Entwarnung an den Kassen

EC-Karten funktionieren wieder

Einkäufe können ab sofort wieder mit der EC-Karte bezahlt werden. Laut dem Handel wurden die Probleme bei der Kartenzahlung behoben. Entstandene Mehrkosten wollen die Banken übernehmen.

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Ein Programmierfehler führte bei vielen Karten mit Chip dazu, dass Geräte nicht mehr funktionierten.
Video: Austausch diskutiert - Karten-Chaos kann für Banken teuer werden

Der Einzelhandel gibt Entwarnung für die von fehlerhaften Girokarten verursachten Probleme beim Bezahlen. Kunden könnten ab sofort wieder unbesorgt mit ihren Bankkarten einkaufen, teilte der Einzelhandelsverband HDE mit. Gemeinsam mit den Netzbetreibern sei es gelungen, die Zahlungsterminals an den Kassen umzustellen. Nun könnten die fehlerhaften Karten wieder gelesen werden. In wenigen Ausnahmefällen könne es aber noch zu Zahlungsabbrüchen kommen.

Der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) hatte zuvor versprochen, dass bis Montag wieder alle Händlerterminals funktionieren sollten. ZKA-Sprecherin erklärte, die Umstellung der Händler-Software sei bereits jetzt mögliche. Manche Unternehmen, etwa Kaufhäuser, wollten die Geräte aber erst am Sonntag neu programmieren, wenn keine Kunden gestört würden.

Probleme bei 30 Millionen Karten

Die Unternehmen hatten laut HDE am vergangenen Wochenende mit der Neuprogrammierung begonnen. Sie war nötig geworden, nachdem rund 30 Millionen Giro- und Kreditkarten seit Neujahr nicht mehr richtig funktionierten. Wegen eines Softwarefehlers konnten die Karten das Jahr 2010 nicht richtig verarbeiten - Millionen von Kunden standen an der Kasse oder am Bankautomaten ohne Geld da.

Viele Einzelhändler bieten nach Angaben des HDE ihren Kunden die Möglichkeit, per elektronischer Lastschrift zu bezahlen, also mit der Girokarte und einer Unterschrift auf dem Beleg. Dieses Verfahren funktioniert anders als das per Geheimzahl. Die Ausweichlösung habe dafür gesorgt, dass sich die Probleme in Grenzen gehalten hätten. Der HDE forderte die Banken auf, das ältere Lastschriftverfahren trotz der Einführung von sogenannten SEPA-Lastschriften weiterhin als Lösung für den Notfall zu akzeptieren.

Entstandene Kosten werden erstattet

Banken und Sparkassen haben derweil angekündigt ihren Kunden die durch die Probleme mit fehlerhaften EC- und Kreditkarten entstandenen Kosten zu erstatten. Gebühren etwa für die Bargeldversorgung bei fremden Instituten sollen den Verbrauchern ersetzt werden, wie Verbandssprecher der Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Geschäftsbanken sagten. Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis entschuldigte sich für die Probleme.

Die Sparkassen würden Karteninhabern "diejenigen Gebühren ersetzen, die durch die Bargeldbeschaffung bei Banken beziehungsweise die Nutzung alternativer Zahlungsmittel wegen der aktuellen Funktionseinschränkung bei EC- und Kreditkarten entstanden sind", erklärte Haasis. Die Sparkassen sind weitaus am stärksten von den technischen Schwierigkeiten betroffen, die zum Jahreswechsel aufgetreten sind. Rund 23,5 der 53 Millionen der von Sparkassen ausgegebenen EC- und Kreditkarten sind mit fehlerhafter Software ausgestattet.

Im Ausland weiter Probleme

Das Problem ist, dass Mikrochips auf rund 30 Millionen Zahlungskarten die Jahreszahl 2010 nicht richtig verarbeiten können. Deswegen hatte es vielfach Probleme beim Geldabheben an Automaten und beim Bezahlen im Handel gegeben. An den meisten Automaten bekommen die betroffene Kartenbesitzer wieder Geld, im Handel sollen bis Montag die Probleme gelöst sein. Allerdings ist beim Geldabheben und Bezahlen im Ausland auch weiterhin mit Problemen zu rechnen.

Auch die Volks- und Raiffeisenbanken wollen Kunden entstandene Gebühren für die Bargeldversorgung erstatten. "Wir haben den Instituten schon am Montag empfohlen, kulant zu verfahren", sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). "Wir wissen von den Instituten auch, dass sie das tun". Ein Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Banken (BDB) sagte, "es ist Konsens in der Kreditwirtschaft, dass Kunden entstandene Schäden nicht tragen sollen."

Run auf Reiseschecks

Banken- und Sparkassenverbände rieten betroffenen Kunden, Nachweise für die entstandenen Gebühren in ihre Filiale mitzubringen. Um die Gebühren ersetzt zu bekommen, sollten die Kunden "entsprechende Belege" mitbringen, sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Gebühren bei der Bargeldversorgung können unter anderem dann angefallen sein, wenn Verbraucher bei Problemen mit Geldautomaten ihrer Bank oder Sparkasse am Automaten eines anderen Instituten Geld abgehoben haben. Auch bei Bargeldüberweisungen ins Ausland etwa über den Finanzdienstleister Western Union können solche Kosten entstanden sein.

Sparkassen-Präsident Haasis bat betroffene Kunden angesichts der Kartenprobleme um Nachsicht. "Dies tut uns leid und wir entschuldigen uns dafür", erklärte Haasis. Auch wenn ein fremdes Software-Unternehmen für die Probleme verantwortlich sei, könnten die Kunden fehlerfreie Leistungen von den Sparkassen erwarten. Der Reisescheck-Marktführer und Kreditkarten-Anbieter American Express verzeichnet indes eine gestiegene Nachfrage nach Reiseschecks wegen der Kartenprobleme. Es gebe eine "erhöhte Nachfrage nach Travelers Cheques", sagte eine Unternehmenssprecherin der "Berliner Zeitung". "Es ist möglich, dass einzelne Banken keine Schecks mehr vorrätig haben."

(AFP, APN, N24)

08.01.2010 13:05 Uhr

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