Rekord- statt Krisenjahr

Airbus düst Boeing weiter davon

2009 hat Airbus so viele Maschinen ausgeliefert wie noch nie. Der Auftragsbestand ist weiter hoch. Allerdings trüben die Aussichten Probleme beim Militärtransporter A400M und beim A380.

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Der A380 ist das Flaggschiff von Airbus. Allerdings bereitet die Produktion des Super-Jets erhebliche Probleme.
Seit dem Jahr 2000 wurde an ihm gebastelt. Im April 2005 hob er zum ersten Mal ab. Und im Oktober 2007 wurde die erste Maschine an die Fluggesellschaft Singapore Airlines übergeben. Die Rede ist vom größten Passagierflugzeug der Welt, dem Airbus A380.
Am 28. Juli 2008 wurde der erste A380 im offiziellen Auslieferungszentrum in Hamburg übergeben. Der Kunde, die Airline Emirates, zahlte mehr als 200 Millionen Euro für ihren „Dumbo-Jumbo“. Der Listenpreis liegt bei über 300 Millionen Euro.
Die technischen Daten des Super-Jets sind beeindruckend. Der A380 ist, je nach Typ, zwischen 72 und knapp 80 Metern lang, hat eine Flügelspannweite von 80 Metern und eine Gesamthöhe von 24 Metern.
Der Vergleich mit einem Kurzstreckenjet offenbart die Ausmaße des neuen Rekordfliegers.
Die vier Düsentriebwerke haben einen Durchmesser von drei Metern. Es sind die leistungsfähigsten Triebwerke, die bei einem Passagierflugzeug jemals eingesetzt wurden.
Der Rumpf des Mega-Airbus ist oval und hat einen Durchmesser zwischen 7,14 Metern und 8,40 Metern. Das Leergewicht der Maschine liegt bei knapp unter 300 Tonnen. Das Startgewicht darf maximal 600 Tonnen betragen.
Mit seinen mehr als 300.000 Litern Treibstoff fliegt das Riesenflugzeug zwischen 10.000 und 15.000 Kilometern weit. Dabei erreicht der A380 Geschwindigkeiten zwischen 850 und 950 Stundenkilometern.
Für den Start benötigt der A380 eine rund drei Kilometer lange Startbahn. Viele Flughäfen weltweit waren dafür bisher nicht ausgelegt und müssen nun entsprechend nachrüsten.
Rekorde stellt auch die Steuerzentrale des A380 auf. So viele Hebel, Knöpfe und Anzeigen gab es vermutlich in noch keinem anderen Flugzeug.
Erstmals für einen Airbus bietet das A380-Cockpit den Piloten einen speziellen Dienstcomputer, in dem sie unter anderem Logbücher, Karten und Checklisten vorfinden und bearbeiten können.
Der A380 kann maximal 960 Passagiere transportieren. Je nach Ausstattung und Einrichtung der Jets bieten diese im Flugbetrieb jedoch „nur“ zwischen 500 und 600 Reisenden Platz. Diese können sich dafür über ungewöhnlich viel Komfort und Beinfreiheit freuen
Die normale „Holzklasse“ ist bereits sehr komfortabel und bietet den Reisenden viel Bewegungsfreiheit sowie ein Unterhaltungssystem mit LCD-Flachbildschirm in jedem Sitz.
Noch entspannter reist es sich jedoch in der Businessclass, in der sich die Sitze in vollwertige, bequeme Liegen verwandeln lassen.
Auf Wunsch kann der A380 jedoch sogar mit noch mehr Komfort aufwarten. Von der Kuschel- und Lümmelecke bis zur…
kompletten Schlafkabine bietet Airbus zahlreiche Ausstattungsvarianten für den Superjet an.
Die beiden fast gleichgroßen Passagierdecks des A380 lassen sich bequem über zwei Treppen erreichen.
Auf Wunsch der Airlines kann auch eine Bar oder…
eine trendy Lounge eingebaut werden.
Trotz des hohen Komforts gehört der A380 zu den wirtschaftlichsten Flugzeugen. So liegen die Betriebskosten pro Person und Kilometer rund 15 Prozent unter denen anderer großer Passagiermaschinen.
In Deutschland konnten Interessierte den A380 zum Beispiel auf der ILA in Berlin ganz aus der Nähe betrachten.
Nach den Auslieferungen der kommenden Monate und Jahre wird man den Mega-Airbus aber vermutlich immer öfter auch im normalen Linienbetrieb erleben.
Video: Börse am Mittag - Airbus könnte A400M einstampfen
Video: A400M - Abnehmerländer halten am Militär-Airbus fest

Airbus will Konkurrent Boeing auch 2010 davonfliegen - doch die Milliarden-Mehrkosten des Militärtransporters A400M drücken die Stimmung deutlich. Europas größter Flugzeughersteller will die Frage der Finanzierung des Transporters möglichst rasch klären. Im vergangenen Jahr übertrumpfte Airbus den US-Rivalen bereits im siebten Jahr in Folge: Der Rekordproduktion von 498 Airbussen standen im vergangenen Jahr 481 Boeing-Auslieferungen gegenüber. 2010 wollen die Europäer die Produktion auf Rekordniveau halten. Dennoch sieht Airbus seine Zukunft gefährdet, wenn der gewaltige Aderlass beim Militärtransporter A400M nicht gestoppt wird. "Die harte Nuss der Finanzfrage muss in den nächsten Wochen geknackt werden", sagte Airbus-Chef Thomas Enders bei der Vorstellung der Zahlen in Sevilla. Am Donnerstag wollen die A400M-Staaten ihre Position abstimmen.

Trotz der Luftfahrtkrise konnte Airbus den Produktionsrekord von 483 Flugzeugen 2008 um 15 Maschinen übertreffen. Davon kamen elf aus dem neuen Werk in China. "Das Krisenjahr 2009 war ein Erfolgsjahr für uns", sagte Enders. Allerdings konnte Airbus den Mutterkonzern EADS nicht vor einem unerwartet starken Umsatzeinbruch von 43,3 auf 41,7 Milliarden Euro bewahren. Das Jahr sei schwierig gewesen, sagte EADS-Chef Louis Gallois. Er forderte wegen der Dollarschwäche eine "europäische Industriepolitik" und Wechselkursbeschlüsse und kündigte mehr Produktion im Dollarraum an. EADS baut auch Hubschrauber, Waffen, Satelliten und die Ariane-Rakete.

Kassenschlager A320 vor Modernisierung

Unerwartet deutlich distanzierte Airbus Boeing bei den Aufträgen 2009. Airbus verbuchte 310 Aufträge, Boeing nur 263. Weil die Kunden zudem nur 39 Flugzeuge abbestellten, blieben Airbus 271 Bestellungen für 30,3 Milliarden Dollar übrig. Boeing holte netto nur 142 Order herein. Für 2010 und 2011 rechnen beide Konzerne erneut mit deutlich weniger Aufträgen als Auslieferungen. "Produktionskürzungen sehe ich derzeit nicht", sagte Enders. Man werde den für mehr als sechs Jahre reichenden hohen Auftragsbestand etwas abbauen. Allerdings richtet sich Airbus mit Tarifverträgen auch auf Produktionskürzungen ein.

Airbus-Verkaufschef John Leahy erwartet für den Flugzeugbauer 2010 einen Rückgang auf etwa 250 bis 300 Neuaufträge. Um der drohenden neuen Konkurrenz aus China zu begegnen, will Airbus seinen Verkaufschlager A320 verjüngen. Der chinesische Mittelstreckenjet C919 soll 2014 erstmals fliegen. 2010 solle entschieden werden, ob die A320 neue Triebwerke bekommt, sagte Enders. Die neue Version könnte nach Leahys Worten 2015 marktfähig sein. Die A320 wird zudem mit abknickenden Flügelenden ausgestattet. Insgesamt sollen 15 Prozent Treibstoff gespart werden. Erst in den 2020er Jahren soll ein völlig neuer A320-Nachfolger auf den Markt kommen, das mit einem großen Technologiesprung die Chinesen auf Abstand hält.

A400M: Besteller müssen Beitrag leisten

Das Riesenproblem für Airbus bleibt die A400M, die monatlich 100 bis 150 Millionen Euro verschlingt. Enders dringt auf eine Grundsatzeinigung mit den Kunden über die Kostenteilung bis Ende Januar. Man könne nicht einfach so weitermachen, sagte Enders. "Wir werden die Zukunft von Airbus nicht in Gefahr bringen. Wir müssen auch für das Schlimmste planen." Gallois dämpfte den Ton aber mit den Worten, auch eine Unterbrechung oder Einstellung des Programms wäre "sehr kompliziert". "Wir sind bereit, den Großteil der finanziellen Lasten zu tragen. Aber die Regierungen müssen jetzt einen beträchtlichen Beitrag leisten", sagte Enders. Die Chancen stünden 50:50. "Bisher haben wir nicht einmal richtige Verhandlungen."

Es werde einen "sehr intensiven Diskussionsprozess in den nächsten zwei bis drei Wochen" geben. "Auf der Grundlage des Ergebnisses werden wir über die Zukunft der A400M entscheiden." Gallois erklärte: "Wir werden dann Mitte 2010 wissen, was wir tun." Gallois nannte drei Grundsatzfehler beim A400M-Vertrag: Man habe eine Frist von 6,5 Jahren vereinbart, obwohl alle vergleichbaren Programme mindestens zwölf Jahre dauerten. Man habe einen Festpreis akzeptiert und zugelassen, dass die Staaten den Triebwerklieferanten auswählen. Alle hätten zugestimmt und müssten "die Lasten teilen." Schon jetzt brächten die ersten 180 Flugzeuge 2,4 Milliarden Euro Verlust. So gehe es nicht weiter. An dem Projekt hängen 40.000 Arbeitsplätze in Europa.

Rückschlag beim Super-Jet A380

Schwere Rückschläge erlebten Airbus und Boeing 2009 bei ihren Prestigeprojekten A380 und B787. Airbus konnte sogar sein auf magere zwölf Maschinen gekürztes Produktionsziel für den Super-Airbus A380 nicht einhalten und lieferte nur zehn Exemplare ab. Das waren sogar zwei weniger als im Vorjahr. 2010 soll die A380 aber durchstarten. "Wir wollen mindestens 20 Maschinen abliefern", sagt Enders. Die A380 werde über die Laufzeit von 40 Jahren ein Gewinnbringer. Doch "die Kostenlage muss verbessert werden." Zum Jahresende bessern noch mehr als 600 Deutsche in Toulouse in Hamburg verkabelte A380 nach.

Boeing ging es mit seinem "Dremaliner" 787 nicht besser. Das Projekt hat drei Jahre Verspätung und Milliarden Mehrkosten. Die Kunden bestellten 2009 zudem 83 "Dreamliner" ab und der Auftragsbestand sank um 59 auf 851. Gleichzeitig baute Airbus die Bestellungen für den 787-Herausforderer A350 auf mehr als 500 aus und verringerte den Zeitrückstand von fünf auf drei Jahre.

(dpa, N24)

12.01.2010 17:22 Uhr

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