Bilanz des Jahres 2009
Deutsche Wirtschaft in historischem Tief
Mit einem Rückgang des BIP um fünf Prozent geht die deutsche Wirtschaft aus dem schwierigen Jahr 2009 hervor. Einen solch massiven Einbruch erlebte das Land seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie.
Die deutsche Wirtschaft hat im Krisenjahr 2009 den schwersten Konjunktureinbruch seit Bestehen der Bundesrepublik hinnehmen müssen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 5,0 Prozent. Zweistellige Rückgänge gab es beim Export und bei den Investitionen in Maschinen und Anlagen. Einen noch stärkeren Einbruch der Wirtschaftsleistung gab es zuletzt 1932. "Das Ergebnis 2009 stand ganz im Zeichen der Wirtschafts- und Finanzkrise", sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler.
Maßgeblich gebremst wurde die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr von den Exporten und den Investitionen. Nach den Zahlen der Statistiker gaben die Unternehmen 20 Prozent weniger für neue Maschinen und Anlagen aus als ein Jahr zuvor. Die Exporte gingen um 14,7 Prozent zurück. 2008 hatte die Gesamtsumme aller in Deutschland produzierten Waren und Dienstleistungen noch um 1,3 Prozent zugelegt.
Stark gestiegene Staatsausgaben
"Vom Außenhandel gingen deutlich negative Effekte für die wirtschaftliche Gesamtleistung aus", sagte Egeler. Dazu trug auch das Minus von 8,9 Prozent bei den Importen überdurchschnittlich bei. Getragen wurde die Konjunktur im vergangenen Jahr ganz wesentlich vom privaten Konsum und zusätzlichen Ausgaben des Staates. Die privaten Haushalte gaben im vergangenen Jahr 0,4 Prozent mehr aus als ein Jahr zuvor. Diese Entwicklung sei maßgeblich durch private Autokäufe ausgelöst worden, welche die durch die Abwrackprämie stimuliert wurden, erklärten die Statistiker.
Die Konsumausgaben des Staates stiegen um 2,7 Prozent, während die Steuereinnahmen rückläufig waren. Im Ergebnis führte dies zu einem Staatsdefizit von 77,2 Milliarden Euro. Das Finanzierungsdefizit des Staates kletterte damit auf 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Das so genannte Maastricht-Kriterium, das lediglich eine Neuverschuldung von maximal 3 Prozent des BIP zulässt, wurde damit verletzt.
Einbruch stärker als nach Ölkrise
Nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat Deutschland das Schlimmste hinter sich. Nach dem dramatischen Einbruch im vergangenen Winter habe sich die deutsche Wirtschaft seit dem Frühjahr 2009 "deutlich erholt", sagte Brüderle: "Nun kommt es darauf an, das Wachstum der Wirtschaft weiter zu beschleunigen und den Grundstein für einen sich selbst tragenden Aufschwung zu legen." Das Tempo der wirtschaftlichen Erholung hat sich zum Jahresende 2009 hin allerdings deutlich verlangsamt. Wie Norbert Räth vom Statistischen Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden berichtete, stagnierte die deutsche Wirtschaft nach ersten Berechnungen im vierten Quartal 2009 gegenüber dem Vorquartal. Im zweiten und dritten Quartal 2009 hatte die deutsche Wirtschaft noch moderat zugelegt.
Die Deka-Bank sprach mit Blick auf das letzte Jahr von einer depressiven Stimmung in den Unternehmen: "Man musste nicht investieren - es gab genügend Kapazitätsreserven - und man wollte nicht investieren - man hatte das Vertrauen in die Zukunft verloren." Das Staatsdefizit von 3,2 Prozent des BIP bezeichnete die Commerzbank als positive Überraschung. Dies sei einer der niedrigsten Werte aller Staaten im Euroraum. Temporäre Einbrüche in der deutschen Wirtschaftsleistung hat es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben. Den bislang stärksten Konjunktureinbruch nach Kriegsende verzeichneten die Statistiker im Jahr 1975. Als Folge der Ölkrise ging die Wirtschaftsleistung damals um 0,9 Prozent zurück.
(APN, N24)
13.01.2010 14:58 Uhr





