: Heinz-Horst Deichmann. Sein Vater gründete 1913 ein Schuhgeschäft, aus dem der Filius heute Europas größte Schuheinzelhandelskette gemacht hat.
Als "Montageprofi" gilt Reinhold Würth. Er baute das Schrauben-Handelsunternehmen Würth mit heute rund 60.000 Mitarbeitern auf. Der Umsatz liegt bei geschätzten sieben Milliarden Euro.
Heinrich von Pierer leitete von 1992 bis 2005 die Geschicke von Deutschlands größtem Technologiekonzern Siemens. Danach saß er bis 2007 dem Aufsichtsrat vor. In seine Amtszeit fällt ein Großteil der imageschädigenden Korruptions- und Schmiergeldaffäre.
Eine scharfe Karriere legte Hans Peter Stihl hin. Er trat 1960 in die gleichnamige Firma seines Vaters ein und machte aus dem kleinen Familienunternehmen den weltweit größten Hersteller von Motorsägen. Stihl war zudem Präsident des DIHT und IHK.
Energiegeladen verlief die Karriere Ulrich Hartmanns. Bereits sein Vater war Manager und leitete die Veba. Ulrich selbst war bis 2003 Vorstandschef des größten deutschen Energiekonzerns E.On. Hartmann ist heute etwa als Honorarkonsul Norwegens tätig.
Zu den schnellsten unter Deutschlands Top-Unternehmern zählt Wendelin Wiedeking. Seit er bei Porsche hinterm Lenkrad sitzt, stimmen bei dem Sportwagenbauer wieder die Zahlen. Auch das Image besserte er auf: Porsche zählt zu den beliebtesten Arbeitgebern.
Hoch hinaus ging es unter dem Chef Jürgen Weber für die Deutsche Lufthansa. Weber war von 1991 bis 2003 Vorstandschef bei Deutschlands größter Airline. Weber gilt als ein Mann mit hervorragendem technischem Verständnis.
Was Horst Teltschik für die Münchener Sicherheitskonferenz ist Klaus Schwab für das World Economic Forum - und noch mehr. Der Wirtschaftswissenschaftler Schwab ist Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, das jährlich in Davos stattfindet.
Hans-Joachim Langmann formte, in über 30 Jahren an der Spitze, aus einem kleinen hessischen Familienunternehmen und Mittelständler einen Pharmakonzern von Weltformat: Merck KGaA.
Nicht ganz so lange an der Unternehmensspitze der Robert Bosch GmbH, aber nicht minder erfolgreich, war Hermann Scholl. Er stand von 1993 bis 2001 dem Unternehmen vor. Unter seiner Ägide stieg der Umsatz - trotz Rezession - von 16 auf 36 Milliarden Euro.
Hubert Burda zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Verlegern Deutschlands. Er wurde 1986 alleiniger Gesellschafter und Vorstandschef der Burda Holding (seit 1999 Hubert Burda Media). Das Unternehmen gibt etwa "Focus" oder "SuperILLU" heraus.
In der Wirtschafts-Ruhmeshalle des "Handelsblatts" ist neben Konrad Henkel auch Alfred Freiherr von Oppenheim (1934-2005; im Bild), einem direkten Nachfahren des Gründers der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim und ...
... Heinrich Dräger (1898-1986), der sich von 1928 bis 1986 unternehmerisch an der Spitze der Lübecker Drägerwerke, einem führenden Sicherheits- und Medizintechnikspezialisten, engagierte, auch ...
... Emil Underberg. Er steht dem 1846 gegründeten Familienunternehmen in fünfter Generation vor. Underberg ist bekannt für seinen gleichnamigen Magenbitter oder etwa den ältesten deutschen Weinbrand, Asbach Uralt.
"Einfach sauber" lautet das Firmenmotto der Alfred Kärcher GmbH & Co. KG, einem Reinigungsspezialisten in Familienhand. Gründerwitwe Irene Kärcher ist seit 1959 an der Unternehmensspitze und die einzige Frau in der "Hall of Fame" des "Handelsblatts".
"Was auch immer geschieht, die Party ...
... ist vorbei." Der Chef des Münchener Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, ...
... Hans-Werner Sinn, sagte das in einem Bericht zur Wirtschaftslage am 18. März 2008.
"Wir müssen damit rechnen, dass das kommende Jahr, zumindest in den ersten Monaten, ein Jahr schlechter Nachrichten wird." (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Interview der "Welt am Sonntag" vom 23. November.)
"Wir nähern uns einem Abgrund, von dem wir nicht wissen, wie tief er ist." (Bahn-Chef Hartmut Mehdorn am 26. November über die wirtschaftliche Entwicklung.)
"Entweder wir schwimmen gemeinsam oder wir gehen gemeinsam unter." (EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso über die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns gegen die Finanzkrise am 29. Oktober.)
"Wenn Sie alle Risiken vermeiden wollen, haben Sie bald keine Risiken mehr zu vermeiden, weil Sie nicht mehr im Geschäft sind." (Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann)
"Ich glaube, keine andere Phase der Weltwirtschaft war ähnlich gefährlich wie das, was wir hier erleben." (ifo-Präsident Hans-Werner Sinn über die internationale Finanzkrise am 9. September.) (Archivbild aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929)
"Die Welt wird nicht mehr so sein wie vor der Krise." (Finanzminister Peer Steinbrück am 25. September.)
"Jetzt muss jedem verantwortlich Denkenden in der Branche selbst klar geworden sein, dass sich die internationalen Finanzmärkte zu einem Monster entwickelt haben, das in die Schranken gewiesen werden muss." (Bundespräsident Horst Köhler am 14. Mai)
"An der Börse sind zwei mal zwei nicht vier, sondern fünf minus eins - und man muss die Nerven haben, dieses minus eins auszuhalten." (Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am 28. Januar zu den Turbulenzen an den Aktienmärkten.)
"Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind." (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 5. Oktober.)
"Ja, die Bundesrepublik Deutschland ist in einer Rezession." (Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Bundestag am 25. November.)
"Einen deutschen Fall Lehman darf und wird es nicht geben." (Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, am 17. November.)
"Wenn einer am Ertrinken ist, können Sie auch nicht lange diskutieren, ob sie ihn mit dem Schlauch- oder dem Motorboot retten." (Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm im Rundfunksender hr- iNFO über staatliche Hilfe für den Autobauer Opel am 17.
"Der Kurs ist klar, Daimler gibt Gas." (Daimler-Chef Dieter Zetsche am 14. Februar zur Entwicklung des Autobauers.) ...
... "Es fällt derzeit schwer, Prognosen für den Rest der Woche, des Monats oder des Jahres abzugeben. Unsere Branche steht am Scheideweg." (Daimler-Chef Dieter Zetsche am 20. November zur Entwicklung des Autobauers.)
"Wir fahren klar auf Sicht." (Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf dem Autosalon in Paris am 2. Oktober.)
"In meinen 27 Jahren im Geschäft habe ich so etwas noch nie erlebt. Es war, als hätte jemand das Licht ausgeknipst." (Der US-Vertriebschef von General Motors, Mark LaNeve, zum Autoabsatz in Amerika im Oktober am 3. November.)
"Bereinigt um den Anstieg der Einwohnerzahl war es der schlimmste Monat seit dem Zweiten Weltkrieg." (Der Absatz-Analyst von General Motors, Michael DiGiovanni, zur Entwicklung des US-Automarktes im Oktober am 3. November.)
"Ich bin hier vom Saulus zum Paulus geworden", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Mitte November angesichte der Übertreibungen an den Börsen über das Eingreifen von Aufsichtsbehörden in die Märkte.
"Schwarze Montage waren einmal ein Jahrzehnt-Ereignis - jetzt kommen sie regelmäßiger als die Busse in London." (Ein Londoner Börsenhändler zum Kurseinbruch am Aktienmarkt am 6. Oktober, einem Montag.)
"Aber bis heute von einer Kreditklemme in Deutschland zu sprechen, ist absolut falsch und führt auch zu einer ganz gefährlichen Diskussion." (Josef Ackermann, Deutsche-Bank-Chef, im Dezember)
Ein Jahrzehnt der Spekulationsblasen geht zu Ende: Die Dekade begann mit dem Hype um Internetunternehmen, doch die New-Economy-Blase platzte. Sie endet mit den Folgen der schwersten Finanzmarktkrise seit den 1930er Jahren. Vermeintlich sichere Anlagen verbriefter Immobilienkredite entpuppten sich als riskantes Investment. Und: Spekulanten trieben in den zehn Jahren seit der Jahrtausendwende den Ölpreis in enorme Höhen, 2008 wurde der Spitzenwert von 147 Dollar erreicht. Gold ist heute so teuer wie nie.
Mehr zum Thema
Anleger laufen guten Ideen hinterher Anleger liefen zwischen 2000 und 2009 in Scharen vermeintlich guten Ideen hinterher, nur um zuletzt vor einem Scherbenhaufen zu stehen. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman schlägt daher vor, das auslaufende Jahrzehnt "die Große Null" zu nennen. Es sei ein Jahrzehnt gewesen, in dem etwa der Dow-Jones-Index kaum zugelegt hätte, auch neue Jobs seien kaum geschaffen worden. Unterm Strich sei "vor allem nichts passiert", schreibt Krugman in der "New York Times".
Amerikanische Aktien sind heute rund 2,5 Billionen Dollar (1,74 Billionen Euro) weniger wert als zu Beginn des Jahrzehnts - und das ohne Einrechnung der Inflation. Der Index Standard & Poor's 500 schließt zum ersten Mal ein Jahrzehnt mit einem dicken Minus ab. Vom Stand Anfang 2000 bei 1.469 Zählern ist der Index um rund 23 Prozent auf 1.126 Zähler gefallen. Der DAX kratzte im Jahr 2000 an der 8.000er-Marke, um sich bis Frühjahr 2009 zu halbieren. Zum Jahresende stand er wieder knapp unter 6.000 Punkten, nicht zuletzt dank der Abermilliarden zusätzlicher Liquidität, die von den Zentralbanken seit 2008 ins System gepumpt wurde.
"Die Natur des Menschen ändert sich nicht" Niedrige Zinsen, die Hybris einiger Investoren und der Glaube an vermeintlich todsichere Geschäftsmodelle haben zu Beginn des Jahrzehnts die dot.com-Blase genährt. Die Gier der Marktteilnehmer trieb Kurse immer höher, solide Kennzahlen einer Aktie schienen keine Rolle mehr zu spielen. So wie der Zerfall der Sowjetunion vermeintlich das Ende der Geschichte bringen sollte, so sollte die "New Economy" das Ende der Börsenzyklen bringen. Die Kurse schienen nur eine Richtung zu kennen, steil aufwärts. Doch der Absturz folgte, steil abwärts. Der mit großem Trara gestartete Neue Markt und sein Index Nemax sind heute nur noch in den Lehrbüchern für Wirtschaftsgeschichte zu finden.
Doch die nächste Spekulationsblase ist nicht weit. Die zwei Grundvoraussetzungen dafür sind vorhanden: Liquidität im Übermaß und willige Investoren. "Die Natur des Menschen ändert sich nicht", sagt der Chefinvestmentstratege von Morgan Stanley Smith Barney in New York, David Darst. "Die Marktmechanismen ändern sich, aber die Ängste und die Gier der Menschen werden so sein wie in diesem Jahrzehnt, wie seit Jahrhunderten", sagt Darst. Zu erkennen sind die Blasen leicht - aber leider erst nach dem Platzen. Davor sei es "außerordentlich schwierig" eine Blase zu erkennen, wie US-Notenbankchef Ben Bernanke kürzlich einräumte.
Die westlichen Aktienmärkte haben seit Jahresbeginn wieder rasant zugelegt, genauso die Emerging Markets wie Brasilien oder China, der Leitindex in Shanghai etwa plus 76,4 Prozent. Verdächtig scheint vielen auch der hohe Goldpreis von derzeit knapp 1.100 Dollar pro Unze. "Er wird weitersteigen, aber irgendwann geht die Musik immer zu Ende", warnt Marktanalyst Quincy Krosby von Prudential Financial. Der beste Schutz für Investoren ist und bleibt kritisches Hinterfragen und eine breit gefächerte Anlagestrategie, wie Darst von Morgan Stanley betont.
Finanzkrise wirft Banken um, bringt Staaten ins Wanken Das Jahrzehnt wird auch als Dekade der explodierenden Rohstoffpreise in die Geschichte eingehen. Befeuert vom wirtschaftlichen Aufstieg der Schwellenländer, vor allem jenem Chinas, stiegen etwa die Preise für Stahl und Edelmetalle stetig an. Doch am deutlichsten lässt sich die Rohstoffblase an der Entwicklung des Ölpreises erkennen: Starke Nachfrage, ein schwacher Dollar und reichlich Spekulation ließen den Preis für ein Barell 2008 innerhalb von sechs Monaten um 71 Prozent auf knapp 150 Dollar klettern. Bis die Blase schließlich platze, schnell und drastisch. Innerhalb von fünf Monaten stürzte der Ölpreis dann im Zuge der Finanzkrise auf 33,87 Dollar ab.
Inzwischen hat sich der Preis wieder bei über 70 Dollar stabilisiert. Doch am folgenschwersten war die Krise, die ihren Ausgangspunkt bei einer Blase des US-Häusermarktes nahm. Hunderttausende Ramsch-Hypotheken, sogenannte Subprime-Kredite, die anschließend verbrieft und weltweit mit besten Ratings verkauft wurden, brachten zum Ende des Jahrzehnts die Weltwirtschaft an den Rand des Kollapses.
Märkte brachen zusammen, die US-Investmentbank Lehman Brothers ging pleite, die Regierungen mussten strauchelnde Banken mit Hunderten Milliarden unterstützen, darunter etwa in Deutschland die Hypo Real Estate und mehrere Landesbanken. Die USA und Europa stürzten in eine Rezession, mehrere Länder mussten vom Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Notkrediten vor einem Zusammenbruch gerettet werden. Die Arbeitslosigkeit ist in vielen Ländern trotz teils gigantischer Konjunkturpakete auf Rekordhöhe geklettert. Am Ende des Jahrzehnts steht ein wirtschaftlicher Scherbenhaufen.
(Tim Paradis und Jürgen Bätz, APD, N24)
30.12.2009 17:28 Uhr
Mehr Wirtschafts-Nachrichten