Die SPD hat Lohndumping und Tarifflucht bei der Leih- und Zeitarbeit den Kampf angesagt. Der Parteivorstand beschloss ein "Arbeitsprogramm 2010", das die Arbeitsmarktpolitik zu einem politischen Schwerpunkt der kommenden Monate machen soll.
Für Leiharbeiter solle künftig nach einer Einarbeitungszeit ohne Ausnahme der Grundsatz "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" gelten, sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel nach einer zweitägigen Klausurtagung der SPD-Spitze in Berlin. Bislang kann davon abgewichen werden, wenn für die Leiharbeiter ein eigener Tarifvertrag gilt. Gabriel kritisierte in diesem Zusammenhang "Scheintarifverträge mit Scheingewerkschaften", die "für Lohndumping ein Scheunentor geöffnet" hätten.
Noch keine konkreten Beschlüsse fasste die SPD zu den von ihr angestrebten Korrekturen an den Hartz-Reformen und zur Rente mit 67. Eine "Zukunftswerkstatt" unter Leitung des früheren Arbeitsministers Olaf Scholz, der Sozialexpertin Elke Ferner und des früheren Generalsekretärs Hubertus Heil soll dazu bis Ende Februar Vorschläge erarbeiten. Mehrere SPD-Politiker drängten am Rande der Vorstandsberatungen auf Korrekturen an den Reformgesetzen, lehnten aber eine vollständige Kehrtwende ab.
Eine klare Absage erteilte Gabriel Vorschlägen von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Zuverdienstmöglichkeiten für Hartz-IV-Empfänger zu erhöhen. Dies sei "eine Aufforderung an die Unternehmer, Armutslöhne zu zahlen, die der Staat dann über Hartz IV subventioniert". Die SPD setzt dagegen auf "existenzsichernde, gute Arbeit und individuelle Aufstiegschancen" heißt es in dem vom Vorstand beschlossenen Arbeitsprogramm.
Der Vorschlag Kochs, wonach Empfänger von Arbeitslosengeld II grundsätzlich zu Arbeitsleistungen herangezogen werden sollten, stieß auch in den Reihen von CDU/CSU und FDP auf Ablehnung. "Ich glaube nicht, dass uns die Äußerungen von Herrn Koch weiterhelfen", sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Die bestehenden Regeln seien ausreichend, sagte CSU-Chef Horst Seehofer. Zudem könne es keine Arbeitspflicht geben, wenn gar kein Arbeitsangebot vorhanden sei.
Ähnlich hatte sich auch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) am Sonntagabend in der ARD geäußert. Gebraucht würden vielmehr Fördermaßnahmen, damit Hartz-IV-Empfänger wieder eine Stelle fänden. Der Thüringer Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow warf Koch in N24 vor, er wolle einen "Reichsarbeitsdienst" einführen, wie es ihn zur NS-Zeit gab.
Koch verteidigte dagegen seinen Vorstoß vom Wochenende, wonach jedem Hartz-IV-Empfänger abverlangt werden solle, "dass er als Gegenleistung für die staatliche Unterstützung einer Beschäftigung nachgeht". Zwar gebe es auch heute schon einige Instrumente gegen arbeitsunwillige Hartz-IV-Empfänger, doch "der Vollzug ist offensichtlich schwierig", sagte Koch der Zeitung "Die Welt". Die Legitimation von Politikern beruhe auch darauf, "dass sie Schwächen und Fehler des Systems ansprechen, die jeder normale Bürger sehen kann".