Flughäfen unter Kontrolle

Duty-free-Shops und Restaurants in der Kritik

Duty-free-Shops und Restaurants sind ein Muss für viele Reisende. Doch sind sie im Sinne der Sicherheit? Kritiker fordern nun eine Kontrolle der Läden hinter den Sicherheitsschleusen.

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Nach dem gerade noch verhinderten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug gerät in der Debatte über schärfere Sicherheitsmaßnahmen das Angebot der Duty-free-Shops in die Kritik. Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert ein Verkaufsverbot für Parfüm, hochprozentigen Alkohol, Feuerzeuge und Rasierklingen im Abflugbereich aller Flughäfen der Europäischen Union. Ähnlich äußerte sich die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière bekräftigte unterdessen, vor einer Einführung von Körperscannern an Flughäfen müssten zunächst sämtliche Bedenken zu Fragen der Gesundheit und des Persönlichkeitsrechts ausgeräumt werden.

Am vergangenen Freitag hatte ein 23-jähriger Nigerianer versucht, ein Flugzeug aus Amsterdam kurz vor der Landung in Detroit (USA) mit Hilfe von Sprengstoff zum Absturz zu bringen. Der Vorfall löste auch in Deutschland eine Diskussion über die Flugsicherheit aus.

"Alles für den Bombenbau"

Der Chef der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, kritisierte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Jenseits der Sicherheitsschleusen bekommen mögliche Attentäter in Duty-free-Shops und Restaurants alles, was sie für den Bombenbau brauchen." Er forderte die Europäische Union auf, schnellstmöglich ein EU-weites Verkaufsverbot für potenziell gefährliche Stoffe zu erlassen. Zudem müsse es Restaurants untersagt werden, im Abflugbereich Metallbesteck an Fluggäste auszugeben. "Die Sicherheitsinteressen der Bürger müssen Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben", sagte Wendt.

"Keine Wasserflasche, aber Rasierklingen"

Der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerk, sagte dem "Tagesspiegel": "Auch das Sortiment der Duty-free-Shops kann ein Sicherheitsrisiko darstellen." Während Passagieren bei der Kontrolle häufig harmlose Sachen abgenommen würden, könnten sie gleich dahinter oft brisante Dinge erwerben. Er selbst habe in London seine Wasserflasche abgeben müssen und danach im Duty-free-Shop Rasierklingen kaufen können. Damit könne man zwar kein Flugzeug sprengen, aber die Besatzung angreifen, sagte Handwerk.

Der Gewerkschafter Wendt sprach sich ferner für Ausweiskontrollen an den Sicherheitsschleusen der Flughäfen aus, um ein Einschleusen von Attentätern in Flugzeuge zu verhindern. "Heute können Kriminelle einfach die Bordkarte eines Dritten übernehmen, damit die Sicherheitskontrolle passieren und unerkannt die Maschine besteigen. Das ist ein riesiges Sicherheitsdefizit", warnte Wendt in der "Neuen Presse".

Keine Geräte mit Röntgenstrahlen

De Maizière sagte der "Bild"-Zeitung, Studien zu den bei Körper-Scannern genutzten Terahertz-Wellen besagten, dass sie für den Menschen unbedenklich sind, weil der Körper selbst Terahertz- Wellen erzeugt und abstrahlt. "Trotzdem werden wir 2010 sehr genau prüfen, ob Body-Scanner der Gesundheit schaden können", fügte der Minister hinzu. "Geräte mit Röntgenstrahlen setzen wir nicht ein."

"Nur Strichmännchen"

Auf deutschen Flughäfen würden noch keine Body-Scanner eingesetzt und auch nicht getestet. Es gebe bei der Entwicklung der Geräte erhebliche Fortschritte, etwa für den Schutz des Persönlichkeitsrechts. "Es gibt Scanner, die Fremdkörper sichtbar machen, ohne die Körperkonturen zu zeigen. Man sieht nur eine Art Strichmännchen." Body-Scanner könnten die Sicherheitskontrollen von Personen schneller und besser machen. "Ein Abtasten wäre nur noch im Ausnahmefall nötig." Deswegen könnte der Einsatz eines neuen, ausgereiften Body-Scanners von den Fluggästen als geringere Belastung empfunden werden.

(dpa, N24)

31.12.2009 16:18 Uhr

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